4. Dezember 1944

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"Feuersturm - aus der Sammlung des Stadtarchivs"

Am 4. Dezember 2019 wurden im Stadtarchiv zwei kleine Sonderausstellungen zur Bombardierung am 4. Dezember 1944 und zum Luftkrieg eröffnet. Darin wurden Objekte aus der Sammlung des Stadtarchivs und die ausdrucksstarken Aufnahmen des Fotografen Max Platte von dieser Nacht gezeigt. Da aufgrund der Pandemie die Ausstellung kaum besichtigt werden konnte, werden im Folgenden einige Ausstellungsstücke hier vorgestellt.

 

Einführung in die Ausstellung

Die Bombardierung der Stadt Heilbronn am 4. Dezember 1944 hat 60 Prozent der Stadt zerstört und über 6500 Menschen das Leben gekostet. Seit 1945 gibt es jährlich Gedenkveranstaltungen, die der Stadt wichtig sind. Heilbronnerinnen und Heilbronner trauern um Familienmitglieder, Freunde und den Verlust ihrer historischen Altstadt.

Das Stadtarchiv sammelt seit vielen Jahrzehnten aktiv Archivalien und andere Zeugnisse zum Luftkrieg und der Bombardierung am 4. Dezember 1944. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf Zeitzeugenberichten. Aber auch zahlreiche Objekte aus der Sammlung dokumentieren die Geschehnisse eindrücklich. Die Ausstellung gibt einen Einblick über diese Sammeltätigkeit.

Luftschutz in Heilbronn

Wichtig war der Umbau der Keller zu privaten Luftschutzräumen und das Einrichten von öffentlichen Schutzräumen. Ziel war es, die Luftschutzkeller durch Mauerdurchbrüche zu verbinden und zu einem Netz von Fluchtwegen auszubauen.

Plan mit Eintragungen der Fluchttunnel zwischen den Luftschutzkellern, 1944
Auf der Karte ist das Umfeld des Marktplatzes dargestellt. Die geplanten Tunnelsysteme sind darauf per Hand eingezeichnet. Farbliche Markierungen lassen erkennen, bis wann ein Tunnelsystem fertig gestellt sein sollte.
Die Verbindungen zwischen den einzelnen Luftschutzkellern wurden nach dem Durchbruch zunächst wieder zugemauert. Erst im Notfall sollten diese dünneren Wände dann eingerissen werden.

 

Werbung für Luftschutzgeräte
Das Heilbronner Fachgeschäft für Eisenwaren und Hausrat Gustav Schedler befand sich in der Sülmerstraße.  Die aufgelisteten Geräte sollten zum Feuerlöschen, Schutträumen und dem Durchbrechen der Kellerwände benutzt werden. Die Firma Schedler wirbt damit, „Komplette Luftschutz-Einrichtungen für Behörden, Industrie und Private“ zu führen.

 

Plakat der öffentlichen Luftschutzräume
Die Übersicht informierte die Heilbronner über die öffentlichen Schutzräume. Um Ortsfremden die Suche zu erleichtern, waren an den Häusern Pfeile angebracht.

 

Luftangriffe auf Heilbronn

Schon vor dem schweren Luftangriff am 4. Dezember 1944 war Heilbronn mehrfach bombardiert worden. Der erste Angriff erfolgte im Dezember 1940. Danach gab es immer wieder Anflüge auf Heilbronn, die sich seit 1944 intensivierten.

Durch Flächenbombardierungen der Städte, so die Meinung der Alliierten, könne das Ende des Krieges schneller herbeigeführt werden. Die vollständige Zerstörung der Städte und die Bombardierung der Zivilbevölkerung sollten die Deutschen demoralisieren, ihren Kampfgeist brechen und damit wiederum das Deutsche Reich zum Zusammenbruch bringen. Diese Art der Kriegsführung ist später unter dem Begriff „Moral Bombing“ bekannt geworden.

Verheerend für die Menschen und die historische Altstadt Heilbronns war die Entstehung eines sogenannten „Feuersturms“ kurz nach der Bombardierung.

Was nach dem Abwurf der Bomben geschah und zum „Feuersturm“ führte, zeigen die folgenden Grafiken von Melanie Boger.

Die von den Brandbomben gelegten Einzelbrände verschmelzen zu einem einzigen, riesigen Flächenbrand.

Durch die starke Hitze entstehen große Mengen emporsteigender heißer Luft, die wiederum mit einem enormen Sog Frischluft nach sich zieht. Dieser Sog erreicht orkanartige Windstärken und zieht alles mit seiner großen Kraft ins Feuer hinein – auch Menschen.

 

Die verheerende Kraft des Feuersturms

Heilbronn brannte nach dem Bombenangriff des 4. Dezember 1944 fast vollständig nieder. Das Feuer war so stark, dass ein Löschen für die Feuerwehr fast unmöglich war. Das entstandene Flammenmeer erhellte die Stadt. Der Asphalt brannte, ganze Häuserteile schmolzen in der Glut des Feuers.

Die Ausstellungsstücke demonstrieren eindrücklich die enorme Kraft des Feuersturms in der Heilbronner Altstadt. Verformtes und geschmolzenes Metall und die Hitzeverfärbungen an Steinen lassen erahnen, wie hoch die Temperatur des Feuers war.

Schweres Eisen
Die zwei Eisenpfannen stammen aus dem Haus Fleiner Straße 50. Ein Stapel davon kam beim Ausbaggern des Kellers im Zuge der Neugestaltung des Kiliansplatzes 2011 zu Tage. Vermutlich stammen sie von der Eisenwarenhandlung Clemens Coy, die sich bis Anfang der 1930er Jahre im Nebenhaus befand.

 

Beschädigt und verbogen
Dieser Rest einer Trinkflasche aus Aluminium wurden in der Baugrube für die ECE-Stadtgalerie gefunden.

 

Die Opfer der Bombardierung des 4. Dezembers 1944

Kartei der zivilen Opfer
Gezeigt wird ein Kasten der Original-Kartei über die zivilen Heilbronner Kriegsopfer. Hierin wurden unter anderem alle Opfer des Luftangriffes vom 4.12.1944 - sortiert nach den Familiennamen des „Haushaltsvorstandes“ - verwaltet.
Die Kartei nennt unter anderem auch den Ort des Begräbnisses auf dem Friedhof im Köpfertal. Sie wurde ab 1945 angelegt und bis ca. 1960 immer wieder ergänzt.

 

Schmuck zur Identifizierung
Anhand dieses Fingerrings und des Ohrrings konnte die Mutter Walburga Bitzenberger die verkohlte Leiche ihrer kleinen Tochter Gisela Bitzenberger (* 6. Juli 1938) identifizieren. Das Mädchen war zum Zeitpunkt des Angriffes am 4. Dezember 1944 bei ihrer Pflegemutter Pauline Stiller in der Pestalozzistraße.

 

Materielle Zeugnisse der Zerstörung Heilbronns

Plan mit Kartierung der Bombenschäden
Dieser Stadtplan von 1938 wurde 1945 handschriftlich mit Buntstiften ergänzt. Er zeigt die enormen Kriegsschäden in der Heilbronner Innenstadt und in Böckingen. Es ist anzunehmen, dass Erik Beutinger die Kategorisierung der Schäden an der Bausubstanz vornahm, eventuell unterstützt von seinem Vater Emil Beutinger.

 

Verkohlt
Die Blechkassette stammt aus dem Besitz der Firma Freihardt. Sie wurde vermutlich aus dem Brandschutt des Hauses Sülmerstraße 1 geborgen. Darin befand sich noch ein völlig verkohlter Vertrag über den Kauf einer BMW-Limousine durch die Firma Adolf Freihardt beim Autohaus Hagelauer vom März 1940.

 

Doppelt gebrannt
Durch die Hitze des Feuers wurde diese Tasse ein weiteres Mal gebrannt. Dabei verfärbte sich das Porzellan und es zeigt sich Krakelee. Die Tasse wurde aus dem Trümmerschutt des Rauch’schen Palais geborgen.

 

Deformiert
Gefunden 2018 bei der archäologischen Grabung auf dem Schedlergelände zeigen die beiden Weingläser deutlich die Deformierungen durch die Hitze.

 

Weihnachtsschmuck voller Erinnerungen
Die Weihnachtskugeln stammen aus dem Besitz der Familie Kimmerle. Obwohl ihr Haus in der Dammstraße 33a am 4.12.1944 vollständig zerstört wurde, überstanden diese Kugeln im Keller den Angriff.

Das dazugehörige Foto zeigt die Familie Kimmerle Weihnachten 1935 mit den hier gezeigten Kugeln am Baum. Der Schreiner Karl Kimmerle und seine Frau Frieda, im Bild links, starben am 4. Dezember 1944. Der „freche“ Junge vorne rechts  Rolf Kimmerle  war zum Flak-Einsatz in Salzburg und überlebte. Er fand später diese Kugeln im Schutt des Hauses.

 

Quelle Sonderausstellung:
"Feuersturm – aus der Sammlung des Stadtarchivs"
Gesamtleitung: Prof. Dr. Christhard Schrenk
Kuratoren: Miriam Eberlein, Walter Hirschmann, Ute Kümmel
Mitarbeiterinnen: Paula Frank, Barbara Kimmerle
Fotos der Ausstellungsstücke: Barbara Kimmerle