Hintergrundinformationen

Das satirische Karikaturenblatt "Eulenspiegel"

Der "Eulenspiegel" steht in der Tradition des 1841 gegründeten englischen" Punch" und der seit 1844 erscheinenden Münchner "Fliegenden Blätter". Im Unterschied zu diesen enthält der „Eulenspiegel“ ausschließlich politische Karikaturen und Texte. Auch in Württemberg gab es eine Tradition periodisch erscheinender "Witzblätter", so z.B. das "Satyrisch-moralische Allerley voll anmutiger Erzählungen und Gedichte", Ulm 1762 oder den "Beobachter – eine Wochenschrift politisch-moralisch-satyrischen Inhalts", Stuttgart 1788-1790 sowie seit 1839 der "Schwäbische Humorist").

Trotz zahlreicher Zensurverfahren konnte sich der Eulenspiegel auch nach Ende dem der Revolution noch bis 1853 halten. Ludwig Pfau erscheint von Januar 1848 bis Dezember 1850 als Herausgeber des Blattes, obwohl er sich seit Juni 1849 im Exil befand. Die Schriftleitung hatte seit Juli 1849 L. Weisser, seit Juli 1850 J. Nisle, seit Oktober 1850 H. Schmidt, seit dem Sommer 1853 F. Binder.

Lange Zeit hatten die Behörden vergeblich versucht, den Eulenspiegel zu verbieten. In einem Schreiben den Innenministeriums von 1852 heißt es: "Seiner Eminenz ist es bekannt, welche verderbliche Tendenz das illustrierte Tagblatt Eulenspiegel verfolgt, und wie schwierig es ist, gerade bei Karikaturen und Satiren, das erlaubte Gebiet des Humors und des Witzes von dem Gesetzwidrigen abzuschneiden." (Ullmann, S. 337) Mitte1853 konnte dann die Regierung doch noch die Einstellung des Eulenspigels bewirken. Sein damaliger Schriftleiter Schmidt wurde wegen Beleidigung der Regierung angeklagt und am 5. Juli 1853 aus Stuttgart ausgewiesen. 1862 bis 1864 lebte der Eulenspiegel noch einmal auf, bevor er endgültig aus der Presselandschaft Württembergs verschwand.

Der Herausgeber Ludwig Pfau

Ludwig Pfau wurde am 25. August 1821 in Heilbronn geboren. Sein Vater betrieb eine Gärtnerei. Pfau besuchte das Heilbronner Gymnasium und sollte Theologie studieren. Er zog es jedoch vor, in das Geschäft seines Vaters einzutreten und ging 1839 als Volontär zu einer großen Handelsgärtnerei nach Corbeilles bei Paris. Nach einem Jahr zog er nach Paris. Dort studierte er Französische Sprache, Kunst und Literatur. Seit 1841 studierte er in Tübingen Philosophie und begann literarisch zu arbeiten.

1847 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband, der bis 1889 vier Auflagen erlebte. Zu Beginn des Jahres 1848 erschien die erste Ausgabe des "Eulenspiegel", des "ersten politischen Karikaturenblatts in Deutschland", wie Ludwig Pfau in seinem Lebenslauf schreibt. Pfau nahm aktiv an der Revolution teil, als Mitglied des württembergischen Landesausschusses, einer Dachorganisation der württembergischen demokratischen Volksvereine, und als Teilnehmer der badischen Kämpfe gegen die preußischen Invasionstruppen. Wegen Hochverrats wurde er in Abwesenheit zu 21 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Bis 1852 hielt er sich in der Schweiz auf, dann übersiedelte er nach Paris, führte sein Kunststudium fort und arbeitete als Journalist für französische und belgische Zeitungen mit dem Spezialgebiet gewerbliche Kunst. Aufgrund einer Amnestie konnte er 1863 nach Württemberg zurückkehren, gründete zusammen mit seinen Freunden Karl Mayer und Julius Haussmann die demokratische Volkspartei und redigierte einige Monate den "Beobachter", eine demokratische Zeitung. Weiter arbeitete er als Journalist für verschiedene Blätter, abwechselnd in Augsburg, Stuttgart und Paris. Er übersetzte bretonische Volkslieder und französische Fabeln für deutsche Ausgaben. 1888 gab er seine ästhetischen Schriften in sechs Bänden unter dem Titel "Kunst und Kritik" heraus.

Pfau äußerte sich auch immer wieder kritisch zur Tagespolitik, vor allem gegen die Dominanz Preußens im Deutschen Reich, beispielsweise in der Frankfurter Zeitung vom 5.Juli 1876: "Ist es nicht genug, dass uns das kulturschädliche preußische Regiment ökonomisch, moralisch und intellektuell zugrunde richtet, indem es die Gewalt an die Stelle des Rechts setzt und die soziale Freiheit, diese Grundbedingung jedes menschlichen Fortschritts, systematisch zu Tode hetzt – sollen wir uns auch noch ästhetisch von ihm ruinieren lassen?" Verschiedene Male musste er sich vor Gericht wegen Angriffen auf Bismarck in der Presse verantworten, wurde auch zu einer Haftstrafe verurteilt, die er im Heilbronner Gefängnis absaß. Dort profitiert er von der Solidarität der Heilbronner. Er muss keine Häftlingskleidung tragen, wird von den Frauen seiner vielen Freunde bekocht, die seine Zelle demonstrativ mit Polstermöbeln und Blumen ausstatten, sodass Pfau sich scherzhaft weigert, nach verbüßter Strafe das Gefängnis wieder zu verlassen.

An seinem 70. Geburtstag erhielt Pfau das Ehrenbürgerrecht seiner Vaterstadt Heilbronn. 1894 starb Ludwig Pfau in Stuttgart. Seine Asche fand ein Ehrengrab im Heilbronner Hauptfriedhof.

 
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