Dezember 1945
"Das Detachment G-28 überträgt als erste lokale amerikanische Militärregierung in Württemberg-Baden die volle Verantwortung in dem ihr unterstellten Stadt- und Landkreis Heilbronn auf die deutsche Verwaltung. Die Mitarbeiter des Detachments haben künftig nur noch Kontrollfunktionen zu erfüllen.
Die bisherige Paßstelle für den Stadt- und Landkreis in der Dittmarstraße 16 (Dittmar-Villa) ist aufgehoben. Das Paß- und Passierscheinwesen wird für den Stadtkreis vom Stadtpolizeiamt in der Lerchenstraße 79 (Villa Pfleiderer), für den Landkreis vom Landratsamt in der Cäcilienstraße 51 (Villa Bruckmann) bearbeitet.
Die von der Stadt eingerichtete bisherige Fahrbereitschaft ist dem neuen, dem Landratsamt unterstellten Straßenverkehrsamt eingegliedert worden. Von ihm werden alle Verkehrsangelegenheiten (einschließlich der Beschlagnahme von Kraftfahrzeugen und der Treibstoffzuteilung für den Stadt- und Landkreis) bearbeitet. Es befindet sich in der Dittmarstraße 16. Für das Zulassungs- und Führerscheinwesen sind für den Stadtkreis das Stadtpolizeiamt, Abteilung Verkehr (Lerchenstraße 79), und für den Landkreis das Landratsamt (Cäcilienstraße 51) zuständig.
Das Staatliche Gesundheitsamt wird endgültig von der Alexanderstraße 61 (Privathaus) nach der Bismarckstraße 54 (Hoerner-Villa) verlegt.
Durch weiteren Rückgang der Wasserkräfte, Eintritt kälterer Witterung und wegen des Kohlenmangels besteht zur Inbetriebsetzung von Dampfkraftwerken noch keine Möglichkeit; Einschränkung und Verschlechterung der elektrischen Stromversorgung sind unumgänglich.
Die Reichsbahndirektion Stuttgart gibt heute einen Amtlichen Taschenfahrplan heraus. In ihm ist ausdrücklich vermerkt, daß ein Anspruch auf Beförderung nicht besteht und die in den Fahrplänen aufgeführten Züge aus betrieblichen Gründen zeitweilig ausfallen können. Die Zugverbindungen sind nach früheren Begriffen denkbar schlecht. Zum Beispiel ist Würzburg allein mit einer Übernachtung in Lauda zu erreichen, da die Strecke Lauda – Würzburg nur von einem Personenzug (ab 6.18 Uhr) und ausschließlich werktags befahren wird. Nach Stuttgart fahren ebenfalls nur werktags zwei Personenzüge, frühmorgens und abends, desgleichen von Stuttgart hierher, frühmorgens und am Spätnachmittag.
Wegen erheblicher Preisüberschreitungen mußte in letzter Zeit eine größerer Anzahl von Geschäftsinhabern bestraft werden; erneut warnen OB Emil Beutinger und Landrat Hermann Sihler vor diesem Delikt.
Die Berufskrankenkasse für Kaufmannsgehilfen und weibliche Angestellte, bisher in Weinsberg, nimmt ihre volle Tätigkeit wieder in Heilbronn (Werderstraße 139) auf, wo seit dem 1. Oktober bereits ihre Leistungs-Abteilung arbeitet, ebenso die Bausparkasse GdF-Wüstenrot in der Gaststätte Stadt Heilbronn (Sontheimer Straße 19)."
"Das amerikanische Militärgericht verurteilt einen 46-jährigen Bewohner Neckargartachs wegen unkorrekter Ausfüllung seines Fragebogens, was als falsche Angabe gewertet wird, zu einem Jahr Gefängnis.
Der mit Unterstützung der amerikanischen Militärregierung und unter Mitwirkung einer hiesigen Schiffsreparaturwerkstätte über acht Armeepontons entlang der zerstörten Kanalhafenbrücke (zwischen Heilbronn und Neckargartach nahe der Kali-Chemie) errichtete, 85 m lange Fußgängersteig mit 4,50 m langen Auf- und Abgängen an jedem Ufer ist für den allgemeinen Verkehr freigegeben worden. Dadurch erübrigt sich der bisherige Nachenverkehr entlang den Brückentrümmern im Rahmen der Fahrgastbeförderung auf der Straßenbahnstrecke Heilbronn – Neckargartach.
Wiederaufnahme der Kraftpostlinie Heilbronn – Fürfeld. Wegen Stockungen bei der Belieferung von Benzin und Tankholz muß in den ersten Tagen in der Fahrtenleistung eine Einschränkung erfolgen.
Herausgabe einer zur Gemeinschaftswerbung von 37 Heilbronner und zwei auswärtigen Firmen achtseitigen, bei Blumhardt & Memminger in Ludwigsburg gedruckten Werbebroschüre im Kleinformat 'Wir arbeiten wieder, Geschäftsempfehlungen Heilbronner Firmen, Weihnachten 1945', die kostenlos verteilt wird.
Im Saal der Trappensee-Gaststätte ist ein Filmtheater mit dem amerikanischen Spielfilm 'Capitol' eröffnet worden. Es ist seit dem 4. Dezember 1944 das erste deutsche Kino in Heilbronn."
"Kranzniederlegungen der Stadtverwaltung mit OB Emil Beutinger an der Spitze auf dem Gräberfeld im Köpfer. Vormittags im vollbesetzten Krematorium Gedächtnisfeier für die Opfer des Luftangriffs vor einem Jahr mit einer Gedenkrede des evangelischen Dekans, D. Dr. Julius Rauscher, unter Zugrundelegung der Worte 'Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun, denn Du hast es ja getan' aus dem 39. Psalm. Von 11:00 – 11:02 Uhr zum Gedenken an den größten Unglückstag der Stadt völlige Arbeitsruhe. Nachmittags eine weitere Gedenkstunde im Saal der Trappensee-Gaststätte, in der BM Paul Meyle im Namen der Stadtverwaltung spricht und der evangelische Oberlandeskirchenrat Dr. Johannes Lilje (Hannover) mit einem Referat über das Thema 'Glaube, Liebe, Hoffnung' eine religiöse Vortragsreihe eröffnet. Über das gleiche Thema spricht er abends im Kindergarten der Martin-Luther-Kirche.
Die amerikanische Militärregierung hat auf den heutigen Tag eine Einwohnerzählung und Wohnsitz-Ermittlung angeordnet. Ergebnis: Versorgungsbevölkerung 47.439 Personen in Heilbronn und seinen Vororten.
Das städtische Tiefbauamt ist aus dem Erdgeschoß der Cäcilienstraße 66 in die wieder hergestellten Garderoberäume der Stadttheaterruine umgezogen."
"Eröffnung der Volksküche der Stadt, zugleich Wärmehalle, im Hintergebäude der früheren Firma Kaiser-Otto.
Eröffnung einer Wärmestube, die vom Evangelischen Hilfswerk, Bezirk Heilbronn, mit Unterstützung des städtischen Wohlfahrtsamtes im Neckargartacher evangelischen Gemeindehaus eingerichtet worden ist. Zwei weitere Wärmestuben und eine Volksküche (nur mit Suppenabgabe) richtet das Hilfswerk im ehemaligen Artillerie-Kasino (Ecke Bismarck-/Siebennußbaumstraße) und im früheren Seminar (Wartbergstraße) ein.
Der Landkreis Leonberg hat der Stadt Heilbronn zur Linderung der Not 50 Ztr. Hafer als Geschenk für die Herstellung von Haferflocken für Kinder und Kranke zur Verfügung gestellt."
"Die heute ausgegebenen Amtlichen Bekanntmachungen für den Stadt- und Landkreis Heilbronn Nr. 23 veröffentlichen u.a.: die zweite Anordnung des Wirtschaftsministeriums zur Stromeinsparung vom 24. November und zusätzliche Anordnungen von OB Emil Beutinger und Landrat Hermann Sihler vom 1. bzw. 3. Dezember; Bekanntmachungen des Arbeitsamtes betreffend die Abgabe der Arbeitnehmerlisten gemäß Abs. 5 der Ersten Ausführungsverordnung zum Gesetz Nr. 8 der Militärregierung; Bestimmungen des OB bzw. des Landrats betreffend die Vorstellungsverfahren für Ärzte, Dentisten, Apotheker, Veterinäre, Heilpraktiker, Masseure, Hebammen, Krankenschwestern usw.; einen Aufruf der Industrie- und Handelskammer betreffend die Meldung von Betriebsführern, Prokuristen und Handelsbevollmächtigten; eine Aufforderung des Arbeitsamtes zur Meldung des Kräftebedarfs für 1946 durch die Landwirtschaft; eine Bekanntmachung des Ernährungsamts A – Land vom 28. November über die Erfassung von Ölsaaten im Wirtschaftsjahr 1945/46; eine Anordnung des Wirtschaftsministeriums – Preisaufsichtsstelle vom 5. November 1945 über die Preiseinstufung und die Weinpreise im Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe mit einem Hinweis von Landrat Hermann Sihler und OB Emil Beutinger auf die Preisüberwachung vom 28. November 1945.
OB Emil Beutinger weist auf die Möglichkeit der Verwendung von Kalk zu Verputzarbeiten anstelle von Gips hin, da die Gipsproduktion von einem einzigen Werk im Landkreis Heilbronn abhängig ist und durch fortbestehenden Kohlemangel erschwert wird.
Augenarzt Dr. Curt Hammer hat in der Oststraße 12 (Eigentümer: Dr. Friedrich Börstler, praktischer Arzt, der seine Praxis ebenfalls im Hause hat) eine neue Praxis eröffnet (ab 1948/49 in der Titotstraße 14).
Das Versicherungsbüro Tochtermann & Rümelin (Lerchenstraße 74) hat auch die Versicherungsbestände der Generalagenturen von Richard Baier und Willy Dürr (früherer Redakteur der Heilbronner Abend-Zeitung, derzeit Gemeindebeirat) übernommen.
Die Lebensversicherung AG Deutscher Lloyd hat wieder eine Inkassostelle bei Otto Blatt (Böckingen) errichtet.
Die Süddeutsche Holz-Berufsgenossenschaft führt, wie der Obermeister der Tischler-Innung Heilbronn, Schreinermeister Gottlieb Baumgärtner, bekannt macht, zur Zeit Maschinenkurse zur Verhütung von Unfällen durch.
Die Oberschulklassen 7 und 8 werden in dem von der Militärregierung überlassenen Gebäude Gutenbergstraße 30 zum beginnenden Unterricht zusammengestellt. Für die Oberschulen hat außerdem die Familie Ernst Bruckmann in ihrem Hause Clußstraße 5 einige Räume zur Verfügung gestellt. (Anstelle dieses Hauses wurde zwischen 1950 und 1953 von der Baufirma Paul Ensle ein Wohnheim für berufstätige Frauen erbaut, während die Familie Ernst Bruckmann in ihr neues Heim Traubenstraße 8 übersiedelte.)
Erster leichter Schneefall in diesem Winter. Zunehmendes Absinken der Temperatur."
"In der Christengemeinschaft (Lerchenstraße 67) Weihehandlung für die Toten der Stadt.
Über Nacht ist die Temperatur von 3°C auf - 7°C abgesunken.
Die Landesregierung Württemberg-Baden, der Landesverband der Inneren Mission, der Caritasverband für Württemberg, die Israelitische Kultusvereinigung, der Württembergische Wohlfahrtsbund, das Württembergische Rote Kreuz und der Paritätische Wohlfahrtsverband veröffentlichen einen Spendenaufruf zur Württembergischen Nothilfe. Die von Gemeindebeirat Karl Britsch dafür durchgeführte zweitägige Geldsammlung erbringt 195.000 RM.
Nachdem die Militärregierung die Wiedereröffnung der Oberschulklassen 5 – 8 genehmigt hat, beginnt für diese nun der Unterricht in der Gutenbergstraße 30. Angemeldet haben sich für die fünfte Klasse 90, für die sechste 89, für die siebte 100 und für die achte 116 Schüler und Schülerinnen. Im selben Gebäude ist auch das Bezirksschulamt I (Leiter: Christian Leichtle) untergebracht. Das Haus mit großen Räumlichkeiten, früher im Besitz der Familie Kommerzienrat Ernst Mayer, wurde um 1924 jüdisches Eigentum (Fabrikant Gerhard Wolf) und ging um 1936 ins Eigentum der Stadt und dann an den Reichs-Wehrmachts-Fiskus – Heer über, der darin das Heeresbauamt etablierte; nach dem Kriege kam das Gebäude an das Staatsrentamt (Abteilung Wehrmachtsvermögen) und dann wieder ins Eigentum der Stadt, blieb jedoch bis nach 1953 von der Besatzungsmacht beschlagnahmt; nach Aufhebung der Beschlagnahme wurde die Hals-, Nasen- und Ohren-Abteilung der städtischen Krankenanstalten in das Gebäude verlegt."
"Im Rahmen einer Bezirkskonferenz Konstituierung der CDU im Stadt- und Landkreis Heilbronn. Zum Ersten Vorsitzenden wird Nikolaus Schreiner (Jagstfeld) gewählt.
Liederabend mit Gertrud Scheppele (Sopran) und Willi Blaicher (Bariton) sowie dem Pianisten Adolf Dollmann im Schießhaussaal. Neben Werken von Robert Schumann werden erstmals seit der nationalsozialistischen Machtübernahme wieder Stücke von Felix Mendelssohn-Bartholdy aufgeführt. Kommentar der Stuttgarter Zeitung: 'Man fragt sich, wie es möglich gewesen ist, einen solchen Komponisten so lange totzuschweigen.'"
"Die amerikanische Militärregierung stellt den Wirtschaftsämtern Heilbronn Stadt und Land 1500 aus erbeuteten Wehrmachtsstoffen von einer Spezialfabrik hergestellte Zivilanzüge zur Verfügung. Sie sollen vornehmlich entlassenen bedürftigen deutschen Soldaten zugute kommen.
Telefonverzeichnis der städtischen Ämter (in Maschinenschrift) nach dem heutigen Stand.
Die Müllabfuhr kann ab heute auch in den Stadtteilen Böckingen, Neckargartach und Sontheim durchgeführt werden.
Alle deutschen Einwohner des Großkreises Heilbronn (ausgenommen Vollausgebombte, Minimalverdiener und bisher politisch, rassisch oder religiös Verfolgte) müssen sich an einer von der Militärregierung angeordneten Kleiderabgabe beteiligen. Die zur Verfügung gestellten Stücke sollen über die Wirtschafts- und Wohlfahrtsämter an zurückgekehrte Kriegsgefangene, an Ausgebombte und Ostflüchtlinge verteilt werden. Im Stadtkreis gehen 12.786 Stück Männer-, Frauen- und Kinderbekleidung sowie Unterwäsche, Decken und Bettzeug ein. Davon können insgesamt 7071 Personen mit guten Teilen versorgt werden; der Rest, zerissenes und abgetragenes Zeug, wird den hernach eingerichteten drei städtischen Nähstuben zugeführt.
83. Versorgungsperiode: Die Besatzungsbehörde hat aus amerikanischen Heeresbeständen eine Weihnachtszuteilung zur Verfügung gestellt, bestehend aus 500 g feinem weißen Mehl, 1000 g Marmelade, 125 g Bohnenkaffee (nur für Erwachsene), einer Kerze, einer Tüte Backpulver oder Mondamin und 400 g Zucker pro Versorgungsberechtigten. An die Inhaber von Raucherkarten werden gegen den Abschnitt 1/83 abgegeben 20 Zigaretten oder zwölf Zigarren zu 10 Rpf oder sieben Zigarren zu je 11 – 20 Rpf oder vier Zigarren zu je über 20 Rpf, jeweils ohne Sondersteuerzuschlag.
Die Versorgungsbevölkerung Heilbronns für die 83. Zuteilungsperiode beträgt 46.350 Einwohner, davon 24.350 in Heilbronn selbst und 22.000 in den drei Vororten."
"Die Stadtverwaltung stellt für jede Familie 1 rm Brennholz zur Verfügung, der 24 RM kostet, dazu kommen je 5 RM für Sägen und Spalten und 3 RM für die Anfuhr.
Für die neue Neckarbrücke ist der erste Betonpfahl auf der westlichen Seite der Brücke eingerammt worden."
"Stadtverwaltung, Innere Mission, Wohlfahrtsbund, Caritasverband und Rotes Kreuz in Heilbronn haben sich zu einer Heilbronner Notgemeinschaft zusammengeschlossen. Sie wird ein Teil der Württembergischen Nothilfe sein und in allen Stadtgebieten Wohlfahrtsausschüsse bilden. Durch verschiedene Geldsammlungen in den folgenden Wochen kommen ingesamt 105.000 RM zusammen."
"Hinweis von OB Emil Beutinger, daß unter das amerikanische Militärgesetz Nr. 8 nicht nur Angestellte in leitenden Stellungen fallen, sondern auch die Geschäftsinhaber von Einmann-Betrieben, die zu irgendeiner Zeit Mitglied der NSDAP oder ihrer Gliederungen gewesen sind, sowie die freien Berufe, wie Bauunternehmer, Architekten, Ingenieure, Vertreter usw.
Die Militärregierung warnt vor der Zurückhaltung sowohl der alten Entnazifizierungs-Fragenbogen mit neun Abschnitten auf vier Seiten, wie der neuen mit 131 Fragen auf 6 – 8 Seiten; auch Kopien dürfen nicht behalten werden.
Amtseinsetzung von Hermann Scheib als Gemeindebevollmächtigter des Stadtteils Neckargartach anstelle des verstorbenen August Ellinger.
Die Polizeistunde wird von der Militärregierung auf 22:30 Uhr gelegt, ausgenommen an Samstagen und Abenden vor amerikanischen Feiertagen, an denen die Sperrzeit erst um 23:30 Uhr beginnt; an den Weihnachtstagen wird die Ausgehzeit am 24. und 25. Dezember bis 3 Uhr verlängert.
Wegen des Mangels an Schreibmaschinen bei den Behörden fordern das Bürgermeister- und das Landratsamt zur Meldung aller nicht gebrauchten Maschinen bis zum 23. Dezember auf.
Die Diebstähle in den Waldungen haben in der letzten Zeit derart zugenommen, daß OB Emil Beutinger die Verhaftung derjenigen androht, die ohne Berechtigungsschein Holz abführen.
Die Württembergische Landessparkasse, deren Zweigstelle Heilbronn am 4. Dezember 1944 am Marktplatz 2 zerstört worden ist, hat ihr Büro vorläufig in dem der Firma Bruckmann & Söhne gehörigen Wohnhaus (Oststraße 33) etabliert.
Die Öffentliche Bausparkasse Württemberg hält Sprechstunden bei der Kreissparkasse (Bismarckstraße 67) ab. Dieses Gebäude ist zwischen 1895 und 1899 von Werkmeister Martin Keppeler erbaut worden und blieb bis um 1920 im Besitz von dessen Familie und Nachfahren (Architekten Keppeler). Es beherbergte ursprünglich ein Offizierskasino und -wohnungen. Zwischen 1920 und 1922 wurde das Haus stadteigen (Mietwohnungen). Von 1924/25 bis ca. 1931 war im Erdgeschoß des Hauses auch der Fröbelsche Kindergarten unter der Leitung der staatlich geprüften Jugendleiterin Sofie Steinhilber untergebracht. 1935/36 ging es von der Stadt für den Festungspionierstab 10 an den Reichs-Wehrmachts-Fiskus – Heer über, nach dem Zweiten Weltkrieg an das Staatsrentamt (Abteilung Wehrmachtsvermögen), ca. 1952/53 an die Oberfinanzdirektion Stuttgart.
Der Hals-, Nasen- und Ohrenarzt Dr. Gerhard Langreuter (ehemals Allee 28) hat in der Oststraße 24 (frühere Geyersche Klinik) seine Praxis wieder eröffnet.
Das Kirchliche Hilfswerk der Evangelischen Landeskirche Württembergs, Bezirk Heilbronn, dessen Leitung Pfarrer Albrecht Schink (Neckargartach) obliegt, hat seine Geschäftsstelle für Heilbronn (Uhlandstraße 73) eingerichtet. Eine von dem Hilfswerk in den Bezirken Brackenheim, Marbach, Öhringen und in den Gemeinden des Heilbronner Landkreises durchgeführte Sammlung ermöglichte die Einlagerung von 1500 Ztr. Lebensmittel (Kartoffeln, Obst, Mehl u.a.). Eine in Böckingen von Pfarrer Theodor Zimmermann ins Leben gerufene Betreuungsstelle für entlassene Kriegsgefangene wird ebenfalls vom Kirchlichen Hilfswerk unterstützt. Neben der Bekämpfung des äußeren Notstandes wird auch die seelische und seelsorgerische Betreuung durchgeführt. Zur Sicherstellung der Zusammenarbeit aller in Frage kommenden Dienststellen ist ein Bezirksausschuß aus Vertretern der Stadtgemeinde, des Bezirksschulamtes, des Arbeitsamtes, des Staatlichen Gesundheitsamtes, der Industrie- und Handelskammer und des evangelischen Kirchenbezirks gebildet worden."
"Auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung müssen Radfahrer und Handwagen wieder in der Fahrrichtung auf der rechten Straßenseite fahren, während die Fußgänger sich weiterhin auf der für sie linken Straßenseite zu bewegen haben.
Von der Militärregierung ist für die 83. Zuteilungsperiode eine weitere 'Weihnachts-Sonderzuteilung' von 250 g Salzheringen genehmigt worden.
In der Reihe der Vorträge der führenden Männer der deutschen evangelischen Kirche spricht in zwei sehr gut besuchten Versammlungen im Saal der Trappensee-Gaststätte der Leiter der Kanzlei der Evangelischen Kirche Deutschlands, Pfarrer Dr. Hans Christian Asmussen, über die Erneuerung der Kirche."
"Die Kriegsgefangenen im Lager Böckingen haben mit Genehmigung des Lagerkommandanten Kinderspielzeug für Weihnachten gefertigt, das vor allem Kriegswaisen zugute kommen soll. Der Heilbronner Hilfsdienst hat die Gaben im Rahmen einer schlichten Feier übernommen.
Opernkonzert mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart im Schießhaussaal, veranstaltet vom Heilbronner Künstlertheater. Es wird insgesamt viermal gegeben.
Hundertjahrfeier der Turngemeinde Heilbronn im Saal der Trappensee-Gaststätte."
"Die bisher von der amerikanischen Militärregierung ausgeübte Registrierung von Musikvereinen und Personen, die Varieté-Vorstellungen und Konzerte durchführen wollen, ist auf Fabrikant Eduard Hilger übergegangen, der seine Tätigkeit als Lizenzträger für den Landkreis Heilbronn unter der Autorität der Militärregierung ausübt.
Im Gebiet von Württemberg und Baden werden Jagd und Fischerei zur Zeit von der Militärregierung ausgeübt; die zivilen Verpachtungen ruhen bzw. sind eingestellt."
"Vom württemberg-badischen Staatsministerium werden die Gesetze 'Statut der Landesverwaltung Württemberg-Baden' und 'Gesetz über die Vorläufige Volksvertretung Württemberg-Baden' beschlossen.
Öffentliche Bürgerversammlung im Kantinensaal der Firma Kraemer & Flammer, einberufen vom Evangelischen Hilfswerk, Württembergischen Wohlfahrtsbund, Caritasverband, Roten Kreuz und von der Stadtverwaltung. BM Paul Meyle und der Assistent des OB, Walter Vielhauer, sprechen über Sinn und Zweck der Heilbronner Nothilfe."
"Die Amtlichen Bekanntmachungen Nr. 25 veröffentlichen u.a. vom Stadtpolizeiamt gegebene Leitsätze für die Preisberechnung im Handel mit Waren, für die besondere Preisbestimmungen nicht bestehen, und eine vom Wirtschaftsministerium auf Veranlassung der amerikanischen Militärregierung getroffene Regelung des Warenverkehrs innerhalb der US-Zone und mit den anderen Besatzungszonen.
Eine ergänzende Anordnung zur Ortsbausatzung verfügt, daß alle durch Reparatur wieder instandgesetzten Wohngebäude oder Teile davon nicht ohne Genehmigung des Wohnungsamtes bezogen werden dürfen.
Nach einer Verlautbarung von OB Emil Beutinger nehmen in letzter Zeit Denunziationen, meist anonym, Formen an, die unerträglich sind. Der OB will in Zukunft jeden Verbreiter von solchen Gerüchten festnehmen lassen.
Wegen Nichtauszeichnung und überhöhter Preise wurde vor einigen Tagen der Neckargartacher Wirt zur Post, Karl Augsburger, zu einer Geldstrafe von 157,50 RM verurteilt.
Festsetzung neuer Verkaufszeiten für die Ladengeschäfte des Stadtkreises Heilbronn mit sofortiger Wirkung durch Ernährungsamt und Stadtpolizeiamt.
Der praktische Arzt Dr. Helmut Häfele hat in der Heidelberger Straße 59 (Böckingen) eine Praxis neu eröffnet.
Der Orthopäde Dr. Eugen Linsenmeier (früher Allee 64) hat seine Praxis aus seiner Privatwohnung (Hauffstraße 41) in die Geyersche Klinik (Oststraße) verlegt
Der Ortsausschuß Heilbronn des Württembergischen Wohlfahrtsverbandes hat seine Geschäftsstelle im Neckargartacher Rathaus und eine Nebenstelle in der Schmollerstraße 18 (Friedrich Titus, Tapezier- und Polstergeschäft) eingerichtet.
Das Versicherungsbüro Nikolaus Schreiner hat die Vertretung der Berlinischen Lebensversicherungs-Gesellschaft AG, Alte Berlinische von 1836, in einer Notunterkunft in der Badstraße 8 übernommen.
Die Berufskrankenkasse der Werkmeister hat bei Werkmeister a.D. Gustav Mayer (Käferflugstraße 31) eine Inkassostelle eröffnet.
In der Gutenbergstraße 30 ist neben den Klassen 5 – 8 der Oberschule und dem Bezirksschulamt I (Schulrat Christian Leichtle) auch die Volkshochschule
"Die Volksküche gibt auch Mittagessen nach außerhalb an solche Personen und Familien ab, die zu Hause keine Kochgelegenheit haben.
Der Süddeutsche Krankenversicherungs-Verein a.G. Heilbronn, dessen Verwaltungsbüro sich noch in seiner Ausweichstelle in Pfaffenhofen befindet, hat bei Adolf Kettinger (Weststraße 72) in Böckingen eine Empfangsstelle für Rechnungen und Mitteilungen aufgemacht.
Die Schlesier werden von der Schlesischen Krankenversicherung für Handwerk und Gewerbe (Breslau) aufgerufen, sich bei der Bezirksdirektion in Stuttgart zu melden, sofern sie Mitglieder der Versicherung sind.
4700 Volks- und Mittelschüler können als Weihnachtsgabe mit je 1000 g Äpfeln beschenkt werden; 2500 besonders bedürftige Schüler erhalten zusätzlich Obst, Brot, Mehl, Eier, Fett. Auf Anregung des Bezirksschulamtes I waren in 48 Gemeinden des Landkreises Heilbronn in wochenlangen Sammlungen 3650 kg Obst, 40 kg Hutzeln, 250 kg Mehl, 46 kg Gebäck, 32 Eier, 4,5 kg Fett, 10 kg Knorr-Nährmittel, 700 kg Kartoffeln, 800 Bekleidungsstücke und über 1400 Spielzeuge zusammengebracht worden.
Das Wohlfahrtsamt veranstaltet in der Volksküche (Happelstraße) für die bedürftigen Wohlfahrtsempfänger drei Weihnachtsfeiern, in denen von der Belegschaft der Firma Knorr AG gegebene Spenden verteilt werden."
"Stadtamtmann Richard Stieglitz, letzter BM der Gemeinde Sontheim bis zu deren Eingliederung nach Heilbronn 1938, erhält die Amtsbezeichnung BM. Seiner Leitung unterstehen Stadtpflege, Stadtkasse und Liegenschaftsamt.
Der Gemeindelichterbaum kann diesmal nicht auf der Freitreppe des zerstörten Rathauses aufgestellt werden. Er wird deshalb auf dem Hindenburgplatz errichtet; der Gesangverein Urbanus und der Singkreis der Turngemeinde singen gegen Abend (17 Uhr) dort vor zahlreichen Zuhörern Weihnachtslieder.
Am heutigen Heiligen Abend ziehen mit Genehmigung des Lagerkommandanten und der Militärregierung eine Gruppe von 15 Posaunenbläsern, eine Sängerin und drei Kriegsgefangene im Kriegsgefangenenlager Böckingen von Camp zu Camp und bereiten den Gefangenen durch Darbietung von Gedichten und Liedern, Verlesung des Weihnachtsevangeliums und eine Weihnachtsansprache eine kleine Festtagsfreude. Die Rede hält der Obergefreite Heinrich Schubert, ein heimatloser Sudetendeutscher, der später Caritassekretär in Ulm wird. Im Lager befinden sich zur Zeit ungefähr 30.000 Mannschaften und Offiziere."
"Im Trappenseesaal bunter Abend 'Künstler ernst und heiter' des Heilbronner Künstlertheaters, dem 13 weitere Veranstaltungen mit dem gleichen Programm folgen."
"Ausstellung der mit Genehmigung des Lagerkommandanten von den Kriegsgefangenen im Lager Böckingen angefertigten Spielzeuge für Kriegswaisen im evangelischen Kindergarten in Böckingen (Weststraße 93)."
"Emil Gailing löst Ernst Riegraf als Kreisvorsitzender der SPD ab.
Der Sportverein Jagsthausen übergibt aus einer Sammlung anläßlich seiner Gründungsfeier 402 RM für den Stadtkreis Heilbronn."
"In den Amtlichen Bekanntmachungen erscheint ein Neujahrswunsch von OB Emil Beutinger an die Einwohner Heilbronns.
Landrat Hermann Sihler und OB Emil Beutinger veröffentlichen eine gemeinsame Bekanntmachung an 'Personen, die Schäden, veranlaßt durch die Armee der Vereinigten Staaten, erlitten haben'. Zuständig für die Schadens-Anmeldungen ist das Amt für Besatzungsleistungen, das sich im beschlagnahmten Privathaus Charlottenstraße 54 befindet.
Die Militärregierung hat vor einigen Tagen die Alexanderstraße zwischen Lerchen- und Wollhausstraße für den Verkehr deutscher Passanten gesperrt. Die in diesem Abschnitt der Alexanderstraße liegenden Villen sind kurz nach der Besetzung Heilbronns von den Amerikanern für ihre Wohnzwecke beschlagnahmt worden.
Nach einer von OB Emil Beutinger gezeichneten Bekanntmachung sind für die Einreichung von Anträgen auf Bezugscheine die folgenden Bezugscheinstellen des Wirtschaftsamtes Stadt eingerichtet: für Spinnwaren, Haushaltsgeräte (außer Öfen, Herden und elektrischen Geräten) und Schuhwaren Bezugscheinausgabestelle West im Sonnenbrunnen in Böckingen, Nord im Seminar in der Wartbergstraße für den Stadtteil nördlich der Eisenbahnlinie nach Weinsberg (erst von Januar 1946 an geöffnet), Ost im Privathaus Silcherplatz 6 für den Stadtteil südlich der Bahnlinie nach Weinsberg bis zur Knorrstraße, Happelstraße, Schwabenstraße und Im Gemmingstal, Bahnhofsvorstadt vorerst (wie West) im Sonnenbrunnen, im Neckargartacher Rathaus, Süd für das übrige Stadtgebiet einschließlich Sontheim in der Wilhelmstraße 56 (Kaufhaus Emil Model); für Möbel, Öfen, Herde, elektrische Geräte, Versorgung der Gewerbebetriebe, Kohlen (nur) für Gewerbebetriebe, Fahrrad- und Kraftfahrzeugbereifungen, Fahrräder (zur Zeit gesperrt), Petroleum und Waschmittel für Handel und Gewerbe ist das Wirtschaftsamt Stadt in der Bismarckstraße 50 die zuständige Bezugscheinausgabestelle.
Neue Verfügungen des städtischen Steueramtes (Wilhelmstraße 7) zur Vergnügungs-, Gewerbe- und Getränkesteuer, die am 1. Januar 1946 in Kraft treten. Auf die geltenden Sätze der Vergnügungssteuer wird ein Aufschlag von 100 Prozent erhoben. Die Getränkesteuer wird von 10 auf 20 Prozent des Kleinhandelspreises heraufgesetzt.
Angesichts der fast völlig daniederliegenden Wirtschaft muß das Arbeitsamt die Schwer- und Leichtkriegsbeschädigten auf den Weg der Selbsthilfe für Beschäftigungsmöglichkeiten verweisen.
Die orthopädische Werkstätte Reinhold Ohnmeiß, Sanitätshaus, Nachfolgefirma der orthopädischen Werkstätte Haas, deren Inhaber Karl Haas mit seiner Ehefrau Emma am 4. Dezember 1944 (Allee 63) umgekommen ist, eröffnet vorläufig im Hause des Bäckermeisters Wilhelm Hörter in der Pfühlstraße 9 ihren Betrieb. Sie siedelt später in ein eigenes Haus in der Gartenstraße 35 über und verlegt den Betrieb Weihnachten 1955 endgültig in den eigenen Wohn- und Geschäftshaus-Neubau an der nordwestlichen Ecke der Allee zur Turmstraße.
Die in der Rappengasse 13 zerstörte orthopädische Werkstätte und Sanitätshaus Weber & Greißinger eröffnete vor einigen Tagen ihren Betrieb im Hause ihres Mechanikmeisters Jakob Schneider in der Guido-Hauck-Straße 17.
Zweimaliges Konzert im Schießhaussaal mit Werken von Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Claude Debussy und César Franck durch Else Herold, Stuttgart (Klavier), und Erika Nagel-Boeckheler, Heilbronn (Violine).
Bei der Herrichtung von Räumen für eine Grundschule, die vorläufig im Hauptpostamt eingerichtet werden soll, helfen ältere, von der Bau- und der Schulleitung aufgerufene Oberschüler freiwillig mit."
"Als dritter Redner in der Reihe der religiösen Vorträge spricht der Präsident des Kirchlichen Außenamtes der EKD, Pfarrer D. Martin Niemöller, in zwei überfüllten Versammlungen im Saal der Trappensee-Gaststätte und im Martin-Luther-Kindergarten über 'Gegenwartsfragen der evangelischen Kirche'.
In der vergangenen Woche wurde in den Kirchen der Stadtteile Neckargartach, Sontheim und Böckingen, ferner in Neckarsulm, Stockheim, Güglingen und Brackenheim von 17 Teilnehmern der beiden ersten Schulhelfer-Lehrgänge ein Christgeburt-Spiel, begleitet von Chor und Instrumentalmusik, aufgeführt; weitere Aufführungen erfolgen nochmals in Neckargartach und in Obereisesheim, Talheim und Lauffen."
"Zu Silvester spielt auf dem Hindenburgplatz vor dem Gemeindelichterbaum der Bläserchor des Christlichen Vereins Junger Männer gegen Abend und um Mitternacht.
Kürzlich wurde der Verband der Körperbeschädigten, Arbeitsinvaliden und Hinterbliebenen, Ortsgruppe Heilbronn ins Leben gerufen. Vorstand: Wilhelm Weller.
In diesem Monat kamen die ersten beiden Transportschiffe nach der Kapitualtion aus Obrigheim mit Gipsladungen, die in der Anlage der Reederei Schwaben umgeschlagen wurden, im Kanalhafen an."
"Jahresrückblick 1945:
Das Gaswerk ist durch den Krieg schwerstens in Mitleidenschaft gezogen worden. Bei Kriegsende waren das Verwaltungs-, zwei Dienstwohngebäude und der Gasbehälter total, die übrigen Betriebsanlagen teils leicht, teils schwer und das Rohrnetz innerhalb der Stadt zum Teil vollständig zerstört. Der Sachschaden wird gegenwärtig auf annähernd 2,5 Millionen RM geschätzt. Von den Betriebsangehörigen sind 1939 – 1945 acht Männer im Feld gefallen und sechs Frauen und acht Männer am 4. Dezember 1944 ums Leben gekommen.
Im abgelaufenden Jahr sind hier 658 Ehen geschlossen und 603 Geburten beurkundet worden.
Von den 25.232 Wohnungen in Heilbronn waren bei Kriegsende 14.390 total zerstört bzw. unbrauchbar."

