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September 1945

"Inkrafttreten eines Gesetzes zum Schutze des Roten Kreuzes, da dieses Zeichen seit seinem Mißbrauch in den letzten Monaten des Dritten Reiches immer noch von Unbefugten benutzt wird.

Die Ablieferungspflicht für NS-Uniformen, -Symbole, -Gegenstände und -Abzeichen wird bis zum 1. Oktober verlängert.

Alle aufgrund von Verfügungen der Militärregierung wegen Zugehörigkeit zur NSDAP entlassenen Beamten und sonstigen Arbeitskräfte haben sich nach dieser Maßnahme sofort beim Kreisarbeitsamt zu melden.

Im Schießhaussaal tagt das amerikanische Militärgericht und verurteilt vier Zivilpersonen (darunter eine Frau) wegen Arbeitsverweigerung zu je 14 Tagen Gefängnis mit Aufschub.

Zur Feststellung ihres Nähmittelbedarfes im letzten Quartal 1945 sollen sich sämtliche im Stadt- und im Landkreis ansässigen Damenschneiderinnen bei der Schneidermeisterin Emma Krebs melden.

Erweiterung des Postverkehrs, der seither auf den Landkreis beschränkt war. Die Versendung geschlossener Briefe nach allen Orten in der US-Zone in Württemberg und Baden ist jetzt möglich. Die Briefe können ohne den bisher geforderten Erlaubnisschein versandt werden. Zur Frankierung der Sendungen werden neue Briefmarken mit einem großen 'M' (Militärregierung) ausgegeben."

"Im Krematorium hält Stadtpfarrer Dr. Eberhard Dieterich (seit 1940 an der am 4. Dezember 1944 zerstörten Friedenskirche Bezirk II) seine Abschiedspredigt.

Im evangelischen Gemeindehaus in Neckargartach predigt Pfarrer Albrecht Schink.

Das erste Konzert nach dem Krieg, nachmittags im Schießhaussaal von einheimischen Kräften gestaltet: Opernsängerin Gertrud Scheppele, Anne Weiß (Violine), Erich Kerndorff (Cello) und Theaterkapellmeister Willy Nölling. Geboten werden Werke u.a. von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart, Auguste Paul Jean-Baptiste Chapuis, Franz Schubert und Ludwig van Beethoven. Die gestrige Hauptprobe war, wie das Konzert selbst, völlig ausverkauft.

Erste Mitgliederversammlung der Heilbronner Rudergesellschaft Schwaben vor ihrem Vereinshaus unter Vorsitz des Ehrenvorsitzenden Robert Bauer; anwesend sind ca. 40 Mitglieder. Beschlossen werden u.a. Gesuche an OB Emil Beutinger und an die Militärregierung um Beihilfe zur Wiederbeschaffung der Boote, soweit solche im amerikanischen Gewahrsam sind."

"Da sehr viele Weingärtner bei dem Angriff am 4. Dezember 1944 ums Leben gekommen und die Jungen noch nicht alle aus der Gefangenschaft zurückgekehrt sind, ist der größere Teil der Weinberge verwildert. Auch fehlen Spritzmittel. Außerdem kommt es zu Plünderungen. Die zu früh begonnene Lese  – um sich vor den Traubendiebstählen zu schützen  – bringt nur ein geringes Ergebnis. Gekeltert wird in Sontheim und in einigen kleineren privaten Keltern und Pressen in der Stadt. Die Stadtkelter in der Friedensstraße ist am 4. Dezember 1944 zerstört worden.

Die Lederfabrik Heinrich Knoch AG (Hirschberg/Schlesien), Betrieb Heilbronn (Weipertstraße 40) fertigt wieder Sohlenleder. Seit dem 16. April war sie mit Aufräumungs- und Wiederaufbauarbeiten beschäftigt. Ihrer Fertigungsmöglichkeit nach könnte sie täglich 100 Rohhäute verarbeiten. Entsprechend dem bis jetzt herangeschafften Vorrat verarbeitet sie aber nur wöchentlich 200 Häute.

In Groß-Heilbronn sind jetzt 15 Gaststätten, 46 Bäckereien und 39 Metzgereien in Betrieb."

"Da bei der vom Wohnungsamt durchgeführten Wohnraumerfassung die abgegebenen Formulare vielfach falsch oder unwahr ausgefüllt worden sind, setzt die Stadtverwaltung in den Stadtgebieten zur Nachprüfung Wohnungskommissionen unter der Oberleitung des Gemeindebeirates Karl Britsch ein. In diesen, deren Aufgabengebiet sich auch auf die Erfassung von rasch zu bewerkstelligenden Reparaturen und die Feststellung vorhandenen Brennstoffvorrates bezieht, arbeiten in zwölf Bezirken rund 300 Frauen und Männer. Das erste Ergebnis der Erhebung der Kommissionen: von 19.251 Wohnungen im Jahre 1938 sind im Sommer 1945 noch 4.823 ganz oder teilweise benutzbar.

Zur Betreuung der im Dritten Reich politisch, rassisch und religiös verfolgten Personen ist im Einvernehmen mit der Militärregierung beim Kreisarbeitsamt für den Stadt- und Landkreis Heilbronn eine besondere Stelle geschaffen worden.

Auf Befehl der Militärregierung sind Schließfächer und zur sicheren Verwahrung (z.B. in Hotels) hinterlegte Gegenstände vorläufig beschlagnahmt. Die Inhaber von Schließfächern, die Eigentümer von verwahrten Gegenständen und alle Personen, deren Vermögen gesperrt ist, haben sich bei den Verwaltungsstellen innerhalb angegebener Fristen zu melden und Fragebögen auszufüllen.

Auf Befehl der Militärregierung, Abteilung Gesundheitswesen, müssen alle im Großkreis Heilbronn evakuierten Kinder umgehend an die Geschäftsstelle des Roten Kreuzes (Lessingstraße 1, Privathaus Fabrikant Gustav Remshardt), die unter Leitung von Dr. Walter Essers steht, gemeldet werden.

Ihre Geschäftsstellen geben bekannt: Volksfürsorge Lebensvericherungsgesellschaft Hamburg (Hinterhaus der Wilhelmstraße 40) und Allgemeine Ortskrankenkasse Heilbronn (Gebäude der früheren Fabrik Kaiser-Otto, Happelstraße 59).

Die Handwerker-Krankenkasse hat ihren Ortsrechner jetzt wieder im eigenen Gebäude (Bahnhofstraße 25) untergebracht.

Alle Privatlehrer und -lehrerinnen haben sich bis spätestens 12. September beim Bezirksschulamt I (Im Stahlbühl 19) zu melden. Privatunterricht jeglicher Art ist ohne besondere Genehmigung der Militärregierung im Stadt- und Landkreis Heilbronn untersagt. Die angeordneten Meldungen von Arbeitnehmern, Arbeitgebern, selbständig Arbeitenden, Lehrkräften usw. verfolgen u.a. auch das Ziel, ehemalige NSDAP-Funktionäre aus höheren Posten und aus Erziehung und Unterricht auszuscheiden."

"Baulinienfestsetzung durch OB Emil Beutinger für die Großgartacher Straße (Böckingen) vom Gebäude 194 bis zur Ostgrenze des Gebäudes 234.

Für die allgemeine Trümmerbeseitigung sind für heute und morgen die Admiral-Spee-, Blücher-, Karl-Jäger- und Habrechtstraße vorgesehen. Die männliche Bevölkerung dieses Gebietes ist zur Arbeit aufgerufen.

Durch Entschließungen von OB Emil Beutinger wird über einige Gebiete Böckingens, Neckargartachs und Sontheims eine Bausperre verhängt."

"Konferenz zwischen Vertretern der Stadtverwaltung, des Arbeitsamtes, des Wohlfahrtsamtes, der Kriegsfürsorgestellen und des Gewerkschaftsbundes zwecks der Schaffung einer Selbsthilfe der Kriegsbeschädigten in Form einer Versehrtengenossenschaft."

"In den Beirat der Stadt werden berufen: Schreinermeister Gottlieb Baumgärtner, Redakteur Willy Dürr, Prokurist Karl Knauß, Oberstudienrat Theodor Marstaller, Dekan D. Dr. Julius Rauscher, Fabrikant Franz Reichle, Schreinermeister Robert Schaal und Fabrikant Karl Wahl."

"An den Aufräumungs- und Aufbauarbeiten im Stadtkreis müssen sich von jetzt ab auch sämtliche Schüler vom 14. Lebensjahr an sowie die Studenten an Technischen Hochschulen, Universitäten, Maschinenbau- und Ingenieurschulen, die sich hier aufhalten bzw. wohnen, beteiligen. OB Emil Beutinger und das Kreisarbeitsamt haben dies verfügt, um den Müßiggang der Jugend zu verhindern. Der Besuch der Schulen nach Beginn des Unterrichts wird von der Vorlage einer beglaubigten Arbeitsbescheinigung abhängig gemacht.

Vielfach werden Waren zurückgehalten. Deshalb werden Erzeuger, Groß- und Kleinhandel und die Wirtschaft aufgefordert, die vorhandenen Rohstoffbestände zu verarbeiten, die gesamte Produktion zum Verkauf anzubieten und alles zur Verfügung Stehende zu verkaufen, wobei jedoch die Bestimmungen für kontrollierte und rationierte Waren in Kraft bleiben. Zuwiderhandelnde werden mit Arrest und Geldstrafen bis zu 5.000 RM bestraft; außerdem müssen sie sich vor dem Militärgericht verantworten.

Veröffentlichung einer Bekanntmachung der Württembergischen Landesverwaltung, wonach die Preisbestimmungen für Bauleistungen, Baustoffe und Fuhrleistungen aus den Jahren 1936 – 1944, abgesehen von abweichenden Ausnahmebewilligungen, allgemeinen Anordnungen und Mehraufwendungen durch die gegenwärtigen Transportschwierigkeiten, weiterhin in Kraft sind.

In der Stadt (z.B. auf dem Silcherplatz) befinden sich noch einige außerhalb des Hauptfriedhofs gelegene Einzelgräber von gefallenen deutschen Soldaten und während des Kampfes um Heilbronn umgekommenen Zivilpersonen. Der OB bittet um Meldung solcher Gräber.

Die Ärzte Dr. Erich Spohr, Dr. Julius Gutmann und in gemeinsamer Praxis Medizinalrat a.D. Dr. Eugen Weiß und Dr. Walter Hofer zeigen ihre Adressen an."

"Für die allgemeine Trümmerbeseitigung durch die Bevölkerung sind für heute und morgen die Blücher-, Habrecht-, Karl-Jäger-, Schmoller- und Schmidbergstraße vorgesehen.

Von heute an ist der Landkreis Heilbronn für die Ernährung von etwa 25.000 Kriegsgefangenen verantwortlich. Die Bauern im Landkreis werden deshalb im diesbezüglichen Befehl der Militärregierung aufgefordert, ihren Ablieferungspflichten nachzukommen, damit die Lebensmittelversorgung der Normalverbraucher und die zusätzliche der Kriegsgefangenen gewährleistet werden kann."

"Das Verbot des Tragens von deutschen militärischen Uniformen durch die Verordnung Nr. 4 der Militärregierung Deutschland  – amerikanische Zone tritt in Kraft. Eingeschlossen sind auch die Uniformen der NSDAP, ihrer Gliederungen und der ihr angeschlossenen Verbände sowie jeder deutschen militärähnlichen Organisation.

Mit den Lebensmittelkarten für die 80. Zuteilungsperiode (17. September – 14. Oktober) sind zugleich die neuen, für die 82. – 90. Zuteilungsperioden (vom 12. November 1945 – 21. Juli 1946) geltenden Bezugsausweise für Speisekartoffeln ausgegeben worden. Es ist möglich, die jedem Erwachsenen und Jugendlichen in dieser Zeit zustehenden Kartoffeln statt in monatlichen Teilmengen insgesamt im voraus zur Einkellerung durch den Handel oder unmittelbar vom Erzeuger zu beziehen. Die Menge, die bei Volleinkellerung pro Kopf der Versorgungsberechtigten bezogen werden darf, ist von der Württembergischen Landesverwaltung für Landwirtschaft und Ernährung – Landesernährungsamt Württemberg – auf 2 Ztr. Speisekartoffeln festgesetzt worden.

Für die 80. Zuteilungsperiode werden insgesamt zwölf Zigarren zugeteilt; außerdem gibt es noch eine Sonderzuteilung von sechs Zigaretten.

Der Briefverkehr (Postkarten und Briefe) wird auf die zur US-Zone gehörenden Landesteile des Landes Hessen und der Provinz Hessen-Nassau ausgedehnt.

Festsetzung verbindlicher Verkaufszeiten für die Lebensmittelgeschäfte und für die sonstigen Läden durch OB Emil Beutinger. Der verkaufsfreie Mittwochnachmittag wird beibehalten; die Metzgereien bleiben dienstags und mittwochs den ganzen Tag geschlossen."

"Erste Sitzung mit den von der Militärregierung bisher genehmigten Gemeindebeiräten, die OB Emil Beutinger in ihr Amt einführt: Schreinermeister Gottlieb Baumgärtner, Obersekretär a.D. Karl Britsch (früherer Stadtrat und Stellvertreter des OB), Schriftleiter Willy Dürr (früherer Stadtrat), Prokurist Karl Knauß, Studiendirektor Theodor Marstaller, Dekan D. Dr. Julius Rauscher, Fabrikant Franz Reichle, Schreinermeister Robert Schaal (Böckingen) und Fabrikant Karl Wahl. Von der Verwaltung sind neben dem OB anwesend: BM Paul Meyle, Rechtsanwalt Hermann Sihler, dem das Personalamt untersteht, Walter Vielhauer (Assistent des OB) und der Ratschreiber, Stadtamtmann Georg Kielwein.

Nach der Bekanntgabe der Richtlinien der Militärregierung für die Berufung von Gemeindebeiräten gibt der OB einen Rückblick auf seine bisherige Tätigkeit und eine Übersicht über den Stand der gegenwärtigen Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgung, des Straßenverkehrs und der Ernährungslage und allgemeinen Versorgung, sowie einen Ausblick auf die demnächst anstehenden Aufgaben der Stadtverwaltung. Der Wiederaufbau der Stadt ist durch den Materialmangel schwer behindert; alle seit 1933 festgesetzten Baulinien sind vorsorglich aufgehoben worden und werden neu festgestellt. Schulgebäude sind in Heilbronn keine mehr vorhanden; auf die zerstörten Schulhäuser hat man bisher keine Notdächer aufsetzen können, weil das erforderliche Holz fehlt.

Außerdem weist Beutinger auf die sehr kritische Ernährungslage hin: Die Vieherzeugung ist zurückgegangen. Der Landkreis Heilbronn muß sehr viel Getreide ausführen. Die Fettversorgung ist ungenügend, die Krauternte sehr schlecht ausgefallen. Heilbronn und Weinsberg müssen 15.000 Polen mitversorgen.

Um die Stadt hochwasserfrei zu machen, ist von beiden Militärregierungen und von der Landesregierung ein ca. 30 m breiter Durchstich bei Böckingen genehmigt worden.

Nach Mitteilung des OB wird die Freiwillige Feuerwehr neu organisiert; die große Halle im Areal der Firma Seelig & Diller wird zum Feuerwehrmagazin umgebaut.

Die städtischen Verwaltungsakten sind großenteils am 4. Dezember 1944 und in den ersten Tagen der Besetzung vernichtet worden, auch die nach Schloß Waldenburg verlagerten, worunter sich ebenfalls die vom Archiv dorthin verbrachten Einwohnermeldelisten und Stammrollen befanden. Von Schwäbisch Gmünd sind jedoch 14 ausgelagerte Kisten mit Grundbuch-, Standesamts- und Vermögensakten zurückgebracht worden.

Im Köpfer arbeiten seit einigen Wochen 40 – 50 Mann (ehemalige NSDAP-Parteigenossen) in Dienstverpflichtung an der Schaffung eines Ehrenfriedhofs. Von den über 6.000 Toten des 4. Dezembers 1944 konnten bisher nur 5.885 Personen namentlich registriert werden; die anderen sind in 'Hausgemeinschaften' beigesetzt.

Anstelle der amerikanischen Stuttgarter Stimme erscheint im Straßenverkauf erstmals auch in Heilbronn die Stuttgarter Zeitung (Nr. 1 vom 18. September), die mit Zustimmung des Gebietskommandanten der amerikanischen Militärregierung für Württemberg und Baden, William W. Dawson, und der Lizenz Nr. 12 der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung herausgegebene erste deutsche Tageszeitung im amerikanischen besetzten Bereich von Württemberg und Baden, sechsseitig, Preis 20 Rpf je Exemplar."

"Im heutigen Amtsblatt Nr. 12 Bekanntmachungen über Baulinien-Änderungen im Gebiet der Schaeuffelen-, Sicherer- und Paulinenstraße, im Gewann Breitenloch bei der Hans-Schweiner-, Paul-Göbel- und Haller Straße sowie in Sontheim im Gebiet der Horkheimer, der Bundschuhstraße und des Melchiorsgrabens. Die amerikanische Militärregierung hat Baulinienfeststellungen des OB in Sontheim, Haupt- und Lauffener Straße sowie im Gebiet der Ost- und Wollhausstraße genehmigt.

Die Einwohner des Stadtkreises werden zur sofortigen Ablieferung der in ihrem Besitz befindlichen oder auf ihrem Eigentum umherliegenden englischen und amerikanischen Benzinkanister bei der Feuerwehr (Hof der Firma Seelig & Diller, Wilhelmstraße) aufgefordert.

Das Kreisarbeitsamt warnt unter Androhung von Strafanzeigen vor der Besetzung der freien Arbeitsplätze ohne seine Genehmigung. Dem befürchteten und im Ansatz bereits vorhandenen 'Schwarzen Markt' auf dem Gebiet des Arbeitskräfte-Einsatzes soll damit entgegengewirkt werden.

Die Geschäftsstelle Heilbronn des Leipziger Vereins Barmenia hat in der Dittmarstraße 34 (Haus Ludwig Gerock) ein Notbüro eingerichtet. Die Württembergische Feuerversicherung AG hat ihre Heilbronner Bezirksverwaltung im Untergeschoß ihres ausgebrannten Gebäudes Moltkestraße 10 wieder eröffnet.

Die Sicherersche Apotheke (am 4. Dezember 1944 total zerstört) von Apotheker Alfred Harmuth hat im Hause des Handelsvertreters Hans Volz (Böcklinstraße 21) wieder eröffnet.

Die Nummer 2 der Stuttgarter Zeitung ist erschienen."

"Das Nachlassen der allgemeinen Verkehrsdisziplin und die Häufung von bedeutenden Sach- und Personenschäden in letzter Zeit veranlassen eine eindringliche Mahnung des Stadtpolizeiamtes zur Einhaltung der Verkehrsvorschriften für Fahrzeuge und Fußgänger.

Zur allgemeinen Trümmerbeseitigung sind an diesem Wochenende die Blücher-, Schmoller-, Schmidberg-, Stephan- und Herrmannstraße vorgesehen.

Jeweils an den Nachmittagen das zweite Nachkriegskonzert im Schießhaussaal unter Mitwirkung der einheimischen Kräfte Ida Fink-Nickel (Gesang) und Anneliese Weber (Klavier)."

"In den evangelischen Gottesdiensten in der Schweinsbergstraße 21 (Haus des Mittelschullehrers Christian Hemming) und im Schießhaussaal hält der dritte Stadtpfarrer an der Kilianskirche, Otto Geyer, die Predigten. Den katholischen Gottesdienst im Haus des Bankdirektors Erwin Bohner (Alexanderstraße 10) gestaltet der Weihbischof von Rottenburg, Dr. Franz Josef Fischer.

Auf Einladung der Stadtverwaltung Besprechung zwischen deren Beauftragtem, Albert Schäffler, und den Vorständen der hiesigen Gesang- und Sportvereine über die Wiederaufnahme des Heilbronner Kultur- und Sportlebens im Rahmen der von der Militärregierung gegebenen Richtlinien."

"Einsetzung und Vereidigung der neuen Landesregierung für Nordwürttemberg und Nordbaden in Stuttgart durch den amerikanischen Gebietskommandanten Oberst William W. Dawson. Zur neuen Landesregierung gehören u.a. die aus Heilbronn stammenden Persönlichkeiten Fritz Ulrich, früher Redakteur des sozialdemokratischen Neckar-Echos und vor 1933 Landtags- und Reichstagsabgeordneter, als Innenminister und Dr. Theodor Heuss, früher Redakteur an der Neckar-Zeitung und Bruder des ehemaligen Stadtarztes und Gemeinderates Dr. Ludwig Heuss, als Kultminister."

"Anordnung des württemberg-hohenzollerischen Wirtschaftsministeriums (Preisaufsichtsstelle) über 'Erzeugerpreise für die Weinernte 1945', wonach die 'Anordnung für Erzeugerhöchstpreise für Trauben, Most und Wein der Ernte 1943' vom 11. September 1943 mit einigen Abänderungen auch für die Weinernte 1945 gilt. Für je 1 l Burgunder, Trollinger, Lemberger, Riesling, Muskateller, Traminer und Ruländer kann bis zu 1,40 RM gefordert werden, für Schwarzriesling, Tauberschwarz, Silvaner und Gutedel bis zu 1,30 RM, für Protugieser, Müller-Thurgau und alle übrigen Sorten bis zu 1,20 RM.

Für den Großkreis Heilbronn werden auf einen Zeitraum von sechs Monaten vom Weinerzeugnis 1945 170.000 l Wein (und zwar für die männlichen Einwohner über 18 Jahre) freigegeben; der übrige Wein muß abgeliefert werden.

Änderung der Erzeugerhöchstpreise für Äpfel und Birnen der Ernte 1945."

"Schaffung der drei Länder Groß-Hessen, Württemberg-Baden und Bayern in der amerikanischen Zone durch die Proklamation Nr. 2 von General Dwight D. Eisenhower.

Erlaß des 'Verbotes der Anstellung von Mitgliedern der NSDAP für Berufe im Geschäftswesen mit Ausnahme gewöhnlicher Arbeit und anderer Zwecke' durch die amerikanische Militärregierung (Gesetz Nr. 8). Zum Vollzug des Gesetzes, für den die Oberbürgermeister und Landräte gegenüber der Militärregierung verantwortlich sind, werden ein Hauptprüfungsausschuß (sieben Personen, Vorsitzender: Gemeinderat Eduard Hilger), sechs Unterausschüsse (48 Personen) und zehn Komitees (30 Personen) für den Stadtkreis Heilbronn gebildet, die das sogenannte 'Vorstellungsverfahren' durchzuführen haben. Daneben werden für die Betriebe mit über 100 Arbeitnehmern besondere 'Betriebskomitees' gebildet."

"Baulinien-Änderung an der südlichen Straßenseite der Karlstraße von der Allee bis zur Friedensstraße durch Entschließung von OB Emil Beutinger."

"Die Amtlichen Bekanntmachungen für den Stadt- und Landkreis Heilbronn, regulär zwei- bis vierseitig, erscheinen heute sechsseitig. Darin veröffentlicht die Militärregierung Einschränkungen und Verbote betreffend die Tätigkeit im Zeitungs- und Druckereigewerbe, private und öffentliche Tanzvergnügungen, Versammlungen und Zusammenkünfte, Konzerte und sportliche Veranstaltungen, die alle einer Genehmigungspflicht unterliegen, sowie eine Lockerung der Sperre und Beaufsichtigung von Vermögen ('Allgemeine Genehmigung Nr. 1 der Militärregierung').

Das Eichamt Heilbronn hat seinen Betrieb wieder aufgenommen, wie früher in der Urbanstraße 19 (Hinterhaus).

Das Arbeitsamt warnt vor willkürlichen Lohn- und Gehaltsherabsetzungen, wozu einige Firmen übergegangen sind, da die Tarife in vollem Umfang weitergelten.

Der Briefverkehr erstreckt sich von jetzt ab auf die gesamte US-Besatzungszone von Württemberg, Baden, Groß-Hessen (das frühere Land Hessen und Hessen-Nassau) und Bayern rechts des Rheins, ausgenommen den Landkreis Lindau, der zur französischen Besatzungszone gehört. Neu zugelassen sind nunmehr auch eingeschriebene Briefe und Postkarten sowie postlagernde Briefsendungen. Wieder aufgenommen werden – allerdings vorerst nur innerhalb der US-Zone von Württemberg – der Postanweisungs- und Postscheckdienst und der Postsparkassendienst.

Beschlagnahme des im Stadt- und Landkreis angepflanzten Tabaks (ausgenommen Kleingarten-Anbau bis zu 25 Stock) durch das Bürgermeister- bzw. Landratsamt.

Zur Auflösung der hiesigen I. G. Farben-Lager hat die Militärregierung Dr. Erwin Rotter und Karl Schneider (beide Neckargartach) als Liquidatoren bestimmt.

Die noch in Weinsberg befindliche Berufskrankenkasse für Kaufmannsgehilfen und weibliche Angestellte eröffnet am 1. Oktober ihre Leistungsabteilung in der Werderstraße 139.

Ihre Praxis haben Dr. Ernst Rönsberg, homöopathischer Arzt (Blücherstraße 42), und Zahnarzt Dr. Heinrich Hüsemann (früher Böckingen, jetzt Urbanstraße) wieder aufgenommen."

"Sämtliche Funktionäre der NSDAP mit Rang oder Dienststellung über dem Zellenleiter (Amtsleiter) und die der Kreis-, Gau- und Reichsleitung im Stadtgebiet müssen sich heute bei der in der Villa Adolf Pfleiderer (Lerchenstraße 79) befindlichen Polizeidienststelle melden.

In den beiden vergangenen Monaten wurde der durch die Nationalsozialisten verwüstete Israelitische Friedhof im Breitenloch von dazu verpflichteten ehemaligen Mitgliedern der NSDAP gesäubert; auch wurden etwa 60 Grabsteine, die seinerzeit weggeschleppt, danach teils zerschlagen, teils zu Schutzmauern für Unterstände verwendet worden waren, gesucht und zusammengetragen. In Bälde sollen die verwüsteten Grabstätten wieder in Ordnung gebracht sein.

Für den Arbeitseinsatz der männlichen Bevölkerung zur Trümmerbeseitigung sind an diesem Wochenende die Blücher-, Nickel-, Stephan-, Alberti-, Böcklin-, Hohenstaufen- und Schmollerstraße ausgewählt."

"Neugründung des Kreisverbandes der SPD durch 192 Vertreter aus 19 Orten, in denen in den letzten Monaten bereits inoffizielle SPD-Versammlungen stattgefunden hatten. Erster Vorsitzender wird Ernst Riegraf.

Die Betriebskrankenkasse des Reiches hat von der Militärregierung die erforderlichen Genehmigungen für die Fortführung ihrer Aufgaben erhalten; ihre Meldestelle befindet sich im Stadtpolizeiamt (Lerchenstraße 79).

Die Ernährungslage ist kritisch; trotzdem muß der Landkreis Heilbronn Getreide in andere Kreise ausführen. Im argen liegt insbesondere die Fettversorgung. Die Viehzucht ist zurückgegangen.

Auf dem ebenfalls ausgebrannten runden Erker der Ruine des Karlsgymnasiums (Ecke Friedens- und Karlstraße) ist immer noch die Devise 'Musis Patriae Deo' zu lesen.

Durch die Wohnungsnachweise sind die folgenden Zahlen festgstellt worden: Unbeschädigte, bewohnbare Räume in Heilbronn 12.300, in Böckingen 5227, in Neckargartach 2830 und in Sontheim 1804; beschädigte, aber bewohnbare Räume in Heilbronn 2000, in Böckingen 2432, in Neckargartach 170 und in Sontheim 1505; total zerstörte Wohnräume in Heilbronn 36.125, in Böckingen 1580, in Neckargartach 43 und in Sontheim 150; unbewohnte, reparaturfähige Räume in Heilbronn 6765, in Böckingen 772, in Neckargartach keine und in Sontheim 205."