Einleitung

Bei allen Reformationsfeiern der Stadt Heilbronn waren die Schulen beteiligt. So wurden beispielsweise 1717 eine Woche lang im Städtischen Gymnasium von Lehrern und Schülern Vorträge und Ansprachen in lateinischer Sprache gehalten, die sich mit dem Thema Reformation beschäftigten. 1817 erhielten alle Schüler eine "Denkmünz" zur Erinnerung an die Reformation, geprägt vom Silberarbeiter Peter Bruckmann. Über 1000 Schüler hatten sich mit ihren Lehrern zu einem Festgottesdienst in der Kilianskirche eingefunden. 1917 fanden getrennte Gottesdienste für die Volksschulen (in der Kilianskirche) und für die Höheren Schulen (in der Friedenskirche) statt. Zur 400-Jahrfeier der Reformation 1928 ist eine "Geschichte der Heilbronner Reformation, erzählt von Stadtpfarrer Matthes" erschienen, die der evangelischen Jugend Heilbronns von der Kirchengemeinde überreicht worden ist.

Wenn man diese Angaben mit der Frage verbindet, warum so etwas in unserer Zeit unvorstellbar ist, hat man einen guten Einstieg in das Thema "Reformation in Heilbronn".

Einerseits wird die Tatsache deutlich, dass Heilbronn jahrhundertelang eine evangelisch geprägte Reichsstadt war, deren Selbständigkeit und Selbstbewusstsein eng mit der Reformation zusammenhingen. Die Reformationsfeiern dienten dazu, diese Erinnerung wach zu halten und die Bedeutung des evangelischen Glaubens der Bevölkerung stets aufs Neue bewusst zu machen. Andererseits wird deutlich, dass spätestens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts diese identitätsstiftende Wirkung verloren gegangen ist, weil mit der Säkularisierung und Pluralisierung des öffentlichen Lebens die Bedeutung der Kirchen allgemein abgenommen hat und weil durch die veränderte Bevölkerungsstruktur die Evangelische Kirche in Heilbronn ihre Schlüsselstellung verloren hat.

Gleichwohl gehört die Reformation in Heilbronn zu den einschneidenden Zäsuren der Stadtgeschichte, vergleichbar nur mit der Industrialisierung im 19. und dem angedeuteten Strukturwandel im 20. Jahrhundert.

Aber nicht nur aus Heilbronner Perspektive lohnt sich eine lokalgeschichtliche Behandlung der Reformation. Auch allgemeine didaktische Überlegungen sprechen dafür, weil es "die" Reformation bekanntlich nicht gegeben hat und weil der Reformation in den ehemaligen Reichsstädten eine Vorreiterrolle zukommt, so dass sich am Beispiel Heilbronn exemplarisch wesentliche Aspekte des komplexen Prozesses "Reformation" erarbeiten lassen.

Auf eine lehrplanbezogene Einordnung wird an dieser Stelle verzichtet (Vgl. dazu den Abschnitt "Bildungsplanbezüge" im Baustein von Herbert Kohl "Bauernkrieg und Reformation", der das Thema in enger Verbindung mit dem Bauernkrieg behandelt.).

Wer sich für eine lokalgeschichtliche Vorgehensweise entschließt, weiß in der Regel über die Vor-und Nachteile dieses Ansatzes Bescheid und braucht keine didaktisch-methodische Anleitung im Einzelnen.

 
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