Das Heilbronner Hasenmahl
Das traditionsreiche Heilbronner Hasenmahl findet alljährlich an einem Freitagabend im Januar statt. Oberbürgermeister und Gemeinderat laden Gäste aus allen gesellschaftlichen Bereichen der Stadt in den Ratskeller ein; im Mittelpunkt der Veranstaltung steht ein Hasenmahlredner oder eine Hasenmahlrednerin, die launig-kritisch das Stadtgeschehen Revue passieren lassen. Wem diese Ehre zuteil wird, gehört vor dem Hasenmahl zu den bestgehütetsten Geheimnissen der Stadt!
Über die Tradition des Hasenmahls ist Folgendes überliefert:
Als erste schriftliche Erwähnung des Hasenmahls in Heilbronn gilt eine Notiz aus dem Spätherbst 1493, "als man nach dem Herbst gejagt hat und auf dem Rathaus der Rat miteinander gezehrt hat". Weitere Nennungen sind z.B. aus den Jahren1531, 1534 und 1543 bekannt – 1543 erstmals explizit mit dem Begriff "Hasenmaal". In der Regel ging ihm eine gemeinsame Jagd der Ratsherren und Bürgermeister voraus.
Bis 1624 entschied der städtische Rat jährlich über die Abhaltung des Hasenmahls, wobei er es ab dem späten 16. Jahrhundert immer öfter ausfallen ließ. Parallel dazu entwickelte sich die 1596 erstmals erwähnte “Neujahrsmahlzeit” im Zusammenhang mit der jährlichen Ämterbesetzung und dem gegenseitigen Treuegelöbnis zwischen Obrigkeit und Untertanen. Diese Funktion ist vergleichbar der des Schwörtages, wie er aus Ulm bekannt ist. Die gemeinsame Mahlzeit mit Gästen ist also Teil eines Rechtsaktes geworden. Während diese Neujahrsmahlzeit wohl bis Ende der Reichsstadtzeit üblich blieb, lässt sich der Begriff des „Hasenmahls“ nach dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr in den Quellen nachweisen.
Die Veranstalter waren die Bürgermeister und der Rat, Gäste waren Kleriker, Schulmeister, Ärzte, Mühlmeister, Jäger, verdiente Bürger und angesehene Persönlichkeiten aus der näheren Umgebung. Ab und an waren auch die Ehefrauen der Gäste eingeladen. Am Folgetag wurden die Armen verköstigt. Ob dies allerdings regelmäßig der Fall war, ist unsicher.
Ort des Hasenmahls war in der Regel das Rathaus, wo im Jahr 1533 auch eine Küche eingerichtet wurde. Trotz des Namens Hasenmahl wurden durchaus auch andere Speisen serviert. Überliefert sind Rotwild, Wildschweine, Fisch und Geflügel.
1956 wurde von Oberbürgermeister Meyle das Hasenmahl zu Jahresbeginn wieder eingeführt, „um Freund und Feind an einen Tisch zu setzen“. In den Anfangsjahren der wiederbelebten Tradition ging dem Hasenmahl die Vorstellung des Haushaltsplanentwurfs durch den Oberbürgermeister voraus. Die für die heutige Zeit obligatorische Rede hat sich erst im Laufe der Zeit etabliert. In den ersten Jahren waren auch Vorträge oder humoristische Abhandlungen auf der Tagesordnung. Zu Zeiten von OB Meyle – dieser war passionierter Jäger – wurde die Veranstaltung durch eine Jagd auf städtischer Markung eingeläutet.