Jägerhaus und Steinbruch als Schulprojekt

Freizeit früher und heute

Als sich die Geschichts-AG der Helene-Lange-Realschule im Schuljahr 2010/2011 mit dem Thema "Freizeit früher und heute" beschäftigte und der Schulleiter Norbert Jung den Hinweis gab, oberhalb des Jägerhauses befänden sich kaum bekannte, über hundert Jahre alte Spazierwege, die mit etwas Geduld noch zu erforschen seien, war das Interesse von Schülern und Lehrern geweckt. Nachdem sich bei einer Vorerkundung zeigte, dass die Wege vor allem vor dem Frühling an den meisten Stellen noch gut zu erkennen waren, konnte eine erste Exkursion der Geschichts-AG zum Jägerhaus stattfinden. Ausgerüstet mit einer Karte des alten Wegenetzes und einigen Bildern, u. a. dem Bild von der Feyerabendruhe, erforschten die Schüler die Spuren der alten Wege. Hier ergab sich für die Schüler die Möglichkeit, tatsächlich noch selbst etwas zu entdecken.

 

Entdecken

Nebenbei wurden Merkmale der Anlage sichtbar, die Hinweise auf die Freizeitgestaltung vor über hundert Jahren gaben: Die Wege verliefen zu einem großen Teil am Rande der Abraumhalde mit Blick aufs Jägerhaus und damals mit Blick auf die Stadt; die Wege konnten in mehreren kleinen Runden begangen werden und boten durch abwechslungsreiche Gestaltung wie unterschiedliche Höhen, noch erkennbare Sitzbänke, Trockenmauern, einen Pavillon und somit die Möglichkeit, einen Sonntagnachmittag flanierend zu verbringen.

 

Zeitreise

Da sich die Erforschung der Entstehungsgeschichte der Spazierwege recht schwierig gestaltete, richtete sich der Schwerpunkt darauf, wie die Wege wohl früher benutzt wurden und wie man sich heute einen Sonntagnachmittag auf dem Jägerhaus zur Jahrhundertwende vorstellen kann. Daraus entstand die Idee, Schüler der Geschichts-AG auf eine "Zeitreise" zu schicken und sie auf einem erhaltenen Wegeabschnitt in historischen Gewändern flanieren zu lassen. So konnten die Schüler nachempfinden, wie sich ein Sonntagnachmittag auf dem Jägerhaus angefühlt haben muss: Die Gruppe spazierte gemessenen Schrittes und bewahrte Haltung in Gewändern, die im Vergleich zu heutigen Freizeitkleidern weit weniger angenehm zu tragen sind. Es wurde deutlich, dass auch die so genannte Freizeit um die Jahrhundertwende von Konventionen geprägt war. Die Schüler fanden es sehr spannend, in die historischen Gewänder schlüpfen zu können, freuten sich jedoch später genauso darüber, die Kleidung wieder gegen ihre bequeme Freizeitkleidung tauschen zu dürfen.

 

Fächerübergreifend

Das Projekt entstand in Zusammenarbeit von Lehrern der Fächer Geschichte, Deutsch, Mensch und Umwelt und Bildende Kunst. Dabei entstanden im Kunstunterricht Bilder und Fotos von der Umgebung des Jägerhauses.

 

Arbeit im Steinbruch

Wie der Abbau von Sandstein in den Steinbrüchen oberhalb des Jägerhauses früher bewerkstelligt wurde, lässt sich heute nur durch Bild und Textquellen nachvollziehen.
Es ist ein Glücksfall, dass am Südostabhang des Schweinsbergs noch Heilbronner Sandstein abgebaut wird.
Der Betreiber dieses Steinbruchs hat sich sehr freundlich bereiterklärt, der Geschichts-AG der Helene-Lange-Realschule vor Ort zu zeigen, wie der Sandstein abgebaut wird. Den Schülern konnte so die schwere Arbeit im Jägerhaussteinbruch eindrücklich vermittelt werden.
Das Stadtarchiv Heilbronn präsentiert in der Ausstellung Heilbronn historisch! im Haus der Stadtgeschichte (Otto Rettenmaier Haus) einen Film über die Arbeit im Heilbronner Steinbruch am Jägerhaus um 1940. Darin sind alle wesentlichen Arbeitsschritte von der Herauslösung des Steins aus dem Fels bis zur Endbearbeitung des Sandsteins zu sehen.

 
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