Neue Forschungsergebnisse zum „Herzkreislauf-Simulator“ von Robert Mayer
Das Herzkreislauf-Modell des Heilbronner Arztes Dr. Julius Robert Mayer ist seit Jahren in der Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte zu bewundern. Doch das Exponat gibt der historischen Forschung bis heute Rätsel auf. Seit Mitte der 1970er Jahre war zwar klar, dass es sich nicht um eine „Experimentiermaschine“ handelt, sondern um ein Modell des menschlichen Blutkreislaufs, genauer gesagt der linken Herzhälfte. Mayer hat es um 1850 gemeinsam mit dem Heilbronner Mechaniker und Optikermeister Hermann Autenrieth gebaut. Aber hat es auch funktioniert? Konnte Robert Mayer damit die physiologischen Werte von 120:80 mm/Hg des menschlichen Blutdrucks tatsächlich zeigen? Konnte er mit diesem Apparat möglicherweise noch Weiteres simulieren?
Um diese Fragen zu klären, hat das Stadtarchiv im Jahr 2022 ein interdisziplinäres Forschungsprojekt mit mehreren Beteiligten initiiert. Dazu gehörten die SLK-Kliniken, an denen Mayers Apparat computertomographisch exakt vermessen wurde. Am Institut für Biomedizinische Technik der Universität Stuttgart wurde ein moderner Nachbau erstellt, der die Funktionsweise nachvollziehbar macht. Im Austausch mit der Schulleitung des Robert-Mayer-Gymnasiums wurden die didaktischen Möglichkeiten des Modells beleuchtet. Die Finanzierung gelang mit Fördermitteln der Arnfried und Hannelore Meyer-Stiftung und der Heilbronner Bürgerstiftung in Höhe von insgesamt 30.000.- EUR sowie mit Eigenmitteln der Beteiligten.
Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Die Konstruktion von Mayer und Autenrieth kann Drücke im physiologischen Bereich erzeugen. Mit ihr lassen sich Herzklappen-Insuffizienz und der Effekt von Arteriosklerose vorführen. Insofern erscheint es gerechtfertigt, von einem „Simulator“ zu sprechen. Was Robert Mayer um 1850 seinem Publikum gezeigt hat, ist nach derzeitigem Kenntnisstand erst zum Ende des 19. Jahrhunderts medizinhistorisch verbürgt. Mit seinem Simulator war Mayer seiner Zeit offenbar weit voraus, doch seine Idee blieb ohne Resonanz und ist bis heute selbst Experten unbekannt.
Am 29. September 2026 stellt das Forschungsteam seine Ergebnisse erstmals der Öffentlichkeit vor. Das Original und sein Nachbau können im Rahmen der „Langen Nacht der Kultur“ am 10. Oktober 2026 im Otto Rettenmaier Haus – Haus der Stadtgeschichte besichtigt werden, nähere Informationen siehe unter “Lange Nacht der Kultur”. Ein neuer Podcast in der Reihe „Heilbronner Geschichte(n)“ erzählt von der spannenden Forschungsarbeit, dem Nachbau und dem medizinhistorischen Hintergrund. Die wissenschaftliche Publikation des Projektberichts und der Ergebnisse ist derzeit in Vorbereitung, ebenso wie ein Beitrag für die nächste „heilbronnica“-Publikation, die das Stadtarchiv zusammen mit dem Historischen Verein Heilbronn voraussichtlich im 1. Quartal 2027 herausgeben wird.

