April 1945
"Zwischen 9:19 und 11:56 Uhr Jagdbomberangriffe. Deutsche Truppenbewegungen in und um die Stadt.
In der Kaserne stellt OB Heinrich Gültig als Bataillonsführer im Volkssturm die später so genannte 'Kampftruppe Gültig' auf, die einem in Heilbronn kämpfenden Ersatzregiment unterstellt wird."
"NSDAP-Kreisleiter Richard Drauz gibt den Befehl aus, dass die Stadt bis zum Äußersten verteidigt werden soll und bedroht jede Kapitulationshandlung und das Hissen von weißen Fahnen mit der Todesstrafe.
Neckargartach wird beschossen, dabei werden zwölf Häuser beschädigt und zerstört. Die amerikanische Panzerspitze zieht sich aber nach einem Schusswechsel mit der deutschen Abwehr, bei dem elf deutsche Soldaten getötet werden, wieder zurück. Einige SS-Männer versuchen, den Altböllinger Hof zu halten. Nachmittags um 16:30 Uhr wird Böckingen teilweise durch amerikanische Panzer und Infanterie besetzt. Um 18 Uhr beginnt die Beschießung der Kernstadt durch amerikanische Artillerie. Um 19 Uhr werden die Bahnhöfe geschlossen, ab sofort ist kein Zugverkehr mehr möglich. Zwischen 20 und 21 Uhr ziehen sich die deutschen Truppen vom westlichen auf das östliche Neckarufer zurück.
Viele Einwohner haben sich in den Wald östlich des Erholungsheims am Gaffenberg geflüchtet, andere in die Luftschutzkeller der Priesterwald- und Schlieffen-Kaserne, in den großen Bunker an der Oststraße und in die Bahntunnels beim Südbahnhof und auf der Strecke nach Weinsberg. Ein Teil der Bevölkerung folgt dem Evakuierungsbefehl von NSDAP-Kreisleiter Richard Drauz und verlässt mit Last- und Personenwagen sowie zu Fuß mit Handkarren die Stadt in Richtung Löwenstein, Mainhardt und Schwäbisch Hall. Auf der Straße nach Löwenstein kommt es in der Nacht durch das Zusammentreffen mit militärischen Bewegungen zu einem unentwirrbaren Verkehrschaos, sodass die meisten Flüchtlinge wieder in die Stadt zurückkehren müssen."
"In den frühen Morgenstunden werden die Neckargartacher Brücke, die Kanalhafenbrücke, die Eisenbahnbrücke, die Neckarbrücke zwischen Bahnhof- und Kaiserstraße, der Eiserne Steg bei Götzenturm, die Rosenbergbrücke und der Sontheimer Steg, also sämtliche bisher noch intakte Neckarbrücken, durch die deutschen Truppen gesprengt. Die von NSDAP-Kreisleiter Richard Drauz ebenfalls angeordnete Zerstörung des gesamten Kanalhafens wird durch Hinhaltetatik von Hafendirektor Georg Vogel verhindert.
Im Laufe des Vormittags besetzen amerikanische Panzer der 10. Panzerdivision und Truppen des 3. Bataillons des amerikanischen Infanterie-Regiments 398 Neckargartach, das sich wie das inzwischen ebenfalls vollständig besetzte Böckingen kampflos ergibt.
Gegen Abend entwickelt sich ein Artillerie-Duell zwischen deutschen und amerikanischen Truppen, das bis gegen Mitternacht andauert. Auf deutscher Seite kämpfen das Ersatzbataillon 380 (Kommandeur: Hauptmann Weiß) mit angeblich rund 500 Mann, das 3. Bataillon des Pionier-Regiments Rosenheim (Kommandeur: Major Duncker), ein stark dezimiertes Gebirgsjägerregiment der Division Island, zusammengewürftelte kleinere Trupps deutscher Soldaten aus verschiedenen Regimentern bzw. Reste von Wehrmachtsgruppen auf dem Rückzug, darunter auch Waffen-SS. Gebirgsartillerie mit acht schweren und 24 leichten Geschützen steht auf den Höhen im Osten der Stadt, eine Granatwerferabteilung ist hinter Weinsberg stationiert; die Volkssturm-Bataillone Otto Kleinert und Heinrich Gültig sowie die HJ-Gruppe Richard Drauz kommen wegen mangelhafter Ausbildung und Ausrüstung nicht zum Einsatz. Auf amerikanischer Seite kämpfen Teile der 10. Panzerdivision, die Infanterieregimenter 397, 398 und 399 von der 100. Infanteriedivision, acht Artilleriebatterien sowie technische Truppen. Sie sind ganz eindeutig in der Übermacht.
Auf Befehl von NSDAP-Kreisleiter Richard Drauz wird der stellvertretende Sontheimer NSDAP-Ortsgruppenleiter Karl Taubenberger erschossen, weil er nicht verhindert hat, dass eine Panzersperre im Ort abgebaut wurde.
Verlegung der Befehlsstelle der NSDAP-Kreisleitung vom Gaffenberg zum Jägerhaus.
Sowohl die Strom- wie die Wasserversorgung sind unterbrochen."
"Die letzten deutschen Posten auf dem linken Neckarufer setzen vom Bahnhofsviertel aus in Pontons über den Fluss aufs rechte Ufer. Die Amerikaner stoßen nach bis zum Hauptbahnhof und in die Bahnhofstraße, ziehen sich aber wieder zurück. Mit 14 Sturmbooten setzten die Amerikaner dann in Neckargartach aufs rechte Neckarufer über und besetzen das unverteidigte Großkraftwerk Alt-Württemberg. Der Kampf um das Salzwerk beginnt, das von einem Kommando unter Hauptmann Weiß verteidigt wird. Auf dem Wartberg wird ein amerikanischer Spähtrupp gefangen genommen. Nach Einbruch der Dunkelheit misslingt infolge des heftigen Beschusses durch deutsche Artillerie, die auf den Höhen im Osten der Stadt stationiert ist, der amerikanische Versuch, eine Pionierbrücke bei der zerstörten Neckargartacher Brücke zu schlagen.
Die für Heilbronn vorgesehene amerikanische Militärregierung unter Major Harry M. Montgomery trifft in Bonfeld ein."

Amerikanische Luftaufnahme der durch Luftangriffe zerstörten Heilbronner Innenstadt, Hafen, Neckarkanal und Böckingen vom April 1945. Geschenk von Major Montgomery im Januar 1946 an das Stadtplanungsamt (Foto: US-Armee/Stadtarchiv Heilbronn)
"Nach zweitägigen wechselvollen Kämpfen besetzen die Amerikaner die größten Teile des Salzwerks und die gesamten Fiat-Werke."
"Wegen Mangels an Munition und Verpflegung sowie aus Rücksicht auf Zivilpersonen, die sich in das Salzwerk geflüchtet haben, geben die letzten 15 Verteidiger des Salzwerks den Kampf auf. Die Amerikaner setzen bei dem zerstörten Eisernen Steg am Götzenturm über den Neckar und besetzen die Brauerei Cluß. Der Kampf um den Stadtkern beginnt.
NSDAP-Kreisleiter Richard Drauz löst die Heilbronner Geschäftsstelle der Kreisleitung auf, lässt Akten und Parteifahne verbrennen und macht sich mit zwei zusammengekoppelten Fahrzeugen und einer größeren Begleitmannschaft auf den Weg, die Stadt über die Schweinsbergstraße Richtung Donnbronn zu verlassen. Einige Stunden vorher haben abrückende Wehrmachtssoldaten denselben Weg genommen und den Anwohnern der Schweinsbergstraße auf deren Nachfrage hin geraten, weiße Tücher herauszuhängen, da gegen die Übermacht der Amerikaner nichts mehr auszurichten sei. Als Drauz durch einen seiner Begleiter darauf aufmerksam gemacht wird, dass einige Häuser weiß beflaggt sind, lässt er anhalten und gibt – ohne eine weitere Untersuchung der Umstände – den Befehl: „Raus, erschießen, alles erschießen!“ Drei seiner Begleiter stürmen nacheinander die verschiedenen Häuser und schießen wahllos auf diejenigen Personen, welche die Türen öffnen. Der Beigeordnete Karl Kübler, der offizielle Amtsverweser für den zum Volkssturm eingezogenen OB Heinrich Gültig, seine Ehefrau Anna, sein Schwager, Pfarrer Gustav Beyer und Elsa Drebinger fallen dieser Bluttat zum Opfer, weitere vier Personen entrinnen ihr nur knapp dadurch, dass sie sich tot stellen.
In Schmiden, Kreis Waiblingen, wird der 25-jährige Herbert Koerber aus Heilbronn als amerikanischer Spion aufgrund eines Todesurteils des Standgerichts des Auffangstabes der 719. Infanteriedivision durch Erschießen hingerichtet."

Die Amerikaner bombardieren Heilbronn aus Richtung Böckingen, 6. April 1945. (Foto: National Archives Washington, D.C.)
"Die Amerikaner besetzen die C. H. Knorr AG und die Zuckerfabrik. Der deutsche Widerstand lässt – wohl infolge von Munitionsmangel – nach."
"Das Verwaltungsgebäude des Gaswerks wird in Brand geschossen; alle Akten und Rohrnetzpläne für Gas und Wasser werden dadurch vernichtet. Auch sonst brennt es an vielen Stellen in der Stadt."
"Fortgang des Kampfes in den Straßen und Ruinen."

Menschen fliehen aus Heilbronn, 9. April 1945 (Foto: National Archives Washington, D.C.)
"Die Amerikaner haben rund drei Viertel der Innenstadt erobert."
"Die Amerikaner rücken gegen die Kasernen auf der Fleiner Höhe vor. Die deutschen Einheiten sind zur Durchführung eines größeren Angriffs nicht mehr in der Lage. Dennoch werden die Priesterwald- und die Schlieffenkaserne noch erbittert verteidigt."

Die Bahnhofsvorstadt, 11. April 1945 (Foto: National Archives Washington, D.C.)
"In dem seit dem 3. April geführten harten Kampf um Heilbronn zwischen deutschen und amerikanischen Truppen Eroberung der Schlieffen- und der Priesterwaldkaserne auf der Fleiner Höhe durch zwei Kompanien des amerikanischen Infanterie-Regiments Nr. 399. Letzte deutsche Spezialtrupps und Einzelposten sowie die Kommandostelle in der äußeren Bismarckstraße verlassen um 4 Uhr morgens die Stadt. Amerikanische Panzerspitzen dringen nachmittags bis zum Gebäude Jägerhausstraße 142 (Eigentümer: Architekt Alfred Stirm) vor, das besetzt wird.
Major Harry M. Montgomery ergreift mit seiner Verwaltungstruppe als amerikanische Militärregierung von der Stadt Besitz. Sie richtet sich im Privatgebäude Prager Straße 60 (Eigentümer: Emil Rothmann, Stuttgart-Vaihingen) ein, das seit der Stadtzerstörung als Rathaus genutzt worden ist. Außerdem in der Wiener Straße 7 (früheres Wohnhaus des jüdischen Rechtsanwaltes Max Rosengart) sowie in dem Bahnpostgebäude beim Hauptbahnhof."

Kampf um Heilbronn, 11. April 1945 (Foto: National Archives, Washington, D.C.)
"Um 8:30 Uhr dringen amerikanische Panzer und Infanterie aus der Jägerhausstraße weiter vor. Amerikanische Soldaten erscheinen im Städtischen Altersheim in der Arndtstraße 10, das die Rote-Kreuz-Flagge führt, verlassen es aber ohne Durchsuchung wieder.
Um 9:40 Uhr wird Sontheim von den Amerikanern ganz eingenommen, im Laufe des Vormittags auch das Gemmingstal. Nachmittags erscheinen sie in der Happelstraße. Heilbronn und seine Vororte sind nun vollständig besetzt (Neckargartach und Böckingen bereits seit dem 3. bzw. 4. April). Viele der noch bewohnbaren bzw. unzerstörten Gebäude in der Stadt werden von der amerikanischen Militärregierung für eigene Zwecke und zur Unterbringung der Besatzungstruppe beschlagnahmt.
Um 15:30 Uhr wird der frühere Heilbronner OB Emil Beutinger (1921 –1933) von dem Bunkereingang an der Ostseite der Oststraße zwischen Dittmar- und Bruckmannstraße, wohin er von den Amerikanern bestellt worden war, zu Montgomery in die Wiener Straße 7 gebracht, dort verhört und um 17 Uhr als OB eingesetzt, zugleich als Polizeidirektor unter Übertragung der ganzen zivilen Gewalt. Wenige Tage später wird er auch zum Landrat für den Landkreis Heilbronn ernannt. Als Rathaus wird für die städtische Hauptverwaltung weiterhin das Privatgebäude Prager Straße 60 bestimmt, in dem auch ein Teil der amerikanischen Militärregierung untergebracht ist. Von der Front des Gebäudes wehen die amerikanische, die britische und die französische Fahne.
Derzeit halten sich in Heilbronn – ohne die drei Vororte – nur noch rund 7.000 Einwohner auf.
In den Heilbronner Kampftagen sind nach der Feststellung des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge 212 deutsche Soldaten gefallen. Außerdem kamen 64 Zivilpersonen ums Leben, und zwar 36 Männer, 14 Frauen, fünf Knaben, drei Mädchen, vier Zwangsarbeiter, eine Zwangsarbeiterin und ein Kriegsgefangener; von den umgekommenen Kindern standen fünf im Alter von 3 –12, drei von 14 –16 Jahren. Nach amerikanischen Angaben hat die 100. US-Infanteriedivision 1.769 deutsche Soldaten gefangengenommen. Die Verluste der Amerikaner sollen ca. 60 Gefallene, 250 Verwundete und 112 Vermißte betragen haben.
In Neckargartach sind durch den Kampf um Heilbronn ca. zehn Häuser zerstört worden."
"Bei seinem Amtsantritt trifft OB Emil Beutinger zunächst keinerlei Hilfskräfte an, weil die Mitarbeiter der Stadtverwaltung teils in der Stadt, teils in den Orten der näheren und weiteren Umgebung zersprengt und, soweit auswärts, dort infolge der Besetzung und Ausgehbeschränkungen festgehalten sind. Er begegnet auf der Straße dem Weingärtner Albert Kießling und bestellt ihn als Polizist und Boten. Bauobersekretär Heinrich Dollmann findet sich als erster Angehöriger der Stadtverwaltung beim OB ein und geht ihm an die Hand. Es werden Passierscheine ausgestellt und die Weingärtner, die erreichbar sind, zusammengerufen. Ihre erste Aufgabe soll sein, für die Bestattung der in der Stadt gefallenen deutschen Soldaten zu sorgen. Die gefallenen Amerikaner sind von ihren Landsleuten selbst abtransportiert worden.
Eine Bekanntmachung von OB Emil Beutinger unterrichtet über seinen Amtsantritt sowie die Übernahme der Hauptpolizeidienststelle und fordert gemäß den Befehlen der amerikanischen Militärregierung zur sofortigen Abgabe von Waffen und Munition, Radiogeräten und Brieftauben auf.
Erste Brotausgabe durch Bäckereien und den Konsumverein, und zwar ohne Marken.
Im Zusammenwirken mit den Besatzungsbehörden wird der Betrieb im unbeschädigt gebliebenen Wasserkraftwerk Horkheim aufgenommen. Auch wird das Hochspannungsnetz wieder hergestellt."
"OB Emil Beutinger haben sich als Mitarbeiter zur Verfügung gestellt: die Rechtsanwälte Dr. Fritz Eppinger, Hermann Sihler und Dr. Rudolf Brauch, sowie als Beratungsgremium Großkaufmann Karl Frey (Inhaber der Firma Friedrich Max Haakh und später Präsident der Industrie- und Handelskammer Heilbronn) und der frühere Stadtrat und Stellvertreter des OB, Obersekretär a.D. Karl Britsch.
OB Emil Beutinger läßt die noch in der Stadt umherliegenden Leichen von deutschen Gefallenen bergen, die in den Weinbergen und anderswo Bestatteten exhumieren und alle auf dem Hauptfriedhof beisetzen. Mit den bereits in den ersten Kampftagen auf dem Hauptfriedhof beerdigten deutschen Gefallenen sind dies 149. Daneben werden einige Gefallene nach auswärts überführt."
"Anschläge der amerikanischen Militärregierung fordern zur Wahrung von Ruhe und Anstand auf und setzen die Ausgehzeiten für die Bevölkerung auf 7-9 und 15-17 Uhr fest. Alle männlichen Einwohner von 15-70 Jahren werden zum Arbeitseinsatz aufgerufen; wer nicht Folge leistet, riskiert den Entzug der Lebensmittelkarten, die grundsätzlich noch Gültigkeit haben.
In den beiden Wasserhochbehältern ist je eine Kammer zerstört. In das Wasserrohrnetz sind 400 Einschläge erfolgt.
Von den städtischen Gütern hat der Alt-Böllingerhof besonders starke Schäden erlitten.
Das Salzwerk ist durch den Artilleriebeschuß während des Kampfes um die Stadt schwer beschädigt worden. Infolge des Pumpenausfalls steigt das Wasser in den Schächten.
Der Kanalhafen ist nicht allzu sehr beschädigt. Dank des Mutes einiger Männer (darunter Hafendirektor Georg Vogel), welche die von den nationalsozialistischen Machthabern ergangenen Zerstörungsbefehle nicht ausführten, blieben vor allem die Krane erhalten.
Nach den Luftangriffen und dem Kampf um Heilbronn sind rund 12.000 Vorderhaus- und 6.000 Hinterhauswohnungen zerstört. Ebenfalls zerstört sind über 50 Prozent der Handwerksbetriebe.
Etwa 90 Prozent des gesamten Fernsprechnetzes (Netzleitungen, Kabelstränge, Verzweiger, Überlandkabel) sind beschädigt, zum großen Teil auch durch die Brückensprengungen. Denn im Landkreis Heilbronn sind 52 mittlere und große Brücken während der Kämpfe von den zurückweichenden deutschen Truppen auf Befehl der nationalsozialistischen Machthaber gesprengt und zerstört worden."
"Nochmalige Einnebelung der Stadt durch amerikanische Geschütze, die vom Stadtgarten nach Südosten ins Bottwartal feuern. Es sind die letzten Kanonenschüsse, die von Heilbronn aus in diesem Krieg abgegeben werden.
In den ersten Tagen nach der Besetzung werden der Firma C. H. Knorr AG aus ihrem Lager in der Happelstraße (Kaiser-Otto-Gebäude) 40 t Margarine, die zur Verarbeitung in über 6,6 Millionen Suppenwürfeln gereicht hätten, gestohlen. Außerdem werden aus den Lagern der Rhenania 50 t Margarine, 30 t Zucker, ca. 25 t Teigwaren und aus sonstigen Lagern 60 t Nägel entwendet. Schließlich werden aus einem Neckarschiff 4000 l Wermut und in 40 Kisten 10.000 Flaschen Konsumwein weggeschleppt."
"In Heilbronn (Kernstadt) wird von der Stadtverwaltung (Ernährungsamt B - Stadt) ab heute die Lebensmittelbewirtschaftung, die nach der Besetzung aus organisations- und markentechnischen Gründen nicht durchführbar war, wieder in Kraft gesetzt. Die Rationen auf die neue Lebensmittelkarte für die 74. Zuteilungsperiode, die normalerweise vom 2.-29. April gedauert hätte, müssen vom 18. April bis zum 27. Mai, also fünfeinhalb Wochen reichen, d.h. einschließlich der 75. Zuteilungsperiode (30. April-27. Mai). Die Stadtverwaltung kann allein mit Genehmigung und unter Kontrolle der amerikanischen Militärregierung auf eigene Verantwortung handeln, da eine Verbindung mit dem Landesernährungsamt in Stuttgart nicht möglich ist.
OB Emil Beutinger gibt bekannt, daß die markenpflichtigen Lebensmittel nur gegen Abgabe der Abschnitte der entsprechenden Karten verkauft werden dürfen. Die Lebensmittelhändler, Bäcker und Metzger haben ihre Geschäfte offen zu halten. Die Ausgehzeiten sind auf 7-9 und 15-17 Uhr festgesetzt, und auch die Gaststätten sollen während dieser Zeit geöffnet sein. Die Ausgeh- und Sperrzeiten müssen streng eingehalten werden, die Besatzungstruppen sind angewiesen, auf Zuwiderhandelnde zu schießen, denen im Übrigen strenge Bestrafung droht. Auch Diebstähle jeder Art werden von der amerikanischen Militärregierung hart geahndet bis hin zur Todesstrafe.
Außerdem fordert der OB zur Wiederaufnahme der Arbeit auf. Beamte, Angestellte und Arbeiter der Stadtverwaltung sollen sich innerhalb von drei Tagen bei ihrer Dienststelle melden."
"Die Ausgehzeit wird von 7-18 Uhr verlängert."
"Anlegung eines Treibstofflagers durch die amerikanischen Besatzungtruppen auf dem Kohlenlagerplatz des Gaswerks, wobei die noch vorhandenen Kohlenvorräte mit Räummaschinen eingeebnet werden.
Durch die Tatkraft von Gaswerksdirektor Heinrich Burkhardt und einiger seiner Mitarbeiter und mit Unterstützung von Hauptmann David Kaplan von der amerikanischen Militärregierung sind seit der Mitte des Monats eine Reihe von Kabeln für die Stromversorgung wieder instandgesetzt worden. Seit heute ist die Bäckerei des Konsumvereins stromversorgt."
"Oberst William W. Dawson übernimmt das Kommando für das Detachment E1C3, das die Landesverwaltung in den von den Amerikanern besetzten Teilen Württembergs und Badens aufbauen und kontrollieren soll.
Stadtarchivrat Dr. Götz Krusemarck, Leiter des Heilbronner Stadtarchivs seit dem 1. August 1934, fällt im Straßenkampf in Berlin."
"In Böckingen werden 25 Straßen umbenannt: In erster Linie werden die im Dritten Reich eingeführten Namen wie Adolf-Hilter-Straße, Hermann-Göhring-Straße, Heinrich-Gültig-Straße, Wilhelm-Frick-Straße und Wilhelm-Murr-Straße geändert.
Kaufmann Gustav Lichdi, Gründer der gleichnamigen Lebensmittelhandelsfirma, verstirbt auf Schloß Liebenstein.
Der bisherige Obermeister der Bäcker-Innung, Bäckermeister Wilhelm Vogelmann, wird von OB Emil Beutinger seines Postens enthoben und als neuer Obermeister Karl Maurer eingesetzt.
Auf dem VfR-Platz und den Böckinger Wiesen wurde in den letzten 14 Tagen ein provisorisches Lager für 50.000 deutsche Kriegsgefangene errichtet. Im Mai werden sie in das neugeschaffene Kriegsgefangenenlager auf der Böckinger Trappenhöhe überführt, wo sie zunächst weiterhin auf nacktem Ackerboden kampieren müssen."
"Als BM werden eingesetzt: in Böckingen Oberrechnungsrat a.D. Hermann Waiblinger, in Neckargartach (nach dem zuerst bestimmten Kanzleisekretär Adolf Sigloch) der Kesselschmied in der Kali-Chemie Karl Schlör (Englisch sprechend) und in Sontheim BM a.D. Richard Stieglitz.
OB Emil Beutinger trifft die Anordnung, daß alle städtischen Ämter auch an Samstagen und Sonntagen wie werktags voll zu arbeiten haben, und zwar von 7:30-12:00 und von 13:30-17:30 Uhr."
"An die Stelle des bisherigen Detachments of Allied Expeditionary Force (6. Heeresgruppe) tritt das Detachment H2C3 (7. Heeresgruppe). Alle bisher erteilten Genehmigungen, die noch nicht ausgeführt sind, müssen neu eingereicht und genehmigt werden. Leiter der Militärregierung bleibt Major Harry M. Montgomery, an seine Seite tritt Major Lloyd W. Lynch.
Die Karten für die Lebensmittelbewirtschaftung werden auch in Neckargartach und Sontheim wieder eingeführt, wobei zwei Abschnitte der Lebensmittelkarten für die 74./75. Zuteilungsperiode außer Kraft gesetzt werden.
Die Schlieffenkaserne (Fleiner Höhe) und das Lazarett in der Jägerhausstraße erhalten Stromversorgung.
In Heilbronn und seinen Vororten sind wieder 19 Bäckereien in Betrieb, und zwar zehn in der Stadt, vier in Neckargartach, drei in Sontheim und zwei in Böckingen. Ihnen wurden vom 24.-28. April mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung aus einem von der Stadtverwaltung beschlagnahmten Roggenmehlbestand der C. H. Knorr AG 379 Sack (= 37.900 kg) Roggenmehl zugeteilt.
Als erste Zeitung nach der Besetzung erscheinen, von den Amerikanern im Straßenverkehr kostenlos verteilt, Die Mitteilungen, ein Nachrichtenblatt, das von der 6. Heeresgruppe von München aus in deutscher Sprache herausgegeben wird. Heute sind erhältlich eine Sonderausgabe, die 'Das erste Wort' von General Dwight D. Eisenhower an die deutsche Bevölkerung enthält, und die Nr. 2 der Mitteilungen vom 21. April mit Tagesnachrichten vom Kriegsgeschehen."
"Evangelischer Vormittagsgottesdienst im Krematorium, der erste der Friedenskirchengemeinde nach der Besetzung, abgehalten von Stadtpfarrer Dr. Otto Jäger, der seiner Predigt die Sentenz 'Nicht verzweifeln an Gott und Vaterland' zugrunde legt."
"Im Gebäude Prager Straße 62, in welchem sich auch das Ernährungsamt B – Stadt befindet, ist anstelle des Ernährungsamtes A – Land (Kreisbauernschaft) der Kommunalverband Großkreis Heilbronn gebildet worden mit dem bisherigen Kreisbauernführer Gustav Scheuerle als Leiter.
Die amerikanischen Besatzungstruppen haben beim Bahnübergang an der Dammstraße (Bahnstrecke Heilbronn – Neckarsulm und Heilbronn – Weinsberg) auf dem Gelände des Gaswerks und der Baufirma Koch & Mayer eine achtgleisige Rangier-, Ein- und Ausladeanlage geschaffen, die es ermöglicht, den militärischen Autoverkehr durch Bahnbetrieb zu entlasten. Die Strecke Heilbronn – Karlsruhe – Paris ist für diesen Entlastungsverkehr bereits in Betrieb.
Von den amerikanischen Besatzungbehörden sind die 20 Ruder- und das eine Motorboot der Heilbronner Rudergesellschaft Schwaben teils beschlagnahmt und weggeführt, teils zerstört worden.
Die Ludendorffkaserne ist an die Stromversorgung angeschlossen worden."

