August 1945
"Helmut Pfleiderer, Prokurist, tritt als Assistent des OB in die Stadtverwaltung ein.
Nachdem seit dem 19. Juli durch Unterstützung der amerikanischen Militärregierung ein provisorischer amtlicher Fernsprechbetrieb bestanden hat, wird nunmehr das öffentliche Fernsprechnetz mit vorläufig 300 Anschlüssen eröffnet. Da das große Wahlamt im Postamt I (Hauptpost) völlig ausgebrannt ist, befindet sich das jetzt handbetriebene Amt mit einer Notschalttafel im Kellergeschoß des Hauptpostgebäudes. Bevorzugten Anschluß erhalten die öffentlichen Betriebe.
Christian Leichtle, der bisher als Mitarbeiter bei der Feststellung der Kunstdenkmäler und des öffentlichen Kunstbesitzes im Landkreis Heilbronn tätig war, wird Leiter des Bezirksschulamtes I."
"Die Amtlichen Bekanntmachungen erscheinen heute vierseitig mit einem Aufruf von OB und Landrat Emil Beutinger 'Der Aufbau ruft – legt Hand an!'.
Die Sperrzeit für den Stadt- und Landkreis wird auf die Stunden von 22:30–5 Uhr verkürzt.
Das Staatliche Gesundheitsamt erläßt eine Anordnung zur Durchführung von Maßnahmen gegen Typhus.
Aufruf zur sofortigen, vom Generalbevollmächtigten für Ernährung und Landwirtschaft angeordneten Durchführung der 'Bodennutzungserhebung 1945'.
Aus Hausruinen und Trümmerhaufen werden immer wieder Backsteine, Holz und sonstige brauchbare Gegenstände von dazu unbefugten Personen entnommen. Dagegen wendet sich ein Aufruf des Arbeitsamtes.
Das Staatliche Feldbereinigungsamt Heilbronn hat seine Tätigkeit in seinem Amtsgebäude Wollhausstraße 72 wieder aufgenommen.
Die amerikanische Militärregierung hat die Baulinienfeststellungen des OB vom 6. Juni, betreffend die Straße Im Gemmingstal und die Schweinsberg-, Gneisenau- und Villacher Straße sowie die Frankenbacher, Wimpfener, Mühlbach- und Backhausstraße im Stadtteil Neckargartach, genehmigt.
Ohne Genehmigung der Baugesuche, denen ordnungsgemäße Lagepläne beizufügen sind, darf nicht gebaut werden. Wildes Bauen ohne die Genehmigung der zuständigen Stelle des Bürgermeisteramtes kann die Einstellung der Bauarbeiten bzw. den Abbruch eines bereits erfolgten Baues zur Folge haben.
Die Straßenbahn verkehrt ab Cäcilienstraße nach Sontheim und zurück alle 17 Minuten, ab Hauptbahnhof nach Neckargartach und zurück alle 20 Minuten.
Nach einer Verlautbarung der Reichsbank-Nebenstelle Heilbronn hat die Militärregierung eine Lockerung der Beschränkungen bei Bank- und Sparkassenkonten genehmigt. Doch dürfen von Sparkonten mit gesetzlicher Kündigungsfrist monatlich nicht mehr als 500 RM, von Sparkonten, die aufgrund des Gesetzes 52 der Militärregierung gesperrt sind, höchstens 300 RM monatlich abgehoben werden.
Die Württembergische Landwirtschaftsbank GmbH, Zweigstelle Heilbronn, ist von Neckargartach nach Heilbronn in das Privathaus Winzerstraße 4 (Werbeleiter Alfred Metzner) umgezogen.
Die Inhaber von Handwerksbetrieben, die zur Ausbildung von Lehrlingen berechtigt sind oder solche einstellen wollen, sind verpflichtet, sofort alle Lehrstellen dem Kreisarbeitsamt zu melden.
Die Industrie- und Handelskammer fordert von allen zur Zeit tätigen Industrie- und Handelsfirmen eine Meldung über ihren wöchentlichen Verbrauch an Treibstoffen.
Die Gaststätten haben laut Anordnung von OB Beutinger ihre Betriebe sonntags von 11–14 und 18–20 Uhr offen zu halten. Seit der Besetzung wurde dies willkürlich gehandhabt. Die meisten hatten sonntags geschlossen, so daß die vielen Reisenden, Flüchtlinge, Heimkehrer und entlassenen Kriegsgefangenen außer in den zwei Rot-Kreuz-Verpflegungsstellen (Wilhelmstraße und Bunker am Kaiser-Friedrich-Platz) nicht mit Essen versorgt werden konnten.
Das Militärgericht in Heilbronn hat in den letzten Tagen sechs Ilsfelder und zwei Neckarwestheimer Personen des unberechtigten Waffenbesitzes für schuldig befunden und diese Fälle an ein Höheres Militärgericht verwiesen."
"Durch die schulpflichtige männliche Jugend werden unter Aufsicht von Lehrern zur Zeit in verschiedenen Teilen des zerstörten und beschädigten Stadtgebietes die noch verwertbaren Backsteine aus den Trümmern gesucht, gereinigt und an geeigneten Stellen für den Wiederaufbau gelagert. Die Entscheidung über die Verwendung dieser Steine bleibt OB Emil Beutinger vorbehalten. Die Entwendung von Steinen wird bestraft.
Da das Gebäude der Handwerker-Krankenkasse in der Bahnhofstraße durch Kriegseinwirkung ausgebrannt ist, wird vorläufig eine provisorische Geschäftsstelle durch den Textilhändler Karl Durst in dessen Haus in Böckingen (Großgartacher Straße 62) geführt; jedoch befindet sich im Hofe des Gebäudes in der Bahnhofstraße ein Briefkasten der Handwerker-Krankenkasse zum Einwurf von Mitteilungen und Rechnungen.
Der Verbraucherhöchstpreis für Speise- und Frühkartoffeln ist in der Größenklasse I pro 500 g auf 8,5 Rpf, in Größenklasse II auf 6,1 Rpf festgesetzt."
"Durch Entschließung von OB Emil Beutinger Abänderung der Baulinien entlang der Badstraße und an den Einmündungen der Halbmond-, Holz- und Achtungstraße.
Nachdem bisher die von der amerikanischen Militärregierung in Heidelberg herausgegebenen Süddeutschen Mitteilungen auch hier verteilt wurden, erscheint heute die Nr. 1 der Stuttgarter Stimme vom 3. August, 'herausgegeben von der amerikanischen Armee für die deutsche Zivilbevölkerung', Preis 20 Rpf je Exemplar."
"Die Gottesdienste der Methodisten-Gemeinde finden statt in Böckingen im Haus des Landesverbandes der evangelischen Gemeinschaft in Württemberg (Klingenberger Straße 61) und in Neckargartach in der Methodistenkapelle (Mühlbachstraße). Betreut wird die Gemeinde von Pastor Karl Dahn für Heilbronn, Pastor Ernst Pfitzenmaier für Böckingen, Pastor Walter E. Ekert für Neckargartach-Frankenbach; die Kreismission hat Pastor Gerhart Kromrei inne.
Auch die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist wieder in Erscheinung getreten; ihr Gemeindelokal befindet sich im Haus des Malermeisters Otto Christmann (Viktor-Scheffel-Straße 22)."
"Botschaft von General Dwight D. Eisenhower an das deutsche Volk in der amerikanischen Besatzungszone, welche die Absicht betont, 'nie wieder eine Bedrohung des Weltfriedens durch Deutschland zuzulassen', aber sich auch dahin äußert, daß die Amerikaner helfen wollen, das deutsche Leben auf demokratischer Grundlage neu aufzubauen. Außerdem wird den amerikanischen Militärpersonen jetzt 'der gewöhnliche Umgang' mit den Deutschen in der Öffentlichkeit erlaubt.
Alle Inhaber von Nutzfahrzeugen im Landkreis Heilbronn haben sich bei der Fahrbereitschaft Heilbronn zu melden. Wer sich nicht meldet, riskiert deren Beschlagnahme."
"Baulinienfeststellung durch OB Emil Beutinger entlang der Badstraße und der Holzstraße und am Salzwerkplatz (von der Militärregierung am 30. August genehmigt)."
"Im Einverständnis mit der Militärregierung wird der Postverkehr, vorläufig nur mit Postkarten, im Stadt- und Landkreis eröffnet. Da Briefmarken fehlen, müssen die Karten auf den Postämtern abgeliefert werden."

Zum 70. Geburtstag von Oberbürgermeister Emil Beutinger am 9. August 1945 stellten sich im provisorischen Rathaus in der Cäcilienstraße 60 die "Männer der ersten Stunde" für ein Gruppenbild auf; v.l.: Paul Meyle, Carl Frey, Eugen Horch, Karl Britsch, Fritz Knapper, Ernst Riegraf, Willy Dürr, Hermann Sihler, Albert Schäffler und Eugen Reitmeier. (Foto Mangold, Heilbronn)
"Die anonymen Mitteilungen und Anzeigen nehmen neuerdings so stark überhand, daß sich OB und Landrat Emil Beutinger veranlaßt sieht, in der heutigen Ausgabe der Amtlichen Bekanntmachungen unter Anführung des Spruches 'Der schlechteste Mensch im ganzen Land ist und bleibt der Denunziant' darauf hinzuweisen, daß alle derartigen Anzeigen und Mitteilungen in den Papierkorb wandern.
Die gesamte männliche Bevölkerung des Stadtkreises Heilbronn der Jahrgänge 1880–1931 erhält einen Arbeitspaß. Zunächst werden die voll Arbeitsfähigen aufgerufen.
Der frühere Gemeinderat und Rechtsanwalt Max Rosengart († 1943 in Stockholm) erhält posthum sein Ehrenbürgerrecht wiederzuerkannt, das ihm im Dritten Reich (1933) abgesprochen worden war.
Errichtung eines Genesendenheimes für Kriegsgefangene in Oberstenfeld durch Pfarrer Theodor Zimmermann (Böckingen).
Bilder, Büsten, Denkschriften von Hitler und seinen Gefolgsleuten, NS-Abzeichen und -Symbole sind bis spätestens 20. August bei der Polizei abzuliefern. Danach tritt Bestrafung für den Besitz solcher Gegenstände ein.
Die Verbraucherhöchstpreise für Speise- und Frühkartoffeln sind pro 500 g in Größenklasse I auf 7,5 Rpf, in Größenklasse II auf 5,5 Rpf festgesetzt."
"Baulinienfeststellung durch OB Emil Beutinger für Westseite der Karmeliter- und die Schiller- und Weinsberger Straße entlang dem Alten Friedhof (von der Militärregierung genehmigt am 30. August)."
"Die Evangelische Gemeinschaft hat ihre Gottesdienstlokale in der Wollhausstraße 133 (Gärtnerei Wintterle) in Heilbronn und in der Klingenberger Straße 61 (Landesverband der evangelischen Gemeinschaft in Württemberg, Andachtssaal) in Böckingen. Prediger Wilhelm Jetter und Pastor Wilhelm Frick sind zur Zeit noch in Lauffen evakuiert."
"Dritte Tagung aller Landräte der US-Zone in Ludwigsburg.
Die Industrie- und Handelskammer weist darauf hin, daß der Preisstopp nach wie vor in Kraft bleibt.
Die Rosenaubrauerei braut wieder 3,5-prozentiges Bier für die Bevölkerung und 8,5-prozentiges für die Besatzungstruppen."
"Die Bezirke der amerikanischen Militärregierung werden auf die deutschen Verwaltungsbezirke abgestimmt und umbenannt. So erhält das überregionale Detachment E1C3 die neue Bezeichnung E-1, Regional Military Government Office. Die beiden Heilbronner Detachments heißen nun G-28 (für den Landkreis) und H-51 (für den Stadtkreis)."
"Auf Anordnung des Allierten Kontrollrates Einführung einer Meldepflicht bei den Arbeitsämtern für sämtliche deutschen Männer vom vollendeten 14.–65. Lebensjahr, Frauen vom vollendeten 16.–45. Lebensjahr und für alle Ausländer und Ausländerinnen (in gleicher Alterserfassung) aus den Gebieten der Achsenmächte und aus den neutralen Staaten sowie für die Staatenlosen.
Ungültigkeitserklärung aller seit 1933 gezogenen Baulinien. In einigen Stadtteilen sind bereits neue Baulinien festgelegt. Die Feststellungen vom 11. Juli an der Kreuzung Stuttgarter, Blücher-, Admiral-Spee- und Schmollerstraße und vom 13. Juli an der Richard-Wagner-Straße, am Radetzky- und Grillparzerweg werden von der Militärregierung genehmigt. Außerdem wird über das von der Paulinen-, Nord-, Pestalozzi-, Bleich- und Sichererstraße umschlossene Gebiet eine Bausperre verhängt.
OB Emil Beutinger macht auf die Dringlichkeit der Reparaturen an noch gebrauchsfähigen Gebäuden aufmerksam.
Die Anträge von Handels- und Gewerbebetrieben um Erlaubnis der Wieder- bzw. Neueröffnung beim Bürgermeister- bzw. Landratsamt nehmen zu. Ohne Genehmigung des OB und Landrats darf keine Neueröffnung erfolgen.
Abermaliger Aufruf des Staatlichen Gesundheitsamtes an die Bevölkerung Heilbronns, Maßnahmen zur Verhinderung von Seuchen, wie Typhus, Ruhr, Kinderlähmung, zu unterstützen. Die sanitären Zustände sind infolge der Zerstörung der Stadt katastrophal.
Für den Krankentransport innerhalb des Landkreises Heilbronn stehen wieder mehrere Krankenwagen zur Verfügung.
In Abänderung der diesbezüglichen Bekanntmachung vom 10. August werden für die Abgabe von Seifen und Waschmitteln keine Seifenkarten ausgegeben, sondern sie werden für die 78. und 79. Zuteilungsperiode auf besonders aufgerufene Abschnitte der Lebensmittelkarten abgegeben.
Werdende und stillende Mütter erhalten Lebensmittelzulagen, erstere vom dritten Monat an.
Ab heute ertönt täglich um 22:25 Uhr die Luftschutzsirene zum Zeichen des unmittelbar bevorstehenden Eintritts der nächtlichen Ausgangssperre, die weiterhin von 22:30–5 Uhr dauert.
Eine gute und reiche Ernte wird im Unterland bei günstigem Wetter eingebracht. Nach dem Appell von OB Emil Beutinger an die Bevölkerung konnten durch das Kreisarbeitsamt aus der Stadt 468 männliche und 186 weibliche Arbeitskräfte zu den Erntearbeiten vermittelt werden; dazu kamen noch entlassene Soldaten, die sich zur Verfügung stellten, und dank dem Entgegenkommen der Militäregierung 350 für diesen Zweck vorzeitig in Freiheit gesetzte Kriegsgefangene.
Die beiden Versicherungen Deutscher Herold, Volks- und Lebensversicherungs AG und Süddeutscher Krankenversicherungs-Verein a.G. haben in Böckingen Notbüros in der Weststraße bei Adolf Kettinger eingerichtet.
Die Engel-Apotheke, Dr. Ewald Matthes, die am 4. Dezember 1944 in der Kaiserstraße 13/15 zerstört worden ist, eröffnet neu in der Urbanstraße 7 (städtisches Gebäude).
Seit die amerikanische Militärregierung in der Nacht zum 8. August die bisher geduldete Beförderung der reisenden Bevölkerung auf Güterzügen in der amerikanischen Zone verboten hat, stauen sich an den Ausgangsstraßen und -plätzen der Stadt Männer, Frauen und Kinder mit Gepäck in Erwartung von Lastautos, die sie ein Stück mitnehmen. Am Hindenburgplatz kann man täglich 200–300 solcher Wandernden zählen. Viele von ihnen kommen am selben Tag nicht weiter und müssen mit ihren Kindern im Freien übernachten. Die gleichen Verhältnisse herrschen am Bahnhofsplatz und an der Kreuzung der Paul-Göbel-Straße am Karlstor. Derzeit kommen bei strömendem Regen über 500 Menschen nicht weiter. Teilweise können sie in den Rettungsstellen des Roten Kreuzes unterkommen, zum Teil suchen sie in den Untergeschossen und Kellern von Häuserruinen Unterschlupf. Das Rote Kreuz und die Gaststätte Royal sorgen im bescheidenen Rahmen der gegenwärtigen Verpflegungsmöglichkeiten für Suppen, Eintopfgerichte und Brot, um den hungernden, frierenden und durchnäßten Menschen wenigstens ein wenig zu helfen. Es handelt sich hauptsächlich um Evakuierte, die aus ihren bisherigen Unterkunftsorten (Allgäu, Schwarzwald, Bayern) in die Ungewißheit ihrer zerstörten Heimatstädte zurückstreben. Den größeren Teil stellen Rheinländer, Westfalen und Mitteldeutsche dar.
Die Verbraucherhöchstpreise für Speise- und Frühkartoffeln werden jetzt einheitlich festgelegt, und zwar für pro 500 g auf 7 Rpf. Die Einteilung in Größenklassen wird fallengelassen."
"Verlegung des städtischen Kinderheims von Wüstenrot in das bisherige Kindersolbad Bethesda in Jagstfeld, ebenso der Kinderstation des städtischen Krankenhauses im Weißenhof (bei Weinsberg). Bethesda angegliedert ist noch eine Abteilung Städtisches Altersheim Heilbronn-Jagstfeld und ein städtisches Hilfskrankenhaus Heilbronn-Jagstfeld.
Von heute an sind an Samstagen und Sonntagen frühere Mitglieder der NSDAP und deren Gliederungen verpflichtet, in den bewohnten Stadtteilen die Straßen von Fliegerschutt, Müllablagerungen und sonstigem Unrat zu säubern. Dadurch soll u.a. auch der Seuchengefahr entgegengewirkt werden. Wo die Aktion durchgeführt ist, dürfen die öffentlichen Straßen, Plätze und Wege nicht wieder verunreinigt werden."
"Aufruf der kirchlichen Stellen in den Gottesdiensten zur Stiftung von Brotmarken zwecks Beschaffung von Brot für die entlassenen hungernden Kriegsgefangenen."
"Nach seiner neuesten Aufstellung betreut das Ernährungsamt B – Stadt in der 79. Zuteilungsperiode insgesamt (Heilbronn und Stadtteile) 50.408 Personen, davon 42.803 Deutsche und 7.605 Ausländer."
"In den Beirat der Stadt ist der kommissarische Leiter der Allgemeinen Ortskrankenkasse, Karl Britsch, berufen worden."
"Um 12 Uhr geht ein Zug mit Personenbeförderung nach Mannheim und Frankfurt/M. ab.
Die Milchablieferung im Großkreis Heilbronn an die örtlichen Sammelstellen ist zur Zeit nicht befriedigend, da viel Milch ab Stall verkauft oder auch verschenkt wird. Auf Befehl der amerikanischen Militärregierung wird auf die weiterhin bestehende Ablieferungspflicht hingewiesen."
"Die Kreishandwerkerschaft wird aufgehoben; es werden wieder die vier vor 1933 in Württemberg tätigen Handwerkskammern eingerichtet.
Die bezirkseigenen Betriebe aus Handel und Industrie werden aufgefordert, für Lager- und industrielle Zwecke geeignete Räume, gleichgültig, ob beschädigt oder ausgebrannt, ob in der Stadt oder in der Umgebung, an die Industrie- und Handelskammer zu melden.
Aufforderung an die Landwirte und Gartenbesitzer des Stadt- und Landkreises zur Erweiterung des Gemüseanbaus, um damit die Ernährung der Bevölkerung zu stützen.
Ein Maurermeister in Neckargartach ist in der vergangenen Woche wegen falscher Angaben in seinem Fragebogen durch das amerikanische Militärgericht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden.
Ihre Tätigkeit wieder aufgenommen haben: Württembergische und Badische Vereinigte Versicherungsgesellschaften AG (vor der Zerstörung in der Unteren Neckarstraße 4, jetzt in der Adelberger Straße 5 im gesellschaftseigenen Haus); Süddeutsche Versicherungskontor GmbH (früher Untere Neckarstraße 4, jetzt Adelberger Straße 5); Deutscher Ring, Versicherungsgesellschaften (früher Allee 12, jetzt Ludwig-Finckh-Straße 9); Hallesche Krankenkasse V. V. AG, Geschäftsstelle Heilbronn (im Breitenöderschen Haus, Charlottenstraße 56, früher in der Friedensstraße 32).
Beim Kreisarbeitsamt haben sich die Schüler der Kaufmännischen Berufsschule und der Höheren Handelsschule, Lehrlinge und Anlernlinge aller kaufmännischen Firmen im Stadt- und Landkreis, die noch nicht bei der Kaufmännischen Berufsschule gemeldet sind, und Bewerber um die Aufnahme in die Höhere Handelsschule zu melden.
Die Verbraucherhöchstpreise für Speise- und Frühkartoffeln sind auf 6 Rpf pro 500 g festgesetzt."
"Auf dem Vorplatz im Hauptfriedhof evangelische Gedächtnisfeier für die Toten des 4. Dezember 1944 mit Dekan D. Dr. Julius Rauscher und den Stadtpfarrern Dr. Otto Jäger und Wilhelm Fröhlich.
Den evangelischen Gottesdienst in der Schweinsbergstraße 21 hält erstmals wieder Stadtpfarrer Gottlob Lang, anschließend auch im Saale des Schießhauses, im Seminar predigt Stadtpfarrer Julius Höll zum ersten Mal nach dem Krieg.
Die Süddeutsche Vereinigung für Evangelisation und Gemeinschaftspflege hält regelmäßige Sonntagabend-Zusammenkünfte in der Böcklinstraße 3 und im Hause ihres Predigers, Gustav Müller (Bottwarstraße 56), ab."
"Wiederaufnahme des Expreßgutverkehrs im Bezirk der früheren Reichsbahndirektion Stuttgart in einem auf gewisse Waren beschränkten Umfang.
Seit der Besetzung Heilbronns sind zehn Werkküchen in Gang gekommen: Elektrizitätswerk, Konsumverein, Kraemer & Flammer, Lederfabrik Knoch AG, Maschinenbau GmbH, Konservenfabrik Neckarring, Hauptpost, Reichsbahnkameradschaftswerk, Zigarrenfabrik Reiner, Schuhfabrik Wolko; außerdem drei Belegschaftskantinen: Industrie- und Handelskammer, Rhenania und Gemeinschaftsküche der deutschen Angestellten der amerikanischen Militärregierung."
"Dr. Rudolf Brauch wird wegen Mitgliedschaft in der NSDAP aus dem Dienst als stellvertretender Landrat entlassen.
Die Amtlichen Bekanntmachungen veröffentlichen heute die Bestimmungen der allgemeinen, von dem Alliierten Kontrollrat eingeführten Meldepflicht, die bis zum 10. September durchgeführt sein muß. Wer nicht im Besitz der vom Arbeitsamt ausgestellten Meldekarte ist, auf der jeweils vor Ablauf einer Zuteilungsperiode das laufende Arbeitsverhältnis bestätigt sein muß, kann keine Lebensmittelkarten erhalten. Die Regelung gilt bereits für die 80. Zuteilungsperiode (17. September – 14. Oktober).
Auf Anordnung der Militärregierung sind u.a. folgende Zahlungen aus öffentlichen Mitteln verboten: Gehälter und Pensionen an alle aus ihrem Amt im Rahmen der Säuberungsaktionen entfernten Personen, an Militärpersonen, deren Hinterbliebene sowie an Personen in militärischen Diensten (Reichsarbeitsdienst usw.), außerdem Vergütungen, die aufgrund der Mitgliedschaft in der NSDAP gezahlt wurden; Ausgaben an die NSDAP und ihre Organisationen, an alle Beamten, führenden Mitglieder oder Sympathisierenden der NSDAP, an alle Organisationen, Klubs und die anderen von der Militärregierung verbotenen oder aufgelösten Vereinigungen, an alle Körperschaften oder Personen, deren Namen durch Listen bekanntgegeben wurden und deren Vermögen blockiert ist, sowie Ehestandsdarlehen.
Eine Bekanntmachung von OB Emil Beutinger spricht die Hoffnung aus, daß sich künftig an den Samstagen und Sonntagen die gesamte männliche Bevölkerung der Stadt im Alter von 15 – 60 Jahren an der Trümmerbeseitigung ihres Wohngebietes beteiligt. Der Einsatz erfolgt gebietsweise; für morgen und übermorgen sind als Treffpunkte fünf Sammelplätze genannt.
Alle im Stadt- und Landkreis evakuierten Angehörigen von Soldaten, die sich im Kriegsgefangenenlager in Böckingen befinden, werden aufgefordert, sich sofort beim Einwohnermeldeamt in Heilbronn schriftlich oder mündlich zu melden.
Beiderseits der Karl-Wüst-Straße befindet sich ein großer Pionierpark der Amerikaner. Wegen der Diebstähle wird die Straße ab sofort vollständig gesperrt. Jede Annäherung wird durch die amerikanischen Militärposten mit der Waffe verhindert.
Außer Postkarten können jetzt innerhalb des Landkreises Heilbronn auch verschlossene Briefe von wichtigen Industriezweigen, Geschäften und Betrieben bei den Postämtern aufgegeben werden, jedoch nur aufgrund eines Erlaubnisscheins des örtlichen Kommandanten der Militärregierung. Die gesamte Post ist der Zensur unterworfen.
Die Reichsbank-Nebenstelle Heilbronn hat auf Anordnung der Militärregierung ihre Geschäfte nunmehr in vollem Umfang aufgenommen.
Die Handwerkskammer bittet die Firmen, bei denen durch Fabrikationsumstellung oder auf andere Weise Werkzeuge, Kleingeräte und Maschinen freiwerden, diese zur Weiterleitung an Handwerksbetriebe zur Verfügung zu stellen. Auch Hausfrauen werden aufgerufen, Nähmaschinen leihweise dem Schneiderhandwerk zu überlassen.
Alle Geschäftsbetriebe mit mehr als 25 Arbeitnehmern müssen laut Anordnung der Militärregierung schnellstens eine Liste ihrer Beschäftigten beim Kreisarbeitsamt einreichen.
Die Industrie- und Handelskammer weist daraufhin, daß die Preisvorschriften in unveränderter Form in Kraft bleiben und Fordern und Gewähren unangemessen hoher Preise strafbar sind. Trotzdem blüht der 'Schwarzhandel' infolge des Warenmangels und -hungers und einer noch vorhandenen Geldflüssigkeit, obwohl dort überhöhte Forderungen zu zahlen sind.
Auf die zu Beginn der 78. Zuteilungsperiode (23. Juli) ausgegebene Raucherkarte, die für drei Zuteilungsperioden (78. – 80.) Gültigkeit hat (23. Juli – 13. Oktober), werden jetzt für die laufende 79. Periode insgesamt acht Zigarren zugeteilt. Daneben läuft der Schwarzhandel mit 'Ami-Zigaretten' zu horrenden Preisen oder im Tausch um so lebhafter.
Bekanntmachung der Erzeugerhöchstpreise für einheimische Äpfel und Birnen der Ernte 1945. Sie sind je in vier Güteklassen und fünf Preisgruppen eingeteilt. Die Höchstpreise für die einzelnen Güteklassen bewegen sich zwischen 9 und 84 RM je 100 kg.
Die Bewerber zu den Sonderlehrgängen für Schulhelfer in der Grundschule haben sich bis zum 8. September beim Bezirksschulamt I (Im Stahlbühl 19, Privathaus) zu melden. Aufgerufen sind von der Landesverwaltung für Kultus, Erziehung und Kunst auch sämtliche noch dienstfähigen Ruhestandslehrer und -lehrerinnen.
Die Elternschaft wird zur Meldung der 1939 geborenen Kinder zum Schulbesuch aufgefordert und gebeten, alle in ihrem Besitz befindlichen Lese-, Sing- und Rechenbücher aus der Zeit vor 1933 für den Unterricht zur Verfügung zu stellen.
Sämtliche Uniformen und Ausrüstungsgegenstände der NSDAP, ihrer Gliederungen und angeschlossenen Verbände sind bis zum 12. September bei den Bürgermeisterämtern des Stadt- und Landkreises abzuliefern. Wer danach noch im Besitz solcher Sachen ist, soll streng bestraft werden.
Im August wurde das Entbindungsheim in der ehemaligen Eisenlohrschen Villa in Weinsberg von der Stadt Heilbronn gemietet."

