Stolpersteine
Seit 2009 werden zusammen mit Gunter Demnig in Heilbronn Stolpersteine verlegt und damit Heilbronner Opfer des Nationalsozialismus im Stadtraum sichtbar gemacht.
Die Opfer stammten aus allen Gesellschaftsschichten; sie waren in der Mehrzahl jüdischen Glaubens, aber der Terror des Naziregimes machte auch vor behinderten Menschen, politischen Gegnern und anderen Bevölkerungsgruppen wie Sinti und Roma nicht halt.
Das Stolperstein-Projekt wird in Heilbronn von einem Runden Tisch begleitet, der die Aktion koordiniert und der gemeinsam mit dem Stadtarchiv Heilbronn die Forschungen zu den Wegen und Schicksalen der ermordeten Menschen begleitet.
Cäcilienstr. 26/1 (heutige Einfahrt zu Cäcilienstr. 24/1)
Frankfurter Straße 9
Heilbronn-Horkheim, Hohenloher Straße 15
Heilbronn-Sontheim, Deinenbachstraße 5
Heilbronn-Sontheim, Hofwiesenstraße 25
Innsbrucker Straße 31
Karlstraße / Glockengießerhof (früher Karlstraße 13)
Moltkestraße 23
Mozartstraße 8
Rollwagstraße 14 (früher Innere Rosenbergstr. 14)
Rollwagstraße 16
Schillerstraße 48
Sichererstraße 9 (Familie Hahn)
Sichererstraße 9
Wilhelmstraße 54
Wollhausstraße 46
- Marc Louis Jules Bernard, geboren am 27. Juni 1921 in Albertville (Savoyen)
- Jacques Bonnetain, geboren am 9. März 1921 in Paris
- Jean Philippe Bouyat, geboren am 28. Juli 1917 in Bordeaux
- Jean-Marie Caprais, geboren am 21. Juni 1922 in Chateauroux
- Pierre Dallas, geboren am 7. Juli 1916 in Auch (Dep. Gers)
- Yves de Fougerolles, geboren am 6. Juli 1913 in La-Trinité-sur-Mer (Dep. Morbihan)
- Pierre Deliry, geboren am 3. Juli 1894 in Tournus (Dep. Saone)
- Ferdinand Dellagnelo, geboren am 27. Dezember 1913 in Straßburg
- Raymond Hermer, geboren am 29. Dezember 1903 in Rennes (Dep. Ille)
- Alfred Jassaud, geboren am 30. Januar 1920 in Marseille
- Alain LeBastard de Villeneuve, geboren am 8. Juni 1922 in Pau
- Yves LeBastard de Villeneuve, geboren am 1. August 1920 in Arsague (Dep. Landes)
- René Lebre, geboren am 26. September 1921 in Aix en Provence
- Philippe Paul Louis Lefebvre, geboren am 15. April 1917 in Paris
- Pierre Lemaitre, geboren am 2. Februar 1911 in Chatillon en Vendelais
- Joël Maurice Lemoigne, geboren am 8. Juli 1912 in Brest
- Jean Portenart, geboren am 2. August 1918 in Montceau-les-Mines (Dep. Sâone-et-Loire)
- Lucien Poulard, geboren am 2. Dezember 1917 in Paris
- André Jean Riss, geboren am 21. Januar 1922 in Lyon
- Gabriel Rivière, geboren am 30. November 1901 in Marseille
- Gabriel Romon, geboren am 18. Juni 1905 in Boulogne-sur-mer
- Ernest Lucien Siegrist, geboren am 4. Dezember 1905 in Concorès (Dep. Lot)
- Jean-Philippe Sneyers, geboren am 27. September 1921 in Neuilly-sur-Seine
- Marcel Trumel, geboren am 5. März 1923 in Silly-le-Long (Dep. Oise)
Am 1. April 1909 in Reutlingen geboren, war Walter Vielhauer Antifaschist, Widerstandskämpfer, Gewerkschafter sowie Mitglied der KPD und setzte sich nach 1945 für den Wiederaufbau der Gewerkschaften, die Entnazifizierung und den Frieden ein.
Von 1924 bis zu seiner Entlassung 1932 war er als Silberschmied bei der Firma Bruckmann in Heilbronn angestellt. Dort engagierte er sich umfangreich in der Gewerkschaft. 1930 wurde er Mitglied in der KPD. Bis 1933 wirkte er außerdem in der Transportkolonne Otto bei Verbreitung von kommunistischen Flugblättern und Zeitschriften mit, einer Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus um den kommunistischen Journalisten Willi Bohn aus Stuttgart.
Vielhauer wurde im März 1933 verhaftet, kam im Sommer 1933 kurz frei und wurde nach der erneuten Verhaftung bis 1945 in Gefängnissen und Konzentrationslagern eingesperrt, unter anderem im KZ Dachau, im KZ Mauthausen sowie im KZ Buchenwald. In den Konzentrationslagern war er Folter, Isolation, unmenschlicher Behandlung und Hunger ausgesetzt. Bereits im KZ Dachau wirkte er bei der illegalen Häftlingsorganisation mit, wofür er im Sommer 1944 zum Tode verurteilt wurde. Zur Vollstreckung des Todesurteils verlegte ihn die SS ins KZ Buchenwald. Die dortige Widerstandsorganisation konnte ihn verstecken und dem Todesurteil entziehen. Er betreute in Buchenwald das jüdische Kind Jerzy Zweig und es gelang, das Kind vor dem Tod in der Gaskammer zu retten. Am 11. April 1945 beteiligte er sich am Häftlingsaufstand und an der Befreiung des KZ Buchenwald.
Im Juni 1945 setzte ihn die US-Armee als Assistenten des Oberbürgermeisters Emil Beutinger ein. Bis April 1948 war er zuständig für Wohnungsfragen, Wohlfahrtspflege, Evakuierte, Vertriebene und Flüchtlinge. Von Juli 1947 – Juni 1948 war er öffentlicher Ankläger bei der Spruchkammer Heilbronn.
Er war Mitbegründer der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und setzte sich für die Errichtung der KZ-Gedenkstätte in Neckargartach ein.
1947 war Vielhauer Mitbegründer der ÖTV in Heilbronn, der Vorläuferorganisation der Gewerkschaft ver.di, und wurde deren 2. Vorsitzender. Die jährliche Teilnahme an gewerkschaftlichen Veranstaltungen wie dem ersten Mai oder an antifaschistischen Abenden mit jungen Gewerkschaftern war ihm ein besonders großes Anliegen.
Von 1948 bis 1958 war er Mitglied des Heilbronner Gemeinderats für die KPD. 1954 kandidierte er bei der Oberbürgermeisterwahl und trat gegen Paul Meyle an. Nach dem Verbot der KPD engagierte er sich ab 1968 bei der DKP. In den 1980er Jahren setzte er sich gegen die Stationierung von Pershing II-Raketen auf der Waldheide ein und trat als Redner auf Kundgebungen der Friedensbewegung auf.
Walter Vielhauer fand nach dem Verbot der KPD 1956 in Heilbronn keine Arbeit mehr. Der Unternehmer Dr. Walter Bauer aus Heilbronn, CDU, ein Nazigegner, Mitglied der Bekennenden Kirche, kannte Walter Vielhauer und stellte ihn von 1957 bis 1964 als kaufmännischen Angestellten bei seiner Firma Valentin Mehler AG in Fulda ein. 1964 konnte Vielhauer nach Heilbronn zurückkehren und bei der Firma Friedrich Max Haakh arbeiten. Am 19. April 1986 starb Walter Vielhauer in Heilbronn.
Recherchiert von Konrad Wanner, Heilbronn.
Achtungstraße 21
Heilbronn
HIER WOHNTE ADOLF KAHN JG. 1881 DEPORTIERT 1941 RIGA ERMORDET
HIER WOHNTE NANNCHEN KAHN JG. 1884 DEPORTIERT 1941 RIGA ERMORDET
HIER WOHNTE MAX KAHN JG. 1912 FLUCHT 1933 PALÄSTINA
HIER WOHNTE ELSE KAHN JG. 1913 FLUCHT 1936 PALÄSTINA
HIER WOHNTE ALBERT KAHN JG. 1917 FLUCHT SÜDAFRIKA
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Achtungstraße 35/1
Heilbronn
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Allee 39
Heilbronn
Hermann Grünebaum wurde am 18. Januar 1856 in Vollmerz, einem Stadtteil von Schlüchtern in Osthessen, als Sohn von David und Janette Grünebaum geboren und verbrachte dort seine Kindheit. Später zog er nach Heilbronn und wohnte dort in einer Dreizimmerwohnung in seinem Haus Allee 33 (heute Allee 39). Er heiratete Julie Stein, geboren am 27. Mai 1866, mit welcher er zwei Kinder bekam, Jenny und Theodor. Jenny starb schon 1924 im jungen Alter von 26 Jahren.
Hermann Grünebaum arbeitete als Kaufmann und führte – später gemeinsam mit seinem Sohn – einen 40 Quadratmeter großen Laden im Erdgeschoss des Hauses, in dem Aussteuerwaren und Weißwäsche verkauft wurden. Seine Ehefrau Julie starb am 30. November 1928.
In der NS-Zeit wurde Hermann Grünebaum gezwungen, sein Haus an Karl Haller zu verkaufen. Aber Frida Weishardt, die evangelische Ehefrau seines Sohnes Theodor, focht den Vertrag mit Erfolg an.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, der sogenannten Reichspogromnacht, wurden die Schaufenster des Geschäftes eingeschlagen. In der folgenden Nacht, die Theodor Grünebaum im Gefängnis verbrachte, wurden der Laden und die Wohnung demoliert. Die Familie Grünebaum gab daraufhin das Geschäft auf und vermietete es. Theodor und seine Ehefrau Frida zogen in das Elternhaus von Frida, Hermann hingegen blieb bis zum 13. Oktober 1941 mit seiner Haushälterin Rebekka Simsohn in der Allee 33 wohnen.
Rebekka Simsohn, geboren am 27. Oktober 1885 in Memel (heute Litauen), war die Älteste von fünf Geschwistern. Es ist unbekannt, wie und weshalb sie nach Heilbronn kam; sie lebte als Haushälterin bei Hermann Grünebaum, der seit 1928 Witwer war.
Im Oktober 1941 musste sie zusammen mit Hermann Grünebaum in die Bismarckstraße 3a ziehen, von wo aus sie am 26. November 1941 „nach dem Osten“ deportiert wurde. Rebekka Simsohn fand am 1. Dezember 1941 im Ghetto in Riga den Tod.
Hermann Grünebaum war am 26. Februar 1942 nach Stuttgart deportiert worden; von dort kam er in das jüdische Zwangsaltersheim Dellmensingen, wo er vermutlich am 31. März 1942 verstarb.
Theodor Grünebaum war vom 11. November 1938 bis zum 5. Januar 1939 im Konzentrationslager Dachau festgehalten worden und emigrierte daraufhin im Juli 1939 nach England, um dort eine neue Heimat für sich und seine Familie zu suchen. Aber nach Beginn des Zweiten Weltkriegs konnte er seine Familie nicht mehr nachholen – Frida Grünebaum und ihre Tochter Dorothea starben im Bombenhagel am 4. Dezember 1944, der Sohn Helmut überlebte und folgte 1947 seinem Vater nach England.
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Allee 57
Heilbronn
Klara Asch wurde am 30. Dezember 1872 als Tochter von Mina Reis und Samuel Strauss in Grombach geboren, seit 1973 Ortsteil von Bad Rappenau. Klara hatte elf ältere Geschwister und einen jüngeren Bruder.
Am 8. Mai 1902 heiratete sie Julius Asch, geboren am 21. März 1879 in Rödelheim bei Frankfurt. Am 17. September 1904 kam ihr erster Sohn Siegfried zur Welt; sein Bruder Kurt erblickte am 17. Mai 1912 das Licht der Welt.
Klaras Ehemann Julius Asch besaß bis etwa 1917 ein Juwelier- und Uhrmachergeschäft in der Kaiserstraße 40. Später verdiente er als Versicherungsoberinspektor das Geld für die Familie. Klara selbst kümmerte sich zu Hause um die Kinder und den Haushalt.
Die Familie lebte seit Anfang der 1920er Jahre im Haus Allee 47 (heute Allee 57). Julius Asch starb am 1. Mai 1935 in Heilbronn und liegt auf dem jüdischen Friedhof in Heilbronn begraben. In der Folge mussten Klara Asch und ihr Sohn Kurt mehrfach zwangsweise umziehen – unter anderem wohnten sie in der Mönchseestr. 71 und in der Moltkestr. 27.
Die letzte bekannte Adresse von Klara Asch vor ihrer Deportation nach Haigerloch im März 1942 war das „Judenhaus“ in der Allerheiligenstraße 32. Am 22. August 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert; Klara Asch starb am 31. Mai 1944, fünfzehn Tage nach ihrer Ankunft in Auschwitz.
Im Gegensatz zu ihrer Mutter blieben die Söhne nicht in Deutschland. Kurt Asch konnte am 20. Februar 1939 in die USA emigrieren, nach Evansville im Bundesstaat Indiana, wo er 1940 heiratete. Er starb am 10. November 1999, fünf Jahre nach dem Tod seiner Frau, und wurde auf dem jüdischen Friedhof „Mount Carmel“ in Evansville beerdigt. Siegfried Asch emigrierte ebenfalls in die USA, allerdings nicht von Heilbronn aus.
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Allee 9 9
74072 Heilbronn
Die Heilbronner Geschäftsfrau Klara Holwein, 1889 geboren, führte zusammen mit ihrem Mann ein Reformhaus und gab Kurse für vegetarisches Kochen nach den Grundsätzen der Reformbewegung.
Schon in den 1920er Jahren gab es erste Anzeichen einer psychischen Störung, die 1930 dazu führte, dass Klara Holwein in die Anstalt Kennenburg eingewiesen wurde. Nach mehreren Entlassungen und Wiedereinweisungen lebte sie schließlich dauerhaft in der Heilanstalt Weinsberg. Ihre kleine Tochter wuchs bei Verwandten auf.
Die bei Klara Holwein diagnostizierte Schizophrenie wurde von den Ärzten als unheilbar angesehen. Dies kam einem Todesurteil gleich: 1940 brachten die Nationalsozialisten in der sogenannten Aktion T 4 etwa 10.000 psychisch erkrankte Menschen in die Anstalt Grafeneck, um sie dort meist noch am Ankunftstag zu ermorden.
Klara Holwein war 51 Jahre alt, als sie zusammen mit anderen Patienten am 8. Mai 1940 in Weinsberg abgeholt und in Grafeneck umgebracht wurde.
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Allee 9
Heilbronn
Die Heilbronner Geschäftsfrau Klara Holwein, 1889 geboren, führte zusammen mit ihrem Mann ein Reformhaus und gab Kurse für vegetarisches Kochen nach den Grundsätzen der Reformbewegung.
Schon in den 1920er Jahren gab es erste Anzeichen einer psychischen Störung, die 1930 dazu führte, dass Klara Holwein in die Anstalt Kennenburg eingewiesen wurde. Nach mehreren Entlassungen und Wiedereinweisungen lebte sie schließlich dauerhaft in der Heilanstalt Weinsberg. Ihre kleine Tochter wuchs bei Verwandten auf.
Die bei Klara Holwein diagnostizierte Schizophrenie wurde von den Ärzten als unheilbar angesehen. Dies kam einem Todesurteil gleich: 1940 brachten die Nationalsozialisten in der sogenannten Aktion T 4 etwa 10.000 psychisch erkrankte Menschen in die Anstalt Grafeneck, um sie dort meist noch am Ankunftstag zu ermorden.
Klara Holwein war 51 Jahre alt, als sie zusammen mit anderen Patienten am 8. Mai 1940 in Weinsberg abgeholt und in Grafeneck umgebracht wurde.
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Allerheiligenstraße (früher Haus Nr. 32)
Heilbronn
Frida Ledermann kam am 30. April 1887 in Menzingen (heute Stadt Kraichtal, Landkreis Karlsruhe) als Frida Lindauer zur Welt. Sie heiratete jung ihren Gatten Felix Ledermann, der ebenfalls aus Menzingen stammte.
Felix Ledermann kam vor 1908 nach Heilbronn, wo er zusammen mit seinem Vater Ferdinand Ledermann eine Eisenwarenhandlung führte, zuerst in der Deutschhofstraße, später im Haus Allerheiligenstraße 32. Felix Ledermann musste zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 einrücken; er starb im Juli 1918 in einem Feldlazarett in Frankreich. Er hinterließ zwei kleine Töchter; Lotte war 1912 geboren, Erna 1914.
Frida Ledermann übernahm nun das Eisenwarengeschäft und erzog die beiden Töchter Lotte und Erna alleine. 1934 erhielt sie das „Ehrenkreuz für Witwen“ – „im Namen des Führers und Reichkanzlers“. Die Tochter Erna Ledermann wurde nach Abitur und Pädagogikstudium Lehrerin; sie emigrierte 1939 in die USA und starb dort 1963. Lotte heiratete 1930; ihr Ehemann war Christ, sie hatten drei Kinder. Lotte wurde dennoch kurz vor Kriegsende nach Theresienstadt deportiert und dort im Mai 1945 befreit. Sie starb 1994 in Stuttgart.
Frida Ledermann lehnte es ab, zu emigrieren; sie glaubte als Kriegerwitwe vor Verfolgung geschützt zu sein. Aber seit 1938 wurde sie im Zuge der zunehmenden Verfolgung wie alle Juden zunächst zu Sonderzahlungen herangezogen, dann wurde ihr Haus zum „Judenhaus“; 1941 wurde Frida Ledermann enteignet und am 26. November 1941 zum Sammellager Killesberg in Stuttgart gebracht. Von hier aus wurde sie am 1. Dezember 1941 nach Riga deportiert und dort im Alter von 54 Jahren ermordet.
Als Datum der Ermordung wurde im Jahr 1959 der 31. März 1942 festgelegt und den Erben eine Haftentschädigung von 900 DM zuerkannt.
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Am Wollhaus 14 (früher Klarastr. 21)
Heilbronn
Helene Würzburger, geb. Uri, wurde am 3. Dezember 1864 in Hechingen als eines von zwei Kindern von Adolf und Fanny Uri geboren. Sie heiratete Moritz Würzburger; aus der Ehe zwischen ihnen gingen vier Kinder hervor: Alfred, Fanny, Julie und Leonore.
Moritz Würzburger stammte aus Rohrbach. Er war der Sohn von Gustav und Klara Würzburger und hatte zwei weitere Geschwister namens Theodor und Nathan. Der Familie gehörte in Heilbronn die Adlerbrauerei Würzburger.
Die Brauerei und der dazugehörige Adlerkeller wurden 1882 von Moritz Würzburgers Vater Gustav Würzburger übernommen. Sie war eine der wichtigsten Brauereien der Stadt; die Brauerei und eine große Brauereigaststätte lagen in der Deutschhofstraße.
Nach der Machtübernahme durch die NSDAP wurde der Brauerei zunehmend die Geschäftsgrundlage entzogen. Die Brauereigaststätte in der Deutschhofstraße erlebte 1935 einen Überfall durch Kreisleiter Richard Drauz und die SA, bei dem Alfred Würzburgers Frau Rosa sowie sein Onkel Nathan verletzt wurden. Der Adlerkeller an der Klarastraße diente nun als jüdisches Vereinslokal; zusätzlich beherbergte das Lokal zeitweise die jüdische Schule. Im April 1938 erwarb die benachbarte Kreissparkasse das Areal des Adlerkellers in der Klarastraße, die Brauerei und die Gaststätte in der Deutschhofstraße wurden an die Brauerei Cluss abgegeben.
Moritz und Helene Würzburger lebten in einer Wohnung in der Südstraße. Nach dem Tod von Moritz Würzburger im Jahr 1922 blieb Helene Würzburger auch als Witwe zunächst dort wohnen, bis sie 1931/32 in eine Wohnung im Gebäude des Adlerkellers zog. Erst nach dem Verkauf an die Kreissparkasse musste sie umziehen – Wollhausstr. 46, Weststr. 53 und Frankfurter Str. 46 lauten die Adressen in verschiedenen sogenannten „Judenhäusern“.
Am 23. März 1942 wurde Helene Würzburger nach Haigerloch deportiert und von dort aus am 22. August nach Theresienstadt weiter transportiert. Dort starb sie am 14. September 1942.
Alfred Würzburger, der Sohn von Helene und Moritz Würzburger, lebte mit seiner Frau Rosa Schlesinger und seinen Söhnen im Haus Deutschhofstraße 1. Er emigrierte 1937 mit seiner Familie und Nathan Würzburger (gestorben 1946) nach Palästina und von dort aus in die USA. Nach dem Krieg erhob Alfred Würzburger Rückerstattungsansprüche auf den ehemaligen Besitz der Familie.
In einem Rechtsstreit über das Areal des Adlerkellers kam es schließlich zu einer Einigung zwischen der Familie und der Kreissparkasse.
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Bahnhofstraße 11
Heilbronn
Emma Sauer wurde 1869 in Tauberbischofsheim geboren, wo sie als junge Frau eine Ausbildung zur Modistin absolvierte. 1895 heiratete sie den Textilhändler Adolf Vogel. Ihre Tochter Melitta kam noch im selben Jahr ebenfalls in Tauberbischofsheim zur Welt, im Geburtshaus Emma Vogels. Melitta heiratete später den Heilbronner Gewürzhändler Hermann Eisig, mit dem sie in der Uhlandstraße 7 in Heilbronn lebte. Dort kam am 8. April 1923 ihr Sohn Hans Eduard Eisig auf die Welt, der Enkelsohn von Emma Vogel.
Emma und Adolf Vogel lebten später in Darmstadt, wo Adolf 1925 mit 73 Jahren starb. Seine Witwe erbte sein gesamtes Vermögen in Form von Wertpapieren, Aktien und Staatsanleihen und zog 1929 zu ihrer Tochter nach Heilbronn. Emma Vogel wohnte hier im Haus Bahnhofstraße 11 – das Haus wurde nach dem Kauf durch die Papierhandlung Nestle 1936 bis heute als Villa Nestle bezeichnet.
Nach 1933 wurde das Vermögen von Emma Vogel durch Sicherheitsbescheide des Heilbronner Finanzamts eingezogen; Emma Vogel musste die große Wohnung in der noblen Bahnhofstraße aufgeben und zog in die Moltkestraße 16. Nach weiteren Einschränkungen für Juden musste sie erneut umziehen – in das Judenhaus in der Badstraße 22, wo auch ihre Tochter mit ihrer Familie Unterkunft gefunden hatte.
Emma Vogel wurde Anfang Januar 1942 ins Zwangsaltenheim im Eschenauer Schloss eingewiesen. Von dort aus wurde sie mit den anderen Bewohnern im August 1942 über Stuttgart nach Theresienstadt deportiert, wo sie wenige Tage nach ihrer Ankunft im Alter von 73 Jahren den Tod fand.
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Bahnhofstraße 5
Heilbronn
Der 1878 in Berwangen geborene David Vollweiler heiratete 1911 Margarete Tannhauser, die aus Konstanz stammte; sie war eines von sieben Kindern und hatte die Höhere Mädchenschule besucht.
David und Margarete Vollweiler zogen nach Heilbronn, wo sie in der Bahnhofstraße 5 eine große, bürgerlich ausgestattete Fünf-Zimmer-Wohnung bewohnten. Das Ehepaar beschäftigte ein Dienstmädchen; die Ehe blieb kinderlos.
David Vollweiler war an mehreren Unternehmen beteiligt; zusammen mit seinem Geschäftspartner Sally Mainzer hatte er die Nudelfabrik „Mainzer & Vollweiler“ gegründet. 1923 kam die Firma „Elektro-Automaten GmbH“ hinzu – die Leuchtreklamefabrik begann 1929 auch mit der Produktion von Neonröhren. Nachdem sie 1931 Konkurs anmelden musste, gründeten David Vollweiler und Sally Mainzer eine weitere Leuchtreklamefabrik. Auch diese Firma scheiterte.
Sally Mainzer wanderte 1934 aus; David Vollweiler war als Handelsvertreter tätig, unterstützt von seiner Frau Margarete. Eine Erbschaft ermöglichte es ihnen, sich über Wasser zu halten. Aber bald mussten sie die großbürgerliche Wohnung in der Bahnhofstraße aufgeben und zuerst in die Wilhelmstraße 2 ½ und danach in die Frankfurter Straße 46 umziehen – in ein „Judenhaus“.
Ohne nahe Angehörige im Ausland konnten sie nicht emigrieren; beide wurden im März 1942 in das Zwangsaltenheim im Eschenauer Schloss eingewiesen. Dort arbeitete Margarete als Köchin, David in der Verwaltung. Wenige Monate später wurden sie zusammen mit den anderen Bewohnern des Heims zunächst nach Stuttgart gebracht und drei Tage später nach Theresienstadt deportiert. Im Oktober 1944 wurden sie in Auschwitz ermordet.
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Bismarckstraße 15
Heilbronn
Hermann Wolf wurde 1878 als Sohn des Heilbronner Unternehmers Wolf Manasse Wolf geboren; seine Sortieranstalt für Lumpen belieferte die beiden Heilbronner Papierfabriken und entwickelte sich sehr gut. Wolf Manasse Wolf war Mitglied im Bürgerausschuss, Gründer des „Vereins der unteren Stadt“ und setzte sich für den Bau des Stadttheaters ein. Nach seinem Tod 1916 übernahmen Hermann und sein Bruder Julius die Firma.
Hermann war mit Anna Eisig verheiratet; auch sie wurde in Heilbronn geboren.
Nach der Machtergreifung wurde die Firma Wolf zunehmend unter Druck gesetzt und musste schließlich liquidiert werden. Das Firmenanwesen in der Salzstraße hatte die Familie zunächst 1938 an die Heeresstandortverwaltung vermietet und dann im April 1939 unter Druck an die Stadt Heilbronn verkauft. Das Wohnhaus in der Bismarckstraße mussten Hermann und Anna Wolf Ende 1938 ebenfalls an die Stadt Heilbronn verkaufen.
Die Kinder von Anna und Hermann Wolf konnten emigrieren: Max schon 1934 als 25-jähriger nach Palästina, Louise, verheiratete Victor, mit ihrer Familie 1937 nach Südafrika. Hermanns Bruder Julius floh im August 1939 nach England. Auch Hermann und Anna Wolf versuchten zu fliehen; sie verließen Heilbronn am 4. September 1939, drei Tage nach Kriegsbeginn. Ihr Ziel war London, aber sie wurden in Holland festgehalten, im Lager Westerbork interniert, von dort 1944 ins Konzentrationslager Bergen-Belsen in Niedersachsen deportiert und im Januar 1945 ermordet.
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Bismarckstraße neben Nr. 5 (früher Bismarckstraße 3/1)
Heilbronn
Die Wurzeln der Familie Krips lassen sich bis in das 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Als ältester Verwandter ist Isaak Krips bekannt; er wurde 1793 in Leeuwarden in den Niederlanden geboren.
Der Vater von Regine Krips, Hermann Krips, war der Sohn des Schneiders Moses Elias Krips und seiner Frau Freyda Nass; Regines Mutter Karoline, geborene Westheimer, wurde in Menzingen geboren und stammt aus einer Kaufmannsfamilie. Die Eltern heirateten 1874 in Bruchsal.
Der Vater Hermann Krips lebte schon seit 1872 in Heilbronn, wo er 1910 verstorben ist. Die Mutter Karoline folgte ihm am 5. September 1922 ebenfalls in Heilbronn.
Regine Krips hatte sechs Geschwister, die wie sie in Heilbronn geboren wurden: Frieda, Martha, Fanny, Hedwig, Emil und ihr Zwillingsbruder Isaak. Von ihnen hatte Emil zwei Söhne Hermann und Walter; Hermann ist der Vater von Sonja Mühlberger, die bei der Verlegung des Stolpersteins für ihre Großtante anwesend ist.
Regine Krips wurde am 11. Mai 1883 in Heilbronn geboren. Sie arbeitete als Verkäuferin bei der Firma Jacob D. Reis in der Inneren Rosenbergstr. 22 (heute Rollwagstraße) und war später auch als Hausangestellte eng mit der Familie Reis verbunden. Der Zwillingsbruder von Regine Krips war schon 1911 mit 28 Jahren nach Amerika ausgewandert.
1933/34 zog Regine Krips zusammen mit der Witwe Flora Reis in die Bismarckstraße 3 in ein Haus der orthodoxen Israelitischen Religionsgemeinschaft Adass Jeschurun. Für Regine Krips war dies der letzte frei gewählte Wohnsitz; Flora Reis gelang im Januar 1939 noch die Flucht nach England, wohin schon vorher einige Mitglieder der Familie ihres Mannes emigriert waren.
Regine Krips musste in der Folge mehrfach umziehen; zwischen September 1939 und November 1940 lebte sie in einem „Judenhaus“ in der Bergstr. 2 (in der NS-Zeit Brünner Str. 2), danach wurde sie in die Badstr. 10 einquartiert. Die letzten Wochen ab März 1942 war sie in Sontheim im Haus Lauffener Str. 12 in der Villa Picard, bevor sie am 24. April 1942 zunächst nach Stuttgart und zwei Tage später in das Ghetto von Izbica deportiert wurde.
Wann und wo Regine Krips genau ermordet wurde, ist nicht bekannt.
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Cäcilienstr. 26/1 (heutige Einfahrt zu Cäcilienstr. 24/1)
Heilbronn
Die Familie Hanauer stammt aus Gemmingen. Hier kam am 19. November 1882 Isaak Hanauer zur Welt, der wie sein Vater Kaufmann wurde. Am 28. August 1908 heiratete er Berta, geborene Oppenheimer, die am 5. August 1880 ebenfalls in Gemmingen zur Welt gekommen war.
Das Ehepaar bekam drei Kinder, Manfred, geboren am 26. Juni 1909, Gertrud, geboren am 15. April 1911, und Ludwig, geboren am 24. Februar 1913.
Um 1928 zog das Ehepaar Hanauer mit den drei Kindern nach Heilbronn. Berta und Isaak erwarben das Haus 26/1 in der Cäcilienstraße. Die Familie wohnte im ersten Stock des zurückgesetzten Hauses, im Erdgeschoss richtete Isaak sein Geschäft für Sattler- und Polsterartikel ein. Für 1933/34 ist im Erdgeschoss auch ein – vermutlich kleines – Geschäft für Schreinereibedarf nachgewiesen, das der jüngste Sohn Ludwig führte. Ludwig starb jedoch bereits am 9. Januar 1934, er liegt auf dem Israelitischen Friedhof im Breitenloch begraben.
Der Sohn Manfred flüchtete laut einem handschriftlichen Zusatz in der sogenannten „Judenliste“ der Ratsschreiberei aus dem Jahr 1934 am 19. November 1935 nach Palästina, Tochter Gertrud folgte ihm am 15. Mai 1937 nach.
1936 heiratete Manfred Hanauer Berta Bodenheimer, 1937 wurde als einziges Kind die Tochter Zipora geboren. Manfred arbeitete in Palästina zunächst als Gemüse- und Milchbauer und dann in einer Eier-Sortieranlage. Er starb 1986.
Die letzte Adresse des Ehepaares Berta und Isaak Hanauer befand sich in Sontheim, in der Hauptstraße 25. Das ehemalige Schulhaus der kleinen jüdischen Gemeinde in Sontheim diente damals als sogenanntes Judenhaus. Isaak Hanauer gehörte wohl zu jenen 32 jüdischen Mitbürgern und Mitbürgerinnen, die Anfang 1941 zur Zwangsarbeit herangezogen wurden.
Am 26. November 1941 wurden die ersten Juden aus Heilbronn in den Tod deportiert. 47 Personen mussten sich auf dem Wollhausplatz einfinden, darunter waren auch Berta und Isaak Hanauer. Sie wurden nach Stuttgart zum Sammellager auf dem Killesberg und von dort aus nach Riga gebracht, wo sie wenig später ermordet wurden. Berta Hanauer wurde 61 Jahre, Isaak 59 Jahre alt. Als Todesdatum wurde für die beiden später der 8. Mai 1945 festgelegt.
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Cäcilienstraße 60
Heilbronn
Adolf Einstein wurde am 13. April 1875 in Fellheim bei Memmingen geboren. Bevor er nach Heilbronn kam, lebte er in Öhringen, wo er seine Frau Pauline, geb. Dreyfuss, heiratete und wo 1920 ihr Sohn Heinz geboren wurde.
Einstein war Kaufmann und trat nach seiner Hochzeit in den Eisen- und Metallhandel seines Schwiegervaters, die Firma Dreyfuss & Söhne, ein. Das 1908 gegründete Unternehmen verlegte 1922 seinen Sitz von Öhringen nach Heilbronn; die Familie von Adolf Einstein bezog bald darauf eine Wohnung im Erdgeschoss des Hauses Cäcilienstr. 60 in Heilbronn.
Im Zuge der Verdrängung der Juden aus dem Wirtschaftsleben gelangte Dreyfuss & Söhne schon 1934 in den Besitz der Firma Schwarz und Lindauer. Dennoch blieb Dreyfuss einige Zeit noch als stiller Teilhaber in der Firma. Es ist nicht bekannt, wie lange Adolf Einstein noch in der Firma beschäftigt war; 1939 musste er in das „Judenhaus“ Frankfurter Str. 9 umziehen und war wohl noch einige Zeit in Öhringen, bevor er im Juni 1941 zwangsweise in das Altenheim Heggbach-Maselheim eingewiesen wurde. Von dort erfolgte am 13. Juli 1942 die Deportation nach Auschwitz, wo er im Alter von 67 Jahren ermordet wurde.
Bereits im Mai 1938 war seinem Sohn Heinz die Flucht in die USA gelungen, und auch Einsteins Ehefrau Pauline konnte sich unmittelbar vor Kriegsbeginn über Frankreich in die Schweiz retten. Es ist nicht bekannt, weshalb Adolf Einstein in Heilbronn zurückblieb.
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Erlenbacher Straße 18
Heilbronn
HIER WOHNTE SIMAH GILER, JG. 1892 DEPORTIERT 1941 RIGA ERMORDET
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Fischergasse/Obere Neckarstraße 20
Heilbronn
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Fleiner Straße 9
Heilbronn
Aron Eliaschow wurde am 12. August 1876 als Sohn des Holzhändlers und Geschäftsmanns Salomon Eliaschow und seiner Frau Rebekka, geborene Frohmann, in Königsberg in Preußen geboren; er kam in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg nach Heilbronn, wo er als Textilkaufmann im Kaufhaus Landauer arbeitete und schließlich württembergischer Staatsbürger wurde. Eliaschow nannte sich seit etwa 1914 Adolf Elsner, ohne die Namensänderung jemals formal anerkennen zu lassen.
Am 6. September 1921 heiratete Elsner die 22 Jahre jüngere Eugenie König, genannt Jenny, Tochter des Heilbronner Schreiners Hermann König. Sie trat im Jahr 1926 aus der evangelischen Kirche aus; es ist unbekannt, ob sie diesen Schritt ihrem Mann zuliebe getan hat.
Die gemeinsame Wohnung des Ehepaars war zunächst im Haus Kaiserstraße 12, danach in der Kernerstraße 19. Elsner war inzwischen zum Prokuristen bei Landauer aufgestiegen; ab 1928 arbeitete er drei Jahre in Hof in Bayern im dortigen Kaufhaus Ury, dessen Eigentümerfamilie mit den Gebrüdern Landauer in Heilbronn verwandt war.
Nach seiner Rückkehr eröffnete Adolf Elsner im Januar 1932 im Haus Fleiner Str. 9 ein „Spezialhaus für moderne Damenkleidung“ und empfahl es der Heilbronner Damenwelt in grafisch auffällig gestalteten Anzeigen als „im modernen Geist geführtes Spezialhaus“. Seine Ehe war zu diesem Zeitpunkt schon im Scheitern begriffen; sie wurde im Juli 1932 vor dem Landgericht Heilbronn geschieden, und Jenny König heiratete nur wenige Wochen später den Zahnarzt Fritz Kirstein.
Nach der Machtübernahme durch die NSDAP folgten schnell Repressalien gegen jüdische Ladenbesitzer wie Adolf Elsner. Er wurde sogar von der Nazi-Tageszeitung Heilbronner Tagblatt als besonders verabscheuungswürdiges Beispiel für die angebliche „jüdische Mimikry“ denunziert; sein Namenswechsel wurde als „deutliches Anzeichen für östlich eingestellten Kulturbolschewismus“ verunglimpft. Der Artikel erschien am 1. April 1933, und am selben Tag wurden mehrere Heilbronner Geschäfte mit jüdischen Eigentümern „boykottiert“. Uniformierte Parteimitglieder und SA-Männer postierten sich vor den Läden, vor Elsners Geschäft mit der Parole „Meidet die Juden. Kauft beim Deutschen“.
Wenig später, am 18. Juni 1933, wurde Elsner um 18:30 Uhr tot in der Küche seiner damaligen Wohnung in der Goethestraße 36 aufgefunden. Er war erst 56 Jahre alt, als er sich das Leben nahm.
Sein Grabstein steht noch auf dem jüdischen Friedhof im Breitenloch. Seine geschiedene Frau Jenny arbeitete bis zum Tod ihres Mannes 1960 in der Zahnarztpraxis in Böckingen mit; dann wanderte sie wie ihr Vater in die USA aus, wo sie bis zu ihrem Tod auch mit der Familie einer Nichte Elsners in Kontakt blieb, die bei Elsner in Heilbronn aufgewachsen war.
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Frankfurter Str. 39
Heilbronn
Bernhard Hochherr wurde als viertes von 12 Kindern der Eheleute Levi Hochherr und Hannchen Kahn am 10. Oktober 1870 in Berwangen geboren. 1898 eröffnete er seine erste Zigarrenfabrik in Massenbachhausen, wo er ab 1900 mit seiner Frau Maria Wertheimer auch wohnte. Dort wurde am 31. August 1901 seine Tochter Ilka geboren.
In den Folgejahren gründete Bernhard weitere Produktionsstätten in verschiedenen Orten im Kraichgau; er selbst zog 1908 nach Heilbronn, in die Weinsberger Str. 3, und erwarb 1911 die württembergische Staatsbürgerschaft. Sein Unternehmen erhielt 1911 in Walldorf einen neuen Hauptsitz, bevor es im Jahr der Inflation 1923 nach Heidelberg verlegt wurde. 1937 beschäftigte die Firma in Heidelberg 300 Arbeiter und 15 Angestellte, und in Massenbachhausen ca. 100 Personen.
1909 starb Hochherrs Ehefrau Maria, wenige Monate nach der Geburt der zweiten Tochter Hilda. Bernhard Hochherr heiratete daraufhin im Februar 1910 seine zweite Frau Ida Reis, die Tochter des letzten jüdischen Lehrers in Massenbachhausen. Kurz darauf gründete er eine neue Firma in Heilbronn, „B. Hochherr, Zigarren en gros und Rohtabak“.
Die Tochter Hanna Gretchen Hochherr, genannt Grete, kam 1913 zur Welt. Die Familie lebte seit 1917 in Heilbronn im Haus Frankfurter Str. 39; 1926 starb die Ehefrau von Bernhard Hochherr im Alter von 49 Jahren. Bernhard Hochherr und seine Töchter wohnten bis in die 1930er Jahre weiter in der Frankfurter Straße, bevor Hochherr in ein Altersheim in Stuttgart und dann zwangsweise in das Altersheim im Eschenauer Schloss umsiedelte. Seine Firmen waren 1938 „arisiert“ und enteignet worden.
Ab 1936 hatte Hochherr keine zusätzlichen Einkünfte mehr, nur noch eine Rente aus seinem früheren Unternehmen in Heidelberg. Zusätzlich erhielt er finanzielle Unterstützung von seinen Brüdern Simon und Ferdinand, seiner Tochter Gretchen und von einem Herrn Hirsch, der nach Amerika ausgewandert war. Im Juli 1941 wurde ihm mitgeteilt, dass die Gestapo alle Zuwendungen untersagt hatte. Seine Lebensversicherungen wurden zwangsverkauft und der Erlös dem Finanzamt überwiesen. Schon im Februar 1941 wurde ihm das Essensgeld im Altersheim Stuttgart gestundet, da er völlig mittellos war.
Am 22. August 1942 wurde Bernhard Hochherr von Eschenau über Stuttgart nach Theresienstadt deportiert. Nur wenige Tage später war er tot, am 31. August 1942. In seinem Totenschein ist die sogenannte Dresdner Kaserne als Wohnort angegeben; weiter lesen wir, dass er aus Altersschwäche gestorben sein soll.
Bernhard Hochherrs Tochter Gretchen wohnte bis 1936 ebenfalls im Haus Frankfurter Str. 39; sie absolvierte seit 1930 eine Ausbildung zur Bankbeamtin, arbeitete dann bis Ende 1933 beim Heilbronner Bankverein m.b.H. und von Dezember 1934 bis August 1936 bei der Firma Madaform Seifenfabriken. Nach ihrer Kündigung verließ sie Heilbronn und lebte zeitweise als Hausangestellte bei der Familie ihrer Schwester Ilka in Karlsruhe. Sie konnte im September 1938 nach Port Elizabeth, Südafrika auswandern, wo sie ihren Mann Bruno Kaufmann heiratete. Er stammte aus Meckesheim bei Heidelberg, wohnte und arbeitete jedoch seit 1927 für eine Schuhfabrik, „Neuwaren und Reparaturen“ in Heilbronn. Die Heirat fand auf dem Schiff stand, um die Einreiserestriktionen nach Südafrika zu umgehen.
Grete und Bruno bekamen drei Kinder: 1940 wurde Sydney Hilton geboren, 1942 Isabel Hester und 1947 kam Lindsay Bernard Michael zur Welt. Grete Hochherr starb mit nur 49 Jahren im November 1962 in Port Elizabeth. Ihr Mann Bruno starb 1994, ebenfalls in Port Elizabeth.
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Frankfurter Straße 45
Heilbronn
In der Frankfurter Straße 45 wohnte die Heilbronner Familie Leopold und Berta Traub mit den beiden Kindern Resi und Alfred Traub. Die Familie gehörte zur Jüdischen Gemeinde Heilbronn.
Leopold Traub wurde am 16. März 1879 in Eichtersheim bei Sinsheim geboren. Er war Kaufmann, „Manufakturwarenhändler“, wie es damals genannt wurde. Nach dem Adressbuch war er seit 1929 in Heilbronn. 1938 wurde er mit der Familie in dem „Judenhaus“ Gustloffstraße 53 (Weststraße 53) einquartiert. In einem Protokoll von 1941 heißt es dazu: „Die noch in jüdischem Besitz befindlichen Wohnhäuser sind weitgehend zu füllen […] dass 2 – 4 Personen je Wohnraum unterkommen […] ohne Berücksichtigung des Alters und Geschlechtes der Juden“.
Berta Traub, geborene Hahn, kam am 19. September 1884 in Berwangen (heute Ortsteil der Gemeinde Kirchardt) zur Welt. Sie war Hausfrau und sorgte für die Familie mit den beiden Kindern.
Berta und Leopold Traub wurden auf Grund der Deportationsliste der Geheimen Staatspolizei vom 21. November 1941 aufgefordert, sich zur „Evakuierung nach Osten“ am 26. November 1941 einzufinden. Der Transport ging dann am 1. Dezember 1941 mit 45 weiteren Heilbronner Juden vom Stuttgarter Killesberg nach Riga. Dort kamen beide in das Außenlager Jungfernhof. 1941/42 war ein eisiger Winter. Die katastrophale Unterbringung, die Kälte und der Hunger führten dazu, dass in den Wintermonaten in Jungfernhof 800 Menschen starben. Tausende wurden in den Wald von Bikernicki getrieben und dort erschossen. Das Todesdatum von Berta und Leopold Traub ist unbekannt.
Die Tochter Resi Traub war am 7. Februar 1908 in Wiesloch geboren worden. Ihre Lebensgeschichte liegt ganz im Dunkeln. Bereits 1936 wird sie nicht mehr zusammen mit der Familie erwähnt. In einem späteren Verzeichnis der ausgewanderten Heilbronner Juden vom Mai 1940 heißt es, dass sie nach Lettland „ausgewandert“ sei; das Gedenkbuch des Bundesarchivs in Berlin führt sie ebenfalls als Opfer der Erschießungen bei Riga (Lettland).
Der Sohn Alfred Traub wurde am 20. Juli 1909 in Wiesloch geboren und lebte bis in die 1930er Jahre im Haushalt der Eltern. Im März 1938 wurde er aufgrund eines Verstoßes gegen das „Heimtückegesetz“ zu einer Gefängnisstrafe verurteilt; im Anschluss an das Novemberpogrom wurde er wie viele andere jüdische Männer von 11. bis 20. November 1938 im KZ Dachau interniert.
Im Juni 1940 wurde Alfred Traub in die psychiatrische Heilanstalt Zwiefalten eingewiesen; die Diagnose ist unbekannt. Aber er wurde Opfer der sogenannten Aktion T4, als ab 1940 tausende psychisch kranker Menschen durch Giftgas ermordet wurden. Alfred Traub war 31 Jahre alt, als er im März 1941 über Weinsberg in die Anstalt Hadamar gebracht und dort am Tag seiner Ankunft getötet wurde.
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Frankfurter Straße 46
Heilbronn
HIER WOHNTE CÄCILIE STEIGERWALD GEB. BAMBERGER JG. 1883 FLUCHT 1935 PARAGUAY
HIER WOHNTE RUTH HOLLAND GEB. STEIGERWALD JG. 1913 FLUCHT 1935 PARAGUAY
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Frankfurter Straße 9
Heilbronn
Das Haus Frankfurter Str. 9 gehörte um die Jahrhundertwende dem jüdischen Kaufmann Hermann Baer, der hier die Häute-, Fell- und Lederhandlung Adler & Baer betrieb, die von seinem Schwiegervater gegründet worden war. Auch Schwager Jakob Adler war in der Firma. Seine Ehefrau Babette Baer (oder Bär), geb. Adler, war am 5. Mai 1860 als zweites Kind der jüdischen Eheleute Josef und Hanna (oder Hanchen) Adler in Obergimpern geboren worden. 1868 zog die Familie nach Heilbronn; Babette heiratete am 12. Mai 1880 den 12 Jahre älteren Hermann Baer aus Siegelsbach. Die Ehe wurde in Würzburg geschlossen, das Ehepaar lebte aber in Heilbronn. Babette Baer war Hausfrau, die Ehe blieb kinderlos.
1918 starb Hermann Baer 70-jährig. Seine Witwe lebte weiter im Haus Frankfurter Straße 9, das sie wohl nach 1920 an den Pferdehändler Max Mannheimer verkaufen musste. 1938 wurde Babette Baer – inzwischen 78 Jahre alt – gezwungen, zunächst in das „Judenhaus“ in der Lachmannstraße 9 umzuziehen; anschließend lebte sie im Judenhaus Badstr. 10.
Vier Jahre später – am 23. März 1942 – wurde die 81-jährige Babette Baer nach Haigerloch in den Ortsteil Haag deportiert – zu diesem Zeitpunkt ein geschlossener Ort. Sie lebte dort knapp fünf Monate in der Wohnung Haag 260, bevor sie am 19. August 1942 von Haigerloch nach Stuttgart auf den Killesberg und von dort drei Tage später von Stuttgart-Nordbahnhof aus mit der Transportnummer XIII/1 Zug Da 505 und Häftlingsnummer 429 nach Theresienstadt deportiert wurde – mit 1000 Juden aus Baden und Württemberg. Babette Baer starb am 28. April 1943, eine Woche vor ihrem 83. Geburtstag, in Theresienstadt.
Seit etwa 1929 lebte die unverheiratete Sofie Falk, geboren am 4. Dezember 1881 in Heilbronn, im Haus Frankfurter Str. 9, zunächst im Erdgeschoss, danach wohl gemeinsam mit ihrer Schwester, der verwitweten Lina Oppenheimer, und deren Sohn Kurt im 2. Stock, möglicherweise sogar in derselben Wohnung wie Babette Baer. Sofie Falk musste am 2. Juli 1937 als Köchin ins jüdische Altenheim in Sontheim, wohl bis zu dessen Auflösung. 1940 finden wir sie im Haus Schillerstr. 6, bevor sie am 26. November 1941 „nach dem Osten“ deportiert und bei Riga ermordet wurde.
Mit demselben Transport wurde auch ihre Schwester Lina Oppenheimer (geb. Falk), 1887 ebenfalls in Heilbronn geboren, nach Riga transportiert und dort umgebracht; auch sie war 1939/40 im jüdischen Altenheim in Sontheim beschäftigt – als „Volontärin / Praktikantin“, wie es auf ihrer Lohnsteuerkarte heißt. Ihrem 1911 geborenen Sohn Kurt, der bis 1936 bei Mutter und Tante im Haus Frankfurter Str. 9 gelebt hatte, gelang die Flucht in die USA.
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Gartenstraße 31
Heilbronn
Simon Schlesinger, geboren am 10. Dezember 1876, entstammte einer Familie aus Bonfeld, wo seit dem 18. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde bestand. Einige seiner Verwandten waren bereits 1905 in Heilbronn wohnhaft; so gab es schon damals etwa ein „Zigarrenspezialgeschäft“ in der Lohtorstraße 30, das dann ab 1923 von Simon Schlesinger geführt wurde. Er wohnte mit seiner Ehefrau von 1920 an im Haus Gartenstraße 31.
Simon Schlesinger war verheiratet mit Ida geb. Wallerstein, geboren am 31. Oktober 1881, die aus Nürtingen stammte. Ihre Tätigkeit wird beschrieben als „Hausfrau später Verkäuferin“. Offenbar war das Ehepaar kinderlos; weitere Einzelheiten konnten über ihr Leben nicht recherchiert werden – es gibt auch keine Rückerstattungsakten im Staatsarchiv Ludwigsburg.
Zusammen mit dem Ehepaar Schlesinger lebte Clothilde Schlesinger geb. Gumbel, geboren am 5. Oktober 1881. Sie war wohl eine Schwägerin von Simon Schlesinger, die aus der weitläufigen und bekannten Heilbronner Familie Gumbel stammte.
Das Ehepaar Schlesinger musste aus seiner Wohnung in der Gartenstraße 31 in ein sogenanntes „Judenhaus“ in der Bismarckstr. 3/1 ziehen, nachdem wohl das Zigarrengeschäft „arisiert“ worden war. Am 24. April 1942 erfolgte der Transport „nach dem Osten“, nach Izbica, 60 km östlich von Lublin. Beide wurden mit Sicherheit ermordet, ein Todesdatum ist nicht bekannt.
Clothilde Schlesinger wurde am 12. August 1942 über Stuttgart nach Dellmensingen (in der Nähe von Ulm) transportiert und von dort am 22. August 1942 nach Theresienstadt. Als Todesdatum wird der 2. September 1942 angegeben.
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Gartenstraße 50
Heilbronn
Der 1874 als Sohn eines Bankiers geborene Siegfried Gumbel machte am Heilbronner Karlsgymnasium Abitur und studierte Jura in Tübingen. 1901 ließ er sich in Heilbronn als Rechtsanwalt nieder und leitete ab 1923 die Anwaltskanzlei Dr. Gumbel, Koch und Dr. Scheuer.
1904 heiratete er; seine Ehefrau erkrankte jedoch nach der Geburt der beiden Söhne an Multipler Sklerose, und Gumbel pflegte seine Frau in fürsorglicher Weise. Das Haus der Familie in der Heilbronner Gartenstraße wurde behindertengerecht geplant und gebaut – einschließlich Fahrstuhl.
Der Pazifist, Humanist und Anwalt Siegfried Gumbel engagierte sich in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens; seit 1924 war er Stellvertretender Vorsitzender des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, ab 1936 wurde er dessen Präsident. Er war viele Jahre Vorsitzender des Heilbronner Rechtsanwaltsvereins; seit 1932 vertrat er die Deutsche Demokratische Partei im Gemeinderat. Gumbel leitete die Heilbronner Ortsgruppen der „Vereinigung für das liberale Judentum“ und des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ und war 1932/33 Sekretär des Heilbronner Rotary-Clubs.
1933 zwangen ihn die Nationalsozialisten zum Ausscheiden aus dem Gemeinderat und er musste seinen Beruf aufgeben. Gumbel widmete sich fortan verstärkt der Sache seiner bedrohten Glaubensgenossen und half, die Lage der jüdischen Gemeindemitglieder zu erleichtern oder ihnen zur Auswanderung zu verhelfen. Er selbst verzichtete auf die Emigration und kehrte im Frühjahr 1937 von einer Palästinareise wieder nach Deutschland zurück; seine beiden Söhne waren schon 1933 emigriert.
Nach dem Novemberpogrom 1938 kam Gumbel zehn Tage in Lagerhaft im KZ Welzheim. Aber selbst von einer letzten Reise in die Schweiz im Sommer 1939 kehrte er nach Stuttgart zurück, wo er seit dem Tod seiner Frau lebte. Im Herbst 1941 wurde Gumbel verhaftet und Anfang 1942 im KZ Dachau ermordet.
https://stadtarchiv.heilbronn.de/stadtgeschichte/geschichte-a-z/g/gumbel-siegfried.html
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Gartenstraße 78/1
Heilbronn
Robert Heinrich Hildenbrand wurde am 14. Dezember 1890 in Heilbronn geboren. Er war evangelisch und von Beruf Gärtner; Zeitzeugen berichten, dass er Mitglied im Kirchenchor war.
Im Ersten Weltkrieg diente Robert Hildenbrand als Sanitäter; nach Aussagen von Zeitzeugen kehrte er traumatisiert aus dem Krieg zurück, nachdem seine Einheit unter Beschuss lag. Seine Ehe scheiterte, er begann zu trinken.
Seine Familie konnte seinen Abstieg nicht aufhalten – er hatte eine Schwester, die mit einem Lokomotivführer verheiratet war, und sein älterer Bruder Karl Hildenbrand war Botenmeister bei der Stadt Heilbronn und lebte mit seiner Frau Marie im Haus Fleiner Straße 9.
Die letzte Wohnung Robert Hildenbrands in Heilbronn befand sich im Haus Gartenstraße 78/1. Als er zum Arbeitsdienst beim Bau des Westwalls eingezogen wurde, desertierte er von der Baustelle. Im September oder Oktober 1941 wurde er von der Gestapo als „Nichtsesshafter“ bzw. „Asozialer“ in Heilbronn aufgegriffen und schließlich in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Das genaue Datum ist nicht bekannt.
Hier wurde Robert Heinrich Hildenbrand zunächst unter der Häftlingsnummer 8760 als ASR-Häftling, als „Asozialer“ geführt, bevor er dann der K-Kompanie zugeteilt wurde. Dies war eine lagerinterne Strafkompanie aus Häftlingen, die sich verschiedener Kriegsvergehen schuldig gemacht hatten.
Robert Hildenbrand starb am 24. November 1941 in Block 46, als offizielle Todesursache ist eine rechtsseitige Lungenentzündung angegeben. Die Einäscherung erfolgte am 26. November 1941. Die Urne wurde an seine Mutter in Ebingen geschickt, schließlich jedoch in Heilbronn bestattet.
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Goethestraße 44
Heilbronn
HIER WOHNTE BERTA KANDER GEB. GRÖTZINGER JG. 1896 FLUCHT 1937 PALÄSTINA
HIER WOHNTE ROSEMARIE KANDER JG. 1926 FLUCHT 1937 PALÄSTINA
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Große Bahngasse (früher Große Nägelinsgasse 9)
Heilbronn
Elsa Christine Scheufler wurde am 26. April 1915 als drittes Kind der Eheleute Jakob Friedrich Scheufler und Marie Sofie geb. Hörger geboren. Sie hatte zwei ältere Schwestern und einen jüngeren Bruder. Die Familie lebte in der Nägelinsgasse 9 in der Heilbronner Altstadt.
Elsa Scheufler war ein gesundes Kind, bis sie im Alter von zwölf Jahren in eine Kellerluke stürzte. Danach litt sie an epileptischen Anfällen, weswegen sie auch in Behandlung war.
Im Alter von 15 Jahren wurde Elsa Scheufler schwanger. Mit 16 ½ Jahren brachte sie am 30. Oktober 1931 ihre Tochter Marta Ida zur Welt. Während der Schwangerschaft wollte der Kindsvater Elsa Scheufler heiraten, aber Elsas Vater stimmte wegen ihrer Epilepsie nicht zu; Elsa Scheufler blieb deshalb mit ihrer Tochter Marta bei ihren Eltern.
Zwei Jahre nach dem Tod von Elsa Scheuflers Mutter am 5. Mai 1935 wurde ihre kleine Tochter Marta vom städtischen Jugendamt Heilbronn in das Kinderheim in Waldenburg gebracht, wo das Kind gut untergebracht war. Doch Mutter und Kind vermissten einander sehr.
Am 23. Januar 1942 fiel Elsa Scheuflers jüngerer Bruder Wilhelm an der Ostfront; ihr Vater Jakob Scheufler starb am 8. September 1942. Nun wurde die Lage von Elsa Scheufler noch schwieriger; sie wurde vom städtischen Wohlfahrtsamt am 30. November 1942 in die Heil- und Pflegeanstalten Zwiefalten eingewiesen.
Im Aufnahmeprotokoll in Zwiefalten wurden ihre Gesichtszüge als „germanisch“ beschrieben; bei der Einlieferung wog sie nur 43,5 Kilogramm. Elsa Scheufler wurde, obwohl sie täglich in der Näherei arbeitete, lediglich Verpflegungsklasse III zugebilligt, die niedrigste Stufe.
Während ihrer Zeit in Zwiefalten vermisste Elsa Scheufler ihre Tochter Marta, wie ihr letzter Brief beweist. Sie wünschte sich sehnsüchtig ein Bild von ihr. Dies wollte die Schwester von Elsa in Heilbronn beim Fotografen anfertigen lassen, was dieser jedoch für diesen Zweck verwehrte.
In der Krankenakte von Elsa Christine Scheufler, die heute noch in der Nachfolgeeinrichtung der Heil- und Pflegeanstalten Zwiefalten aufbewahrt wird, ist dokumentiert, dass Elsa am 9. Oktober 1943 während einer Untersuchung äußerte, sie könne und wolle nicht mehr in der Näherei arbeiten – wohl bedingt durch die schlechte Ernährung. Daraufhin wurde sie laut Akte in die Abteilung „E“ verlegt; von der Existenz dieser Abteilung ist nichts bekannt.
Am Abend des nächsten Tages, dem 10. Oktober 1943, starb Elsa Christine Scheufler, angeblich an einer „Lungenentzündung“; von dieser Krankheit war noch im Untersuchungsbericht vom Vortag nichts erwähnt. „Lungenentzündung“ wurde in Zwiefalten häufig zur Verschleierung der Morde mit einer Todesspritze benutzt.
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Gymnasiumstraße 31
Heilbronn
Max Pincus wurde 1869 in Posen (Polen) geboren, seine Frau Rosa, geborene Eichenberg, 1868 in Gießen. Zusammen zogen sie nach St. Johann an der Saar (heute Saarbrücken), wo 1895 ihr erstes Kind Ludwig zur Welt kam. Es folgten 1897 die Tochter Margarethe (verheiratete Rothschild) und 1901 ihr zweiter Sohn Walter.
Der älteste Sohn Ludwig fiel im Ersten Weltkrieg Ende des Jahres 1917 in Frankreich. Ungefähr zu dieser Zeit siedelte die Familie nach Heilbronn über; Max Pincus betrieb im Wohnhaus Friedensstraße 31 – heute Gymnasiumstraße – ein Versicherungsbüro, dem später auch der Sohn Walter beitrat.
Im Mai 1939 emigrierten Walter Pincus und seine Frau Edith Oppenheimer nach Ostafrika; Margarethe Pincus hielt sich Ende Oktober 1942 in London auf. Aber ihre nun schon betagten Eltern in Heilbronn mussten zunächst in ein „Judenhaus“ in der Moltkestraße umziehen, danach ins jüdische Altenheim in Heilbronn-Sontheim.
1941 war Rosa Pincus im Jüdischen Zwangsaltenheim in Herrlingen, später in der Heil- und Pflegeanstalt Zwiefalten, wo sie im Zuge des Euthanasie-Programms am 26. März 1942 ermordet wurde. Max Pincus wurde am 22. August 1942 von Stuttgart aus nach Theresienstadt deportiert, wo er am 10. oder 13. Dezember 1942 starb.
Eigentlich hatten Rosa und Max Pincus geplant, nach dem Krieg ihrem Sohn Walter nach Afrika zu folgen.
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Gymnasiumstraße 32
Heilbronn
In der Friedensstraße 32 – der heutigen Gymnasiumstraße – wohnte bis 1938 das Ehepaar Max und Hermine Strauss. Max Strauss, von Beruf Kaufmann, war seit den 1920er Jahren Gesellschafter der Zigarrenfabrik Gustav Adler; sie wurde 1935 aufgelöst. Danach verwaltete Max Strauss den „Adlerkeller“, eine frühere Brauereigaststätte im Besitz der Familie Würzburger. Das Lokal an der Ecke Klara- und Wollhausstraße hatte etwa 250 Plätze. Hier war ab 1936 die Schule für jüdische Kinder eingerichtet, nachdem sie öffentliche Schulen nicht mehr besuchen durften. Außerdem befand sich hier das Gemeindehaus für die immer kleiner werdende israelitische Gemeinde. Am 9. November 1938 wurde das Gebäude von einer Nazibande verwüstet und größere Mengen an Einrichtungsgegenständen, auch Geschirr und Gläser, blindwütig zerschlagen.
Das Ehepaar Strauss musste nun in ein „Judenhaus“ in der Wilhelmstraße und danach in die Badstraße 10 umziehen. Am 23. März 1942 wurden beide nach Haigerloch „umgesiedelt“ und von dort aus am 22. August 1942 nach Theresienstadt deportiert. Max Strauss starb dort am 17. Juni 1944. Seine Frau Hermine kam im Oktober 1944 nach Auschwitz. Das Todesdatum ist unbekannt.
Das Ehepaar Strauss hatte zwei Kinder: Erich, geboren 1912, und Hilde-Sophie, geboren 1919. Beide wanderten aus, Erich Strauss nach Argentinien, Hilde-Sophie nach England.
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Gymnasiumstraße 48
Heilbronn
Bertha Sternfeld wurde als Bertha Igersheimer am 8. März 1877 als Kind von Hermann Igersheimer und Hanna Levi in Heilbronn geboren. Sie hatte zwei ältere Geschwister, Sigmund und Ida, und einen jüngeren Bruder Otto – er war von 1930 bis zu seiner von den Nazis erzwungenen Absetzung Direktor des Heilbronner Bankvereins.
Bertha Igersheimer lebte mit ihrem Mann Friedrich Sternfeld in Erfelden (Stadt Riedstadt, Landkreis Groß-Gerau), wo am 24. April 1912 ihre Tochter Martha geboren wurde. Nach dem Tod ihres Ehemannes zog sie Anfang der 1930er Jahre zurück nach Heilbronn; sie meldete hier Ende 1930 einen Handel mit Kaffee, Tee und Leibwäsche an.
Seit Anfang 1933 lebte sie im Haus Friedensstraße 48, wo sie ihr Handelsgeschäft weiter betrieb. 1938 musste sie in die Weststr. 53 umziehen; sie meldete ihren Betrieb zum Jahresende 1938 ab. 1940 finden wir sie im Haus Karlsstraße 43, dem Haus ihres Bruders Otto Igersheimer.
Berta Sternfelds letzte Heilbronner Wohnung war im „Judenhaus“ Bismarckstraße 3a, wohin sie mit ihrem Bruder Otto ziehen musste. Sie wurde gemeinsam mit ihm am 20. Mai 1942 nach Oberdorf (Stadt Aalen) und von dort am 13. Juli 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde.
Ihre Tochter Martha war Ende 1934 gemeinsam mit ihrem ebenfalls aus Heilbronn stammenden Ehemann Rudolf Gummersheimer nach Palästina geflohen; sie zogen später nach Großbritannien.
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Heilbronn-Böckingen, Klingenberger Straße 74
Heilbronn
Ludwig Essinger kam am 9. Januar 1881 in Heilbronn zur Welt. Sein Vater Isidor führte hier seit 1874 ein Aussteuer- und Wäschegeschäft. Ludwig besuchte ab 1889 das Karlsgymnasium und legte zehn Jahre später die Reifeprüfung ab. Ab dem Sommersemester 1902 studierte er in München Medizin.
Mitte 1908 ließ sich der promovierte Mediziner in der damaligen Frankenbacher Straße 21 in Böckingen nieder; hier wirkte der beliebte Arzt knapp 30 Jahre, nur unterbrochen durch den Kriegsdienst als Stabsarzt während des Ersten Weltkriegs. Essinger war sozial eingestellt und erließ manch armen Patienten das Honorar. Er blieb ledig; spätestens seit 1920 lebte seine verwitwete Mutter Berta mit im Haushalt, der mehr als 30 Jahre lang von der Christin Friederike Burkhardt versorgt wurde. Sie fungierte auch als Arzthelferin und blieb bis 1942 bei Ludwig Essinger.
Bereits am 22. April 1933 verloren die jüdischen Ärzte ihre Zulassung als Kassenarzt. Im September 1938 wurde den jüdischen Ärzten grundsätzlich die Approbation entzogen, sie mussten sich „Krankenbehandler“ nennen und durften nur noch jüdische Patienten behandeln. Wenige Wochen später überfiel ein Trupp junger Nazis zweimal Essingers Wohnung in Böckingen. Er übernahm daraufhin in der Roßkampffstraße in Heilbronn die Praxis eines ausgewanderten jüdischen Arztes. Nach einer kurzen Zeit in einem „Judenhaus“ in der Bergstraße musste Essinger in Sontheim die Betreuung der Bewohner des Hauses Picard übernehmen: Es diente als Ersatz für das jüdische Altersheim in Sontheim und als Sammelstelle für die geplanten Deportationen. Angesichts seiner eigenen Deportation nahm sich Dr. Ludwig Essinger am 5. April 1942 das Leben; er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Sontheim in einem anonymen Grab beigesetzt.
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Heilbronn-Böckingen, Strombergstraße 34 (früher Kurze Straße)
Heilbronn
Lina Arnold wurde am 2. August 1900 in Heilbronn-Böckingen geboren. Ihre gemütskranke Mutter Rosine Arnold geb. Zentler verstarb wenige Wochen nach der Geburt. Die halbverwaiste Lina wurde zunächst vom Vater und den väterlichen Großeltern aufgezogen.
Nachdem der Vater, der wohl alkoholkrank war, straffällig wurde und die väterlichen Großeltern sich ebenfalls nur unzureichend um das Enkelkind kümmerten, wurde dem Vater 1903 durch das Königliche Landgericht Heilbronn das Sorgerecht entzogen und die Zwangserziehung von Lina Arnold angeordnet.
Die Schwester der Mutter, Marie Schellenberger geb. Zentler, und ihr Ehemann Friedrich Schellenberger nahmen Lina Arnold daraufhin als Pflegekind in ihren Haushalt in der Kurzestr. 34, heute Strombergstr. 34, in Heilbronn-Böckingen auf. Gemeinsam mit ihrer vier Jahre jüngeren Cousine Marie wuchs sie in diesem Haushalt auf. Im Jahr 1916 kam noch der Cousin Otto hinzu.
Nach einer laut Aktenlage unauffälligen Jugend arbeitete Lina Arnold zunächst sechs Jahre in einer Fabrik, dann abwechselnd immer wieder ein bis zwei Jahre als Hausangestellte und in der Fabrik. Dazwischen pausierte sie meist ein bis zwei Monate, da sie körperlich entkräftet gewesen sei. Ihre letzte Arbeitsstelle als Dienstmädchen in einem Privathaushalt in Freiburg gab sie nach kürzerer Dauer wohl am 27. Dezember 1929 auf. Nach ihren eigenen Angaben, „da sie gedankenlos geworden sei und viel müde und da sich der Hausherr ihr habe nähern wollen.“
Lina Arnold lebte dann wieder im Haus ihrer Pflegefamilie und wurde zu einem nicht bekannten Zeitpunkt wegen ihrer fortschreitenden psychischen Erkrankung entmündigt. Als Pfleger wurde Johann Baudermann ernannt, der mit der ältesten Tochter der Familie Marie Baudermann geb. Schellenberger verheiratet war und im gleichen Haus wohnte. Solange es möglich war, lebte Lina Arnold im Haus der Pflege-Großfamilie. Am 7. April 1932, nachdem sie die Wochen zuvor nahezu ausschließlich verängstigt und verzweifelt im Bett verbracht hatte, wurde Lina Arnold wegen „Selbstmordgefahr“ in die Heilanstalt Weinsberg eingeliefert und dort als „schizophren“ diagnostiziert. Am 14. April 1932 wurde ihr ein Invalidenzeugnis wegen dauerhafter Invalidität ausgestellt. Bei diesem ersten Aufenthalt verbesserte sich ihr Gesundheitszustand nicht, sie blieb verängstigt, weinte viel, berichtete von übel nachredenden Nachbarsleuten, die ihr den Hals abschneiden wollten. In ihrer Verzweiflung schrieb sie laut der Patientenakte hilferufende Briefe an Familie und Gericht. Am 16. Dezember 1932 holte sie die Familie daher wieder nach Hause.
Nachdem sie 1933 wegen einer angeblichen Anstellungsmöglichkeit ohne Kenntnis der Familie nach Calw reiste, wurde sie dort in wohl hilflosem Zustand aufgegriffen („irrte dort pausenlos herum“) und wieder in die Heilanstalt Weinsberg eingeliefert. Dort verbrachte sie ab dem 27. April 1933 ihr restliches Leben. Die meiste Zeit war sie antriebslos, arbeitete wenig bis gar nicht und war oft trübsinnig. Sie litt offenbar unter Verfolgungswahn und der Angst, dass sie vergiftet würde oder ihr sonst wie Schlimmes angetan würde. Ihr Zustand war ausweislich der Patientenakte wechselhaft und sie unternahm mehrere Fluchtversuche. Am 8. Mai 1940 wurde sie als „ungeheilt entlassen“ und mit dem Transport Nummer 22 in eine andere Anstalt, nämlich nach Grafeneck, verlegt.
Der familieninternen Überlieferung nach berichtete sie ihrem Pfleger bei dessen letztem Besuch, dass es bereits einen Transport nach Grafeneck zur Ermordung gegeben habe und sie für den nächsten vorgesehen sei. Offenbar war ihr daher am 8. Mai 1940 bekannt, dass sie ihre letzte Reise antreten würde. Am selben Tag wurde sie in Grafeneck liquidiert.
Das Todesdatum wurde offiziell auf den 27. Juni 1940 festgelegt; die angebliche Einäscherung erfolgte am 29. Juni 1940, an dessen 76. Jahrestag 2016 der Stolperstein für Lina Arnold verlegt wurde.
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Heilbronn-Böckingen, Teichstraße 8
Heilbronn
Emil Bauer, Jahrgang 1901, arbeitete als Prokurist bei der Firma Ludwig Müller (genannt „Öl-Müller“); seine Frau Frida war Stickerin.
Bauer gehörte zu den Zeugen Jehovas – den „Ernsten Bibelforschern“, die aus ihrer religiösen Überzeugung heraus sowohl den Hitler-Gruß als auch den Wehrdienst verweigerten. Emil Bauer war seit Oktober 1937 wegen Verweigerung einer militärärztlichen Untersuchung in Haft. 1938 stand er wegen der Unterstützung verschiedener Aktionen der Zeugen Jehovas gegen das Hitler-Regime vor einem Sondergericht in Heilbronn.
Das Gericht verurteilte ihn zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis; nach Verbüßung der Gefängnisstrafe kam Bauer in das KZ Sachsenhausen bei Oranienburg – Häftlingsnummer 3379 –, wo er im Mai 1940 starb.
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Heilbronn-Horkheim, Hohenloher Straße 15
Heilbronn
Im Haus der Familie Louis und Mathilde Maier in Horkheim wuchsen vier Geschwister auf: Max, Karl, Johanna und Helene. Max wurde am 24. April 1899 geboren, Karl am 11. September 1900, Johanna am 23. Oktober 1902 und Helene am 7. April 1908. Die Adresse lautete damals Sontheimer Str. 15 und umfasste das Wohnhaus mit Stall, Scheune und Gemüsegarten. Der Vater Louis war Viehhändler. Beide Eltern starben im Frühjahr 1929.
Max Maier wurde 1918 als junger Mann zum Ersten Weltkrieg eingezogen. Nach dem Tod der Eltern gehörte ihm zusammen mit seiner ledigen Schwester Johanna der elterliche Betrieb, in dem er die Weiterführung des Viehhandels übernahm. Am 11. Mai 1933 heiratete er Selma Sichel in Grünsfeld bei Tauberbischofsheim. Selma wurde am 20. Oktober 1901 als Tochter von Kirstin und Leopold Sichel in Grünsfeld geboren. Ihr Vater war ebenfalls Viehhändler. Er wurde am 1. Dezember 1937 gezwungen, seine Viehhandlung aufzugeben.
Mit der Eheschließung wurde Selma als Inhaberin des Betriebes geführt. Max Maier war als Geschäftsführer eingetragen. In den Akten ist vermerkt, dass er den Offenbarungseid leisten musste und vielfach vorbestraft sei. Des Weiteren ist ersichtlich, dass Max Maier in Schutzhaft genommen wurde. Der genaue Zeitpunkt und die Gründe ließen sich nicht recherchieren. Nach der Schutzhaft, ab Juni 1933, ordnete das Württembergische Oberamt in Heilbronn die Überwachung mit monatlicher Berichterstattung an. Es sollte festgestellt werden, „ob sich der Betreffende nunmehr jeder politischen Tätigkeit gegen den nationalen Staat und die bestehende Regierung enthält, diesen weder verunglimpft, noch sonst in irgendeiner Weise öffentlich angreift“. Wegen „einwandfreiem Verhalten“ wurden die Meldepflicht und die Berichterstattung ab Dezember 1933 eingestellt.
Am 5. März 1935 wurde dem Ehepaar Selma und Max Maier die gemeinsame Tochter Margot geboren. Im Jahr 1938 verschlechterten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie Maier, da Max seinen Beruf nicht mehr ausüben durfte. Er arbeitete als Tagelöhner in der Landwirtschaft und als Hilfsarbeiter in der Zuckerfabrik Münster. Jüdische Kinder durften den Kindergarten und die Schule nicht mehr besuchen.
Am 28. November 1941 mussten sich Max, Selma und Margot am Heilbronner Hauptbahnhof einfinden. Die Deportationen von Heilbronn gingen in insgesamt vier Transporten vor sich. Dem ersten Transport war die Familie Max Maier zugeordnet. Es war lediglich bekannt, dass „nach dem Osten abtransportiert“ werden sollte. Der Glaube war noch groß, dass es sich um eine Umsiedlung handeln würde. Am 1. Dezember wurden sie von Stuttgart in das Außenlager Riga verschickt und dort ermordet. Das Mädchen Margot Maier wurde nur sechs Jahre alt.
Der zweitgeborene der vier Geschwister, Karl Maier, arbeitete in Nürnberg als Metzgergehilfe bei der Metzgerei Weil. Er verstarb am 9. März 1922 als 21-Jähriger – Karl hatte sich erschossen. Er wurde auf dem „Neuen Israelitischen Friedhof“ in Sontheim bestattet.
Die Schwester Helene zog 1936 von Horkheim nach Heilbronn und arbeitete dort als Haustochter. Am 3. Februar 1938 heiratete sie ihren Verlobten Isaak Künstler und zog zu ihm nach Prichsenstadt bei Gerolzhofen. Isaak Künstler wanderte am 1. Juli 1939 aus. Er lebte nach dem Krieg in Sydney/Australien und stellte Nachforschungen über Helenes Schicksal an. Warum Helene nicht ebenfalls auswanderte, ließ sich nicht klären. Im Dezember 1939 zog sie von Gerolzhofen nach Sontheim in das jüdische Altersheim „Landesasyl Wilhelmsruhe“ und arbeitete dort.
Auch ihre jüngere Schwester Johanna lebte und arbeitete dort seit 1938. Johanna war zuvor Hausangestellte bei Familie Victor in der Bismarckstr. 27 in Heilbronn. In der „Reichskristallnacht“ im November 1938 wurden das Inventar und sämtliche Lebensmittelvorräte des Altersheims in einer Aktion der NSDAP systematisch zerstört. Im November 1940 musste die jüdische Gemeinde das Gebäude räumen, da umgesiedelte Deutsche aus den Ostgebieten dort untergebracht werden sollten. Die Bewohner wurden zum Teil in ihre Heimatgemeinden und zum Teil in andere Altersheime oder Judengemeinden abgeschoben.
Johanna zog nach Horkheim zurück. Helene begleitete einige Bewohner in die neue Unterkunft in der Lauffener Straße 12 in Sontheim. Bereits vier Wochen später, am 27. Dezember, zog Helene ebenfalls nach Horkheim. Die beiden Schwestern lebten noch ein gutes halbes Jahr im elterlichen Haus. Von dort aus wurden sie am 22. August 1942 mit dem vierten und letzten Transport von Heilbronn nach Theresienstadt deportiert. Am 29. Januar 1943 erfolgte die Weiterverschickung ins Vernichtungslager Auschwitz. Dort wurden Helene Künstler und Johanna Maier ermordet.
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Heilbronn-Sontheim, Deinenbachstraße 5
Heilbronn
In Sontheim gab es im 19. Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinde; um 1825 waren unter den etwa 1000 Einwohnern 88 Juden. Um die Jahrhundertwende waren es noch rund 30.
Im Haus Deinenbachstraße 5 lebte die 1859 geborene Witwe Gitta Strauß mit drei ihrer Kinder. Sie wurde von ihrer unverheirateten Tochter Selma betreut. Die ledigen Söhne Emil und Julius trugen als Reisevertreter zum Lebensunterhalt bei. Beide waren Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg. Die vierte Tochter Berta Kahn war in Waiblingen verheiratet.
Das Wohnhaus lag direkt neben der Sontheimer Synagoge, die ebenfalls der Familie Strauß gehörte. Sie wurde in der Reichspogromnacht 1938 verwüstet, das Haus Deinenbachstraße 5 ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Die enge Bebauung im Sontheimer Ortskern verhinderte eine Brandstiftung wie in Heilbronn.
Die drei Geschwister Emil, Julius und Selma Strauss wurden von Heilbronn aus im November 1941 nach Stuttgart deportiert; im anschließenden Transport nach Riga war auch ihre in Waiblingen lebende Schwester Berta Kahn. Alle vier fielen den Massenerschießungen bei Riga zum Opfer.
Gitta Strauß war alleine in Sontheim zurückgeblieben. Sie musste in das Haus Picard in der Lauffener Straße 12 umsiedeln, wo nach der Aufhebung des jüdischen Altenheims die letzten noch in Sontheim lebenden Juden zusammengezogen worden waren. Im August 1942 erfolgte mit den anderen Bewohnern die Deportation nach Theresienstadt. Dort fand sie am 29. August 1942 den Tod.
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Heilbronn-Sontheim, Hauptstraße 25
Heilbronn
Der aus Horkheim stammende Viehhändler Ludwig Maier lebte mit seiner Frau Mina, geborene Sicherer, in Sontheim in der Hauptstraße 25, die 1933 in Adolf-Hitler-Straße umbenannt wurde. Das Haus hatte bis 1924 der Israelitischen Gemeinschaft als Schulhaus gedient – nach der Abwanderung der meisten Juden aus Sontheim lohnte sich der Unterhalt eines eigenen Schulhauses nicht mehr.
Ludwig Maier galt nach den Worten des ehemaligen Sontheimer Bürgermeisters Richard Stieglitz als „bescheidener einfacher wohlgelittener Mensch, der Niemand etwas zu leid tat, saß am Abend gern im Wirtshaus zum Kartenspiel und war im Viehhandel mehr als ‚Schmußer‘ wie als Händler tätig.“
1938 siedelte das nun 65 Jahre alte Ehepaar Mina und Ludwig Maier ins jüdische Altenheim in Sontheim – das Israelische Landesasyl Wilhelmsruhe – über. Sie lebten von der Unterstützung durch ihren Sohn und die Israelitische Gemeinschaft.
Zwischen November 1940 und Juli 1941 waren sie in Berlichingen an der Jagst untergebracht. Nach ihrer Rückkehr nach Sontheim kamen sie in das Haus Picard in der Lauffener Straße 12, wo nach der Aufhebung des jüdischen Altenheims die letzten noch in Sontheim lebenden Juden zusammengezogen worden waren.
Ihr Weg führte sie im August 1942 zunächst nach Theresienstadt. Von dort aus wurden sie in das Vernichtungslager Treblinka nordöstlich von Warschau deportiert und dort ermordet.
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Heilbronn-Sontheim, Hofwiesenstraße 25
Heilbronn
Arthur Kirchheimer wurde am 11. Dezember 1890 in Berwangen (heute ein Ortsteil von Kirchardt), geboren. Kirchheimer war während des Ersten Weltkriegs Soldat und trug eine 30-prozentige Kriegsbeschädigung davon.
Noch in Berwangen heiratete er seine Frau Rosa (auch Flora genannt), geb. Stein, die am 27. September 1892 in Freudental auf die Welt gekommen war. Berwangen ist zu der Zeit - wie Freudental - ein Ort mit vielen jüdischen Mitbürgerinnen, die das Gemeindeleben in den Orten deutlich mitprägen. In Berwangen wird auch ihr einziger Sohn Erich am 24. Dezember 1920 geboren.
Spätestens 1925 findet sich die junge Familie in Heilbronn – zuerst in der Sontheimer Str. 48, 1931 dann in der erst kurz zuvor neu angelegten Solothurner Straße, im Haus Nummer 23, an der Kreuzung zur Südstraße. Im Heilbronner Adressbuch desselben Jahres wird unter dem Namen von Arthur Kirchheimer auch eine „jüdische“ Firma für Manufakturwaren genannt – Textilwaren, die nach Wunsch des Käufers abgemessen und -geschnitten sind. Im Jahr 1934 wohnt das Ehepaar Kirchheimer Solothurner Str. 7, ist jedoch wohl schon bald darauf nach Sontheim gezogen.
Für das Jahr 1936 ist deshalb keine Adresse im Heilbronner Adressbuch genannt; für Sontheim gibt es erst nach der Eingemeindung 1938 entsprechende Unterlagen. In diesem Jahr ist dann der Name des Ehepaars Kirchheimer in der Hofwiesenstr. 25 in Sontheim zu finden.
Zwei Tage nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 findet sich Arthur Kirchheimer in einem besonders bedrückenden Ort in Haft: Dachau, Konzentrationslager. Einen Monat lang, bis 12. Dezember 1938 muss er dort ausharren. Seit dem 21. November 1938 wohnt seine Frau bereits in der Raiffeisenstr. 31, dem sogenannten Asyl, ein jüdisches Altenheim, und ihr Mann folgt ihr nach seiner Entlassung aus Dachau dorthin. Der frühere Kaufmann betätigte sich dort als Hausmeister.
Fünf Monate später, am 19. April 1939, gelingt ihrem Sohn Erich Kirchheimer noch kurz vor Kriegsausbruch die Ausreise in die USA. Er ist zu diesem Zeitpunkt gerade 18 Jahre alt. Sohn und Eltern werden sich nicht wiedersehen.
Ab 25. November 1940 müssen die Eheleute in das sogenannte „Judenhaus“ in die Frankfurter Str. 46 ziehen. Fast genau ein Jahr später ist für den 26. November 1941 ihr Wegzug „nach dem Osten“ überliefert. Wie viele andere jüdische Mitbürger vor ihnen wurden sie zunächst nach Stuttgart gebracht, Nordbahnhof. Dort werden die Züge zu den Vernichtungslagern zusammengestellt. Am 1. Dezember 1941 kommen die Eheleute Kirchheimer in Riga-Jungfernhof an, einem Außenlager des Ghettos Riga. 1941 werden die Menschen dort in der Regel von Erschießungskommandos ermordet.
Ein genaues Todesdatum für Arthur und Rosa Kirchheimer ist nicht bekannt.
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Heilbronn-Sontheim, Parkstraße 33
Heilbronn
Die beiden unverheirateten Schwestern Julie und Rosalie Israel gehörten zur Eigentümerfamilie der Schuhfabrik Wolko, die von ihrem Vater Salomon Israel 1889 in Öhringen gegründet worden war.
Hermann Wolf, ein Schwiegersohn des Gründers, war an der Firma beteiligt und gab ihr seinen Namen: Hermann Wolf & Compagnie. 1890 siedelte die Firma nach Sontheim über; die Brüder Isaak, Albert und Moriz Israel waren ebenfalls im Unternehmen tätig, das schnell expandierte. 1930 hatte die Firma rund 960 Mitarbeiter.
Die Eltern Salomon und Babette Israel hatten insgesamt 14 Kinder; sie feierten 1912 in Sontheim ihre Goldene Hochzeit und richteten aus Anlass dieses für die damalige Zeit seltenen Ereignisses eine gemeinnützige Stiftung ein.
Die meisten Familienmitglieder konnten emigrieren; ein Geschäftsführer rettete den Besitz der Schuhfabrik über den Krieg hinweg für die Familie. 1960 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, 1970 die Produktion eingestellt und das Gelände mit Wohnungen bebaut.
Es ist nicht bekannt, warum die Schwestern als einzige zurück bleiben. Julie und Rosalie lebten in der Sontheimer Firmenvilla, bis sie im November 1940 zwangsweise in das Haus Picard in der Lauffener Straße 12 umziehen mussten, wo nach der Aufhebung des jüdischen Altenheims die letzten noch in Sontheim lebenden Juden zusammengezogen worden waren. Hier lebten die beiden älteren Fräulein fast zwei Jahre, bis sie am 20. August 1942 zusammen mit den 22 anderen Bewohnern des Hauses nach Theresienstadt deportiert wurden und dort starben.
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Herbststr. 14
Heilbronn
Frida Kraft, geboren am 15. Mai 1865 in Billigheim, kam schon im frühen Kindesalter gemeinsam mit ihrer Familie nach Heilbronn. Ihre Schwester Betty wurde am 7. Februar 1873 in Heilbronn geboren. Gemeinsam lebten die Schwestern bis ins hohe Alter in einer Wohnung in der Herbststraße 14 in Heilbronn. Frida Kraft arbeitete als selbstständige Privatlehrerin und Betty Kraft als Schneiderin.
Bereits im Jahr 1937 wanderte ein Großteil ihrer Familie nach Genua in Italien aus, um Schutz vor dem immer stärker werdenden Antisemitismus in der Gesellschaft zu suchen. Die beiden Schwestern blieben jedoch, wahrscheinlich auf Grund der gesundheitlichen Situation Betty Krafts, in Heilbronn zurück.
Den Akten zufolge wurden die beiden Schwestern am 6. November 1941 aus ihrer Wohnung in der Herbststraße 14 in das Judenhaus in der Heilbronner Dammstraße 26/1 gebracht. Von dort aus wurden sie in einem Transport mit 30 Personen am 23. März 1942 nach Haigerloch umgesiedelt und am 22. August 1942 nach Theresienstadt / Terezín deportiert. Vier Wochen später, am 29. September 1942, brachte man sie ins Vernichtungslager Treblinka.
Obwohl dieser Deportationsweg durch offizielle Dokumente belegt ist, kursierte in der Heilbronner Bevölkerung lange Zeit das Gerücht, dass die beiden Schwestern auf dem Marktplatz erschossen worden seien. Hierfür gibt es jedoch weder Beweise noch Unterlagen, die dies bestätigen würden.
Das Leben von Betty und Frida Kraft zeigt, wie weit geschwisterlicher Zusammenhalt gehen kann. Gemeinsam lebten sie, standen füreinander ein und gingen am Ende sogar den Weg in den Tod gemeinsam.
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Herbststraße 30
Heilbronn
Seinen leidenschaftlichen Kampf gegen den Nationalsozialismus bezahlte der Heilbronner Kommunist Gottlob Feidengruber mit dem Leben: Ende der 1920er Jahre hatte er sich mit seiner Frau Rose der Kommunistischen Partei Deutschlands angeschlossen. Als Mitglied des seit 1929 verbotenen Rotfrontkämpferbunds wurde Feidengruber 1931 verhaftet und 1932 zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Rückkehr nach Heilbronn im Mai 1933 ging Feidengruber in den Widerstand und kam im Frühjahr 1934 erneut in Haft.
Aber er konnte sich mit Hilfe seiner Frau befreien; sie setzten sich ins damals französische Saargebiet ab und flohen nach dessen Anschluss an Nazideutschland weiter nach Frankreich. Feidengruber zog mit den Internationalen Brigaden in den spanischen Freiheitskampf und blieb nach Francos Sieg im besetzten Frankreich im Widerstand aktiv.
1943 wurde er verhaftet und im Januar 1944 in Paris wegen Zersetzung der Wehrkraft zum Tode verurteilt. Am 26. Januar wurde er – wie viele andere Widerstandskämpfer auch – auf dem Mont Valerien in der Nähe von Paris erschossen.
Seit 1984 erinnert eine Gedenktafel an einem Mauerrest des Heilbronner Klaraklosters in der Siebeneichgasse an Gottlob Feidengruber.
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Hundsbergstraße 41/1
Heilbronn
Emma Pakscher geb. Meyerhof wurde am 23. August 1865 als erstes Kind der Eheleute Albert und Lina Meyerhof in Hildesheim geboren. Emma hatte eine jüngere Schwester Henriette und einen jüngeren Bruder Max.
Emma Meyerhof hatte ihren Gatten Max Pakscher im Alter von 26 Jahren geheiratet; die gemeinsame Tochter Alice Irene kam am 4. September 1891 zur Welt. Max Pakscher war gelernter Kaufmann.
Nach seinem Tod lebte Emma Pakscher bei ihrer Tochter Alice Irene Pfleiderer geb. Pakscher in der Hundsbergstraße 41/1 in Heilbronn. Sie hatte 1912 den Heilbronner Juristen Hans Pfleiderer geheiratet, mit dem sie zwei Söhne, Gerhard und Hellmut, und eine Tochter Hilde bekam. Hans Pfleiderer war ab 1926 als Amtsgerichtsdirektor in Heilbronn tätig.
Hellmut, der Sohn von Alice und Hans Pfleiderer, machte 1931 sein Abitur, studierte Jura und lebte zeitweise in Heilbronn bei seiner Familie, bevor er als „Halbjude“ gemeinsam mit seinem Bruder Gerhard einen Deportationsbefehl nach Leimbach erhielt. Dort mussten beide in einem Kupferbergwerk arbeiten. In diesem Lager wurden sie von November 1944 bis April 1945 festgehalten, bis sie schließlich von den Amerikanern befreit wurden.
Auch Hilde Pfleiderer blieb nicht unverschont. Sie wurde als Halbjüdin nicht im Heilbronner Krankenhaus aufgenommen, um eine Rippenfellentzündung behandeln zu lassen. Sie starb am 26. Februar 1938 in einer Privatklinik an einer Blutvergiftung.
Hans Pfleiderer gelang es, die Deportation seiner Schwiegermutter Emma Pakscher einige Male aufzuschieben. Aufgrund seiner aus einer jüdischen Familie stammenden Frau galt er jedoch vielen seiner Kollegen als „jüdisch versippt“ und wurde 1936 frühzeitig in den Ruhestand versetzt. Hans Pfleiderer ist am 23. Januar 1944 verstorben.
Emma Pakschers letzter Deportationsbefehl für den 16. April 1943 nach Theresienstadt konnte nicht mehr aufgeschoben werden. Daraufhin beging die jüdische Witwe mit 76 Jahren am 14. April 1943 Selbstmord. Im Februar 1945 erhielt auch Alice Pfleiderer einen Deportationsbefehl nach Theresienstadt; es sollte der letzte Transport sein, der Heilbronn verließ.
Aber der Nachbar Dr. Carl Feyerabend konnte ihre Abholung verhindern, indem er Alice von Januar 1945 bis zum Kriegsende in seinem Keller versteckt hielt. Alice Pfleiderer starb am 6. Juli 1980 im Alter von 88 Jahren.
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Innsbrucker Straße 29
Heilbronn
HIER WOHNTE KLARA AMBERG JG. 1862 DEPORTIERT 1941 TOT AUF TRANSPORT 18.12.1941 JÜDISCHES KRANKENHAUS BERLIN
HIER WOHNTE ANNA AMBERG JG. 1890 FLUCHT 1939 ENGLAND
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Innsbrucker Straße 31
Heilbronn
Die jüdischen Familien Stein und Henle lebten beide im Haus Nr. 31 der Staufenbergstraße, die 1938 in Innsbrucker Straße umbenannt wurde. Die Hausfrau Frida Stein, geborene Wollenberger, war mit dem Synagogen-Chorleiter Maier Stein verheiratet. Ihr Sohn Ludwig war am 6. April 1918 im Ersten Weltkrieg gefallen. Sein Name wurde nach der Einweihung des Ehrenmals im Hafenmarktturm 1936 entfernt und erst nach 1945 wieder eingefügt.
Maier Stein starb 1941. Seine Frau wurde 1942 über Haigerloch nach Theresienstadt bei Prag deportiert. Dort lebten zeitweise mehr als 87.000 Menschen. Zehntausende wurden weiter nach Osten deportiert und dort ermordet – Frida Stein nach Treblinka nordöstlich von Warschau.
Die Tochter Sofie Flora war mit Moritz Henle aus Lehrensteinsfeld verheiratet. Mit seinem Bruder Julius betrieb er eine Herrenmaßschneiderei in der Klarastraße 6. Beide erlebten den Naziterror hautnah: Julius Henle wurde 1933 im sogenannten „Braunen Haus“, der Nazizentrale am Fleiner Tor, von uniformierten Parteimitgliedern mit Stahlruten so verprügelt, dass er mehr als vier Wochen im Krankenhaus lag. Nach der Reichspogromnacht vom 9. auf 10. November 1938, in der auch die Heilbronner Synagoge an der Allee brannte, wurde die Schneiderei der Brüder Henle verwüstet.
Wie viele andere Juden auch wurde Sofie Henle zur Zwangsarbeit verpflichtet. Mit ihrem Mann Moritz und ihrem Schwager Julius wurde sie beim ersten Transport 1941 „nach dem Osten“ deportiert und am 26. März 1942 bei Riga ermordet.
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Kaiserstraße 34
Heilbronn
Der Heilbronner Otto Igersheimer war in der Stadt sehr angesehen. Sein Vater hatte eine Modewaren-Handlung, Otto Igersheimer arbeitete an der Seite von Abraham Gumbel als Bankkaufmann, seit 1909 beim neu gegründeten Heilbronner Bankverein. Beide führten ihn in die genossenschaftliche Struktur über, die als Volksbank Heilbronn heute noch besteht.
Nach dem Tod Gumbels wurde Otto Igersheimer 1930 Direktor des Heilbronner Bankvereins. Aber schon wenige Wochen nach der Machtergreifung wurde das Bankhaus an der Kaiserstraße direkt neben der Kilianskirche zum Ziel der antisemitischen NS-Politik. Am 25. April 1933 wurden die Bank und die Wohnung von Igersheimer in der Karlstraße von je 30 Nazis besetzt. Eine Menschenmenge vor dem Bankgebäude skandierte „Jud Igersheimer raus!“
Der Vorstand des Bankvereins hielt dem Druck nicht stand; Direktor Igersheimer wurde entlassen. Die Nazi-Parteizeitung „Heilbronner Tagblatt“ begrüßte am Tag darauf die „absolute Judenreinheit dieses bodenständigen Bankinstitutes“.
Otto Igersheimer konnte vor der Menschenmenge flüchten, blieb aber in der Stadt. Er stand danach als Gemeinde- und Stiftungspfleger in den Diensten der jüdischen Gemeinde und betreute später auch die „Beratungsstelle für Fürsorge und Unterstützungswesen der jüdischen Gemeinde Heilbronn a.N.“ Igersheimer wurde am 20. Mai 1942 nach Oberdorf deportiert und von dort in das Vernichtungslager Auschwitz, wo er am 13. Juli 1942 ermordet wurde.
https://stadtarchiv.heilbronn.de/stadtgeschichte/geschichte-a-z/i/igersheimer-otto.html
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Karlstr. 37
Heilbronn
Gustav Karlsruher wurde am 23. Oktober 1872 in Heilbronn geboren. Er ist der jüngste Sohn von Moses Karlsruher und seiner Gattin Bertha Reis. Gustav Karlsruher war im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 Kriegsteilnehmer.
Seine Eltern betrieben eine Lumpensortieranstalt, welche Gustav übernahm. Im Jahr 1919 überschrieb er die Vollmacht zur Firmenleitung dem Kaufmann Wilhelm Schilling.
Karlsruher war mit der 1878 in Metz geborenen und dort aufgewachsenen Dora Klein verheiratet. Dort gab es eine große jüdische Gemeinde, deren Spuren bis ins neunte Jahrhundert zurückgehen. Es ist nicht bekannt, wie Dora nach Heilbronn kam.
Am 24. August 1907 kam ihr gemeinsamer Sohn Ernst Karlsruher zur Welt. Das Ehepaar lebte bis 1931 in der Wartbergstraße 10, danach im Haus Karlstraße 37, das als letzter freiwillig gewählter Wohnort der beiden gelten kann. Dort lebten sie bis Mitte der 1930er Jahre.
Ihr Sohn Ernst Karlsruher wanderte 1928 in die USA aus, wo er seinen Vornamen auf Ernest ändern ließ. Die Eltern verließen Heilbronn 1935, als die Verdrängungsphase der jüdischen Bevölkerung aus dem wirtschaftlichen und kulturellen Leben bereits in vollem Gang war, und flüchteten nach Frankreich, in Doras Heimatstadt Metz.
Nach der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen wurden sie in Frankreich verhaftet und in Drancy bei Paris interniert. 1944 kam die Deportation nach Auschwitz-Birkenau, wo sie ermordet wurden. Als Todesdatum wird für beide der 30. Juni 1944 angegeben.
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Karlstraße / Glockengießerhof (früher Karlstraße 13)
Heilbronn
Siegfried Schloss kam mit seiner Familie 1921 aus Oberfranken nach Heilbronn. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1930 Elsa Lemberger. Schloss war bis zur Zerschlagung der Israelitischen Kultusgemeinde im November 1939 Synagogen-Verwalter, Religionslehrer und Schächter.
Im März 1933 wurde er von jungen NSDAP-Mitgliedern vom Schlachthof quer durch die Stadt zum „Braunen Haus“ gejagt, dabei verspottet und im Keller des Partei-Quartiers schwer misshandelt. Erst als der Sohn eines Heilbronner Metzgermeisters kam und verlangte, dass man Schloss nach Hause schicke, ließen sie von ihm ab.
Alle drei Kinder von Siegfried Schloss emigrierten und entkamen so der Ermordung: Erich floh 1933 nach Palästina und lebte dort in einem Kibbuz; Fanny musste 1935 ihre Stellung als Sekretärin in der Zigarrenfabrik Anselm Kahn in Heilbronn aufgeben und emigrierte 1939 in die USA. Elfriede floh 1940 ebenfalls in die USA.
Nach der Zerschlagung der jüdischen Gemeinde war Siegfried Schloss ohne Einkommen und mit seiner Familie auf die Armenunterstützung angewiesen. 1941 wurde er zu Zwangsarbeiten herangezogen. Am 1. Dezember 1941 wurden Siegfried und Elsa Schloss nach Riga deportiert und dort ermordet.
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Kirchbrunnenstraße 23 (früher 9 ½)
Heilbronn
Seit etwa 1916 lebte das Ehepaar Hermann und Betty Weiss im Haus Kirchbrunnenstraße 9 ½ (heute Kirchbrunnenstraße 23). Sie betrieben in der angrenzenden Kasernengasse einen Laden für Kleider- und Schuhwaren.
Betty Weiss wurde am 11. April 1881 in Eberbach geboren. Ihr Mädchenname war Israel. Über ihre Familie konnten leider keine Informationen ermittelt werden. Betty wohnte in ihrer Kindheit in Wertheim, zog jedoch später aus unbekannten Gründen nach Heilbronn um.
Hermann Weiss wurde am 22. November 1881 geboren; sein Geburtsort ist unbekannt. Das Ehepaar hatte keine Kinder.
Der Laden des Ehepaars in der Kasernengasse 2 war schon in den 1920er Jahren wirtschaftlich angeschlagen. 1926 bittet Hermann Weiss das Finanzamt, seine Steuervorauszahlungen zu reduzieren, da „durch die Arbeitslosigkeit“ seine Kundschaft „sehr leidet“.
Nachdem Hitler und die Nationalsozialisten an die Macht kamen und die Juden zunehmend diskriminiert und unterdrückt wurden, musste das Ehepaar aus ihrem Laden einen Trödelladen machen.
Am 19. Dezember 1938 ist Hermann Weiss im Alter von nur 57 Jahren in Heilbronn gestorben. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Heilbronn begraben; sein Grab besteht heute noch.
Ende November 1941 wurde Betty Weiss mit dem ersten Transport von Heilbronn aus zunächst nach Stuttgart gebracht. Von dort aus wurden die Menschen am 1. Dezember nach Riga gebracht und ermordet. Betty Weiss wurde 60 Jahre alt.
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Kirchbrunnenstraße 28
Heilbronn
HIER WOHNTE THEKLA OPPENHEIMER GEB. TAUB JG. 1882 DEPORTIERT 1941 RIGA ERMORDET
HIER WOHNTE RUTH OPPENHEIMER JG. 1910 FLUCHT 1939 CHILE
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Klarastraße 6
Heilbronn
Max Rosenthal wurde am 26. September 1872 als Sohn von Jacob und Betty Rosenthal in Heilbronn geboren. Mit seiner Frau Emma Schloss und seiner Tochter Eugenie Luise, die am 1. November 1905 geboren wurde, lebte er im Haus Klarastrasse 6. Max Rosenthal war Weinhändler und unter anderem an der Wein-Großhandlung Max Rosenthal und Josef Dornacher beteiligt. Die Geschäftsräume befanden sich im Haus Götzenturmstr. 43, das der Familie gehörte.
Im April 1938 musste Rosenthal den Weinhandel aufgeben; Teile des Immobilienbesitzes wurden an die Stadt bzw. ehemalige Konkurrenten verkauft. Wegen dieser Zwangsverkäufe kam es nach dem Zweiten Weltkrieg zu längeren Rückerstattungsverfahren.
Nachdem in der Nacht von 9. auf 10. November 1938 die Heilbronner Synagoge angezündet worden war und Nazibanden die Schaufenster etlicher jüdischer Geschäfte eingeschlagen hatten, rückten in der darauffolgenden Nacht weitere Schlägertruppen aus, von denen eine im Haus Klarastraße 6 zunächst die Schneiderei Henle verwüstete und danach in die Wohnung der Familie Rosenthal im zweiten Stock eindrang und die Einrichtung demolierte.
Alice Rosenthal, verheiratete Schwab, die Nichte von Max Rosenthal, emigrierte im Dezember 1937 nach England; ihr Vater Ludwig, der jüngere Bruder und Geschäftspartner von Max, verließ Heilbronn im April 1939. Max Rosenthal selbst blieb in Heilbronn, auch nachdem er zusammen mit Frau und Tochter aus der Wohnung in der Klarastraße in das „Judenhaus“ Moltkestr. 27 umziehen musste.
Seine Frau und die Tochter Eugenie, genannt Gina, versuchten ebenfalls nach England zu kommen, was zunächst auch zu gelingen schien – Gina schrieb am 16. April 1939 an ihre Cousine Alice, dass sie am „Freitag vormittag“ am Bahnhof Liverpool Street ankommen würde und bat darum, sie abzuholen, „da ich mich ja gar nicht auskenne“. Aber sie stieg aus unbekannten Gründen in Köln aus dem Zug und kehrte nach Heilbronn zurück.
Hier musste die Familie mehrfach umziehen – Allerheiligenstr. 32 und Badstr. 10 lauteten die Adressen. Am 9. Mai 1941 starb Emma Rosenthal im Alter von 64 Jahren. Max Rosenthal wurde am 23. März 1942 nach Haigerloch deportiert, von dort nach Theresienstadt und schließlich am 29. September 1942 nach Treblinka, wo er ermordet wurde. Eugenie Rosenthal war schon am 26. November 1941 „nach dem Osten“ deportiert worden; am 1. Dezember 1941 kam sie in das KZ Jungfernhof bei Riga, wo sie den Tod fand.
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Moltkestraße 16
Heilbronn
Hermann Eisig wurde am 23. Dezember 1888 in Heilbronn als Sohn von Eduard und Helene Eisig geboren. Sein Ehefrau Melitta, geborene Vogel, kam am 26. Oktober 1895 in Tauberbischofsheim zur Welt. Hermann Eisig übernahm nach dem Tod seines Vaters gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm die Firma „Eisig & Marx, Gewürze- und Gedärmeimport“ in der Bergstraße 7; die Firma hatte auch eine Niederlassung in Stuttgart.
Die Familie lebte in der Uhlandstraße 7, wo sie den ersten Stock – die „Belle-Étage“ – bewohnte; vor 1936 zog sie in die Moltkestraße 16 um. 1939 wurde die Firma der Familie „arisiert“, woraufhin Wilhelm Eisig mit seiner Frau Selma zuerst nach England und später nach New York auswanderte.
Im selben Jahr begannen die Bemühungen der Familie, dem 16-jährigen Sohn Hans-Eduard die Ausreise nach England zu ermöglichen. Hans-Eduard schrieb in diesem Zusammenhang in seinem Lebenslauf: „Mit sechs Jahren kam ich in die hiesige Grundschule, die ich bis zum Ende der 4. Klasse besuchte; von da an kam ich in die Oberrealschule, jetzt Robert-Mayer-Oberschule genannt. Ostern 1939 bekomme ich die Mittlere Reife. Alsdann möchte ich mich für einen Beruf vorbereiten. An fremden Sprachen lerne ich seit fünf Jahren Französisch, seit drei Jahren Latein; in Englisch habe ich seit eineinhalb Jahren Privatstunden. Ich spiele seit viereinhalb Jahren Violine und habe schon wiederholt bei Konzerten des hiesigen Kulturbundorchesters mitgewirkt. Ich möchte gerne einen technischen Beruf, wie Elektrotechnik, Radiofabrikation, Motorenbau (…) erlernen. Falls sich in den aufgeführten Berufen nichts für mich finden sollte, hätte ich auch Freude an der Erlernung der Fotografie (…). Es ist mein Wunsch, nach England kommen zu dürfen und mich im Lande selbst in der Sprache zu vervollkommnen und mich zu einem tüchtigen Menschen heranzubilden.“
Das „Movement for the Care of Children from Germany“, das israelitische Fürsorgeamt Stuttgart und der Bund israelitischer Wohlfahrtsvereinigungen versuchten ihr Möglichstes, Hans-Eduard eine Zukunft in England aufzubauen. Er hatte bereits eine Stelle in England bei der Firma „Walton & Brown Limited“ als Auszubildender, konnte diese jedoch aus Geldmangel nicht antreten. Er hielt sich zu dieser Zeit bei seiner Großmutter Helene Eisig in Stuttgart auf. Später wurde er nach Berlin-Charlottenburg geschickt; am 8. November 1943 wurde er schließlich nach Auschwitz deportiert und am selben Tag ermordet.
Das Ehepaar Melitta und Hermann musste 1939 in das Judenhaus in der Badstraße 22 umziehen. 1940 nahm Hermann an einem Arbeitseinsatz teil, wo er zur Straßenarbeit gezwungen wurde aufgrund der „Verordnung über die Beschäftigung der Juden“. Ende 1940 übernahm er die Arbeit von Julius Kirchhausen, der nach Baltimore auswanderte. Sie bestand darin, Juden aus dem württembergischen Unterland und der badischen Nachbarschaft notwendige Auswanderungspapiere zu besorgen und bei Auswanderung zu helfen. Am 21. November 1941 erhielt das Ehepaar Eisig die folgende Nachricht: „Gemäß der Weisung der Geheimen Staatspolizei Stuttgart, haben sich nachstehende Personen ab dem 26. dieses Monats zur Evakuierung nach dem Osten bereit zu halten“. Am angekündigten Tag erfolgte die Deportation nach Riga, wo das Ehepaar Eisig am 1. Dezember 1941 getötet wurde.
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Moltkestraße 23
Heilbronn
Max Stern wurde am 29. April 1867 in Heilbronn geboren. Seine Eltern waren Samuel Simon und Wilhelmine Stern geb. Kirchheimer. Er war der dritte von vier Söhnen: Der erstgeborene Louis Stern starb schon ein halbes Jahr nach seiner Geburt 1862; Moritz Stern, geboren 1864, starb 1933 in Heilbronn; der dritte Bruder Richard, geboren 1871, war „durch allgemeine Körperschwäche“ behindert – er starb am 5. September 1942 in Theresienstadt.
Max Stern heiratete Meta Gunzenhausen, geboren am 21. Januar 1878 in Mergentheim. Sie hatten zwei Söhne, Siegfried, geboren am 24. Oktober 1907, und Hermann, geboren am 30. August 1910. Max Stern war Kaufmann und besaß eine Getreide- und Futtermittelgroßhandlung in der Moltkestraße. Schon sein Vater hatte eine Getreidehandlung betrieben, allerdings in der Bergstraße. Zwischen 1936 und 1938 musste das Ehepaar Stern von ihrer Wohnung im Erdgeschoss der Moltkestraße 23 in das „Judenhaus“ in der Braunauer Straße 12 (heute Rollwagstraße) umziehen. Ein weiterer Umzug fand in das Judenhaus in der Badstraße 10 statt, wo Max und Meta Stern bis zum 27. März 1942 wohnten. Zu diesem Datum wurden sie nach Haigerloch umgesiedelt. Von dort aus erfolgte die Deportation nach Theresienstadt. Hier fanden Meta Stern am 8. Mai 1942 und Max Stern am 5. September 1942 den Tod.
Auch der Sohn Hermann Stern wurde zuerst in das Judenhaus in der Braunauer Straße umgesiedelt; ab März 1942 musste er Zwangsarbeit beim sogenannten „Pillgram Holzkommando“ in Jakobsdorf bei Berlin leisten, bevor er nach Auschwitz deportiert und am 19. April 1943 ermordet wurde. Über das Schicksal des zweiten Sohns Siegfried konnte nichts ermittelt werden.
Siegfried Steigerwald wurde am 11. September 1881 als Sohn von Louis und Karoline Steigerwald geb. Löwengardt in Heilbronn geboren. Er hatte fünf Geschwister, wobei sein ältester Bruder Jacob aus der ersten Ehe des Vaters stammte – die erste Ehefrau Sarah geb. Rosenthal verstarb bereits mit 30 Jahren. Die Geschwister Steigerwald – Oskar, Julius, Rosel (verheiratete Ucko) und Emma (verheiratete Oppenheimer) – wuchsen zusammen mit Siegfried Steigerwald im Haus der Firma in der Kurze Straße 1 auf.
Siegfried Steigerwald heiratete Nanny Heilbronner (geboren am 7. März 1898 in Heilbronn). Das Ehepaar hatte zwei Töchter: Edith (geboren am 2. April 1922) und Suse (geboren am 30. Januar 1921). Die Familie zog Anfang der 1920er Jahre in die Moltkestr. 23.
Siegfried Steigerwald erbte zusammen mit seinen Brüdern Julius und Oskar die Likörfabrik „Steigerwald AG“, die von Louis Steigerwald im Jahr 1869 gegründet worden war. Seit 1936 wurde die Firma schrittweise „arisiert“, Ende des Jahres 1937 übertrugen Siegfried Steigerwald und seine Brüder unter Druck ihren Aktienanteil an eine Heilbronner Bank. Nach der Arisierung hieß die Firma „Lucca“.
Nach dem Verlust der Firma und wohl auch in Folge davon zog das Ehepaar Steigerwald im August 1938 mit ihrer jüngeren Tochter Suse nach Berlin. Die Tochter Edith war bereits am 12. Januar 1937 nach England emigriert und hatte dort einen Engländer geheiratet; das Ehepaar Hatfield bekam vier Kinder. Im April 1940 emigrierte auch Suse Steigerwald, nach ihrer Heirat mit einem Berliner verheiratete Aufrecht; sie bekamen zwei Kinder.
Siegfried und Nanny Steigerwald blieben in Berlin zurück; sie wurden am 24. Oktober 1941 nach Lodz / Litzmannstadt deportiert. Dort wurden Siegfried am 27. Februar und Nanny am 5. April 1942 ermordet.
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Mönchseestraße 82
Heilbronn
Bertha Eisenmann, geborene Kiefe, stammte aus Baisingen bei Nagold und lebte mit ihrem Mann in Frankfurt a.M. Nach seinem frühen Tod zog sie mit ihren drei Kindern nach Heilbronn in die Mönchseestraße, 33 Jahre lang wohnte sie bis 1939 hier. Dann wurde der Jüdin die Wohnung gekündigt. Sie musste zunächst in das Haus eines Verwandten in der Uhlandstraße 11 und später in das „Judenhaus“ in der Badstraße 10 ziehen.
Die Tochter Clara war von Beruf Krankenschwester, heiratete nach Frankfurt und wanderte 1939 mit ihrem Ehemann nach England aus. Ihre Zwillingsschwester Stefanie war Beamtin bei der Reichsbahn – als einzige Jüdin in Württemberg. 1934 wurde sie entlassen und lebte bei ihrer Mutter. Der Sohn Fritz Bernhard war in Berlin Prokurist bei einem Getreidekonzern und wurde als Jude 1934 entlassen. Er kam nach Heilbronn und fand Arbeit im Büro der Seifenfabrik Madaform. Am 8. November 1938 wurde er am Arbeitsplatz verhaftet und ins KZ Dachau gebracht. Als ehemaliger Frontsoldat 1914/18 kam er zunächst wieder frei, musste später aber Zwangsarbeit im Steinbruch am Jägerhaus leisten.
Fritz Bernhard und seine Schwester Stefanie wurden am 28. November 1941 über Stuttgart nach Riga deportiert und dort ermordet. Bertha Eisenmann musste 1942 in ein jüdisches Altersheim auf der Schwäbischen Alb, wurde von dort aus über Stuttgart nach Theresienstadt deportiert und im November 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet.
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Mozartstraße 8
Heilbronn
Salomon Vollweiler stammte aus dem badischen Dorf Berwangen bei Sinsheim, wo im 18. und 19. Jahrhundert eine große jüdische Gemeinde existierte; um 1860 lebten fast 200 Menschen jüdischen Glaubens dort und stellten damit ein Fünftel der Bevölkerung. Wie die meisten jüdischen Einwohner der Landgemeinden verließ auch der 1875 geborene Salomon Vollweiler das Dorf; spätestens seit 1908 ist er als Kaufmann in Heilbronn nachzuweisen.
Seine fünf Jahre jüngere Frau Klara, geborene Stern, stammte aus Schopfloch bei Dinkelsbühl. Die Familie hatte drei Kinder: Martha wurde 1912, Heinz 1918 und Herbert 1920 geboren.
Salomon Vollweiler führte in Heilbronn einen Wein- und Spirituosenhandel, zeitweise im Haus Sichererstr. 9, seit etwa 1920 in der Mozartstraße 8, wo die Familie auch wohnte.
Allen drei Kindern gelang es, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen: Martha Vollweiler war 26 Jahre alt, als sie über Schweden in die USA auswanderte; sie heiratete Rolf Weinheimer aus Aschaffenburg und war 1985 zu Besuch in ihrer Heimatstadt.
Der Sohn Heinz Vollweiler wanderte im Juni 1940 nach Großbritannien aus; er nannte sich nun Henry und heiratete die 1926 geborene Pepy Rennert aus Tschernowitz. Sein jüngerer Bruder Herbert konnte schon 1938 in die Vereinigten Staaten fliehen, wo er Hannelore Regenstein aus Mannheim heiratete und eine Familie gründete.
Klara und Salomon Vollweiler wurden 1942 mit dem dritten großen Transport von Heilbronn aus deportiert; die Deportationsliste beginnt mit ihren Namen:„Nachstehende Personen reisen am 24. April von hier ab zwecks Abtransports nach dem Osten Bismarckstraße 3a:Simon Schlesinger, Ida Sara Schlesinger, Salomon Vollweiler, Clara Sara Vollweiler […].“
Am 26. April 1942 kam der Transport im Ghetto Izbica in Polen an. Das genaue Todesdatum von Klara und Salomon Vollweiler ist unbekannt; sie wurden nach dem Krieg für tot erklärt. Klara war bei der Deportation 61 und Salomon 66 Jahre alt.
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Oststraße 114
Heilbronn
HIER WOHNTE MARGARETA LANDSBERGER JG. 1904 FLUCHT 1937 USA
HIER WOHNTE ERNA LANDSBERGER JG. 1909 FLUCHT 1938 USA
HIER WOHNTE RUTH LANDSBERGER JG. 1911 FLUCHT 1936 USA
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Oststraße 42
Heilbronn
Hedwig Eisig kam am 19. Januar 1879 in Heilbronn zur Welt. Ihre Eltern Max und Karoline Strauss starben beide jung. Hedwig heiratete den Kaufmann Wilhelm Eisig und lebte mit ihrem Mann als Hausfrau in einer Mietwohnung in der Schillerstraße 90. Dem Ehepaar gehörte das Haus Kaiserstraße 6, in dem Wilhelm Eisig bis zu seinem Tod 1927 ein Geschäft für Damenkonfektion betrieb.
Nach dem Tod ihres Mannes zog Hedwig Eisig in die Moltkestraße 20 um; das Modegeschäft vermietete sie an Adolf Oppenheimer, der dort ab 1931 mit seiner Frau Thekla „Spiers Schuhwarenhaus“ betrieb. Das Salamander-Schuhgeschäft zählte am 1. April 1933 zu den Läden, die durch die NSDAP „boykottiert“ wurden; schon kurze Zeit später wurde es von Fritz Wacker übernommen.
Hedwig Eisig musste das Geschäftshaus in der Kaiserstraße 1938/39 an die Stadt Heilbronn verkaufen. Sie selbst zog 1936 in das von Damenschneider Karl Laut neu erbaute Haus in der Oststraße 42; zwei Monate vor ihrer Deportation musste sie schließlich 1941 in die Klettstraße 5 ziehen. Am 26. November 1941 wurde Hedwig Eisig „nach dem Osten” deportiert und in Riga im Alter von 62 Jahren ermordet.
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Paulinenstraße 31
Heilbronn
Sally Kirchhausen (Jahrgang 1884) arbeitete als Kaufmann in der Firma seines Bruders Julius genannt Hugo Kirchhausen, einem Textilgroßhandel im Kirchhöfle. Seine Frau Anny oder auch Fanny wurde als Anny Hess 1891 in Wittlich in Rheinland-Pfalz, in der Nähe von Trier, geboren. Sie war Hausfrau, wurde jedoch in der städtischen Steuerkartei seit 1941 als „Arbeiterin“ geführt.
1924 kam ihr gemeinsamer Sohn Max zur Welt; er ging als 15-Jähriger im November 1939 nach München, wo er eine Ausbildung zum Mechaniker beginnen konnte. Er wohnte dort in einem jüdischen Lehrlingsheim in der Hohenzollernstraße, kam jedoch im April 1941 wieder nach Heilbronn zurück.
Sally Kirchhausen gelang noch elf Tage vor Kriegsbeginn 1939 die Emigration nach England; wahrscheinlich wollte er Frau und Sohn später nachholen. Aber die zurückbleibende Familie musste zunächst in das „Judenhaus“ in der Bergstraße 2 umziehen, bevor Anny und Max Kirchhausen am 26. November 1941 zusammen mit anderen Heilbronner Juden „nach dem Osten“ deportiert wurden, wie es in den Akten der Nationalsozialisten heißt. Sie wurden unter menschenunwürdigsten Bedingungen nach Riga transportiert, wo sie am 1. Dezember 1941 noch lebend ankamen. Dort wurden sie erschossen.
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Pestalozzistraße 31
Heilbronn
Der Kaufmann Willi Fröhle (Jahrgang 1898) musste im Ersten Weltkrieg noch 1917 als 19-Jähriger an die Front. Er schloss sich schon vor 1933 der NSDAP an und galt als „alter Kämpfer“, der nach der Machtergreifung einen Posten als Geschäftsführer beim Heilbronner Siedlungsverein übertragen bekam. Ab 1941 arbeitete Fröhle in einem Betrieb in Nordheim.
Seit Ende der 1930er Jahre hatte sich seine Haltung zur Partei und zum Nationalsozialismus verändert. Bei seinen Arbeitskollegen war er zwar beliebt, fiel aber durch Äußerungen gegen das Regime auf. Er bezeichnete Hitler und andere NS-Größen als Lügner und galt als „Meckerer und Miesmacher“. Mehrfach wurde er deshalb ermahnt. 1943 sagte er gegenüber einer 18-jährigen Mitarbeiterin: „In sechs Wochen ist der Krieg aus. Dann wird das Blut in den Straßen Heilbronns fließen!“
Aufgrund dieser Äußerung wurde Willi Fröhle denunziert und am 6. September 1943 verhaftet. Am 17. März 1944 wurde sein Fall vor dem 3. Senat des Volksgerichtshofs unter dem Vorsitzenden Volksgerichtsrat Lämmle in Heilbronn verhandelt. Einige seiner Kollegen sagten gegen ihn aus.
Der Volksgerichtshof verurteilte Fröhle zum Tode; er habe „fortgesetzt durch gehässige Herabsetzung der Partei- und Staatsführung sowie durch defaitistische Äußerungen unsere Wehrkraft zersetzt und die Feinde begünstigt“.
Ein Gnadengesuch von Fröhles Mutter an Hitler und den Volksgerichtshof wurde abgelehnt. Am 22. Juni 1944 starb Willi Fröhle morgens um 5:10 Uhr in Stuttgart unter dem Fallbeil. Seine Braut erhielt eine Gebührenrechnung über 857,97 Reichsmark für Vollzug der Todesstrafe, Haftkosten und anteilige Reisekosten des Gerichts.
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Rollwagstr. 14 (früher Innere Rosenbergstr. 14)
Heilbronn
Aron Lindner, auch Alfred genannt, wurde am 28. Juni 1883 in Affaltrach, einem Ortsteil der Gemeinde Obersulm im Landkreis Heilbronn, als Sohn von Moses Moritz Lindner und Babette Kahn geboren. Sein älterer Bruder Adolf Linder war 1877 geboren.
Theresia Lindner wurde am 31. August 1885 in Rimpar, einem Markt im Landkreis Würzburg, als Tochter von Meda und Gerson Schwab geboren. Die Ehe mit Alfred Lindner blieb kinderlos.
Alfred Lindner zog um 1911 von Affaltrach nach Heilbronn, sein Bruder Adolf kam schon einige Jahre früher. Sie gründeten das Manufakturgeschäft „Adolf Linder & Co“, zunächst in einem Haus an der Allee, in dem auch ihre verwitwete Mutter Babette wohnte. Nach dem Ersten Weltkrieg zog die Familie in die damalige Innere Rosenbergstraße (heute Rollwagstraße) um: Adolf Lindner und das Geschäft in das Haus Nr. 12, Alfred und seine Frau Theresia in das Nachbarhaus Nr. 14.
Adolf Lindner und seine Familie – sie hatten vier Kinder – konnten fliehen; das Unternehmen der Brüder musste am 15. Dezember 1938 seinen Betrieb einstellen.
Alfred und Theresia Lindner blieben in ihrem Haus wohnen, das nun zum Judenhaus wurde. Beide wurden am 26. Mai 1942 nach Oberdorf und von dort aus am 22. August 1942 weiter nach Theresienstadt deportiert. Alfred / Aron Lindner starb am 28. Februar 1944 im Alter von 61 Jahren.
Seine Frau Theresia Lindner wurde am 19. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde. Ihr Todestag ist unbekannt.
Im Haus Innere Rosenbergstraße 14 (heute Rollwagstr. 14) lebte kurze Zeit auch die Schwester von Theresia Lindner, Sofie Schwab. Sie war unverheiratet und kam am 24. Juli 1939 nach Heilbronn zu ihrer Schwester. Sie war 52 Jahre alt, als sie am 26. November 1941 „nach dem Osten“ deportiert wurde – über Stuttgart nach Riga-Jungfernhof, Außenlager Ghetto Riga. Dort wurde sie ermordet und nach dem Krieg für tot erklärt.
Cilly Levi, geborene Hirschheimer, kam am 9. Mai 1881 in Lehrensteinsfeld, eine Gemeinde im Landkreis Heilbronn, zur Welt. Sie war die ältere Schwester von Ida Lindner, die mit Adolf Lindner, dem Bruder von Alfred Lindner, verheiratet war. Adolf und Ida Lindner wanderten im März 1939 nach England aus.
Heinrich Levi, der Ehemann von Cilly Levi, war 1935 verstorben; die beiden Kinder des Ehepaars wanderten aus – Flora 1940 in die USA, Max heiratete nach Mannheim und floh von dort gleichfalls in die USA.
1942 wurde die 61-jährige Cilly Levy nach Oberdorf deportiert, einem Ortsteil im baden-württembergischen Bodenseekreis, danach wurde sie nach Theresienstadt transportiert. Zwei Jahre später, am 19. Oktober 1944, wurde sie nach Ausschwitz gebracht, wo sie ermordet wurde. Ihr Todesdatum ist unbekannt.
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Rollwagstraße 12 (früher Innere Rosenbergstraße)
Heilbronn
Johanna Adler geb. Weil wurde am 4. Juni 1871 in Schwäbisch Hall geboren. Sie heiratete Ludwig Alder (geboren am 23. Dezember 1860 in Obergimpern) und zog mit diesem in Heilbronn in die innere Rosenbergstraße 12. Dort verfügten sie über ein mehr als 19 Ar umfassendes Grundstück, auf welchem das Geschäft der Familie stand – sie besaßen einen „Wildhäuteimport“ und handelten mit Häuten, Fellen und Leder. Das Geschäft umfasste ein Wohnhaus, ein Magazin, eine Kraftwagenhalle und einen Hofraum.
Ludwig und Johanna Adler hatten drei Kinder. Robert (geboren am 19. Mai 1895), Nelli (geboren am 10. Februar 1893) und Alice (geboren am 16. Oktober 1896).
Ludwig Adler verstarb am 5. Juli 1930 in Heilbronn. Der Sohn Robert Adler übernahm daraufhin das väterliche Geschäft und führte es bis zu seiner Schließung am 31. Juli 1938; die Firma wurde nicht „arisiert“. Ein knappes Jahr später, am 12. August 1939, emigrierte Robert in die USA. Seine Schwester Nelli heiratete Hugo Richheimer und zog nach Stuttgart. Alice heiratete Arnold Lion aus Ettenheim und emigrierte 1935 nach Palästina.
Johanna Adler musste am 29. September 1941 in die Badstr. 10 umziehen; ihr Haus in der inzwischen in Braunauer Straße umbenannten Inneren Rosenbergstraße wurde zu einem der sogenannten „Judenhäuser“ und schließlich von einem NSDAP-Funktionär namens Fritz Harzer gekauft.
Am 23. März 1942 wurde Johanna Adler über Haigerloch nach Theresienstadt deportiert. Am 16. Mai 1944 wurde sie in Auschwitz ermordet.
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Rollwagstraße 16
Heilbronn
Sofie Reis führte bis zur „Arisierung“ zusammen mit dem Neffen ihres verstorbenen Ehemannes, Max Reis, ein Manufaktur-Geschäft (Webwaren-Einzel- und Großhandel). Es wird 1893 im Adressbuch der Stadt Heilbronn in der Lohtorstraße 27 genannt. 1912 firmierte es als Möbel-Manufaktur-Aussteuergeschäft, im Adressbuch 1925 wird als Geschäftsadresse die Innere Rosenbergstraße 22 angegeben, wobei sich offenbar auch die Privatwohnungen der Inhaber dort befanden.
Die Familie Reis stammte ursprünglich aus Portugal und soll um 1622 nach Baden eingewandert sein. Seit 1672 ist sie in Wollenberg registriert, heute Teilort von Bad Rappenau. Die dortige jüdische Gemeinde hatte zeitweilig über 400 Mitglieder, da die Adelsfamilie von Gemmingen-Guttenberg die Ansiedlung jüdischer Menschen begünstigt und durch den Bau größerer Wohnhäuser unterstützt hatte – eine typische Ansiedlung des sog. Landjudentums, dessen Mitglieder meistens im Landhandel tätig waren.
Um 1890 zogen die Brüder Baruch und David B. Reis nach Heilbronn und eröffneten das beschriebene Manufakturgeschäft. Baruch Reis war zeitweilig Vorsitzender der israelitischen Religionsgemeinschaft Adass-Jeschurun, Mitglied einer zionistischen Ortsgruppe, in den Vereinen Eintracht und Allianz sowie im jüdischen Wanderbund Blau-Weiß. Er war verheiratet mit Sofie geb. Kahn (geb. 02.02.1876) aus Schwäbisch Gmünd. Das Ehepaar hatte vier Kinder, die zwischen 1933 und 1938 alle auswanderten.
Baruch Reis verstarb 1930. Seine Ehefrau Sofie führte das Geschäft zusammen mit dem Neffen ihres Mannes, Max Reis, weiter. Sofie Reis soll einen streng orthodoxen Haushalt geführt haben. Im Rahmen der nationalsozialistischen Zwangsmaßnahmen wurde sie dann zum Umzug gezwungen, zunächst in die Bismarckstraße 3a, am 23. März 1942 nach Haigerloch und von dort aus nach Treblinka, wo sie ermordet wurde.
Max Reis, geb. am 14. August 1897 in Heilbronn, war wie erwähnt am Geschäft der Familie Reis beteiligt; nach dem Tod seines Onkels Baruch Reis führte er es gemeinsam mit seiner Tante Sofie Reis. In der israelitischen Gemeindeliste wird noch 1937 die Innere Rosenbergstraße 22 als sein Wohnsitz aufgeführt. Sein Vater, David B. Reis (geb.1858) hatte mit seinem Bruder Baruch das Geschäft aufgebaut; er war lange Zeit im Vorstand der orthodoxen israelitischen Religionsgemeinschaft sowie im Vorstand des israelitischen Wohltätigkeitsvereins. David Reis starb wie auch seine Ehefrau Sarah (geb. 1867) im Jahr 1925 in Heilbronn.
Max Reis war Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg, er wurde ausgezeichnet mit dem EK II und dem „eisernen Halbmond“. Seine Frau Margarete geb. Ettlinger (geb. 02.01.1906) stammte aus Bretten; sie hatten 1928 geheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Hans-David (geb. 15.03.1933) und Walter-Emil (geb. 17.09.1935). Hans-David soll zeitweilig die jüdische Privatschule besucht haben.
Max Reis wurde 1938 wohl nach dem Novemberpogrom ins KZ Dachau deportiert und nach vier Wochen wieder freigelassen. Er wanderte 1939 über England in die USA aus; seine Ehefrau und die beiden Kinder blieben zurück. Seinen Plan, die kleine Familie nachzuholen, konnte er leider nicht realisieren: Margarete Reis und ihre beiden Kinder Hans-David und Walter-Emil wurden am 25. Oktober 1939 nach Sontheim ins Haus Dr. Picard umgesiedelt, am 1. Dezember 1941 nach Riga deportiert und dort ermordet. Die Todesdaten sind nicht bekannt.
Max Reis lebte nach seiner Auswanderung in Chicago. Er verheiratete sich dort wieder und ist zwischenzeitlich verstorben.
Arthur Reis (geb. 25.03.1904) war der Sohn von Sofie und Baruch Reis. Er wurde Architekt und lebte nach der Auswanderung in Tel Aviv und Jerusalem. Arthur Reis war auch beteiligt am Aufbau von landwirtschaftlichen Kooperativen wie Nahariya, Shavei Zion und Ramot Haschawim in der Gegend von Akko.
1935 heiratete er in Palästina; seine Mutter Sofie Reis sah zu diesem Anlass ihre Kinder Arthur und Carola zum letzten Mal. Nach Angaben ihres Enkelsohnes Danny Reis konnte sie sich in Palästina nicht einleben und kehrte nach Heilbronn zurück, auch weil sie ihren Kindern nicht zur Last fallen wollte.
Arthur Reis hatte sich zunächst geschworen, nie mehr deutschen Boden zu betreten; dennoch kam er nach dem Krieg mehrfach nach Heilbronn und nahm wieder Kontakt zu früheren Freunden auf. Er verstarb 1994 in Israel.
Carola Reis (geb. 1909) ist zusammen mit ihrem Bruder Arthur im Jahr 1933 nach Palästina ausgewandert. Sie heiratete Prof. David Shapiro und war wie er an der Universität in Jerusalem tätig. Sie hatte eine Tochter. Carola Shapiro verstarb in den 1980er Jahren.
https://stadtarchiv.heilbronn.de/stadtgeschichte/geschichte-a-z/r/reis-sofie.html
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Rollwagstraße 6 (früher Haus Bergstraße 2)
Heilbronn
„Dabei müssen wir sicherstellen, dass dieses Gedenken nicht zu einem kalten Ritual verkümmert, sondern die Herzen der Menschen und der zukünftigen Generationen erreicht.“ (Marcel Reich-Ranicki)
Clementine Rosenthal geb. Bamberger, die zusammen mit ihrem Ehemann Hermann bis 1938 im Haus Bergstr. 2 wohnte, wurde am 20. April 1889 in Crailsheim geboren – am selben Tag wie Adolf Hitler.
Es ist wenig bekannt über das jüdische Ehepaar Hermann und Clementine Rosenthal; sie lebten seit 1931 im früheren Haus Bergstr. 2 in Heilbronn. Sie war Hausfrau, ihr 16 Jahre älterer Mann war Kaufmann. 1938 mussten sie in ein „Judenhaus“ in der Badstraße umziehen; 1942 wurden sie nach Theresienstadt deportiert, wo der 70-jährige Hermann Rosenthal am 8. Dezember 1943 ermordet wurde. Seine Frau Clementine verstarb am 21. April 1943 ebenfalls in Theresienstadt.
Ebenfalls in der Bergstraße 2 lebte bis 1938 der in Bromberg geborene Harry Heimann, der letzte Rabbiner der jüdischen Gemeinde. Er konnte 1938 nach Amerika fliehen.
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Roßkampffstraße 22
Heilbronn
HIER WOHNTE JULIE SCHWARZWÄLDER GEB. WERTHEIMER JG. 1871 GEDEMÜTIGT/ENTRECHTET TOT 16. OKT. 1941
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Schäfergasse 15 (früher Haus Lammgasse 39)
Heilbronn
Julius Stern, geboren 1900 in Heilbronn, lebte vor seiner Heirat bei seinen Eltern David und Wilhelmine Laura Stern, geborene Gärttner, in der Karlstraße 85. Er war eines von sechs Kindern des Ehepaars – der Vater war Jude, die Mutter evangelisch.
Sofie Marie Stern, geborene Weber, kam als einziges Kind des evangelischen Ehepaars Heinrich und Sofie Weber 1901 in Heilbronn zur Welt. Am 7. Januar 1921 wurde ihr unehelicher Sohn Julius geboren; nur wenige Wochen später heirateten Sofie Weber und Julius Stern, wohnten aber noch einige Zeit bei der Mutter der jungen Frau in der Sülmerstraße 83. Später zog die Familie in das Haus Lammgasse 39. Dort wuchs ihr evangelisch getaufter Sohn Julius Helmut auf.
Der Vater Julius Stern arbeitete als Packer, seine Ehefrau Sofie war Hausfrau. Sie stürzte sich am 24. Juni 1938 aus dem Fenster im 3. Stockwerk des Hauses in der Lammgasse; sie hatte nach Aussage ihres Schwagers Ludwig Stern wegen der Verfolgungen einen Nervenzusammenbruch erlitten.
Ihr Ehemann wurde in der Folge durch einen Schlaganfall rechtsseitig gelähmt und 1941 in die Heilanstalt Heggbach eingeliefert; nach weiteren Stationen wurde er nach Theresienstadt deportiert und dort 1944 ermordet.
Vor seinem Tod schrieb er auf einer Postkarte aus Theresienstadt an seinen Bruder Ludwig: „Seit dem 22. November 1943 bin ich hier und mit meinen Berliner Kameraden gut untergebracht. Mir geht es ganz gut, was ich auch von Euch erhoffe. Schreibt recht bald und seid für heute vielmals gegrüßt von Eurem Julius Stern.“
Julius Helmut, Sohn des Ehepaars, war im Zweiten Weltkrieg Soldat und verlor in Stalingrad an beiden Füßen die Zehen. Nach Kriegsende arbeitete er zunächst wieder bei seiner alten Firma, musste jedoch dann in der Psychiatrie behandelt werden. Später lebte er in einem Pflegeheim in Pfedelbach, wo er 1992 starb.
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Schillerstraße 18
Heilbronn
Friederike Kern wurde 1872 in Schwäbisch Hall geboren, lebte aber später mit ihrem neun Jahre älteren Mann Aron zunächst in dessen Geburtsort Wollenberg. Hier wurde 1896 der älteste Sohn Hugo geboren. Drei Jahre später zog die Familie nach Heilbronn.
Aron Kern war selbständiger Kaufmann; die Familie betrieb das „Betten- und Aussteuergeschäft Kern-Reiss“ am Kiliansplatz 1. Im Ersten Weltkrieg diente Aron Kern als Leutnant und erhielt das bayrische Militärkreuz. Der Sohn Hugo war nach seinem Jurastudium Rechtsanwalt in Heilbronn und zudem Vorsitzender des ADAC Heilbronn.
Die Nationalsozialisten zwangen das Ehepaar Kern, am 1. Februar 1939 ins jüdische Altersheim in Sontheim zu ziehen, danach in die Frankfurter Straße 46 und schließlich im Mai 1941 in das Haus Picard in Sontheim. Ein Jahr später wurden Aron und Friederike Kern nach Theresienstadt deportiert, wo Aron Kern am 22. September 1942 und seine Frau am 20. Mai 1943 starben.
Ihr Haus in der Schillerstraße hatte die Familie Kern für 36.000 Reichsmark verkaufen müssen.
Der Sohn Hugo war nach dem Novemberpogrom 1938 17 Tage im KZ Dachau interniert und konnte anschließend nach Palästina auswandern. Seine Schwester Karoline starb in Theresienstadt.
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Schillerstraße 34
Heilbronn
Cäcilie Stern kam am 17. Oktober 1872 in Sontheim zur Welt. Mit 23 Jahren heiratete sie den Witwer und Kolonialwarenhändler Karl Siegler in Heilbronn. Gemeinsam wohnten sie in der Schillerstraße 34.
Cäcilie und Karl Siegler hatten einen Sohn Arthur, geboren 1896. Außerdem lebten die beiden Kinder aus der ersten Ehe von Karl im Haushalt – Friedrich Leopold, genannt Fritz, geboren 1888, und die Tochter Lilli. Alice, die erste Ehefrau von Karl Siegler, war 1891 verstorben.
Das Ehepaar Siegler engagierte sich im Vereinsleben; Cäcilie war Mitglied im israelitischen Frauenverein und Karl im israelitischen Wohltätigkeitsverein.Am 20. April 1933 verstarb Karl Siegler im Alter von 76 Jahren durch einen natürlichen Tod. Cäcilie Siegler war nun im Alter von 61 Jahren verwitwet. Vier Monate später wanderte der Sohn Arthur Siegler nach Palästina aus.
Der ältere Sohn Fritz führte zusammen mit den Eltern eine Kolonialwarenhandlung in der Wilhelmstraße 23a; er wohnte mit Frau und zwei Töchtern in einem Haus in der Moltkestraße und konnte im März 1941 mit seiner Familie in die USA fliehen.
Cäcilie Siegler war gezwungen, in das Judenhaus Frankfurter Straße 46 und daraufhin in das Judenhaus in der Uhlandstraße 7 zu ziehen. Sie wurde am 23. März 1942 von Heilbronn nach Haigerloch deportiert und von dort aus am 22. August 1942 nach Theresienstadt.
Einen Monat später, am 29. September 1942, wurde sie nach Treblinka deportiert und im Alter von 70 Jahren ermordet.
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Schillerstraße 48
Heilbronn
Berthold Heilbronner entstammte einer jüdischen Seifensiederfamilie aus Laupheim, wo er 1872 geboren wurde. Sein Vater gründete in Heilbronn die Seifenfabrik Madaform; sie entwickelte eine der ersten Flüssigseifen und belieferte Kunden in ganz Deutschland. Berthold Heilbronner führte die Firma zusammen mit seinen beiden Brüdern weiter.
Berthold Heilbronners Lieblingssatz hieß „Nicht reden, sondern tun.“ Er war religiös, stark familiär geprägt, zeigte sich als sozial verantwortlicher Mensch, war Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei und sprach sich gegen das Standesdenken aus. Diese Haltung zeichnete ihn auch als fairen Arbeitgeber aus.
Berthold und Franziska Heilbronner (geborene Rosenstein) hatten vier Kinder, von denen eines als Kleinkind starb. Der älteste Sohn Emil emigrierte schon 1928 in die USA; er legte nach 1933 das „Heil“ in seinem Nachnamen ab und gründete 1948 die Firma Dr. Bronner‘s Magic Soap. Seine Schwester Luise emigrierte 1938 in die USA. Sie hinterließ ein beträchtliches Vermögen, das in Form einer Stiftung bis heute einen Schüleraustausch zwischen Heilbronn und Baltimore ermöglicht. Lotte wanderte 1936 nach Palästina aus.
Lotte und Luise versuchten noch 1938 bei einer gemeinsamen Reise in die Schweiz, die Eltern davon zu überzeugen, Nazideutschland zu verlassen. Nach mehreren Gesprächen überzeugte Luise ihre Eltern. Sie hatte alle erforderlichen Dokumente für die Ausreise der Eltern besorgt, doch einen Tag vor der Abholung des Visums griff Deutschlands Kriegsverbündeter Japan die USA an und machte dadurch eine Ausreise unmöglich. Berthold und Franziska Heilbronner blieben im Wohnhaus in der Schillerstraße 48, wo nach dem Tod von Bertholds Bruder Sigmund auch die Schwägerin Friederike einzog.
Berthold, Franziska und Friederike Heilbronner wurden 1942 deportiert; Berthold und Friederike starben kurz nach ihrer Ankunft in Theresienstadt. Franziska Heilbronner wurde 1944 in Auschwitz ermordet.
Luise Bronner wurde am 22. Dezember 1912 geboren und lebte bis 1938 in Heilbronn. Sie machte 1932 im Alter von zwanzig Jahren an der Vorläuferschule des heutigen Robert-Mayer-Gymnasiums ihr Abitur. Sie hieß damals noch nicht Bronner, sondern Heilbronner.
Menschen jüdischer Religion mussten zur Zeit des Nationalsozialismus um ihr Leben fürchten. Luise Heilbronner zog deshalb am 6. November 1936 nach Berlin und entschied sich bald für die Emigration. Ihr Plan, nach Palästina auszuwandern, war jedoch nicht realisierbar. Aber sie konnte am 7. Mai 1938 mit Hilfe ihres bereits ausgewanderten Bruders Emil in die USA fliehen, nach New York. Dort änderte sie ihren Nachnamen in Bronner.
Nach einigen Berufsjahren in einer Chemiefabrik studierte Luise Bronner 1959 Chemie und unterrichtete später Chemie, Biologie und Latein an einer High-School, bevor sie an der Universität in Massachusetts in Amherst Germanistik studierte und ab 1965 an der Universität in Boston deutsche Sprache und Literatur lehrte. Nach der Promotion wurde sie Professorin und lehrte bis zu ihrer Pensionierung 1986 ausschließlich in Boston.
Schon 1958 besuchte Luise Bronner ihre alte Heimat; sie spielte auch später eine zentrale Rolle bei den Begegnungen mit jüdischen Heilbronnern aus aller Welt. Am 10. April 1999 starb Luise Bronner im Alter von 86 Jahren in Brooklyn. Sie vermachte einen Teil ihres Vermögens den Heilbronner Realschulen; 2001 wurde damit ein Programm auf den Weg gebracht, das einen Schüleraustausch zwischen Heilbronn und Baltimore ermöglichen sollte.
Lotte Heilbronner, die Schwester von Luise, war vier Jahre jünger. Sie emigrierte schon 1936 nach Palästina, nachdem sie sich durch ihre Ausbildung darauf vorbereitet hatte – sie wurde zwei Jahre in Gartenbau und ein halbes Jahr in Krankenpflege unterrichtet. Lotte war mit Benjamin Reches aus Siegen verheiratet; sie starb 2009.
Inzwischen wurden eine Straße und eine neu gegründete Realschule in Heilbronn nach Luise Bronner benannt. Eine Würdigung, die dem Leben und Wirken dieser Frau gerecht wird. Luise Bronner galt als sehr zurückhaltend, liebenswert, freundlich, sachlich, sehr auf Versöhnung bedacht, nicht nur zwischen Juden und Christen, sondern allgemein unter den Menschen. Ihr Traum war eine Menschheit, die sich versteht.
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Sichererstraße 15
Heilbronn
Selma Mayer kam am 1. Februar 1879 in Heilbronn zur Welt. Ihre Großeltern stammten aus Horkheim, seit 1871 besaß ihre Familie ein Geschäft für Manufaktur- und Aussteuerwaren in der Gerberstraße 37, ab 1905 in der Gerberstraße 4.
Über Selmas Leben ist nur wenig bekannt. Sie war unverheiratet und gehörte zu jenen Heilbronnerinnen, die sich im Ersten Weltkrieg an der „Heimatfront“ engagierten. Heilbronn war von Anbeginn des Krieges Lazarettstadt und viele Frauen halfen ehrenamtlich über den Verein vom Roten Kreuz bei der Verwundetenpflege mit; sie sammelten Kleidung für die genesenden Soldaten und brachten mit kleinen Unterhaltungsprogrammen Abwechslung in den bedrückenden Lazarettalltag. In welcher Abteilung des Roten Kreuzes Selma Mayer tätig war, ist nicht überliefert. Sie wurde jedoch für ihre großen Verdienste um das Wohl der verwundeten und erkrankten Soldaten im Jahr 1918 mit dem württembergischen Charlottenkreuz ausgezeichnet.
Anfang 1918 war Selma Mayer die treibende Kraft, um hier in Heilbronn eine Ortgruppe des württembergischen Schwerhörigen-Vereins Hephata ins Leben zu rufen. Bei der Gründungsversammlung am 12. Mai 1918 stellte sie in einem „sehr zu Herzen gehenden“ Redebeitrag (so die Neckar-Zeitung in ihrem Bericht) die Ziele des Selbsthilfe-Vereins vor, dem sich rasch 43 ordentliche und 42 außerordentliche Mitglieder anschlossen und der eine rege Aktivität entfaltete.
Selma Mayer lag vor allem das Wohl und die Bildung von tauben und schwerhörigen Kindern am Herzen; sie hätte sich gern als Taubstummenlehrerin ausbilden lassen, wie sie auf dem Zweiten Württembergischen Taubstummentag, der im Juni 1922 in Heilbronn stattfand, berichtete, aber in Württemberg waren dafür keine Stellen vorgesehen. Im Heilbronner Adressbuch 1925 wird sie als „Fürsorgerin für Taubstumme und Ertaubte“ bezeichnet. Damals wohnte sie in der Weststraße 50, wo auch ihre verwitwete Mutter Mina lebte. Später zog sie in das Haus Sichererstraße 15.
Nachdem am 30. April 1939 das „Gesetz über die Mietverhältnisse von Juden“ erlassen worden war, musste Selma Mayer in ein sogenanntes „Judenhaus“ umziehen, in ihrem Fall war dies die Uhlandstraße 7. Selma Mayer gehörte zu den 47 Personen, die am 26. November 1941 vom Wollhausplatz zum Sammellager nach Stuttgart auf dem Killesberg gebracht und nach Riga deportiert wurden. Dort wurde sie – an einem unbekannten Tag – ermordet, sie wurde 61 Jahre alt.
Als Todesdatum wurde später der 8. Mai 1945 festgelegt.
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Sichererstraße 22
Heilbronn
Hermann Baden wurde am 19. Oktober 1890 in Brock im Kreis Soltau geboren. Er war verheiratet mit Irene Emilie Wagner; das Ehepaar hatte zwei Kinder – Rudi Hermann wurde 1920 geboren, Hedwig 1926.
1920 traten Hermann Baden und seine Ehefrau den Zeugen Jehovas bei; sie waren kurz vorher nach Heilbronn gezogen. Baden arbeitete zunächst als Werkführer bzw. Werkmeister, bevor er um 1930 in der Sichererstraße 22 das „Besteckhaus Baden“ eröffnete. Dort hatte die Familie auch ihren Wohnsitz.
Irene Baden starb am 21. Juni 1940. Hermann Baden war in den Jahren zuvor aufgrund seines Glaubens 1934, 1937 und 1940 verhaftet worden. Ein Sondergericht in Stuttgart verurteilte ihn 1940 wegen des Lesens verbotener Schriften zu einer mehrjährigen Strafe, die er in den Konzentrationslagern Buchenwald und Dachau verbüßte. Baden starb an den Folgen der Haft; das Datum der Befreiung des KZ Dachau durch US-Truppen am 29. April 1945 gilt als amtlicher Todestag.
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Sichererstraße 30
Heilbronn
Julie Herz wurde am 13. Dezember 1870 in Kochendorf geboren. Ihr Vater Nathan Herz war Handelsmann und wurde am 16. September 1833 in Kochendorf geboren. Er starb am 17. Januar 1905 in Heilbronn und ist dort auf dem jüdischen Friedhof beerdigt. Dort liegt auch Julies Mutter Regine Hirsch, geboren am 5. Juni 1838 in Talheim. Sie hatte Julies Vater am 4. November 1862 in Heilbronn geheiratet und starb am 11. Januar 1916.
Julie Herz hatte zwölf Geschwister, darunter einen Halbbruder aus der ersten Ehe ihrer Mutter. Eine ihrer Schwestern, Clara, heiratete den Kaufmann Bernhard Oppenheimer aus Stuttgart, mit dem sie in die USA auswanderte und den Nazis entkam.
Julie Herz wohnte bis zum Tod der Mutter 1916 im Haushalt der Eltern im Haus Sichererstr. 30, damals in einer Wohnung im Erdgeschoss. Im Jahr darauf wird sie im Adressbuch 1917 unter der Adresse Paulinenstr. 41 als „Rentnerin“ geführt; sie blieb unverheiratet. Seit 1931 wohnte sie wieder im Haus Sichererstr. 30, das der Weingärtnerswitwe Friederike Zapf gehörte, vermutlich zur Untermiete in deren Wohnung im ersten Stock.
Spätestens 1940 musste Julie Herz in sogenannte „Judenhäuser“ umziehen – zuerst in der Schillerstraße 6 und danach in der Frankfurter Straße 46. Ende März 1942 folgte der Zwangsumzug nach Haigerloch.
Von Haigerloch aus wurde die inzwischen 71-jährige Julie Herz nach Stuttgart gebracht und kam am 22. August 1942 mit dem Transport XIII/1 ins Ghetto Theresienstadt. Vier Wochen später, am 26. September 1942, wurde Julie Herz zusammen mit 1997 anderen Menschen ins Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort ermordet.
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Sichererstraße 9 (Familie Hahn)
Heilbronn
Albert Hahn aus Berwangen betrieb eine Handelsagentur für Manufakturwaren, seine Frau Mina, geboren 1889 in Eberbach, war Hausfrau. Nach dem Zwangsverkauf des Hauses in der Sichererstraße erfolgte der erzwungene Umzug in ein sogenanntes „Judenhaus“ in der Frankfurter Straße 46. Von dort wurden Albert und Mina Hahn am 26. November 1941 „nach dem Osten“ deportiert. Beide wurden am 1. Dezember 1942 in Riga ermordet.
Ihr älterer Sohn Artur war zum Zeitpunkt der Machtergreifung ein junger Mann von ungefähr 20 Jahren. Am 27. September 1939 wurde er nach „Gut Winkel“ bei Spreenhagen, in ein Hachschara-Lager, verschickt: Diese Lager zur „Tauglichmachung“ dienten der organisierten Vorbereitung auf ein Leben in Palästina. Ab 1941 wurden die Einrichtungen der Hachschara durch die Nationalsozialisten in Zwangs-Arbeitslager für jüdische Jugendliche umgewandelt oder ganz aufgelöst. Von dort wurden die jungen Menschen in die Vernichtungslager deportiert – so auch Artur Nathan Hahn, der 1943 deportiert und vermutlich in Auschwitz ermordet wurde.
Sein jüngerer Bruder Hans Jakob trat 1937 eine Lehre in Weinheim an, kehrte 1939 nach Heilbronn zurück und floh im März 1939 zunächst nach Luxemburg, wurde aber im Lager Drancy bei Paris interniert und von dort aus nach Auschwitz deportiert, wo er ermordet wurde.
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Sichererstraße 9 (Familie Mandellaub)
Heilbronn
Simon Mandellaub, von Beruf Kaufmann, ist am 18. Januar 1884 in Kolomea / Polen geboren. Die galizische Stadt Kolomea, gelegen in der heutigen West-Ukraine, war seit dem 14. Jahrhundert ein Teil Polens, gehörte dann vom 18. Jahrhundert an bis 1918 zur Habsburger Monarchie und war später wiederum polnisch.
Simon Mandellaub lebte seit 1901 in Heilbronn, seine Ehefrau Adele, geb. 10. August 1893, seit etwa 1912. Beide waren damals österreichische Untertanen; Simon Mandellaub soll während des Ersten Weltkriegs im österreichischen Heer gedient haben – diese Angaben machte Gisela Katz geb. Mandellaub in einer eidesstattlichen Versicherung in Israel im Jahr 1953. Nach 1918 bekam die ganze Familie die polnische Staatsangehörigkeit.
Die polnische Regierung erließ im März 1938 ein Gesetz, wonach im Ausland lebende polnische Bürger die Staatsangehörigkeit verloren, wenn sie nicht bis 30. Oktober 1938 nach Polen zurückgekehrt seien. Das gab der NSDAP Veranlassung, im Rahmen der sogenannten „Polen-Aktion“ am 27. und 28. Oktober 1938 50.000 in Deutschland lebende Polen (darunter viele tausend Juden) nach Polen zu deportieren. Es gelang der abgeschobenen Familie Mandellaub, nach Kolomea zurückzukehren, dem Ort, an dem Simon und seine Frau Adele geboren waren, ebenso auch Tochter Gisela und Sohn Markus.
Die ersten Deportationen der sogenannten „Polen-Aktion“ hatten den jungen Juden Herschel Grünspan dazu veranlasst, in Paris den deutschen Legationsrat vom Rath zu erschießen; er sagte später aus, dass seine Eltern als Ostjuden abgeschoben worden seien – damit steht die „Polen-Aktion“ am Beginn der grauenhaften Ereignisse des Novemberpogroms vom 9. und 10. November 1938.
Simon Mandellaub war zeitweilig Inhaber von drei Schuh-Einzelhandelsgeschäften in Heilbronn. Das Hauptgeschäft befand sich in der Sülmerstraße 105, es verfügte über zwei Schaufenster, ein Büro und ein umfangreiches Warenlager. Es sollen dort drei Verkäuferinnen und eine Sekretärin beschäftigt gewesen sein. Ein zweites Schuhgeschäft lag in der Kirchbrunnenstraße 12; Simon Mandellaub und seine Frau Adele waren Eigentümer dieses Hauses, das sie nach 1933 gezwungener Maßen an einen „Arier“ verkaufen mussten.
Ein weiteres Geschäft in der Klingenberger Straße in Böckingen hatte Simon Mandellaub nach Aussage seiner Tochter Gisela schon im Jahr 1932 oder 1933 verkauft.
Das Ehepaar Simon und Adele Mandellaub wohnte zuerst in der Turmstraße 14, ab 1931 zusammen mit den vier Kindern Gisela, Silvia, Markus und Eugen in einer großzügigen 6-Zimmer-Wohnung in der Gartenstraße 32. 1936 zog die Familie in eine ebenfalls bürgerlich eingerichtete Wohnung in der Sichererstraße 9; es habe sich dort auch ein Klavier befunden.
Im März 1938 ist es den drei älteren Kindern Gisela, Markus und Eugen gelungen, nach Palästina auszuwandern; ein halbes Jahr später wurden Simon und Adele Mandellaub mit der damals neun Jahre alten Tochter Silvia im Zuge der „Polen-Aktion“ am 28. Oktober 1938 abgeschoben. Ihren gesamten Besitz (einschließlich der Wohnungseinrichtung und des Warenlagers in der Sülmerstraße) mussten sie zurücklassen. Die Abschiebung erfolgte über Bentschen (Zbaszyn); offenbar gelang es der Familie aber, an den früheren Wohnort Kolomea zurückzukehren. Eine Heilbronner Bekannte gab an, sie habe Frau Mandellaub drei Monate nach der Abschiebung wieder in Heilbronn getroffen, diese habe sich um ihre Möbel kümmern wollen, die untergestellt sein sollten. Nach den Angaben in den Rückerstattungsakten im Staatsarchiv Ludwigsburg ließen sich die untergestellten Möbel jedoch nicht mehr finden.
Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im August 1941 wurde in Kolomea ein Ghetto errichtet, in dem zeitweilig 18.000 Juden lebten; 16.000 von ihnen wurden in das Vernichtungslager Belzec deportiert. Hier verliert sich die Spur von Adele und Simon Mandellaub und ihrer nun 12-jährigen Tochter Silvia; ein exaktes Todesdatum ist nicht bekannt, amtlicherseits wurde der 31. Oktober 1941 festgelegt.
Die drei älteren Kinder von Adele und Simon Mandellaub lebten nach ihrer Einwanderung in Palästina: Gisela hieß nach ihrer Heirat Katz, Max Markus Mandellaub nannte sich später Mordechai Markus Schkedi und aus Eugen Mandellaub wurde Izchak Schkedi. Beide Söhne lebten in einem Kibbuz und waren beteiligt am Aufbau mehrerer Kibbuzim. 2011 war ein Sohn von Eugen Schkedi / Mandellaub mit seiner Familie zu Besuch in Heilbronn.
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Sichererstraße 9 (früher Sichererstraße 11)
Heilbronn
Therese Böhm wurde in Goldbach bei Aschaffenburg geboren. Ab 1905 ist sie als Besitzerin des Hauses in der Sülmerstraße 59 eingetragen, ihr Mann Eduard war im Jahr 1900 nach Heilbronn gezogen. In der Sülmerstraße befand sich seit dem Jahr 1905 auch das Kleidergeschäft „Süßkinds Kleidermagazin“, welches wohl eine Filiale eines Stuttgarter Herrenausstatter-Geschäfts von Alfred Süßkind war. Ab dem Jahr 1914 wohnte das Ehepaar in der Sichererstraße 11, ihr letzter freiwillig gewählter Wohnsitz.
Im Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 starb Eduard Böhm, zwei Jahre später wurde der Laden in der Sülmerstraße „arisiert“ und von Wilhelm Marquart übernommen.
Therese Böhms Eintrag in der Lohnsteuerkartei lässt sich entnehmen, dass sie am 24. April 1942 „nach dem Osten verschickt“ wurde, eine euphemistische Umschreibung der Deportation. Wie alle anderen Juden musste sie vorher wertvolle Besitztümer wie Pelze, Wollwaren und elektrische Geräte unentgeltlich abgeben. Zwei Tage später, am 26. April 1942, wurde sie von Stuttgart aus ins Ghetto Izbica in Polen deportiert.
Im Spätherbst 1942 begann die Auflösung des Ghettos und die meisten Juden wurden in die Vernichtungslager gebracht; Therese Böhm wurde jedoch bereits kurz vorher in das Zwangsarbeiterlager Ossowa verlegt, welches ca. 15 km vom Vernichtungslager Sobibor entfernt war. Dort starb sie am 15. September 1942.
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Uhlandstr. 25
Heilbronn
Martha Rothschild wurde am 25. Oktober 1902 in Eßweiler bei Kusel in der Pfalz geboren. Sie wuchs dort mit ihren fünf Geschwistern (drei Schwestern und zwei Brüder) bei ihren Eltern Siegmund und Blondine Rothschild (geb. Mayer) auf. Der jüdische Kaufmann und seine Familie waren sehr gut in die Dorfgemeinschaft integriert, zum Beispiel als Mitglieder des Gesangvereins.
Als sich 1906 die jüdische Gemeinde in Eßweiler offiziell auflöste, waren die meisten Juden bereits weggezogen. In den 1930er Jahren kam Martha Rothschild nach Heilbronn in das Haus Uhlandstraße 25, vermutlich als Dienstmädchen. Im Haus lebte unter anderem der Zigarrenfabrikant Anselm Kahn.
1938 oder 1939 musste Martha Rothschild in das „Judenhaus“ in der Bismarckstraße 27 umziehen; die Familie Anselm Kahn konnte Heilbronn im Juli 1937 verlassen und über Holland in die USA flüchten.
Marthas jüngere Schwester Antonie lebte ebenfalls kurzzeitig in dem Haus Bismarckstraße 27; während des Novemberpogroms 1938 war das Eigentum ihrer Eltern in Eßweiler demoliert worden. Kurz darauf wurden Siegmund und Blondine Rothschild nach Frankfurt a.M. gebracht und am 15. September 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo Blondine nach wenigen Wochen starb. Ihr Mann Siegmund starb dort am 15. Februar 1944.
Am 20. Mai 1939 emigrierte Martha Rothschild nach Amsterdam, wohin ihre Schwester Antonie bereits zwei Monate zuvor geflüchtet war. Beide waren dort als Dienstmägde gemeldet. Ein Jahr später wurden die neutralen Niederlande von der deutschen Wehrmacht besetzt und die dortigen Juden deportiert. Unter ihnen befanden sich auch Martha und Antonie Rothschild, die zunächst im Sammellager Westerbork interniert wurden. 1942 wurde Martha nach Ausschwitz deportiert und ihre Schwester am 8. Juni 1943 in das Vernichtungslager Sobibor, wo sie drei Tage später für tot erklärt wurde. Martha Rothschild wurde am 30. September 1942 im Konzentrationslager Ausschwitz ermordet.
In der Heilbronner Auswandererliste taucht mit Erna Rothschild noch eine dritte Schwester auf, 1904 in Eßweiler geboren. Sie konnte im April 1939 nach England auswandern und hat wohl überlebt, aber ihr weiteres Schicksal ist bisher nicht bekannt.
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Uhlandstraße 11
Heilbronn
Emma Gumbel (geb. Hirsch) ist am 6. Juli 1874 in Ulm geboren. Sie heiratete den Heilbronner Wilhelm Gumbel, der wie sein Cousin Abraham Gumbel ein erfolgreicher Bankier war. Wilhelms Bruder Siegfried Gumbel war ein angesehener Rechtsanwalt und in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens engagiert. Emma und Wilhelm Gumbel bekamen am 20. September 1898 einen Sohn, welcher jedoch schon im Alter von vier Jahren starb. Nach dem Tod ihres Mannes 1934 zog Emma von der Herbststraße 15 in das Haus in der Uhlandstraße 11, das ihr selbst gehörte. Dort wohnte sie im ersten Stock, der sogenannten „Beletage“. Es war ihr letzter freigewählter Wohnsitz.Am 22. Dezember 1941 wurde Emma gezwungenermaßen in das Judenhaus in der Badstraße 10 umgesiedelt, bevor man sie kurzzeitig in Sontheim in der Villa des ehemaligen Arztes Dr. Picard unterbrachte. Von dort wurde sie am 19. März 1942 über Stuttgart und Tigerfeld nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 22. Juni 1943 starb – laut Todesfallanzeige in der „Siechenkrankenstube“.
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Waldweg am Schießstand im Köpfertal
Heilbronn
In den Jahren des Zweiten Weltkriegs, als die deutsche Wehrmacht Frankreich besetzte, wurde es für eine Gruppe Franzosen zur Pflicht, sich der Besatzungsmacht entgegenzustellen. Georges Loustaunau-Lacau gründete 1940 ein Netzwerk, das den Besatzern Widerstand leisten sollte. Nicht mit der Waffe in der Hand wurde gekämpft, sondern mittels Informationsbeschaffung für den britischen Geheimdienst half die „Reseau Alliance“ – das Netzwerk Allianz – Einsätze gegen die Wehrmacht vorzubereiten.
Die Mitglieder kamen aus allen Gesellschaftsschichten. Vom Gemüsehändler bis zum Student war alles vertreten. Als Tarnnamen wurden Tiernamen benutzt, weswegen die deutsche Abwehr die Bezeichnung „Arche Noah“ für diese Gruppe verwendete. 3000 Mitglieder zählte die Allianz im Jahr 1943.
Im Frühjahr 1944 wurden zahlreiche Widerstandskämpfer in Frankreich aufgespürt und verhaftet; 439 von ihnen mussten ihren Einsatz mit dem Leben bezahlen.
24 Mitglieder der Reseau Alliance wurden im Juni 1944 in Freiburg zum Tod verurteilt. Sie wurden dann in den frühen Morgenstunden des 21. August 1944 im damaligen Schießstand hier in der Nähe durch Gewehrsalven von 80 Soldaten der Wehrmacht hingerichtet. Es ist nicht bekannt, weshalb Heilbronn zum Ort der Hinrichtung wurde; die Leichen der Erschossenen wurden zunächst im Sontheimer Friedhof bestattet und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Frankreich überführt.
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Wartbergstraße 50
Heilbronn
Am 31. März 1935 wurde Hannah Goldrich (geb. Victor) in der kleinen Stadt Heilbronn als Tochter von Trude und Max Victor zuhause in der Wartbergstraße 50 geboren. Sie wurde zu Hause geboren, weil Juden zu dieser Zeit keine Kinder im Krankenhaus bekommen durften. Ihre drei Jahre ältere Schwester Ursula Victor wurde im örtlichen Krankenhaus geboren. Hannahs Ururgroßvater Salomon Moses Kirchheimer erlangte 1860 zusammen mit einigen wenigen Juden das volle Bürgerrecht in Heilbronn.
Die Brüder Jakob und Sigmund Victor übernahmen Ende der 1880er Jahre eine Gerberei in der Cäcilienstraße. In den Jahren 1909/10 errichteten sie zusammen mit ihrem Vetter Jacob Victor (1870-1918) im Industriegebiet Kleinäulein in der Weipertstraße 40 die Lederfabrik Heilbronn Gebr. Victor. Sie stellten Sohlenleder mit Häuten aus Brasilien, Ost- und Südamerika her. Die Gerberei war mit über 280 Mitarbeitern eine der größten in Deutschland. Die Arbeiter waren wohl vor allem Sozialdemokraten, gewerkschaftlich organisiert und gegen den Nationalsozialismus. Nach der sogenannten „Machtergreifung“ Hitlers 1933 übernahm eine kleine Gruppe von Nazis die Führung des Unternehmens, bis es 1936 verkauft wurde. Nun hieß die Firma „Lederfabrik Hirschberg, vorm. Heinrich Knoch & Co., Werk Heilbronn“. Ab 1939 wurde in der Fabrik Kriegsmaterial für Daimler-Benz produziert, ihre Gebäude 1944 größtenteils bombardiert. Hannahs Großvater Jacob Victor und zwei weitere jüdische Geschäftsleute waren Mitglieder des Heilbronner Rotary Club. 1934 wurden sie zum Austritt gezwungen.
Nach Hannahs Geburt sahen sich Trude und Max Victor gezwungen, über eine Ausreise aus Nazi-Deutschland nachzudenken. Bis Herbst 1938 war die Ausreise für Juden möglich. Der Ausreiseprozess war allerdings kompliziert und erforderte langwierige Prüfungen und den Verzicht auf große Teile des Vermögens. Die Familie Victor zog 1937 nach Holland, dann – kurz bevor die holländische Grenze geschlossen wurde – nach England und als es dort nicht mehr sicher schien, reiste sie am 12. August 1940 auf der SS Orduna nach Kuba. Nach einem relativ kurzen Aufenthalt in Kuba ging es weiter in die Dominikanische Republik, um auf ein US-Visum zu warten. Von dort aus reisten sie in die USA, wo sie sich 1941 in New York niederließen. Während des Krieges blieb der Kontakt zur Stadt Heilbronn vor allem durch die ehemalige Sekretärin des Chefs Clara Wahl stetig bestehen.
Nach dem Krieg besuchte Hannah Goldrich die Stadt Heilbronn im Jahre 1956 auf einer Geschäftsreise und 1985 im Programm der Begegnungswoche der Stadt. Ihr Vater war auf mehreren Geschäftsreisen in Heilbronn gewesen.
Trude Victor starb am 13. September 2006 in Haverford, Pennsylvania.
Max Victor starb am 5. September 1988 in Mount Kisco, New York.
Ursula Santer (geb. Victor) starb am 4. Mai 2003 in Haverford, Pennsylvania.
Hannah Goldrich (geb. Victor) lebt heute mit ihrer Familie in Eugene, Oregon in Amerika, und nimmt heute mit ihrer Familie persönlich an der Stolpersteinverlegung teil.
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Weststraße 45
Heilbronn
Der 1876 geborene Julius Isaak Reuter stammte aus Schluchtern. Er wohnte gemeinsam mit seiner Frau Eugenie, geborene Sinsheimer, in einer Fünf-Zimmer-Wohnung in der Weststraße 45. Dorthin zog um 1939 auch sein jüngerer Bruder Moritz.
1936 war die Weststraße in Gustloffstraße umbenannt worden – nach einem Schweizer NS-Führer. Kurz darauf mussten die Reuters umziehen, in ein Judenhaus in der Frankfurter Straße.
Julius und Eugenie Reuter wurden im März 1942 zusammen mit insgesamt 30 Heilbronner Juden nach Haigerloch umgesiedelt. Dies war jedoch nur eine Zwischenstation, denn von dort aus wurden beide im August nach Theresienstadt deportiert. Julius Reuter starb dort knapp zwei Jahre später im Juni 1944, seine Ehefrau Eugenie etwa drei Monate nach ihm.
Julius Reuter war von Beruf Metzger und Viehhändler, seine Frau Eugenie war Hausfrau. Sie hatten zwei Kinder – der Sohn starb 1914 im Alter von sechs Jahren; Frieda, geboren 1906, heiratete 1926 in Heilbronn Martin Kohn und flüchtete in den 1930er Jahren mit ihrer Familie nach Amerika, wo sie sich Friedel Kolm nannte. Ihr Sohn Fred lebte 2014 noch in Florida.
Der zwei Jahre jüngere Bruder von Julius Reuter, Moritz, steht auf der Liste der Heilbronner Juden, die 1941 Zwangsarbeit leisten mussten; im November 1941 wurde er „nach dem Osten“ deportiert. Er gehört zu den Tausenden, die bei den Massenerschießungen bei Riga ermordet wurden.
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Weststraße 51
Heilbronn
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Wilhelmstr. 26
Heilbronn
Gertrud Anna Oppenheimer geb. Adler kam am 14. Dezember 1883 als Tochter von Sigmund Adler und Mathilde Stern in Heilbronn auf die Welt. Ihr Bruder Richard Adler wurde am 5. Februar 1889 geboren. Der unverheiratete Ingenieur starb bereits 1918 mit 29 Jahren an den Folgen einer Verwundung, die er sich im Ersten Weltkrieg zugezogen hatte.
Am 2. Mai 1907 heiratete Gertrud Adler im Alter von 23 Jahren den elf Jahre älteren Heilbronner Richard Oppenheimer. Gemeinsam lebten sie in Heilbronn in der heutigen Wilhelmstraße 26, die 1938 unter dem NS-Regime in Wiener Straße umgetauft worden war. Ebenfalls im Haus wohnte eine Zeit lang ihr Bruder Eugen Adler (geb. 1886) mit seiner Familie, der 1938 nach Palästina emigrierte.
Zwei Jahre nach der Hochzeit kam am 22. Juli 1909 der einzige Sohn Alfred Oppenheimer zur Welt. Fortan pflegte die Mutter und Hausfrau das Wohnhaus und den dazugehörigen Gras- und Baumgarten an der Luisenstraße. Die Oppenheimers waren wohlhabend. Richard Oppenheimer führte gemeinsam mit seinem Cousin Heinrich Oppenheimer und David Freitag das Familienunternehmen Emil Oppenheimer & Cie, eine Darm- und Gewürzhandlung an der Allee 38. Im Zuge der Arisierung wurde die Firma von Otto Ried, vorher Prokurist in der Firma, übernommen, in Ried & Co umbenannt und später verkauft.
Angesichts der drohenden Gefahr emigrierte Alfred Oppenheimer am 30. Juni 1936 mit 26 Jahren nach Palästina. Bis dahin war er als angestellter Kaufmann im väterlichen Geschäft tätig. In Palästina arbeitete er als Landwirt in Ramoth HaShavim, einer von jüdischen Immigranten aus Deutschland 1933 gegründeten Moschaw (Siedlung). In Palästina heiratete er Grete Elsass und bekam mit ihr zwei Kinder.
Gertrud und Richard Oppenheimer mussten ab 1938 ihr Eigenheim und die Parzelle im Zuge der landesweiten Enteignungen von Juden unter Wert an die Stadt Heilbronn veräußern. Nach Kriegsende strengte Alfred Oppenheimer mit Hilfe eines Stuttgarter Anwalts ein Rückerstattungsverfahren an. Er erhielt nach einigen Jahren eine Zahlung von ungefähr 700 DM. Wie bei vielen anderen Rückerstattungsverfahren jüdischer Familien belief sich also auch in diesem Fall die Entschädigung auf eine geringe Summe, die nicht den Wert des Hauses deckte.
Am 20. November 1941 starb der 69-jährige Richard Oppenheimer eines natürlichen Todes. Das Ehepaar lebte zuletzt in einem Judenhaus in der Frankfurter Straße 46.
Gertrud Oppenheimer wurde mit dem dritten Transport aus Heilbronn zusammen mit 15 weiteren Personen am 24. April 1942 zunächst nach Stuttgart und von dort am 26. April 1942 ins Vernichtungslager Izbica in Polen deportiert. Hier verlieren sich ihre Spuren.
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Wilhelmstraße 54
Heilbronn
HIER WOHNTE BERTHOLD MARX JG. 1866 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET 15.1.1943
HIER WOHNTE LUDWIG MARX JG. 1897 FLUCHT 1939 LUXEMBURG 1940 FRANKREICH DEPORTIERT 1943 MAJDANEK ERMORDET
HIER WOHNTE JOHANNA MARX JG. 1900 FLUCHT 1939 LUXEMBURG 1940 FRANKREICH 1943 ITALIEN INTERNIERT BORGO SAN DALMAZZO DEPORTIERT 1943 AUSCHWITZ ERMORDET
HIER WOHNTE HANNCHEN ISAAC GEB. MARX JG. 1899 FLUCHT 1939 ENGLAND
HIER WOHNTE WERNER ISAAC JG. 1926 FLUCHT 1939 LUXEMBURG 1940 FRANKREICH 1943 ITALIEN INTERNIERT BORGO SAN DALMAZZO DEPORTIERT 1943 NIZZA ÜBERLEBT
HIER WOHNTE WALTER MARX JG. 1926 FLUCHT 1939 LUXEMBURG 1940 FRANKREICH 1943 ITALIEN INTERNIERT BORGO SAN DALMAZZO GEFLOHEN/IM WIDERSTAND ÜBERLEBT
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Wollhausstraße 40
Heilbronn
Der 1890 in Hollerbach geborene jüdische Lehrer und Kantor Karl Kahn lebte seit 1924 in Heilbronn. Hier heiratete er Rita Meyer, geboren 1906 in Bibra in Thüringen. Sie lebten im früher hier stehenden Haus Wollhausstraße 40.
Als nach 1933 der Besuch öffentlicher Schulen für jüdische Schüler immer schwieriger und schließlich ganz untersagt wurde, unterrichtete Karl Kahn als Leiter und zeitweise einziger Lehrer in der jüdischen Privatschule in der Klarastraße. Auch sein 1930 geborener Sohn Hans wurde hier eingeschult.
Karl Kahn engagierte sich in der immer kleiner werdenden jüdischen Gemeinde besonders im sozialen Bereich und bei der Vorbereitung von Auswanderungen. Zeitzeugen sagen, er habe sein Leben und das seiner Frau gegeben, um Glaubensgenossen möglichst lange helfen zu können. 1939 übernahm Karl Kahn auch das Amt des Kantors; im selben Jahr schickten Rita und Karl Kahn ihren neunjährigen Sohn mit weiteren jüdischen Kindern nach England, wo er überlebt hat. Sie selbst blieben, mussten im Herbst 1941 nach Stuttgart umziehen, wurden im September 1942 mit einem Sammeltransport nach Theresienstadt deportiert und am 6. Oktober 1944 in Auschwitz ermordet.
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Wollhausstraße 46
Heilbronn
Lina Wollenberger (geb. Stein) wurde am 5. Dezember 1866 in Obergimpern, einem damals badischen Dorf, geboren; sie hatte zwei Geschwister. Sie heiratete den 1864 geborenen Hermann Wollenberger, der 1888 eine Weinbrennerei und Likörfabrik in der damaligen Äußeren Rosenbergstraße 17 in Heilbronn gründete (heute Rosenbergstraße).
Seit 1930 befand sich die Firma im neu erworbenen Anwesen Wollhausstraße 46; sie wurde inzwischen vom ältesten Sohn Alfred Wollenberger geführt. Er wohnte zusammen mit seiner Frau Meta (geb. Karl) und den beiden Söhnen Lutz und Gert ebenfalls hier.
Hermann Wollenberger starb am 24. März 1932 in Heilbronn; er wurde auf dem jüdischen Friedhof im Breitenloch bestattet. Seine Witwe wurde am 1. August 1939 in das jüdische Altersheim in Herrlingen deportiert, wo sie am 27. März 1940 im Alter von 74 Jahren gestorben ist. Auch sie wurde auf dem jüdischen Friedhof im Breitenloch begraben.
Ihr Sohn Alfred Wollenberger (Jahrgang 1891) musste Anwesen und Firma im Zuge der „Arisierung“ am 31. März 1937 zwangsweise an den Kaufmann Hans-Ferdinand Homburg verkaufen.
Im Dezember 1938 gelang Alfred Wollenberger zusammen mit seinem Sohn Lutz die Emigration nach England. Wollenberger war zu diesem Zeitpunkt 47 Jahre alt, Lutz war sieben. Vier Monate später konnten auch seine Ehefrau Meta Wollenberger und der größere Sohn Gert nach England fliehen.
Alfred Wollenberger und seine Familie wanderten von England aus weiter in die USA aus; Wollenberger arbeitete in New York als Fabrikvertreter. Das Anwesen in der Wollhausstraße wurde ihm aufgrund eines Rückerstattungsvergleichs 1950 zurück übertragen.
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