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Oktober 1945

"Der Alliierte Kontrollrat hat mit Wirkung von heute die Bestimmungen für den Umgang der alliierten Truppen mit der deutschen Zivilbevölkerung weiter gemildert; u.a. werden Eheschließungen zwischen alliierten Soldaten und deutschen Frauen möglich.

Die überregionalen Teile der amerikanischen Militärregierung werden neu organisiert und benannt. An der Spitze steht nun das Office of Military Government for Germany (US), kurz OMGUS genannt, in Berlin. Das ausführende Organ ist das Office of Military Government (US-Zone), abgekürzt OMGUSZ, in Frankfurt/M.. Das bisherige Regional Military Government Detachement E-1 in Stuttgart heißt nun Office of Military Government for Wuerttemberg-Baden (OMGWB).

Die Militärregierung läßt die Zahlung der Sätze der gehobenen Fürsorge für Schwerkriegsbeschädigte wieder zu.

Personelle Neubesetzung des Wohnungsamtes; Amtsleiter wird Willy Holzwarth. Für die Wohnbezirke I (Stadtteil Heilbronn) und II (Stadtteile Böckingen, Neckargartach, Sontheim) wird je eine Sachbearbeiterstelle geschaffen.

Baurat Ferdinand Hirner tritt sein Amt als Leiter des städtischen Hochbauamtes an.

Änderung der Gebührenordnung vom 1. Juli 1940 für den Kanalhafen Heilbronn mit Genehmigung der Militärregierung und im Einvernehmen mit der Preisüberwachungsbehörde.

Je zwei Züge und Gegenzüge fahren Montag bis Freitag morgens und abends und Samstag morgens und mittags in Richtung Sulzfeld, Waldenburg, Bad Friedrichshall-Kochendorf, Ludwigsburg und Kornwestheim. Sie sind nicht für den allgemeinen Reiseverkehr bestimmt, sondern nur für den Dienst- und Berufsverkehr und können nur mit besonderer Genehmigung benutzt werden. Sonntags verkehren keine Züge.

Unterrichtsbeginn für die Klassen 1 – 8 aller Volks- und Mittelschulen des Stadt- und Landkreises Heilbronn gemäß einer Anordnung der amerikanischen Militärregierung. 24.000 Schüler sind davon betroffen, im Stadtgebiet 6000. Im Stadtkern müssen sämtliche 1600 Grundschüler der Klassen 1 – 4 auf den Unterrichtsbeginn noch so lange warten, bis die vorgesehenen Schulräume ausgestattet sind.

Christian Leichtle wird Leiter der Freizeitgestaltung der Jugend.

Im Stadtkreis Heilbronn üben 31 Allgemeinmediziner und Fachärzte sowie eine Ärztin ihre Praxis aus. Außerdem hält eine auswärtige Augenärztin dreimal in der Woche Sprechstunden in der früheren Geyerschen Klinik (Ecke Lerchen- und Oststraße) ab, in der mehrere Kollegen ihre Sprechstundenzimmer haben und in der auch die Einhorn-Apotheke (Dr. Hugo Dorn) untergebracht ist.

Für die 3. Woche (1. – 7. Oktober) der 80. Zuteilungsperiode (17. September – 14. Oktober) werden an Erwachsene (über 18 Jahre alt) zugeteilt 2000 g Brot oder 1500 g Brot und 375 g Mehl der Type 1330, 200 g Fleisch, 50 g Fett, 250 g Nährmittel und 2500 g Kartoffeln für Personen, die nicht die Einkellerungsmöglichkeit vorgezogen haben; für Kleinst-, Kleinkinder, Kinder und Jugendliche sowie für Schwer- und Schwerstarbeiter gibt es Sonderregelungen."

"Das Arbeitsgericht verurteilt vier Landwirte aus Neulautern, die nicht bereit waren für die Militärregierung bestimmtes Holz aus dem Wald abzufahren, zu acht Tagen Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft als abgegolten angesehen werden, und zu je 100 RM Geldstrafe."

"In der zweiten Sitzung des Gemeindebeirates werden Weingärtner Hermann Schneider und Flaschner- und Installateurmeister Otto Schweizerhof als weitere Mitglieder in ihr Amt eingeführt.

OB Emil Beutinger berichtet, daß die Wasserversorgung annähernd in Ordnung ist, während die Instandsetzung des Gaswerks wegen Mangels an Material und Fachkräften noch nicht durchgeführt werden konnte.

Durch die von der Militärregierung angeordneten Entlassungen der NSDAP-Parteigenossen aus städtischen Diensten (ab heute weitere 6 Beamte) fehlt es überall an Personal zur Bearbeitung der technischen und Verwaltungsaufgaben. In einer Besprechung mit Major Marcus L. Hoover ist jedoch die Möglichkeit einer vorerst unentgeltlichen Weiterbeschäftigung einzelner Entlassener, die an die Militärregierung ein diesbezügliches Gesuch richten können, in Aussicht gestellt worden.

Die fertigen Pläne für den Neubau der Neckarbrücke müssen dem OMGUSZ in Frankfurt/M. vorgelegt werden; grundsätzlich ist der Bau bereits genehmigt. Brücke und Fahrdamm sollen verbreitert werden, die Straße rechts und links um 2 m. Die beiderseitigen Gehwege erhalten eine Breite von je 3,5 m.

Für den ersten Abschnitt des Wiederaufbaues der Stadt wird gegenwärtig ein Projekt mit 760 Wohnungen entlang der Stuttgarter Straße ausgearbeitet. Die ursprüngliche Absicht, das Gelände des Kriegsgefangenenlagers bei Böckingen als Baugelände zu verwenden, ist wegen der Gefahr von Erdsenkungen infolge der Salzgewinnung durch die Kali-Chemie aufgegeben worden.

Der Ehrenfriedhof im Köpfer für die Toten des 4. Dezember 1944 wird zur Zeit hergerichtet; drei Viertel des Geländes sind eingeebnet. Die Abhaltung einer Totengedächtnisfeier auf diesem Platz ist von der Militärregierung nicht gestattet worden. Trotzdem behält man hierfür den 4. Dezember als geeigneten Zeitpunkt im Auge.

BM Paul Meyle gibt einen eingehenden Bericht über seine Tätigkeit als Sachbearbeiter für die Geschäftszulassungsgesuche. Für die Genehmigung von Betrieben bis zu fünf Arbeitnehmern (einschließlich der mitbeschäftigten Familienmitglieder) ist der OB zuständig, von Betrieben bis zu 25 Arbeitnehmern die örtliche Militärregierung, für alle übrigen das OMGUSZ in Frankfurt/M.. Bisher sind für Heilbronn (Stadt) 59 Industrie-, 61 Großhandels-, 294 Einzelhandelsgesuche und 865 Gesuche sonstiger selbständiger Berufe geprüft und entschieden worden.

Die Militärregierung genehmigt die Baulinienfeststellungen des OB vom 8. September (Böckingen, Großgartacher Straße 194 – 234), vom 11. September (Armsündersteige bei Parzelle 9605), vom 15. September (Böckingen, Leonhardstraße) und vom 22. September (Ecke Holzstraße, Frankfurter, Roßkampff- und Olgastraße)."

"Durch die Wohnungsknappheit ist eine Zunahme an Scharlach- und vor allem Diphterie-Erkankungen eingetreten. Die Militärregierung ordnet deshalb die Impfung aller Kinder des Stadt- und Landkreises vom vollendeten 1. bis zum 15. Lebensjahr an.

Die aus Heilbronn geflüchteten bzw. evakuierten Familien und Einzelpersonen, die bis zum 10. September 1944 in einem der vier Stadtteile gewohnt haben, werden aufgefordert, ihren gegenwärtigen Aufenthaltsort anzugeben.

Alle, die Wasser aus dem städtischen Leitungsnetz entnehmen, müssen sich sofort im Büro der Wasserwerke (zur Zeit im Privathaus Äußere Rosenbergstraße 24) melden.

Dr. Franz Pflüger, praktischer Arzt und Geburtshelfer (früher Adolf-Hitler-Allee, jetzt Admiral-Spee-Straße 20) und Heilpraktiker Friedrich Weiß (ehemals Schillerstraße, jetzt Ellhofen, mit Praxis in der Urbanstraße 5) veröffentlichen ihre Sprechstunden in den Amtlichen Bekanntmachungen, ebenso Dentist Otto Rücker (früher Marktplatz, jetzt Kleiststraße 27).

Die Friseurgeschäfte des Stadt- und Landkreises erhalten die erste Zuweisung von Seifen und Waschmitteln im 4. Quartal.

Bis zum 20. Oktober sollen alle, die sich nach den Kampfhandlungen herumliegende Motorräder und anscheinend herrenlose Fahrzeuge oder auch nur Teile davon angeeignet bzw. solche bei sich sichergestellt haben, eine Beschlagnahmeverfügung bei der Kraftfahrzeugzulassungsstelle (Cäcilienstraße 64) beantragen. Anzuzeigen sind auch – beim Stadtpolizeiamt – die noch vorhandenen Luftschutzbetten, da sie Leihgaben sind."

"Die Christengemeinschaft Heilbronn mit Versammlungslokal in der Lerchenstraße 67 nimmt ihre Tätigkeit wieder auf.

Nachmittags-Konzerte im Schießhaussaal mit den einheimischen Kräften Willi Blaicher (Bariton), Erich Kerndorff (Cello), Hildegard Sander (Klavier)."

"Seit Beginn der Weinernte verlangen manche Gasthäuser und Schankwirtschaften erhöhte Preise für Wein, wogegen OB und Landrat Emil Beutinger eine scharfe Warnung erläßt.

Bekanntgabe der Änderungen der Erzeugerhöchstpreise für Obst und Gemüse.

Für die vierte Woche (8. – 14. Oktober) der 80. Zuteilungsperiode werden an Erwachsene (über 18 Jahre) zugeteilt 1500 g Brot, 200 g Fleisch, 62,5 g Fett, keine Nährmittel, 2500 g Speisekartoffeln (wenn keine Kartoffeln eingekellert sind); für Kleinst-, Kleinkinder, Kinder und Jugendliche sowie für Schwer- und Schwerstarbeiter gelten Sonderregelungen."

"Eröffnungsvorstellung des Zirkus Max Holzmüller, des ersten, der nach Kriegsende hier gastiert, auf dem Mönchseegelände zwischen Ost- und Karmeliterstraße gegenüber der Ruine der 1935 erbauten, am 4. Dezember 1944 zerstörten Festhalle (Karmeliterstraße)."

"Die Polizeistunde für Wirtschaften, Gasthäuser und Hotels wird auf 22 Uhr (ab 21:45 Uhr Speise- und Getränke-Abgabe untersagt), die Sperrzeit für den Straßenverkehr von 22:30 – 5 Uhr festgesetzt.

Die durch die Verfügung der Militärregierung aus Betrieben der Privatwirtschaft entlassenen Angestellten müssen sich auf dem Arbeitsamt melden.

Das Arbeitsamt bittet die Unternehmer in Industrie, Handel und Gewerbe um Überlassung von Gehalts- und Lohntarifen, da diese Unterlagen infolge der Kriegsereignisse verloren gegangen bzw. vernichtet worden sind.

Eine Verlautbarung der amerikanischen Militärregierung in den heute erschienen Amtlichen Bekanntmachungen weist darauf hin, daß die nicht arbeitenden Insassen des Kriegsgefangenenlagers täglich 2000 Kalorien und die arbeitenden 3200 Kalorien erhalten, also die Zuteilungen an die Kriegsgefangenen größer sind als die durchschnittlichen Nahrungsmittelrationen an die Zivilisten.

Ihre Praxis eröffnen die Zahnärzte Dr. Hermann Fröhle (früher Bahnhofstraße 17, jetzt Herweghstraße 15) und Dr. Günther Mahler (ehemals Moltkestraße 31, nun Roseggerstraße 14)."

"Erster der von der Militärregierung genehmigten Sonntagsbesuche der Zivilbevölkerung im Böckinger Kriegsgefangenenlager von 14 – 15 Uhr. Der Besuch ist an eine vorherige schriftliche Eingabe mit Angabe des Grundes und des Verwandtschaftsgrades von Zivilist und Gefangenem gebunden.

Die Heilbronner Sportvereine nehmen den Spiel- und Sportbetrieb wieder auf. Bis zur endgültigen Einteilung der Meisterschaftsspiele werden ab heute in Heilbronn Stadtmeisterschaften ausgetragen, an denen sich zwölf Mannschaften beteiligen."

"OB Emil Beutinger wird auf sein Ansuchen hin von der amerikanischen Militärregierung von seiner Landratstätigkeit entbunden.

Versorgungsperiode: Mit den Lebensmittelkarten werden eine Schuhausbesserungskarte, mit der sich der Inhaber in die Kundenliste eines Schuhmachers eintragen lassen kann, und für die 81. – 83. Versorgungsperiode (15. Oktober 1945 – 6. Januar 1946) eine Raucherkarte ausgegeben. An Waschmitteln gibt es diesmal nur ein Stück Einheitsseife für Erwachsene, Jugendliche und Kinder aller Alterstufen, für Kinder bis zu drei Jahren außerdem ein Stück Feinseife und ein Normalpaket Waschpulver. Zusätzliche Waschmittel für Verschmutzungsbetriebe können wegen Mangels an Ware zunächst nicht ausgegeben, Waschpulver für Erwachsene und Rasierseifen voraussichtlich erst in der nächsten Zuteilungsperiode zugeteilt werden."

"Nach der Trennung von Bürgermeisteramt und Landratsamt übernimmt Rechtsanwalt Hermann Sihler (bisher Personalamtsleiter in der Stadtverwaltung) die Landratsstelle in Heilbronn. Die Diensträume befinden sich jetzt in der sog. Bruckmannvilla (Cäcilienstraße 51)."

"Die heutigen Amtlichen Bekanntmachungen Nr. 16 veröffentlichen von seiten der Militärregierung nochmals – in etwas abgeänderter Fassung – das Gesetz Nr. 8 vom 26. September 1945, betreffend das Verbot, Mitglieder der NSDAP in höheren Positionen als denen der 'gewöhnlichen Arbeiter' zu beschäftigen. Zugleich werden die erste Ausführungsverordnung zu diesem Gesetz sowie Erläuterungen dazu bekanntgemacht, wonach die in Frage stehenden Angestellten 'in beaufsichtigender oder führender Stellung' in zwei verschieden zu behandelnde Kategorien eingeteilt werden. Ferner wird die Verordnung Nr. 4 über das 'Verbot des Tragens deutscher militärischer Uniformen', worunter auch jene der NSDAP und Polizei sowie alle militärischen Abzeichen, Medaillen, Dienstgradabzeichen (einschließlich der NSDAP) fallen, veröffentlicht.

Nach einer Anordnung der Militärregierung haben sich Fußgänger und Radfahrer dem Verkehr entgegen, also auf der linken Straßenseite zu bewegen. 'Übertretungen werden strengstens geahndet.'

Sämtliche Gemeinden des Großkreises Heilbronn werden zu Gemeinden mit Wohnungsnot erklärt. Die mit Zustimmung der Militärregierung erlassene Anordnung zur Durchführung der Wohnraumbewirtschaftung enthält sehr einschneidende Maßnahmen für Haus- und Wohnungsbesitzer, die zu Raumabgaben gezwungen werden können, ebenso für Untermieter. Als durchschnittliche Mindestbelegung für ein Zimmer gelten zwei Personen.

Zur Behebung der Wohnungsnot, Wiederherstellung des zerstörten Verkehrsnetzes, Freilegung des Schiffahrtsweges, Stellung von Kräften für die Landwirtschaft und für den außerordentlichen Brennholzeinschlag müssen zusätzliche Arbeitskräfte gewonnen werden. Deshalb sieht das Arbeitsamt (Leiter: Hellmut Riegraf) eine Umschulung der nicht in Arbeit stehenden Männer vor, zunächst auf freiwilliger Grundlage; bei nicht genügenden Meldungen zur Umschulung wird Dienstverpflichtung in Aussicht genommen.

Fabrikant Karl Wahl, zur Zeit BM in Talheim, wird von der amerikanischen Militärregierung kommissarisch zum Präsidenten der Handwerkskammer Heilbronn bestellt, die ihre Diensträume in dem Privathaus Bruckmannstraße 24 hat.

Veröffentlichung der Anordnungen I-45, mit Zustimmung der amerikanischen Militärregierung Württemberg-Baden vom Landesamt für Wirtschaft – Landeswirtschaftsamt – getroffen, über die 'Bewirtschaftung von Haushaltsgeräten und anderen Erzeugnissen aus Eisen und Metall' vom 15. September, nebst dazugehörigem Warenverzeichnis, und über die 'Herstellung und Verteilung von Spinnstoffen' vom 17. September mit den entsprechenden Ausführungsbestimmungen vom 25. September und 4. Oktober.

Die Bezugscheinstelle Nord des Wirtschaftsamtes Heilbronn Stadt hat sich jetzt im Polizeirevier II (Austraße) eingerichtet.

Die Geschäftsräume der Reichsbank (bisher Karlstraße 72) befinden sich in der Gutenbergstraße 51 (Knorr-Villa).

Die Vorsorge Lebensversicherung AG, evangelische Sterbevorsorge, hat durch ihren Ortsvorsteher, Max Pflug (Kleiststraße 7), ihre Sprechstunden wieder aufgenommen."

"Das Gesetz Nr. 3 des Alliierten Kontrollrats erhöht als Notstandsmaßnahme die Lohnsteuer für die Zeit vom 1. Oktober – 31. Dezember 1945 um 25 Prozent und die Einkommen- und Körperschaftssteuer für das ganze laufende Jahr um 6,25 Prozent.

Genehmigung der Baulinienfestsetzung von OB Emil Beutinger vom 27. September für die Karlstraße durch die Militärregierung.

Vertragsabschluß zwischen der Stadtverwaltung und Dr. Richard Kühn, der von der Militärregierung in die Oberarztstelle des nach Weinsberg-Weißenhof evakuierten städtischen Krankenhauses eingewiesen worden ist.

Anordnung des Wirtschaftsministeriums – Preisaufsichtsstelle – in Stuttgart mit Zustimmung des Landesernährungsamtes Württemberg-Hohenzollern zur Regelung der Getreidepreise für das Land Württemberg und die Hohenzollernschen Lande im Wirtschaftsjahr 1945/46.

Die Stuttgarter Zeitung erscheint mit Zustimmung der amerikanischen Militärregierung von der heutigen Nr. 10 an mit einer besonderen Heilbronner Seite, die von Schriftleiter Willy Dürr (dem früheren Redakteur der Heilbronner Abend-Zeitung) redigiert wird.

Es sind wieder sieben Berufsfotografen tätig: drei in Heilbronn, zwei in Böckingen, einer in Sontheim und einer in Neckargartach."

"Gründungsversammlung der KPD im Genossenschaftshaus der Firma Kraemer & Flammer. Zum Ersten Vorsitzenden wird Erich Leucht gewählt.

Das gelinde, sonnige Herbstwetter hält an, Tagestemperatur 16 – 17°C."

"Alle Heilbronner Volksschüler der Oberstufe, alle Mittelschüler und die Oberschüler der seitherigen Klassen 1 – 3 und die zuständigen Lehrer sind heute und morgen zur Meldung in der wieder instandgesetzten Alleeschule in Böckingen aufgerufen. Die auswärtigen Mittel- und Oberschüler aus dem Landkreis Heilbronn können mangels genügenden Schulraumes noch nicht aufgenommen werden.

Für eine Wiederaufnahme der Betätigung des Liederkranzes erhält Rudolf Bantzhaff die Erlaubnis von der Militärregierung."

"Ein Schreiben des Justizministeriums an das hiesige Amtsgericht teilt mit, daß von einer Absicht der Militärregierung, das Erbhofrecht aufzuheben bzw. von einer bereits erfolgten Aufhebung, wie sie am 14. September gemeldet wurde, nichts bekannt ist. Solange das Erbhofrecht nicht ausdrücklich aufgehoben sei, bleibe es in Geltung, zumal es sich dabei, wie das Württembergische Gesetz über das Anerbenrecht vom 14. Februar 1930 zeige, nicht um ausschließlich nationalsozialistisches Gedankengut handele. Da das Anerbengericht noch geschlossen ist, hat die Frage des Erbhofrechtes im Augenblick ohnehin keine praktische Bedeutung.

Erweiterung des Briefpostverkehrs nach allen vier Zonen Deutschlands.

In zunehmendem Maße sind in den letzten Wochen Heilbronner Familien aus der Evakuierung in ihre Häuserruinen 'heimgekehrt' und haben sich in deren Souterrains und Kellern Notwohnungen eingerichtet.

Herbstlicher Sturm rüttelt an den Häuserruinen und bringt manche zum Einsturz."

"In der heutigen Gemeindebeiratssitzung teilt OB Emil Beutinger mit, daß die Landesregierung ein großes Wohnungsbauprogramm für besonders geschädigte Städte beschlossen hat. Auf Heilbronn entfallen dabei 1500 Wohnungen. Für 664 Wohneinheiten liegen bereits Baupläne vor, und zwar für 580 (darunter 15 kleingerwerbliche und 25 landwirtschaftliche) im Gebiet östlich der Bottwarbahnlinie bis zur Sontheimer Landwehr und Stuttgarter Straße sowie 84 Wohneinheiten im Gebiet der Ellwanger Straße anstelle der dort abgebrannten Baracken.

Zum Nachfolger des zum Landrat ernannten Rechstanwalts Hermann Sihler wird als Leiter des städtischen Personalamts Rechtsanwalt Dr. Ernst Nietzer (Dienstantritt am 29. Oktober) berufen.

Der Sontheimer Fußgängersteg über den Neckar ist wieder begehbar.

Das stadteigene Gebäude, in dem der Gasthof zum Schlachthof (Pächter: Christian Schaich, der früher das Falken-Hotel am Marktplatz betrieben hat) mit zwölf Fremdenzimmern (20 Betten) untergebracht ist, ist ebenfalls hergestellt.

Im Hofgut Haigern sind Wirtschaftsgebäude, Scheuer und Stallgebäude instandgesetzt, die Wiederherstellung des Wohnhauses ist in Angriff genommen.

Bericht von BM Paul Meyle über die mit großen Schwierigkeiten verbundene Durchführung des Gesetzes Nr. 8 der Militärregierung und der dazu ergangenen Ausführungsverordnung.

Dr. Fritz Eppinger, seit über 30 Jahren Rechtsanwalt in Heilbronn, nach der Besetzung durch die Amerikaner zunächst Stellvertreter des OB und später Landrat des Kreises Öhringen, wird zum Landgerichtspräsidenten in Heilbronn ernannt.

Da infolge des Kohlenmangels die Dampfkraftwerke außer Betrieb sind und der Strom außschließlich durch Wasserkraft erzeugt wird, ist die zur Verfügung stehende elektrische Energie knapp und wird mit fortschreitender Jahreszeit noch weiter zurückgehen; eine Anordnung des Wirtschaftsministeriums schränkt daher die Stromabnahme um 30 Prozent ein.

Farrenversteigerung im Schlachthof."

"Die heutigen Amtlichen Bekanntmachungen veröffentlichen die Allgemeine Vorschrift Nr. I zur Ausführung des Gesetzes Nr. 52 der Militärregierung: Sperre und Aufsicht von Vermögen.

Die Diensträume des Landgerichts befinden sich in der Bismarckstraße 48 (Cavallo- bzw. spätere Weipert-Villa).

Da in erheblichem Umfang willkürliche Preiserhöhungen vorgenommen werden, weist das Stadtpolizeiamt nachdrücklich auf das diesbezügliche Verbot für Waren und gewerbliche Leistungen hin.

Ein Aufruf des Landesausschusses für Landwirtschaft und Ernährung erinnert die Landbevölkerung daran, daß die Ablieferungsgesetze noch ihre volle Gültigkeit haben und das Soll der einzelnen Betriebe zur Verhütung von Hungersnot und Unruhen erfüllt werden muß: 'Ein hungerndes Volk wartet auf das tägliche Brot.' Säumige und Erzeuger, die auf Schleichwegen Absatz suchen, haben mit strengsten Strafen zu rechnen.

Die Handwerksbetriebe werden durch die Handwerkskammer aufgefordert, über die Innungsobermeister den Mindestkohlenbedarf ihres Betriebes für November an das Wirtschaftsamt zu melden.

Der Facharzt für innere Krankheiten Dr. Gerhard Geißler hat seine Praxis (Mörikestraße 8) wieder aufgenommen.

Die Hebamme Katharina Bauer (Wilhelmstraße 62) zeigt die Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit in der Solothurner Straße 14 an.

Die amerikanische Militärregierung gestattet freie Zusammenkünfte der 6- – 10-, 10- – 14- und 14- – 17-Jährigen außerhalb von Schule und Beruf zur Freizeitgestaltung unter Leitung genehmigter Helfer und Lehrer und unterstützt kirchliche und freie Jugendorganisationen in ihrer Tätigkeit. Jeden Samstag werden im Saal der Kali-Chemie (Paradise Club) der Jugend (10- – 17-Jährige) kostenlos Filme gezeigt.

Rollschuhsport kann samstags in der Weststraße zwischen Olga- und Schützenstraße ausgeübt werden."

"Im Schießhaus Kundgebung der Christengemeinschaft Heilbronn.

An zwei Nachmittagen findet das vierte Nachkriegs-Konzert im Schießhaussaal statt. Hede Olpp (Gesang; früheres Mitglied des Stadttheaters), Anne Weiß (Violine), Erich Kerndorff (Cello) und Robert Edler (Klavier; Chorleiter des noch nicht wieder genehmigten Männergesangsvereins Urbanus) spielen Werke von Ludwig van Beethoven."

"Anordnung der US-Militärregierung Württemberg-Baden über die Bewirtschaftung von Häuten, Fellen und Leder.

Im Privathaus Lerchenstraße 67 'Menschenweihe-Handlung' der Christengemeinschaft Heilbronn.

Vormittags Treffen aller Turnerjungen auf dem Turnerbundplatz (Wertwiesen, heute ASV-Sportplatz) und nachmittags Zusammenkunft der Jugend aus allen Betrieben (Industrie, Handel und Gewerbe) auf der Cäcilienwiese zu Spiel und Sport."

"Aufforderung zur Anmeldung bisheriger und neuer Schüler zu den nunmehr Vereinigten Heilbronner Oberschulen. Ihr Aufbau liegt in den Händen von Oberstudiendirektor Theodor Marstaller."

"In den Beirat der Stadt werden berufen: Kaufmann Urban Bauer und der katholische Stadtpfarrer Johann Baptist Wetzel."

"Dankschreiben des Innenministers Fritz Ulrich an OB Emil Beutinger für dessen aufopferungsvolle und erfolgreiche Arbeit in der Zeit, in der er das Bürgermeisteramt und das Landratsamt in einer Person innehatte.

Im Stadtkreis beträgt die Zahl der Normalverbraucher 45.000, im Landkreis ca. 125.000. Im Großkreis Heilbronn gibt es rund zwanzig Gemeinden, die im Krieg stark zerstört wurden. Für die Lieferung von Getreide stehen hier etwa 11.000 Betriebe mit über 0,5 ha Größe zur Verfügung. Das Ablieferungssoll wurde für das laufende Jahr auf 10.500 t Brotgetreide, 3800 t Gerste, 2600 t Hafer und 24.000 t Kartoffeln festgesetzt. Die erzielten Ernteergebnisse waren nur durchschnittlich, durch die Kriegseinwirkungen und den verzögerten Drusch ist die Versorgungslage beeinträchtigt.

In diesem Monat hat das Evangelische Kirchliche Hilfswerk, Bezirk Heilbronn, eine erfolgreiche Haussammlung durchgeführt. Im August wurde diese Einrichtung auf der Konferenz der Bischöfe der Evangelischen Kirche Deutschlands in Treysa durch ihren Vorsitzenden, den württembergischen Landesbischof D. Theophil Wurm, ins Leben gerufen. Die Heilbronner Bezirksleitung liegt in den Händen von Stadtpfarrer Albrecht Schink (Neckargartach). Sie unterstützt u.a. die von Stadtpfarrer Theodor Zimmermann im evangelischen Kindergarten in Böckingen (Weststraße 39) eingerichtete Betreuungsstelle für entlassene Kriegsgefangene.

In den vergangenen Sommer- und Herbstmonaten gab es Tage und Nächte, in denen über 2000 obdachlose Wanderer (Rückwanderer, Kriegsgefangene, die ersten Vertriebenen aus den von Deutschland abgetrennten Ostgebieten) im General-Wever-Turm, in den zwei Baracken vor dem Hauptbahnhof, in den Rettungsstellen I (Wilhelmstraße 27) und II (Bunker Kaiser-Friedrich-Platz) und in den Straßen zwischen den Trümmern der Stadt die Nacht verbracht haben. Durch Vermittlung der amerikanischen Militärregierung ist auch die an die Baracken vor dem Hauptbahnhof anschließende Baracke der Reichsbahn als erste Flüchtlings-Auffangstelle freigemacht worden. Später, im Verlaufe des Winters, beim Einsetzen der großen Flüchtlingszüge werden die Baracken beim Hauptbahnhof zu einem Sammellager, in dem oft bis zu 1000 an einem Tage eintreffende Personen zunächst aufgefangen, verpflegt, karteimäßig erfaßt und dann in den Landkreis weitergeleitet werden."