Werbeprospekt für Auswanderer von 1850

Aus einem Werbeprospekt für Auswanderer von 1850, unterzeichnet mit "Heilbronn, C. Kober, Generalagent"

 

Die Hoffnung Concessionirte deutsche Bureaux für Auswanderung nach Amerika von J. M. Bielefeld in Mannheim, Rotterdam, Havre.
Regelmäßige Fahrt auf Paquetbooten und gekupferten Dreimastern erster Klasse von Rotterdam und Havre nach New York und New Orleans

Ich erlaube mir, Ihnen anbei den gewünschten Prospectus über meine Beförderungen von Reisenden nach Amerika zu geben und Sie zu bitten, falls Ihnen, wie ich nicht zweifle, die Bedingungen entsprechen, Ihren Vertrag recht bald mit mir oder meinen unterzeichneten Agenten abzuschließen.
Sollten Sie die Reise dahin oder zu mir nicht unternehmen wollen, so genügt die Einsendung eines genauen Verzeichnisses über Vor- und Zunamen, Alter, Stand und Wohnort jeder einzelnen Person, der Angabe der Zeit, wann, über welchen Hafen und wohin Sie zu reisen gedenken und eines Draufgeldes von fl. 10 pro Kopf, worauf Sie den Accord mit Quittung über das bezahlte Draufgeld sofort erhalten.
[…]
Es liegt in Ihrer Wahl, ob Sie über Rotterdam direct nach New York, über Rotterdam und Havre per Dampfboot, oder über Cöln, Paris und Havre per Eisenbahn, über Straßburg, Paris und Havre mit Diligence und Eisenbahn reisen wollen.
[…]
Die Reisenden werden durch meine eigenen Conducteure von hier über Rotterdam nach Havre begleitet, die sie überall und namentlich auf den Haltstationen vor den so häufigen Prellereien in den Wirthshäusern zu schützen und mit Rath und That zu unterstützen haben.
[…]
Meine Reisenden werden auf allen Abfahrtsstationen und im Seehafen durch Deutsche empfangen und befördert und erhalten Sie bei Accord-Abschluß ein Verzeichnis von Wirthshäusern, die Ihnen bezüglich ihrer Billigkeit und Reinlichkeit empfohlen werden können.
Sollte der zu ihrer Aufnahme bestimmte Dreimaster nicht am festgesetzten Tage abgehen, so erhalten Sie vom Tage an freie Beherbergung und Verköstigung und haben nicht nöthig, wie bei andern Gesellschaften weitere 3 Tage oder wenn schlechtes Wetter und Wind es gebieten, noch längere Zeit für Ihre eigene Rechnung zu leben, oder wenn Sie auch die Entschädigung erhalten, jeden Tag Geld zulegen zu müssen.

Die nächsten Abfahrten sind:
Nach New York in Mannheim, Mainz etc. am 10. und 29. November; in Havre am 20. November und 8. Dezember. Nach New Orleans in Mannheim, Mainz etc. am 10. und 19. November; in Havre am 20. und 28. November.Die Preise über Rotterdam und Havre sind gegenwärtig ab Mannheim: nach New York für eine Person über 10 Jahren fl. 55; für eine Person von 1 - 10 Jahren fl. 45. nach New Orleans für eine Person über 10 Jahren fl. 50; für eine Person von 1 - 10 Jahren fl. 40. Kinder unter 1 Jahre sind frei. […] In obigen Preisen ist das Armen-, Spital- und Kopfgeld in Amerika inbegriffen und wird von mir bezahlt. […] Der vorgeschriebene Seeproviant besteht für die Person über 6 Jahrennach New York in: 40 Pfund Zwieback, 5 Pfund Mehl, 5 Pfund Reis, 2 Litres Essig, 14 Pfund Schinken, 4 Pfund Butter, 2 Pfund Salz, 140 Pfund Kartoffeln oder 20 Pfund Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Linsen), Preis: fl 17, nach New Orleans 40 Pfund Zwieback, 5 Pfund Mehl, 5 Pfund Reis, 2 Litres Essig, 14 Pfund Schinken, 4 Pfund Butter, 2 Pfund Salz, 210 Pfund Kartoffeln oder 30 Pfund Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Linsen), Preis: fl 20. Für Kinder von 1 - 6 Jahren die Hälfte. […] Zum Schlusse warne ich Sie vor zuweilen, besonders auf dem Lande, an den Eisenbahn-Höfen und den Abfahrtsplätzen der Dampfboote sich herumtreibenden Maklern, die sich fälschlich theils für Agenten obrigkeitlich genehmigter Gesellschaften, theils aber auch für ganz Unbetheiligte, blos im Interesse des Auswanderers handelnd, auszugeben pflegen, um die Leute, deren Vertrauen sie zu erschleichen wissen, zu Winkelagenten zu führen, wo sie dann für ihr gutes Geld Überfahrtsverträge ohne die geringste Bürgschaft erhalten und sehr häufig betrogen sind, die Auswanderer thun daher am Besten, wenn sie ihre Effekten bei Ankunft auf dem Bahnhofe in sichere Verwahrung geben, und ohne sich von den dort wartenden Mäklern führen zu lassen, allein auf mein Bureau zu kommen, das ihm von Jedermann gezeigt werden kann, da die Bezahlung des Führers dem Auswanderer zur Last fällt. Die Effekten lasse ich dann unentgeldlich an der Bahn abholen. Die Reisenden haben sich einen Tag vor der Abfahrt in den Vormittagsstunden, mit ihren Effekten auf dem an der Abfahrtsstation befindlichen Bureau der Hoffnung einzufinden. […]

Anmerkungen: fl. = Gulden; Conducteur = hier: Reisebegleiter, Diligence = Kutsche; Accord = Vertrag; Effekten = Wertsachen, hier: Gepäck; Armen-, Spital- und Kopfgeld = Versicherung, die bei Krankheit für kurze Zeit finanziell einspringt.

 

Arbeitsvorschläge

  • Welche Gefahren für Auswanderer werden im Text genannt?
  • Auf welche Befürchtungen geht der Text ein?
  • Beschreibe die Reisewege zu den Atlantikhäfen, wo die Reise nach New York und New Orleans über den Atlantik losging.
  • Zeichne eine Karte.
  • Aus den Abfahrten in Mannheim bzw. Le Havre kannst du die Dauer des Reisewegs zu den Atlantikhäfen erschließen.
  • Vergleiche die Kosten für die Überfahrt mit den Kosten für den vorgeschriebenen Seeproviant.
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