Quellen- und Arbeitsblätter

M 1: Das Bild der mittelalterlichen Stadt

Stadtansicht von Heilbronn; um 1554
(Stadtarchiv Heilbronn)
Stadtansicht von Heilbronn; um 1554
(Stadtarchiv Heilbronn)
"Haylprun" Ansicht Heilbronn aus der Vogelperspektive (Ausschnitt) von Hans Peter Eberlin "HPE", 1578 (Stadtarchiv Heilbronn E005-161)
"Haylprun" Ansicht Heilbronn aus der Vogelperspektive (Ausschnitt) von Hans Peter Eberlin "HPE", 1578 (Stadtarchiv Heilbronn E005-161)
Heilbronn 1617, Stadtansicht von Georg Braun und Franz Hogenberg (Stadtarchiv Heilbronn E005-2720)
Heilbronn 1617, Stadtansicht von Georg Braun und Franz Hogenberg (Stadtarchiv Heilbronn E005-2720)
 
 

Arbeitsanregungen

  • Erläutere, wovon das Bild der mittelalterlichen Stadt Heilbronn geprägt war.
    Oder:
  • Versetze dich in die Situation eines Reisenden, der sich der Stadt nähert, ihr Bild in sich aufnimmt und am Abend in einem der Heilbronner Gasthäuser in einem Brief seinem Freund seine Eindrücke schildert. Wähle die Ansicht von 1554 oder die von 1578 aus und verfasse diese Briefstelle.

M 2: Die mittelalterliche Stadt Heilbronn auf alten Plänen und ein aktueller Stadtplan

Rekonstruktionsversuch: Heilbronn um 800
(Stadtarchiv Heilbronn)
Plan 1 (Heilbronn um 800)
Heilbronner Innenstadt - Ausschnitt aus dem aktuellen Stadtplan
Plan 2 (Skizze - aktueller Stadtplan)
Rekonstruktionsversuch: Heilbronn um 1100
(Stadtarchiv Heilbronn)
Plan 3 (Heilbronn um 1100)
 
 

Arbeitsanregungen

  • Markiere die vermutete Lage des fränkischen Königshofes, der Keimzelle der Stadt Heilbronn, und die Lage der vermuteten Marktsiedlung auf den modernen Stadtplan (Plan 2) mit einem Kreuz und ziehe einen Pfeil zum Rand des Blattes, wo du die Begriffe "Königshof" und "Marktsiedlung" jeweils dazu schreibst.
    Suche auf einem Stadtplan von Heilbronn die Straßen in der Umgebung, wo der Königshof und die Marktsiedlung gelegen haben sollen und notiere sie.
  • Auf dem modernen Stadtplan (Plan 2) kannst du an dem Straßensystem die Ausdehnung der spätmittelalterlichen Stadt erschließen. Dort verlaufen nämlich die Straßen enger und verwinkelter als in den neueren Stadtvierteln. Trage auf dem aktuellen Stadtplan oben den etwaigen Verlauf der spätmittelalterlichen Stadtmauer ein. Du kannst dazu auch Plan 1 heranziehen. Welche heutigen Straßen umgrenzen die spätmittelalterliche Stadt? Welche Wehrtürme der Stadtbefestigung stehen noch heute? Kannst du sie lokalisieren?
  • Auf Plan 3 ist der vermutete Verlauf der ersten Stadtmauer der frühen Stadt rot eingezeichnet. Welche heutigen Straßen umgrenzen ihr Gebiet?

M 3: Wie Heilbronn zu seinem Namen kam

Der abgebildete Stein schmückte einst den Giebel am Heilbronner Kirchbrunnen. Die lateinische Inschrift lautet übersetzt:

Die heiligen Gaben des ewigen Gottes
erweisen sich in heilbringender Quelle der von überall her
sprudelnden Wasserader.

 

 

Über den Brunnen gibt es auch eine alte Sage. Kurz zusammengefasst lautet sie so:

Karl der Große befand sich auf der Jagd in den dichten Wäldern des Neckartals und der angrenzenden Berge. Nach anstrengendem Ritt gelangte die Jagdgesellschaft an eine sonnige Lichtung, wo eine klare Quelle entsprang. Überrascht von der Freundlichkeit des Ortes stieg der Kaiser vom Pferd, trank aus der Quelle und fühlte sich neu gestärkt. Alle Müdigkeit war von ihm abgefallen. Zu seinem Verdruss entdeckte er aber neben der Quelle einen heidnischen Altar der Alamannen. An seiner Stelle ließ er ein Kreuz errichten und eine Kirche bauen. Die Quelle diente fortan als Taufbrunnen.

 

Arbeitsanregungen

  • Vergleicht die Inschrift mit der Sage und stellt dar, wie beide Texte den Brunnen deuten und was dies für die Erklärung des Namens "Heilbronn" bedeutet.
  • Informiert euch auf der Webseite des Stadtarchivs Heilbronn darüber, an welchen historischen Gegebenheiten und Vermutungen die Sage anknüpft und wie heute der Name "Heilbronn" erklärt wird. Geht dazu in der Menüleiste auf "Geschichte A-Z", dann auf "GESCHICHTE A-Z".
  • Gestaltet die Sage zu einer richtigen Erzählung aus
    oder
  • Zeichnet einen Comic dazu.

M 4: Die Entstehung der Stadt Heilbronn im Mittelalter

"Der Einbruch der Alemannen in das Dekumatland 259/60 beendete die römische Herrschaft rechts des Rheins. Mit ihrer Niederwerfung ausgangs des 5. Jahrhunderts wurde das rechtsneckarische Gebiet fränkisches Fiskalland, in dem aus militärstrategischen und politischen, verkehrstechnischen und wirtschaftlichen Gründen Königshöfe gegründet wurden.

Die "villa Helibrunna" findet erstmals für das Jahr 741 Erwähnung, und zwar mit der königlichen Schenkung einer hier stehenden Michaelsbasilika an das in Gründung befindliche Bistum Würzburg. Über deren Grundmauern ist später St. Kilian gebaut worden.

Mit der Auflösung des bis dahin ungeschmälerten königlichen Fiskus seit etwa der Jahrtausendwende gelangten die Grafen von Calw in den Besitz des Haupthofes. Zum Calwer Hof gehörten jedenfalls königliche Regalien, d.h. Hoheitsrechte. Nachbesitzer waren die Klöster Hirsau, Maulbronn und Kaisheim sowie patrizische Familien. Zuletzt breitete sich das Spital auf dem Areal aus. […]

An die Hofgemeinde hatte sich bald eine Marktgemeinde angeschlossen, wie Grabungen auf dem Marktplatz zeigten, wo bisher einzig in der Stadt karolingerzeitliche Funde aus dem Boden kamen. Der Königshof war also der Kristallisationspunkt der nachmaligen Stadt Heilbronn. Optimale Bedingungen, nicht zuletzt die verkehrsgünstige Lage am schiffbaren Neckar und am Knotenpunkt wichtiger Handelsstraßen, begünstigten die Entwicklung. Schon in der Mitte des 11. Jahrhunderts hatte Heilbronn "stadtähnlichen" Charakter, und schließlich wurde die Marktgemeinde politisch zur bestimmenden und führenden Kraft. Ihr Weg führte konsequent zur Freiheit und Unabhängigkeit."

(Aus: Weckbach, Hubert: Aus dem Dunkel ins Licht der Geschichte. Die "villa Helibrunna" und ihre Michaelsbasilika. In: Schrenk, Christhard / Weckbach, Hubert / Schlösser, Susanne: Von Helibrunna nach Heilbronn. Eine Stadtgeschichte. Stuttgart 1998, S. 15)

 

Anmerkungen:

Dekumatland: Begriff für das römische Gebiet zwischen Rhein, Donau und dem Limes
Fiskalland
: Land, das dem Staat gehört.
Königshof
: Hof in Königsbesitz
Königlicher Fiskus
: Königliches Vermögen, hier eher königliche Vermögensverwaltung
Patrizische Familien
: Adelsfamilien in einer Stadt

 

Arbeitsanregungen

  • Erklärt, wer als Gründer von Heilbronn in Frage kommt.
  • Beschreibt, wie sich die Besitzverhältnisse des Königshofes Heilbronn nach der Auflösung des königlichen Fiskus weiterentwickelt haben.
  • Arbeitet aus dem Text Faktoren heraus, die für die Stadtentwicklung bis ins 11. Jahrhundert maßgebend waren.

M 5: Die Entwicklung der mittelalterlichen Stadt Heilbronn vom 11. bis zum 13. Jahrhundert

"Vergleicht man Heilbronn um das Jahr 1000 mit der Stadt knapp drei Jahrhunderte später, so ist ein bemerkenswerter Wandel zu erkennen. Um die Jahrtausendwende und danach übten hier mit Calw, Dürn und dem Bischof von Würzburg drei bedeutende Mächte Herrschaft aus. Trotzdem gelang es zu Beginn des 13. Jahrhunderts dem staufischen König mit Hilfe des Nordhäuser Vertrags, seinen direkten Einfluss in der wirtschaftlich aufstrebenden und verkehrstechnisch günstig gelegenen Gemeinde wieder herzustellen. Diese königliche Machtkonzentration wurde in Heilbronn sicher nicht gerne gesehen. Nach dem Untergang der Staufer ergab sich daraus jedoch eine große Chance. Das plötzlich entstandene Machtvakuum nutzte Heilbronn, um sich städtische Privilegien zu verschaffen. Nach dem Interregnum trat mit Rudolf von Habsburg ein starker Herrscher auf den Plan. Er setzte den Einfluss des Königtums in der Gemeinde wieder durch. Dies gelang ihm aber nur dadurch, dass er ihr nun auch offiziell Stadtrechte verlieh. Der Aufstieg Heilbronns hatte begonnen."

(Aus: Schrenk, Christhard: Vom Dorf zur Stadt. Der Aufstieg beginnt. In: Schrenk, Christhard / Weckbach, Hubert / Schlösser, Susanne: Von Helibrunna nach Heilbronn. Eine Stadtgeschichte. Stuttgart 1998, S. 28)

 

Anmerkungen:

Calw, Dürn: Die Grafen von Calw und von Dürn
Nordhäuser Vertrag: Vertrag zwischen dem staufischen König Heinrich VII. und dem Bischof von Würzburg aus dem Jahre 1225
Privilegien: Vorrechte
Interregnum: Zeit zwischen dem Ende der Stauferzeit 1254 und dem Regierungsantritt König Rudolf von Habsburgs 1273

 

Arbeitsanregungen

  • Beschreibt das Siegel der Stadt Heilbronn aus dem Jahre 1265.
  • Versucht, die Bedeutung des Wappentieres zu erklären und die Umschrift zu übersetzen.
  • Erklärt, weshalb die aufstrebende Bürgerschaft Heilbronn unter König Rudolf von Habsburg schließlich Stadtrechte verliehen bekam.

M 6: Urkundliche Erwähnungen von Heilbronn bis zur Verleihung des Stadtrechts 1281

741/822
In einer Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen aus dem Jahr 822 wird bestätigt, dass die Michaelsbasilika in Heilbronn seit dem Jahre 741 im Besitz des Bistums Würzburg ist: "basilicam in villa Helibrunna in honore Michahelis archangeli constructam una cum appendiciis suis" (die in Heilbronn zu Ehren des Erzengels Michael erbaute Basilika mit ihrem Zubehör). [Anmerkung: Zubehör = Besitz der Michaelsbasilika, z.B. Rechte und Grundbesitz].
832
Eine Quelle berichtet davon, dass sich in Heilbronn ein Gesandter des Kaisers mit Grafen und anderen Gefolgsleuten getroffen hat: "villa nostra […] heilambrunno" (in unserem Hof Heilbronn).
841
König Ludwig der Deutsche hält sich in Heilbronn auf: "in Heilicbrunno palatio regio" (im Königshof Heilbronn).
1146
Im Hirsauer Codex ist eine Schenkung von Uta von Calw verzeichnet, in der Heilbronn erwähnt ist. Uta von Calw schenkt dem Kloster Hirsau Besitz in Heilbronn: "heilprunnen […] dimidium mercatum et dimidiam monetam, et portus et villam Hanbach totam et montem, qui dicitur Nortberg" (Heilbronn […] die Hälfte des Marktes, der Münze und des Hafens sowie die gesamte Siedlung Hanbach und den Berg, welcher Nordberg genannt wird)
[Anmerkung: Hanbach = Ort innerhalb der heutigen Heilbronner Innenstadt, damals vermutlich unmittelbar vor der Stadt; Nordberg: heutiger Namen = Wartberg.]
1225
Im Nordhäuser Vertrag wird Heilbronn als "oppidum" (befestigte Stadt) genannt.
1241
Die Reichssteuerliste für das Jahr 1241 erwähnt, dass Heilbronn "wegen der Bautätigkeit" von der Steuer ausgenommen ist.
1265
Im ersten überlieferten Siegel bezeichnet sich Heilbronn als "civitas" (Bürgerschaft).
1281
König Rudolf von Habsburg verleiht Heilbronn Stadtrecht.

 

Arbeitsanregungen

  • Notiert die verschiedenen in den Urkunden verwendeten Bezeichnungen für Heilbronn.
  • Sucht auf der Webseite des Stadtarchivs nach Hinweisen, wie der Name von Heilbronn in der Forschung gedeutet wird.
  • Erklärt, welche Bedeutung Heilbronn für die mittelalterlichen Kaiser und Könige hatte.
  • Beurteilt, ob das Jahr 741 als Gründungsdatum von Heilbronn betrachtet werden kann.
  • Beurteilt, ob die Aussage: "Heilbronn ist seit 1281 Stadt.", gerechtfertigt ist. Begründet eure Antwort.

M 7: Die jüdische Gemeinde in der mittelalterlichen Stadt Heilbronn

Das älteste Zeugnis für eine jüdische Gemeinde in Heilbronn ist eine Inschrift auf einem Stein, der im Haus der Stadtgeschichte Heilbronn gezeigt wird. Dieser stammt aus einem Kellergewölbe eines Hauses in der früheren Judengasse, Lothorstraße 22. Die hebräische Inschrift "Nathan ha-Parnas" bedeutet "Nathan der Gemeindevorsteher". Die Schriftzeichen weisen auf die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts hin. Somit bestand spätestens nach 1050 eine jüdische Gemeinde in Heilbronn.

1298 verfolgte ein fränkischer Ritter mit einem Heer die Juden in Franken. Das Nürnberger "Memorbuch" (Gedenkbuch) nennt für Heilbronn 143 Opfer, darunter jüdische Rabbiner und Gelehrte, was den Schluss zulässt, dass sich im Laufe des 13. Jahrhunderts eine bedeutende jüdische Gemeinde in Heilbronn entwickelt hatte. Im Jahr 1298 wurde auch die älteste Heilbronner Synagoge (Ecke Lothor-/Sülmerstraße) zerstört.

1316 bezahlten die Heilbronner Juden eine beträchtliche Geldsumme als Steuer an König Ludwig den Bayern, die dieser für die Dauer von sechs Jahren an die Stadt Heilbronn verpfändete.

1349 kam es im Zusammenhang mit der Pestseuche, die ganz Europa heimsuchte, zu einer weiteren Judenverfolgung, der auch ein reicher Heilbronner Jude namens Nathan zum Opfer fiel. Wenig später wird eine neue Synagoge in der Lothorstraße erwähnt.

1361 verfügte Kaiser Karl IV., alle Juden, die darum ersuchten, in Heilbronn aufzunehmen. Die Heilbronner Juden waren dem Kaiser steuerpflichtig und außerdem meist wohlhabend. Ende des 14. Jahrhunderts brachten 15 jüdische Steuerzahler (bei insgesamt 1350 Heilbronner Steuerzahlern) 10% der Heilbronner Steuersumme auf. Die in diesem Steuerbuch genannten Juden stammten aus Städten in ganz Südwestdeutschland, z.B. aus Straßburg, Rothenburg, oder Schwäbisch Hall. Die städtischen Juden waren im Fernhandel und Bankwesen tätig. Für diese Zeit ist auch ein jüdischer Friedhof am Kieselmarkt hinter dem Rathaus belegt.

Im Oktober 1414 erließ König Sigismund einen Schutzbrief für die Juden und gewährte den Heilbronner Juden, dass sie für ihr "Leib und Gut" den selben Schutz wie Christen hätten, dass sie frei und ohne Behinderung von einer Stadt in die andere ziehen könnten und dass sie nicht zur Taufe gezwungen werden sollten. Acht Jahre später sprach ihnen derselbe König dieselben Rechte zu, wie sie die Juden in Nürnberg besaßen. Doch die Stimmung in Heilbronn hatte sich bereits gegen die Juden gewandt, bei denen viele ihrer Nachbarn verschuldet waren. Schließlich bekamen die Judengegner die Überhand. Auch die Kirche sprach sich gegen den "Judenwucher" aus. Das bezog sich auf die Zinszahlungen für geliehene Geldbeträge an die Juden. Die Stadt Heilbronn vertrieb deshalb im Jahre 1437 ihre Juden. Dem widersprach der mit dem Einzug der Judensteuer im Reich beauftragte Reichserbkämmerer Konrad von Weinsberg. Die Angelegenheit landete vor einem Reichstag zu Nürnberg, wo der König entschied, dass die Juden in Heilbronn bleiben sollten. Heilbronn musste die ausgewiesenen Juden wieder aufnehmen. Diese zahlten an Konrad von Weinsberg dafür 200 Gulden. Doch die Stadt betrieb weiter die Ausweisung ihrer Juden und 1476 beschloss der Rat der Reichsstadt Heilbronn dann, die Juden, die "der stat und gantzen gemeind zu verderblichem schaden" gewesen seien, "auf ewige Zeiten" nicht mehr zu dulden und auszuweisen. Die Häuser der Juden fielen in den Besitz der Stadt, die Synagoge verkaufte der Kaiser ebenfalls an die Stadt. Wer in Heilbronn an Juden verschuldet war, konnte sich freuen, denn er musste seine Schulden nicht zurückzahlen, da ihre ehemaligen jüdischen Nachbarn sie nicht mehr einfordern konnten. Viele der Heilbronner Juden wurden von Territorialherren in der Umgebung aufgenommen – allerdings gegen hohe Steuerzahlungen.

(Nach: Angerbauer, Wolfram / Frank, Hans Georg: Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. Geschichte, Schicksale, Dokumente, Schriftenreihe des Landkreises Heilbronn, Band 1. Heilbronn 1986, S. 91-96)

 

Arbeitsanregungen

  • Erarbeitet aus dem Text, wie es zur Ansiedlung von Juden in Heilbronn kam und weshalb die Stadt gegen Ende des Mittelalters versuchte, die Juden aus Heilbronn auszuweisen.
  • Zeichnet in den Stadtplan die Lage der ersten jüdischen Synagoge und der ehemaligen Judengasse ein. Orientiert euch dazu an einem Stadtplan im Internet.
  • Geht von folgender Situation aus: Für die Verhandlung gegen die Ausweisung der Juden aus Heilbronn vor dem Nürnberger Reichstag verfasst der Gemeindevorsteher einen Brief an den König (Albrecht II. 1438-1439), um die Vertreibung aus Heilbronn zu verhindern. Verfasst diesen Brief!

M 8: Die wirtschaftliche Bedeutung der Reichsstadt Heilbronn im Mittelalter

Ende des 13. Jahrhunderts erscheint Heilbronn als weitgehend selbständige und verkehrsgünstig gelegene Stadt am Neckar mit Flusshafen und Brücke, über die der West-Ostverkehr, z.B. von Speyer nach Nürnberg, geleitet wurde. Im Laufe des 13. Jahrhunderts war die Bürgerschaft so wohlhabend geworden, dass sie damit beginnen konnte, die Michaelsbasilika in eine gotische dreischiffige Säulenbasilika die "Kilianskirche" umzubauen. Etwa um dieselbe Zeit entsteht ein Rathausneubau westlich der Kilianskirche, wohin auch der neue Marktplatz verlegt wurde. Ursprünglich lag dieser östlich der Kilianskirche, vermutlich beim Kirchbrunnen, der die Funktion eines Marktbrunnens hatte. Um das Jahr 1306 wurde mitten in der Stadt das Katharinenspital gegründet, als städtisches Spital, nicht wie meist üblich als kirchliches. Auch das weist auf eine selbstbewusste und reiche Bürgerschaft hin.

Seit Ende des 13. Jahrhunderts hielten sich Geldhändlern aus Südfrankreich, sogenannte "Kawerschen" (abgeleitet von der Stadt Cahors), in der Stadt auf, ebenfalls ein Indiz dafür, dass Heilbronn zu den wirtschaftlich bedeutenden Städten des Reiches zählte.

Als die Stadt einen der beiden Nachfolgekandidaten des verstorbenen Kaisers Heinrichs VII., Ludwig den Bayern, unterstützte, revanchierte sich dieser, nachdem er an die Macht gekommen war, großzügig, und erließ ihr die rückständige Reichssteuer sowie die Reichssteuer für die folgenden vier Jahre. Ludwig der Bayer strich außerdem alle Schulden der Stadt an die Juden, die ihm direkt unterstanden, und räumte der Stadt das Recht ein, einen größeren Steuerbetrag von "seinen Juden" einzuziehen. Besonders vorteilhaft wirkte sich das Recht aus, den Neckar nach Belieben "zu wenden und zu kehren", das er der Stadt 1333 verlieh. Die Heilbronner bauten in den Neckar nun Wehre ein, die es erlaubten, den Schiffsverkehr direkt an die Westseite der Stadt umzulenken. Dadurch konnten nun keine Schiffe mehr an Heilbronn vorbeifahren, alle Waren mussten in Heilbronn umgeladen und verzollt werden, was der Stadt zu weiteren Einkünften verhalf.

Der wirtschaftliche Aufstieg hatte aber auch gesellschaftliche Folgen. Bisher hatte das Patriziat (eine Art Stadtadel) allein regiert. Nun forderten die reich gewordenen Kaufleute und Handwerker ein Mitspracherecht, da sie ja einen Großteil der Steuern bezahlten. Kaiser Karl IV. schlichtete den Streit 1371 mit einer neuen städtischen Verfassung. Danach setzte sich der städtische Rat zu gleichen Teilen aus Vertretern des Patriziats und der Kaufleute und Handwerker zusammen.

(Nach: Schrenk, Christhard: Von der Stadt zur Reichsstadt. Heilbronn im 14. Jahrhundert, in: Schrenk, Christhard / Weckbach, Hubert / Schlösser, Susanne: Von Helibrunna nach Heilbronn. Eine Stadtgeschichte. Stuttgart 1998, S. 29-35).

 

Arbeitsanregung

  • Stellt die wirtschaftliche Entwicklung Heilbronns vom Ende des 13. bis zum Ende des 14. Jahrhunderts in einem Schaubild dar. Vergleicht die Schaubilder und diskutiert darüber.

M 9: Die mittelalterliche Stadt Heilbronn als Staatswesen mit eigenem Gebiet

Im Jahre 1333 erlaubte Kaiser Ludwig der Bayer der Reichsstadt Heilbronn, das Dorf Altböckingen, das Reichslehen war, von den Grafen von Löwenstein zu kaufen. Es lag im Osten der Stadt, etwa da, wo heute der Trappensee liegt. Die Bewohner des Dorfes siedelten in die Stadt um. Damit begann die Stadt ein eigenes Staatsgebiet aufzubauen.

1342 erwarb die Stadt drei Viertel der Vogtei über das Dorf Böckingen, links des Neckars gelegen, und konnte 1431 den Rest und alle anderen Rechte über das Dorf von den Brüdern Hans und Konrad von Böckingen kaufen.

1385 verkauften die Herren von Sturmfeder das Dorf Flein an die Stadt, 1430/38 Heinrich von Remchingen Frankenbach. Neckargartach erhielt die Stadt 1341 von den Herren von Weinsberg als Lehen. Die Oberlehensherrschaft blieb bis 1504 beim Bistum Worms, ab 1504 bis 1754 beim Herzogtum Württemberg, erst danach kam die Stadt in den vollständigen Besitz von Neckargartach.

Die mit Mauern und Türmen geschützte Stadt hatte um 1400 etwa 5500 Einwohner und dehnte sich auf einer Fläche von etwa 750 Metern auf 420 Metern (ca. 0,315 km²) aus. Die Stadtmauer war rund 2 ½ Kilometer lang. Das reichsstädtische Gebiet umfasste 65 km². Damit herrschte Heilbronn über ein relativ kleines eigenes Staatsgebiet. Nürnberg verfügte über 1200 km², Ulm über 830 km². Das sagt aber nichts über Heilbronns Stärke und wirtschaftliche Macht aus, die nicht in der Größe seines Territoriums, sondern eher in der verkehrsgünstigen Lage am Neckar begründet lagen.

(Nach: Schrenk, Christhard: Von der Stadt zur Reichsstadt. Heilbronn im 14. Jahrhundert, in: Schrenk, Christhard / Weckbach, Hubert / Schlösser, Susanne: Von Helibrunna nach Heilbronn. Eine Stadtgeschichte. Stuttgart 1998, S. 29-35; und: Wanner, Peter u.a.: Heilbronn historisch! Entwicklung einer Stadt am Fluss. Die Ausstellung im Otto Rettenmaier Haus / Haus der Stadtgeschichte Heilbronn und im Museum im Deutschhof. Heilbronn 2013, S. 21)

 

 

Arbeitsanregungen

  • Beschreibe die Vorderseite des Marksteins. Mit solchen Grenzsteinen markierte die Stadt ab 1490 ihre Grenzen.
  • Orientiere dich an einem Stadtplan von Heilbronn im Internet über die Lage der Dörfer, die zum Heilbronner reichsstädtischen Territorium gehörten und zeichne eine schematische Karte mit der Lage der Reichsstadt am Neckar (heutige Innenstadt, großer Kreis) sowie der Lage der zu Heilbronn gehörenden Dörfern (kleinere Kreise) und gib jeweils das Jahr des Erwerbs an.
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