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Juli 1945

"Aufhebung der neun nationalsozialistischen 'Grundgesetze' (Gesetz zum Schutz der nationalen Symbole vom 19. Mai 1933; Gesetz zur Neubildung von Parteien vom 14. Juli 1933; Gesetz der Sicherung der Einheit von Partei und Staat vom 1. Dezember 1933; Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniformen vom 20. Dezember 1934; Reichsflaggengesetz vom 15. September 1935; Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre vom 15. September 1935; Reichsbürgergesetz vom 15. September 1935; Hitlerjugendgesetz vom 1. Dezember 1936; Erlaß des Führers über die Rechtsstellung der NSDAP vom 12. Dezember 1942) samt ihren Ergänzungs- und Ausführungsbestimmungen durch das Gesetz Nr. 1 des Alliierten Kontrollrates.

Die Militärregierungen in Deutschland verbieten die Zahlung von Renten an Hinterbliebene von Gefallenen aus den beiden Weltkriegen.

Aufruf von OB Emil Beutinger zur freiwilligen Abgabe von entbehrlichen Kleidern, Schuhen, Betten, Hausrat und Möbeln für Kriegsgeschädigte und entlassene Soldaten an das Wohlfahrtsamt.

Nach dem Abtransport von Russen aus der Schlieffenkaserne sind in diesem Durchgangslager erneut Polen und Russen untergebracht worden.

Seit Wochen passieren Tausende deutsche, aus amerikanischer Gefangenschaft entlassene Soldaten die Stadt auf dem Heimweg. Viele kehren auch nach Heilbronn zurück. Die Landstraßen sind vom frühen Morgen bis zum späten Abend von diesen Heimkehrern bevölkert. Meist wandern sie in Gruppen von zwei bis vier Mann, viele in bejammernswerter gesundheitlicher Verfassung."

"Eine weitere Liste von OB und Landrat Emil Beutinger nennt als entlassen wegen NSDAP-Mitgliedschaft und nationalsozialistischer politischer Tätigkeit 18 Personen.

Ankunft von 2.400 deutschen Kriegsgefangenen (Württemberger) aus amerikanischen Lagern in Norddeutschland. Sie wurden mit der Bahn über den Harz hierher befördert und werden aus dem Lager Böckingen entlassen.

Teilweise Wiedereröffnung der Reichsbank-Nebenstelle Heilbronn mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung im Erdgeschoß des der Handels- und Gewerbebank gehörenden Wohngebäudes Karlstraße 72. Alle mit der Erfüllung der amerikanischen Militärgesetze verbundenen Meldungen sind nunmehr der Reichsbank zu erstatten; ihr sind auch die ablieferungspflichtigen Devisen und sonstigen Vermögenswerte abzugeben. Mit der Führung der Geschäfte der hiesigen Reichsbank-Nebenstelle hat die Militärregierung die Handels- und Gewerbebank Heilbronn AG beauftragt und Handelsbankdirektor Erwin Bohner zum Reichsbankdirektor ernannt, Gegenzeichnung durch Handelsbankprokurist Eugen Fork."

"Truppenparade in der Süd- und Wilhelmstraße anläßlich des amerikanischen Unabhängigkeitstages mit Vorbeimarsch an einer Ehrentribüne bei der Metzgerei Fröschle."

"Die erste Nummer des Amtsblattes (Amtliche Bekanntmachungen für die Stadt und den Landkreis) wird mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung in deutscher Sprache herausgegeben und auf der Straße zu 10 Rpf verkauft. Gedruckt wird das zweiseitige Blatt zunächst in der Ausweich-Druckerei des früheren Heilbronner Tagblattes in Großgartach, später – bis zur Wiederaufnahme des Betriebs in der Vereinsdruckerei – in der Druckerei Georg Kohl in Brackenheim. Es enthält Bekanntmachungen von OB und Landrat Emil Beutinger und Befehle der amerikanischen Militärregierung. Für die redaktionelle Betreuung sorgen der ehemalige Redakteur der im Dritten Reich aufgelösten Heilbronner Abend-Zeitung (Krämer-Verlag), Willy Dürr, und der frühere Geschäftsführer der 1933 aufgehobenen Vereinsdruckerei, Friedrich Knapper.

Die städtischen Ämter sind – sehr zerstreut – in folgenden Gebäuden untergebracht:

In der Cäcilienstraße 60 (Privathaus, Eigentümer: Emil Rothmann, Stuttgart-Vaihingen) im 1. Stock die Kanzlei von OB und Landrat Emil Beutinger mit Sekretariat und Personalamt, im Erdgeschoß die Baupolizei, im 2. Stock die Stadtkasse, die Stadtpflege, das Liegenschaftsamt, die Friedhofsverwaltung und das Stadtmessungsamt. Das Gebäude wird als Rathaus bezeichnet. Im Haus Cäcilienstraße 60 a das Kommando der Ordnungs- und Kriminalpolizei.

Im Privatgebäude Cäcilienstraße 62 (Eigentümer: Erbengemeinschaft Hermann Schmidt bzw. Inhaber der Musikalienhandlung C. F. Schmidt, Musikalienverleger und -händler Friedrich Dreher) ist von der Stadtverwaltung nur der 2. Stock mit dem Ernährungsamt B – Stadt belegt.

Im Privathaus Cäcilienstraße 64 (Eigentümerin: Witwe Anna Schmidt) im Erdgeschoß die Passierschein- und Kraftfahrzeugzulassungsstelle, im 1. Stock das Kriegsschädenamt und das Tiefbauamt, im 2. Stock das Hochbauamt.

In den städtischen Gebäuden Wilhelmstraße 7 das Wohnungsamt im Erdgeschoß, das Standesamt und das Steueramt im 1. Stock; in 7 a (Hinterhaus) die Gewerbepolizei (diese beiden Häuser gehörten bis 1934/35 den jüdischen Rechtsanwälten Max Rosengart – Ehrenbürger der Stadt – und dessen Sohn Dr. Lutz Rosengart, weshalb sie auch jetzt noch als das Rosengartsche Haus bezeichnet werden; infolge der nationalsozialistischen Arisierung jüdischen Grundbesitzes gingen beide Gebäude in Stadtbesitz über); in 9 a (Hinterhaus zum ausgebrannten Wilhelmsbau) das Wirtschaftsamt Heilbronn Stadt.

Die Räume der drei Polizeireviere befinden sich im Scherweg 6, in der Austraße (ehemals zu den Löwenwerken gehörig) und in Böckingen (Alleeschule), die vier Polizeiposten in der Beethovenstraße 34 (Privathaus), in der Schlizstraße 5 (Privathaus), sowie in den Rathäusern von Sontheim und Neckargartach.

In der Villa des in Niederösterreich ansässigen Holzhändlers Adolf Pfleiderer (Lerchenstraße 79) ist die Verwaltungspolizei (Einwohnermeldeamt, Fundbüro, Ausweise, Zeugnisse und Preisüberwachung) untergebracht.

Feuerwehr und Brandwache befinden sich an der Südstraße auf dem Gelände der Firma Seelig & Diller (Rückgebäude Wilhelmstraße 27/1).

Die dem Landratsamt unterstehenden Ämter sind folgendermaßen untergebracht:

Verwaltung und Gendarmerie in der Flammervilla (Dittmarstraße 68); Ernährungsamt A im Hinterhaus Wilhelmstraße 9 a, dort auch das Wirtschaftsamt Heilbronn Stadt; das Wirtschaftamt Heilbronn Land im Gebäude der Bäcker-Einkaufsgenossenschaft in der Schießhausstraße 10, daselbst auch das Ernährungsamt B – Land; das Kreisarbeitsamt in der Jugendherberge (Schützenstraße 16); die Kreispflege in der Villa des Studienrats Gustav Gußmann (Alexanderstraße 51); das Kreiswohlfahrtsamt in der Villa des Chemikers Dr. Christian Kelber (Alexanderstraße 62); die Fahrbereitschaft im Portierhaus der Seifenfabrik Kraemer & Flammer (Urbanstraße).

An staatlichen Ämtern befinden sich in der Villa der Kaufmannswitwe Eugenie Bauer (Alexanderstraße 61) das Gesundheitsamt; die diesem unterstehenden Rettungsstellen I und III in einem Gebäude der (früheren) Kaffeemittelfabrik Seelig & Diller (Wilhelmstraße 27) und im Bunker am Kaiser-Wilhelm-Platz; Finanzamt und Hauptzollamt im Wehrmachtsgebäude (Bismarckstraße 93).

Die amerikanische Militärregierung erinnert daran, daß die Sperrzeit von 21:30 – 5 Uhr eingehalten werden muß; Übertretungen werden bestraft. Für die öffentliche Sicherheit ist Hauptmann Ira D. Claxton verantwortlich.

Für die deutsche Polizei und Gendarmerie im Stadt- und Landkreis Heilbronn werden jetzt Waffenscheine vom amerikanischen Sicherheitsoffizier ausgestellt.

Die Elektrizitätsversorung der Stadt wird im wesentlichen von den unzerstört gebliebenen Wasserwerken Lauffen und Horkheim aufrechterhalten. Die intakten Häuser des Stadtgebietes haben fast durchweg Strom, ebenso die Landwirtschaft im Stadt- und Landkreis. Zum elektrischen Anschluß stehen im Stadtbezirk noch rund 250 Häuser an. Abgesehen von bevorzugt mit Strom belieferten Industriebetrieben im Norden der Stadt sind die Industrie- und Handelsbetriebe noch nicht ausreichend damit versehen.

Die Wasserversorgung in den nicht zerstörten Stadtteilen ist zumeist sichergestellt. Ansonsten stößt die Instandsetzung auf große Schwierigkeiten. Durch Befehl der Militärregierung ist die Bevölkerung zu sparsamstem Verbrauch aufgefordert, da die Wassernutzung durch die Gefangenen- und Ausländerlager den Mangel zusätzlich vergrößert. Das Trinkwasser darf nur in abgekochtem Zustand getrunken werden.

Das städtische Freibad in der Neckarhalde ist deutschen Zivilpersonen verboten; es steht ausschließlich der Besatzungstruppe zur Verfügung. Die deutsche Bevölkerung darf das Prießnitz-Bad im Köpfer und die Neckar-Badestelle an der Neckarhalde benutzen."

"Nach Abzug der Franzosen aus Stuttgart übersiedelt die amerikanische Militärregierung für Württemberg-Baden, Detachment E1C3, von Schwäbisch Gmünd dorthin. Die von den Franzosen eingesetzte Landesverwaltung bleibt bestehen.

Erste Besprechung von 20 Mitgliedern der Heilbronner Rudergesellschaft Schwaben vor ihrem Vereinshaus in der Badstraße unter Leitung des Ehrenvorsitzenden Robert Bauer (Redakteur i. R.). Beschlossen wird die Verpachtung der Bootshalle (im Vereinshaus) zu gewerblichen Zwecken."

"Eine Bekanntmachung der amerikanischen Militärregierung droht für das Berühren, die Wegnahme und den Besitz von Telefon- und Telegrafendrähten schwere Bestrafung an.

In einer von OB und Landrat Emil Beutinger auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung veröffentlichten Bekanntmachung wird erneut zur Ablieferung sämtlicher Waffen und Munition bei den Polizeirevieren in der Zeit vom 9. – 16. Juli aufgefordert. Für den Fall der Nichtablieferung ist mit Gefängnis- bis hin zur Todesstrafe zu rechnen. Seit der ersten diesbezüglichen Aufforderung durch die Besatzung sind viele Einwohner aus ihren Fluchtorten zurückgekommen und unerwartet in den Besitz von Waffen und Munition gelangt, die von deutschen Soldaten beim Rückzug aus Heilbronn in Wohnungen und Kellern zurückgelassen wurden."

"Das Detachment H4C3 der amerikanischen Militärregierung unter Leitung von Major Marcus L. Hoover nimmt seine Arbeit auf. Es übernimmt von dem Detachment H2C3 unter Major Harry M. Montgomery, der allerdings die Oberaufsicht über beide Detachments behält, die Aufgaben für den Stadtkreis Heilbronn.

Eine Bekanntmachung von OB Emil Beutinger fordert von den Hausbesitzern, Mietern und Untermietern, in weniger beschädigten Grundstücken und Gebäuden den Wasserablauf in Ordnung zu halten. Infolge der umfangreichen Zerstörung der Kanalisation und des Mangels an Fachkräften und Baumaterialien ist ein solcher städtischerseits zur Zeit nicht zu ermöglichen.

Staatsrentamt und Feldbereinigungsamt nehmen ihre Tätigkeit wieder auf."

"Zweite Tagung aller Landräte der US-Zone in Schwäbisch Gmünd.

Heilbronn wird für den Zuzug von Evakuierten und Flüchtlingen solange zum Sperrgebiet erklärt, bis neuer Wohnraum geschaffen ist. Nur für den Aufbau der Stadt notwendige Arbeitskräfte können unterkommen. Verpflichtung der Hauseigentümer zur Meldung ihres gesamten Wohnraumes beim städtischen Wohnungsamt."

"Paul Meyle wird von der amerikanischen Militärregierung offiziell in seiner Funktion als BM bestätigt.

Die zweite Ausgabe der Amtlichen Bekanntmachungen, jetzt im Zeitungsformat, zweiseitig, erscheint mit neuen Befehlen der amerikanischen Militärregierung und Bekanntmachungen von OB und Landrat Emil Beutinger, mit Bekanntgabe der evangelischen und katholischen Gottesdienste und des Nacht- und Sonntagsdienstes der Ärzte und Apotheken. Unter anderem werden auch Anordnungen der Besatzungsmacht über militärische Ehrenbezeigungen bzw. 'Vorschriften, die von den Deutschen im besetzten Deutschland zu beachten sind' veröffentlicht. Darin wird beispielsweise verboten, die deutsche Nationalhymne oder militärische Musik in der Öffentlichkeit zu spielen oder zu singen, ebenso untersagt sind das Singen von Nazi-Liedern und das Tragen von Nazi-Fahnen oder sonstigen NS-Abzeichen, und zwar sowohl in der Öffentlichkeit als auch 'hinter verschlossenen Türen'.

Alle im Stadt- und Landkreis aus ehemals luftangriffsgefährdeten Gebieten untergebrachten Kinder sollen zur Rückführung beim Wohlfahrtsamt bzw. Kreiswohlfahrtsamt gemeldet werden.

Ein amerikanischer Befehl verbietet zivilen Fußgängern, den am Verwaltungsgebäude der Militärregierung in der Wilhelmstraße 11 vorüberführenden Bürgersteig zu benutzen, sofern sie nicht geschäftlich dort zu tun haben.

Das sogenannte Einfache Militärgericht der Amerikaner in Heilbronn hält Tages- und Abendsitzungen für die Verhandlungen von Vergehen durch die deutsche Zivilbevölkerung ab. So sind bereits sieben Männer 'wegen unberechtigten Besitzes von Benzin der amerikanischen Armee' zu je zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden, 18 Personen zu je zwei bis fünf Tagen Gefängnis wegen 'Überschreitung der Ausgehzeiten', ein Mann zu einem Jahr Gefängnis 'für falsche Angaben bei Ausfüllung eines Fragebogens', eine Frau zu 30 Tagen Gefängnis, weil sie sich 'in der unmittelbaren Zone' des bei Böckingen gelegenen Kriegsgefangenenlagers aufgehalten und eine Unterhaltung mit den Gefangenen versucht hatte, obwohl sie zum Verlassen der Lagerzone aufgefordert worden war.

76 Straßennamen (28 in der Kernstadt, 25 in Böckingen, 22 in Neckargartach und einer in Sontheim) werden geändert, teils erhalten die Straßen ihre alten Bezeichnungen wieder, die sie vor dem Dritten Reich hatten, teils bekommen sie ganz neue Namen. In Böckingen werden auch die beiden Volksschulen – Adolf-Hitler-Schule in Alleeschule und Hindenburgschule in Weststraßenschule – zurückbenannt.

Ankunft der Familien der Obersten der Militärregierung, für die wiederum Wohngebäude beschlagnahmt werden, z.B. die Villa Fuchs und das Haus Biel in der Jägerhausstraße 104 und 50.

Große Sprengungen in den Häuserruinen der Stadt.

In letzter Zeit mehren sich die Fahrraddiebstähle, weil die Fahrradbesitzer ihre Räder trotz der unsicheren Zeit unabgeschlossen und unbeaufsichtigt irgendwo abstellen. An den Diebstählen sind jedoch – wie viele meinen – nicht nur Ausländer beteiligt, sondern auch zahlreiche Deutsche.

In den zurückliegenden Tagen haben die Geldinstitute mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung ihre Tätigkeit wieder aufgenommen; soweit möglich, wird auch der bargeldlose Zahlungsverkehr durchgeführt. Eine auf Befehl der Militärregierung veröffentlichte Aufforderung von OB Emil Beutinger verweist auf das Erfordernis, alle Bargeldeinnahmen und das überflüssige Bargeld bei den Banken einzuzahlen zur Behebung der Geldknappheit und zur Bereitstellung der Löhne und Zahltagsgelder.

Die Ladengeschäfte müssen auch samstags von 8 – 18 Uhr durchgehend geöffnet sein; die arbeitende Bevölkerung ist bevorzugt zu bedienen.

Für die gegenwärtig laufende Versorgungsperiode (25. Juni – 22. Juli) werden pro Person ein Stück Einheitsseife, ein Normalpaket Waschpulver und ein Normalpaket Waschhilfsmittel ausgegeben, für Kleinstkinder bis zu drei Jahren zusätzlich je ein Normalpaket Waschpulver.

Von einem bedenkenlosen Teil der Bevölkerung werden aus der Ruine (Innenraum), der Sakristei und dem Keller der Friedenskirche Holz, Möbel und Möbelteile, Papier ausgelagerter Akten u.a. entwendet. Einige noch im Innenraum stehende Holzbänke (mit Schnitzereien) werden herausgerissen. Während des Kampfes um Heilbronn wurde in der Kirchenruine und um ihren Keller gekämpft, wobei ein Brand ausbrach. Ihm fiel ein Teil der dort eingelagerten Möbel Ausgebombter zum Opfer, während ein größerer Aktenbestand des Stadtarchivs erhalten blieb. Der Turm der Kirche ist im Helm durchschossen. Die Beschädigungen sind so stark, daß an seine Wiederinstandsetzung nicht gedacht werden kann. Die Kirche selbst ist bis auf eine kleine südliche Seitenkapelle und die Sakristei völlig zerstört. Im Chor sieht man noch das mit satten Farben von Professor Heinrich Altherr (einem Schweizer Künstler) gemalte Freskobild 'Das jüngste Gericht', vielfach von Gewehr-, Bordwaffenschüssen und Geschoßsplittern durchlöchert. Der ganze Inneraum war schon am 4. Dezember 1944 völlig ausgebrannt; er hat kein Dach mehr.

In Heilbronn und seinen Vororten sind wieder 17 Ärzte tätig, und zwar zehn in der Kernstadt: Dr. Richard Beck, Dr. Friedrich Börstler, Dr. Walter Kupferschmied, Dr. Johanna Eyth, Dr. Karl Feyerabend, Dr. Albrecht Giese, Dr. Otto Kachel, Dr. Richard Kerber, Dr. Alfred Rauth, Dr. Margarethe Schröter; zwei in Böckingen: Dr. Wolfgang Herrmann und Dr. Eugen Schrägle; drei in Neckargartach: Dr. Walter Eisele, Dr. Hans Fröhner und der aus Lettland stammende Dr. Peters Lusis; sowie zwei in Sontheim: Dr. Hans Schramm und Dr. Carl Weyßer.

Apotheken sind insgesamt wieder sechs in Betrieb, und zwar je eine in den drei Vororten und folgende in der Kernstadt: Einhorn-Apotheke, Dr. Hans Dorn, Oststraße 24 (frühere Geyersche Klinik), die alte Apotheke Ecke Lohtor- und Sülmerstraße ist zerstört; Rosenapotheke (in der Rosengasse zerstört), Richard Koch, zur Zeit Wilhelmstraße 54 (früheres jüdisches Eigentum – Kaufmann Bertold Marx); Apotheke am Karlstor, Richard Werner, Kernerstraße 8 (Eigentümer: Neuapostolische Gemeinde), frühere Fleinertor-Apotheke zerstört."

"Evangelische Gottesdienste werden von Dekan D. Dr. Julius Rauscher und den Pfarrern Wilhelm Fröhlich, Jacob Schneider und Dr. Eberhard Dieterich abgehalten im Altersheim (Arndtstraße), im Krematorium, im Martin-Luther-Kindergarten (Beethovenstraße), im Haus des Mittelschullehrers Christian Hemming (Schweinsbergstraße 21), im Privathaus Christine Schriefer (Herrmannstraße 22), in der Waldkirche auf dem Gaffenberg. Kindergottesdienste finden statt im Krematorium, im Martin-Luther-Kindergarten, in der Schweinsbergstraße 21 und Herrmannstraße 22, in einem nicht ausgebrannten Teil des Seminars (Wartbergstraße) und in der Sakristei der Südkirche.

Die katholischen Gottesdienste finden im Haus des Bankdirektors Erwin Bohner (Alexanderstraße 10) statt. Das katholische Stadtpfarramt ist im Privathaus Klenk (Uhlandstraße 75) untergebracht. Als katholische Pfarrer sind Johann Baptist Wetzel in Heilbronn, Heinz Röhrle in Böckingen und Friedrich Muttelsee in Sontheim tätig.

Temperartur heute 33°C im Schatten, 45°C in der Sonne. Abends starke Gewitter."

"Auf Anordnung der Militärregierung werden arbeitsfähigen Personen, die sich weigern zu arbeiten, die Lebensmittelkarten entzogen; außerdem haben sie empfindliche Strafe zu gewärtigen. Ab August wird die Abgabe von Lebensmittelkarten auch vom Besitz eines Arbeitspasses abhängig gemacht.

In den letzten Tagen sind vom Militärgericht wiederum sieben deutsche Zivilpersonen zu Geld- und Gefängnisstrafen verurteilt worden, z.B. wegen Ausschanks von Wein ohne Lizenz zu 30 Tagen Gefängnis mit Bewährungsfrist, wegen Trunkenheit am Steuer und Widerstandes bei Verhaftung zu 90 Tagen Gefängnis mit Bewährungsfrist, wegen Fahrraddiebstahls zu 14 Tagen Gefängnis, wegen Eindringens in ein 'Off Limits'-Gebiet zu acht Tagen Gefängnis und wegen Durchschneidens von amerikanischem Draht zu 200 RM Geldstrafe.

Der Counter Intelligence Corps (CIC) Heilbronn gibt bekannt: 'Kein deutscher Zivilist ist bevollmächtigt, im Auftrag des CIC zu handeln.' Diese Bekanntmachung hat ihre Ursache darin, daß einige Deutsche, die angaben vom CIC beauftragt zu sein, mit gefälschten Befehlen Wohnungseinrichtungen und anderes beschlagnahmt und abgeführt hatten.

Neue Reichsbanknoten zu 20, 50 und 100 RM kommen in den nächsten Tagen in Umlauf."

"Ab der dritten Ausgabe erscheinen die Amtlichen Bekanntmachungen bis auf weiteres in deutscher und englischer Sprache.

Die ersten Baulinienfestsetzungen, die OB Emil Beutinger am 11. und 13. Juli für das Südviertel beschlossen hat, werden dort veröffentlicht.

Sämtliche Kriegsbeschädigten in den Stadtteilen Heilbronn, Böckingen, Neckargartach und Sontheim werden zur Meldung beim Kreisarbeitsamt zur Ergänzung der Kartei aufgefordert. An alle in Frage kommenden Arbeitgeber wird die Bitte gerichtet, die Unterbringung von Kriegsversehrten in geeigneten Arbeitsverhältnissen zu unterstützen.

Beim Kreisarbeitsamt sollen sich zur Registrierung auch alle Lehrkräfte im Stadtkreis Heilbronn melden.

Das Staatliche Gesundheitsamt (Alexanderstraße 61) fordert die Bevölkerung auf, die Bombentrichter nicht als Abfallgruben zu benutzen, sondern zuzuschütten, da sonst ernstliche gesundheitliche Gefahren durch das Zunehmen der Fliegenplage drohen. Magen- und Darm-Erkrankungen sind bereits sehr verbreitet.

Die Stadtwerke werden in der Äußeren Rosenbergstraße 24 untergebracht.

Die Geschäftsräume des Polizeireviers III werden aus der Alleeschule ins Rathaus von Böckingen (Gartenstraße 2) verlegt.

Mit Hilfe der Militärregierung kann ein provisorischer Fernsprechbetrieb eingerichtet werden.

Sparsamster Umgang mit dem Leitungswasser wird erneut gefordert. Es soll nur für wichtige Zwecke entnommen werden, d.h. zum Trinken und Kochen, zum Waschen von Bekleidung und zur Aufrechterhaltung der Reinlichkeit. Dagegen darf z.B. Rasen nicht bewässert werden. Jedermann ist verpflichtet, ihm bekannt gewordene Wasserrohrschäden dem Wasserwerk zu melden.

Hebammen sind in Heilbronn wieder vier, in Böckingen drei und in Sontheim und Neckargartach je eine tätig."

"Ausgehzeit von 5 – 22 Uhr verlängert.

Es kursieren – vorzugsweise auf dem Lande – Gerüchte, daß die 20- und 100-RM-Scheine mit dem Hakenkreuzwasserzeichen für ungültig erklärt werden sollen, was aber laut Reichsbank-Nebenstelle nicht geschehen wird.

Für die evangelische Bevölkerung der Bahnhofsvorstadt finden nunmehr Gottesdienste im Schießhaussaal (Frankfurter Straße), für die Protestanten in Böckingen im Kindergarten, in der Kirche, im Pfarrhaus III und im Kreuzgrund statt.

Eröffnung der evangelischen Kinderfreizeit auf dem Gaffenberg."

"Zur Durchführung von Razzien, welche die Amerikaner nach Ablauf der einwöchigen Amnestiefrist für die straflose Abgabe von Waffen und Munition angesetzt haben, ist seit gestern früh und bis heute Abend ein Ausgehverbot über die Stadt verhängt worden. Es finden Haussuchungen statt, bei denen nicht nur nach SS-Leuten und Waffen gefahndet wird, sondern auch nach gestohlenen amerikanischen Lebens- und Genußmitteln, mit denen ein schwunghafter Schwarzhandel betrieben wird."

"Die Bezugscheinausgabestellen des Wirtschaftsamtes Heilbronn Stadt für Spinnstoff- und Schuhwaren befinden sich für Heilbronn-West im Sonnenbrunnen in Böckingen, Heilbronn-Nord im Flak-Bestände-Lager (Salzstraße) unterhalb der Löwenwerke, Heilbronn-Ost im Gebäude Silcherplatz 6 (Privathaus Kaufmann Eugen Rügner), Heilbronn-Süd im Fabrikgebäude der Papierdarmfabrik Zebert (Werderstraße 87).

Berufung des früheren Postoberinspektors Ernst Riegraf als Postvorstand.

Aufforderung der Post an die Einwohner zur Angabe ihrer Adressen zur Vorbereitung der baldigen Neueröffnung des Postverkehrs im Stadtbezirk Heilbronn.

Das Staatsrentamt befindet sich in der Wollhausstraße 72. Im selben Gebäude (bei der Oststraße unterhalb der Gärtnerei Georg Maier) sind auch das Feldbereinigungsamt und das Forstamt untergebracht.

Das Militärgericht verurteilt einen 57-jährigen Mann wegen unwahrer Angaben in seinem der Militärregierung vorgelegten Fragebogen zu sechs Monaten Gefängnis.

Die Industrie- und Handelskammer ist in dem Haus Bruckmannstraße 28 untergekommen. Das Haus war früher Eigentum des jüdischen Fabrikanten Josef Kahn; im Dritten Reich ging es an den NS-Kreisleiter Richard Drauz über, der vom CIC gesucht wird, zur Zeit jedoch spurlos verschwunden ist.

Die Handwerkskammer nimmt im Privathaus Bruckmannstraße 24 (Oberingenieur Otto Göbel) ihre Arbeit wieder auf.

Nach einer Zusammenstellung des Ernährungsamtes B – Stadt sind die Lebensmittelkarten ausgegeben worden an 42.560 deutsche und 8.420 ausländische Personen, zusammen 50.980.

251 Krätzefälle sind in der Stadt bekannt.

Für die 78. Zuteilungsperiode sind neue, in ganz Württemberg und Hohenzollern geltende Lebensmittel-, Gaststätten- und Reisekarten ausgegeben worden. Die seither gültigen werden ab 19. August außer Kraft gesetzt.

Im Einvernehmen mit der Militärregierung und dem Großhandel werden für die 78. und 79. Versorgungsperiode (23. Juli –15. September) auf Seifenkarten und Bezugscheine, für die bei den Ausgabestellen bzw. Wirtschaftsämtern ein Antrag zu stellen ist, folgende Zuteilungen zur Verfügung gestellt: an Normalverbraucher zwei Stück Einheitsseife, zwei Pakete Waschpulver und eine Einheit Zusatzwaschmittel; zusätzlich für Kinder bis zu drei Jahren ein Stück Feinseife und ein Paket Waschpulver; für Kinder von drei bis sechs Jahren ein Stück Feinseife. Außerdem erhalten Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen zusätzlich ein Stück Feinseife und ein Paket Waschpulver. Rasierseife kann vorerst nicht ausgegeben werden, auch nicht an Friseurgeschäfte, die ebensowenig Kopfwaschmittel erhalten können. Der Bedarf an Waschmitteln in Krankenhäusern, Anstalten, Kinderheimen usw. wird über Bezugsscheine gedeckt, die bei den Wirtschaftsämtern zu beantragen sind. Den Nahrungsmittelbetrieben, wie Metzger, Bäcker usw., und den Verschmutzungsbetrieben, wie Schlosser usw., können bezugscheinpflichtige fetthaltige Waschmittel nicht zur Verfügung gestellt werden; sie werden auf die Verwendung von bezugscheinfreien Handwaschmitteln ('Flamex') verwiesen.

Die Raucherkarte wird diesmal für drei Perioden (78. – 80.) ausgegeben; die jeweiligen Zuteilungen sollen aufgerufen werden, wenn genügend Tabakwaren angeliefert werden."

"Tagung der Landesernährungsämter Stuttgart, Mannheim und Karlsruhe in Heilbronn unter der Oberaufsicht der zuständigen Dienststellen der amerikanischen Militärregierung; für Heilbronn ist US-Oberleutnant Harry C. Tripcony anwesend. Es wird vereinbart, in den amerikanisch besetzten Teilen Badens und Württembergs gleiche Lebensmittelzuteilungen festzusetzen. Die Verteilung wird durch Beamte der deutschen Ernährungsämter unter der unmittelbaren Kontrolle von Offizieren der Militärregierung durchgeführt, wodurch eine gleichmäßige und gerechte Ausgabe gewährleistet werden soll.

Die Evangelische Kirchenpflege (in der Klarastraße 24 am 4. Dezember 1944 zerstört) befindet sich jetzt in der Robert-Mayer-Straße 75."

"Aufruf von OB Emil Beutinger zur Rückgabe oder Bezahlung 'von unrechtmäßig entnommener Ware'.

Allen Hauseigentümern und ihren Mietern wird zur Pflicht gemacht, in gemeinsamer Arbeit die Gehwege, Straßen und Vorgärten im Bereich ihrer Häuser von dem dort lagernden Schutt zu räumen und diesen zu den kenntlich gemachten Schuttabladeplätzen abzufahren. Mit Zuweisung von Baumaterial können nur solche Hauseigentümer rechnen, die ihren Schutt beseitigt haben. Deponien sind u.a. die Dachsohle im Gewann Staufenberg, das tieferliegende Gelände bei der Ost- und Moltkestraße, der Hohlweg nördlich des Israelitischen Friedhofes, das Gelände der früheren Viehhalle beim Hammelwasen.

Da die Militärregierung für das Amtsblatt nur geringe Papiermengen zur Verfügung stellt, kommen die Gesetze, Anordnungen und sonstigen Bekanntmachungen im allgemeinen zu spät zur Veröffentlichung."

"Eine Verordnung der Militärregierungen in Deutschland verbietet allgemein die Zahlung von Pensionen, Unterstützungen und Beihilfen, die durch die Ableistung von 'Wehrdienst' erworben wurden.

Der Verbraucherhöchstpreis für Speise- und Frühkartoffeln wird bis zum 2. August für das Pfund in Größenklasse I auf 10,5 Rpf, in Größenklasse II auf 7,7 Rpf festgesetzt."

"Durch Entschließung von OB Emil Beutinger sind die bestehenden Baulinien an der Hauptstraße und der Lauffener Straße in Sontheim neu geregelt worden.

Das Salzwerk wurde durch Artilleriebeschuß während des Kampfes um Heilbronn schwer mitgenommen, die Solen durch den Ausfall der Pumpen zu einem großen Teil überflutet. Sie mußten daher zunächst wieder trockengelegt werden. Dies ist nun soweit erfolgt, daß die Teilproduktion von Steinsalz aufgenommen werden kann, während Hütten- und Salinen-Salze infolge Kohlenmangels vorläufig nicht hergestellt werden können.

Die gesamte schulpflichtige Jugend des Stadtteils Heilbronn hat sich zur Erfassung für den Schulunterricht beim Kreisarbeitsamt innerhalb der nächsten fünf Tage zu melden."

"Über das von der Kepler-, Wollhaus-, Mönchsee- und Bismarckstraße umschlossene Gebiet verhängt OB Emil Beutinger eine Bausperre.

Wiederinbetriebnahme der Straßenbahnstrecken Heilbronn – Sontheim (Wilhelmsbau – Ackermann) und Heilbronn – Neckargartach (Hauptbahnhof – Kanalhafenbrücke – Wagenhalle). An der zerstörten Kanalhafenbrücke müssen die Fahrgäste in einen Nachen umsteigen zur Fahrt über den Neckar; am anderen Ufer dann Weiterfahrt mit der Straßenbahn."

"Verlängerung der Ausgehzeit bis 22:30 Uhr.

Im Juli hat die zur Hälfte niedergebrannte Staatliche Lehrschmiede, Ecke Erhard- und Wolfganggasse, ihren Betrieb wieder aufgenommen."