Didaktische Hinweise

Das Heilbronner Flugblatt vom 10. Juni 1878 vermittelt ein lebendiges Bild von der Stimmung, die bei den Heilbronner Sozialdemokraten nach den Kaiserattentaten herrschte. Wenige Tage zuvor war ein von Bismarck eingebrachter Gesetzentwurf gegen die Sozialdemokratie gescheitert, der Reichstag aufgelöst und Neuwahlen ausgeschrieben worden. Nun musste man befürchten, dass im Wahlkampf die Forderungen nach einem Verbot der Sozialdemokratie wieder aufflammten.

Das Flugblatt ist bemerkenswert auch was seinen Aufbau, seinen Stil und seine sprachliche Gestaltung betrifft. Von Verleumdung ist die Rede. Angeklagt werden die staatlichen Institutionen, die "Geldprotzen" und die "Pfaffen", die als Allianz gegen die eigentlichen Interessen des Volkes erscheinen, welches die Sozialdemokraten befreien wollen. "Kleinmeister", "Subalternbeamte" und die Arbeiterschaft werden aufgerufen, sich mit den Sozialdemokraten gegen die herrschenden Kräfte in Staat und Gesellschaft zur Wehr zu setzen. Die Sprache ist leicht eingängig, emotional, der Aufbau und die stilistische Gestaltung ein Beispiel wirkungsvoller politischer Agitation. Es wirft auch Fragen zum historischen Kontext auf, zu denen die folgenden Materialien Auskunft geben.

Die Analyse des Flugblattes eignet sich zu arbeitsgleicher Gruppenarbeit mit folgender Besprechung und Ergebniszusammenfassung. Daran anschließen kann sich arbeitsteilige Gruppenarbeit mit den inhaltlichen Schwerpunkten, die weiter differenziert werden können:

  1. Vorgeschichte: Die Kaiserattentate 1878 und die Attentäter
  2. Die Verfasser des Flugblattes und die Erinnerungen Gustav Kittlers
  3. Die Reaktion der Behörden auf das Flugblatt

In einer abschließenden Phase können die Ergebnisse zusammengeführt, reflektiert und bewertet werden.

 
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