Fachwissenschaftlicher Hintergrund

Die Anfänge: Sandstein und Wald

Die östlich und nördlich des Jägerhauses sich befindlichen stillgelegten Steinbrüche zeugen von einer früher sehr regen Abbautätigkeit von Schilfsandstein in Heilbronn(1). Etwa zehn solcher Steinressourcen waren im Laufe der Nutzungszeit teilweise parallel geöffnet. Der Heilbronner Sandstein aus der Keuperzeit war jahrhundertelang weit verbreitet, genoss eine gute Akzeptanz und brachte durch die Gelder aus der Verpachtung der Brüche gute Einnahmen in die städtische Kasse. Deshalb fand nicht nur in Heilbronn und der näheren Umgebung der angenehm wirkende und gut bearbeitbare Stein Abnahme durch Bildhauer, vor allem als Baustoff - seiner Feinkörnigkeit und schöner gelblicher Färbung wegen - war er in vielen deutschen Städten und darüber hinaus gesucht.(2) Die größte Bedeutung dürfte der Steinbruch nördlich des Jägerhauses gehabt haben, weshalb 1777 bis 1782 die "Jägerhausstraße"(3) zum raschen und sicheren Abtransport des Materials(4) unter Einschluss der Steinernen Brücke(5) über den Molkenbrunnenbach gebaut wurde. Um 1800 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Schilfsandsteinbrüche am Jägerhaus wohl die bedeutendsten in Württemberg.(6) Die Nutzungsrichtung bewegte sich aus heutiger Sicht vom Jägerhaus weg von Süden nach Norden. Qualitativ nicht nutzbare Steine, der Abraum, fanden allerdings in allernächster Nähe ihren Platz. So entstand die gewaltige Abraumhalde(7) südlich der Steinbrüche und damit unmittelbar nördlich des Jägerhauses, von der nachfolgend noch die Rede sein wird. Ebenso diente der Bereich "Klinge" als Deponie für nicht nutzbares Steinmaterial.(8) Genutzt wurde der Steinbruch durch mehrere Pächter(9) gleichzeitig. Zeitweise, z.B. 1914, waren mehrere hundert Arbeiter(10) dort beschäftigt. Im 20. Jahrhundert drohte die Sandsteingewinnung mehrmals zu erliegen(11), aber endgültig wurde dies erst Ende 1967. Bereits vorher waren Schuppen und andere zum Betrieb des Steinbruches notwendige Anlagen abgebaut worden. Der letzte Pächter, Geza Wührl(12), beendete damals seine Steinbrecherarbeit, die er seit 1949 ausgeübt hatte(13). Zunächst war an die Verfüllung des Jägerhaussteinbruches gedacht, dann aber wurde der gesamte Bereich als Naturschutzgebiet ausgewiesen, das 1986 auf 30 ha erweitert werden konnte. Zwar nicht mehr im Jägerhausgebiet, aber doch im Stadtbereich Heilbronn wird die Sandsteingewinnung weiterhin betrieben. Harald Holz, Eppingen-Mühlbach, nutzt den Winterhalden-Steinbruch in der Nähe des Autobahnzubringers seit 1983.(14)

 

 

Immer (noch) schöner

Schon Ende des 18. Jahrhunderts hatte der Wald im Bereich des Jägerhauses eine besondere Attraktion erhalten. 1780 ließ die Stadt Heilbronn nicht nur die waldigen Bereiche des Wartbergs sondern auch jene des Jägerhauses in "Lusthaine" umwandeln, wie Stadtschultheiß Heinrich Titot(15) in einer 1846 erschienenen Schrift vermerkte. "Nun wurden düstere Taxusgebüsche (Taxus baccata) neben weißen Birken gepflanzt, Weißtannen, italienische Pappeln, Vogelbeere, eßbare Kastanien (Castanea vesca) und Roßkastanien. Senator Sicherer(16) ließ insbesondere in die Nähe des Jägerhauses im Jahr 1797 Akazien (Robinia pseudonacacia), Ulmen, Silberpappeln, Robinia caragana, Essigbäume (Rhus coriaria), schwarze Nußbäume (Juglans nigra), rothe Ahorn (Acer rubrum) und Fraxinus rotunifolia, die von dem Forstrath Reuter in Stuttgart angekauft worden sind, setzen; und 1798 mehrere bei dem Hofgärtner Schweykert in Karlsruhe erkaufte Setzlinge von Zuckerahorn, Betula alnus incana, amerikanische Eschen, Populus heterophylla, Populus candicans Aiton, Populus balsamifera, Weymuthskiefer, Prunus virginiana, amerikanische Linden, Thuja occidentalis, Ulmus americana, wodurch mehrere dieser Pflanzenarten in Heilbronn acclimatisiert worden sind."(17) Knapp hundert Jahre später, im März des Jahres 1863(18) hatte sich - trotz anfänglicher Widerstände bzw. fehlender Breitenunterstützung - der Heilbronner Verschönerungsverein zusammen gefunden, um die Schönheit der Natur und des Waldes den Menschen wieder ins Bewusstsein zu rücken und entsprechende Erholungsmöglichkeiten zu schaffen.(19) Erster Vorsitzender war C. B. Bläß, Kassenverwalter W. Happel und Schriftführer E. Koch(20).

Zunächst suchte der Verein seine Aufgabe darin, "bequeme, schattenspendende Spazierwege und Anlagen zu schaffen, überhaupt die verschönernde Hand dort anzulegen, wo den städtischen Finanzen ein Opfer zu solchen Zwecken nicht zugemutet werden"(21) konnte oder sollte. Für den Bereich des Jägerhauses hatte diese Absicht ebenfalls nicht unerhebliche Vorteile. Aus einem Text des Verschönerungsvereins Heilbronn:
"Der Marsch von einer guten halben Stunde(22) führt uns ... durch schattig grüne Wälderhallen nach dem Jägerhaus, und wenn dasselbe trotz seiner landbekannten Annehmlichkeiten und Vorzüge, trotz seiner interessanten Umgebung - wir nennen hier nur das Prachtexemplar einer mehrere Jahrhundert alten Traubeneiche und die in der Nähe befindlichen ausgedehnten Sandsteinbrüche - hier nur flüchtig berührt wird, so hat dies seinen Grund lediglich in dem Umstande, daß unser Verein seither eben wenig Gelegenheit hatte, an diesem Punkte tätig zu sein."(23) 1872 hatte es sogar Pläne gegeben, in der Nähe des Wirtschaftsgebäudes des Jägerhauses ein Kurhaus(24) mit Gartenhalle(25) zu etablieren; diese Absicht konnte jedoch nicht realisiert werden. "Dagegen hat der Verein die Anlagen hinter dem Jägerhaus, soweit sie einen Ausblick auf die Stadt und deren Vorterrain ermöglichen, in geordneteren Zustand gebracht, reich mit soliden Bänken versehen und durch ein lebendes Hag vom allgemeinen Verkehr abgegrenzt. Besondere Erwähnung verdient hiebei die Feyerabendruhe, ein lauschiges Plätzchen fernab den vielbegangenen Waldpfaden, das, dichter vom satten Grün der Tannen umsäumt ... einen köstlichen Ausblick auf die tief untenliegende Stadt und die fruchtbaren Höhen hinter derselben gewährt."(26) Dieser Blick auf die Stadt war jedoch nur so lange möglich, wie es die natürliche Ansiedlung von Laubbäumen und das Wachstum gezielt gepflanzter Forchen und Lärchen zuließ, wozu später noch Douglasien, Fichten und Weißtannen hinzu kamen.(27) "Schon vorher(28) hatte der Verschönerungsverein seinen Teil zur Verbesserung der Halde(29) beigetragen, indem er über einen Kilometer kunstvoll verschlungene Promenadenwege dort oben anlegte."(30) "Im heissen Sommer, wenn‘s unten im Thale anfängt ungemütlich zu werden, da sehnt sich der Heilbronner nach dem freien Abend, der es ihm ermöglicht, hier oben im kühlen Waldesschatten reinere Luft zu atmen und heitere Geselligkeit zu pflegen. An Sonntagen aber herrscht hier so bewegtes Treiben, dass man kaum noch ein Plätzchen erobern kann."(31) Im westlichen Teil der Anlagen auf der Abraumhalde des ehemaligen Jägerhaussteinbruchs wurde um 1880 das noch heute existierende schon oben erwähnte Kleindenkmal "Feyerabendsruhe"(32) errichtet:
Der Sandsteinkörper ist 100 cm breit, 35 cm tief und 203 bis maximal 216 cm hoch. Auf der Vorderseite findet sich die Inschrift "Feyerabend Ruhe", auf der Rückseite "Zum Andenken an B. Ni(c)kel,(33) städtischer Waldinspektor vom Jahr 1834 - 1877".
Bernhard Nickel war auch von 1851 bis 1868 Mitglied der Zweiten Kammer der Württembergischen Landstände für das Amt Heilbronn im Neckarkreis.(34) Im Süden desStadtgebiets, nahe des Geländes der Städtischen Feuerwehr, wurde die "Nickelstraße" nach ihm benannt.
1879 stiftete A. Feyerabend(35) drei gusseiserne Bänke zur Feyerabendruhe.(36) Ein Bild von der Beschaulichkeit des Zustandes der Feyerabendsruhe gab der Maler und Fotograf Julius Sizler(37). Er hatte vom Vorstand des Verschönerungsvereins den Auftrag bekommen, die Festschrift zum 25-jährigen Bestehen der Gruppierung im Jahre 1888 zu illustrieren.
Zeitweise(38) muss im Jägerhauswald auch ein reges Wintervergnügen geherrscht haben, wie ein Bericht im Heilbronner Unterhaltungsblatt belegt: "Weiter wird vom Jägerhaus zum Exerzierplatz seitlich der im Winter als Rodelbahn benützten Fahrstraße ein Fußweg durch den Wald angelegt."(39) Und dass es auch Jahrzehnte später noch Mengen von Schnee am Jägerhaus gab, die zu Wintersportaktivitäten einluden, bewiesen erhaltene Fotos im Stadtarchiv Heilbronn. An die winterlichen Ereignisse noch vor dem Zweiten Weltkrieg erinnerte sich auch Else, Tochter des Jägerhauspächters Emil Baier: "Vom Jägerhaus führte eine Schlittenbahn auf dem Militärweg bis hinunter an die Straßenbrücke. Der Feldschütz regelte die Abfahrten, damit auf der engen Strecke im Wald nichts passieren konnte. Auch für die Verköstigung war gesorgt. Meine Familie hatte am Abfahrtspunkt einen Kochkessel aufgestellt, in dem Würstchen heiß gemacht wurden, die danach an Schlittenfahrer und Zuschauer verkauft wurden."(40)

Literatur

Beschreibung des Oberamts Heilbronn. Hrsg. vom Königlichen Statistischen Landesamt, Erster Teil, Stuttgart 1901

Dürr, Friedrich: Chronik der Stadt Heilbronn. Band I: 741-1895. Unveränderter Nachdruck der 2. Aufl. v. 1926. Heilbronn 1986

Dürr, Friedrich: Chronik der Stadt Heilbronn. Band II: 1896-1921. Unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1922. Heilbronn 1986

Dürr, Friedrich u.a.: Chronik der Stadt Heilbronn. Band III: 1922-1933. Heilbronn 1986

Güthler, Franziska: Heilbronn 1848/49. Die Roller von Militär und Bürgerwehr in der Revolution. Heilbronn 2003

Hanle, Adolf: Blickpunkte Baden-Württemberg. Mannheim 1988

Heitlinger, Maria Theresia: Der Alte Friedhof. Heilbronner Schicksale. Heilbronn 2007

Hönes, C.: Heilbronn und seine Umgebung. Zürich 1895 (Europäische Wanderbilder Durch Schwaben. VIII. Bändchen. S. 391-428)

Kuttler, Gustav: Heilbronn, seine Umgebungen und seine Geschichte für Fremde und Einheimische in kurzen Umrissen geschildert. Heilbronn 1859

Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg (Hrsg.): Denkmaltopographie Baden-Württemberg, Band I.5, Stadtkreis Heilbronn

Raberg, Frank: Biographisches Handbuch der württembergischen Landtagsabgeordneten 1815-1933. Stuttgart 2001

Rau, Rolf: Der Heilbronner Stadtwald und sein Lehrpfad. Heilbronn 1970

Steinhilber, Wilhelm: Die Heilbronner Bürgerwehren 1848 und 1849 und ihre Beteiligung an der badischen Mai-Revolution des Jahres 1849. Anhang: Die Heilbronner Turner 1849 im Internierungslager Bern. Heilbronn 1959

Titot, Heinrich: Beiträge zu einer Geschichte des Feldbaues, der Viehzucht in Heilbronn und der Umgegend. Sonderdruck des Correspondenzblattes des K. Württ. Landwirtschaftlichen Vereins, Neue Folge Band XXIX. Jahrgang 1846, Erster Band, 2. Heft

Verkehrsverein Heilbronn (Hrsg.): 1892 - 1992, 100 Jahre Verkehrsverein Heilbronn e.V., Heilbronn 1992

Verschönerungs-Verein der Stadt Heilbronn: Zur Erinnerung an das fünfundzwanzigjährige Bestehen des Verschönerungs-Vereins der Stadt Heilbronn. Bericht über die Entwicklung und Thätigkeit des Vereins in den Jahren 1863-1888. Im Auftrag des Ausschusses verfasst vom Vereinsvorstand. Heilbronn 1888

Quellen im Stadtarchiv Heilbronn

Bestände:
A038-11
E005-57,3-0
E005-57,4-0

Zeitgeschichtliche Sammlung:
ZS-4897

Weitere gedruckte Quellen:
Adressbuch der Stadt Heilbronn
Heilbronner Stimme
Heilbronner Unterhaltungsblatt
Neckar-Zeitung

Anmerkungen

1 Mindestens seit dem 14. Jahrhundert dürfte der Werkstein abgebaut worden sein, 1460 wurde eine Zufahrt zur Steingrube erstmals genannt. Die Heilbronner Steinbrecher bildeten sogar ein eigenes Handwerk.2 Ganz besonders schön sind die Lager am Jägerhaus bei Heilbronn, wo Steinbruch an Steinbruch liegt, um das gesuchte Material zu gewinnen, das sich durch Größe der Quader, feines Korn und infolge dessen leichte Bearbeitung zu architektonischen Verzierungen bei großer Wetterbeständigkeit auszeichnet." Beschreibung des Oberamts Heilbronn, S. II-90.3 Dürr: Chronik Band II, S. 308.4 Dass die Straße gut genutzt wurde, allerdings auch erhebliche Kosten verursachte, ging aus der Dokumentation einer 1867 vom Heilbronner Gemeinderat genehmigten 'größeren Summe' für die Wiederherstellung der Jägerhausstraße hervor. Der Gemeinderat wollte daher den Steinbruchpachtzins wegen der hohen Kosten für den Straßenunterhalt erhöhen. Es wurde auch der Vorschlag diskutiert, die Ausfuhr von Steinen ins 'Ausland' zu verbieten, um den Straßenverschleiß zu reduzieren. Die Pächter waren dagegen und schlugen eine Abgabe auf die ausgeführten Steine vor. Diese Steuer wurde dann ab 1. Januar 1868 erhoben, war aber bei der Berechnung für die einzelnen Fuhrwerke und deren Steinlast zu kompliziert und umständlich, so dass sie schon nach neun Monaten wieder abgeschafft und zum 1. Oktober 1868 die Pacht der einzelnen Steinbruchnutzer erhöht wurde. (ZS-4897)5 Dürr: Chronik Band II, S. 311.6 Landesamt für Denkmalpflege, S. 12.7 Der Abbau erfolgte zuerst auf der westlichen Seite, der Abraum wurde bis hinunter zum Jägerhaus gekippt; mit der Zeit wanderte der Abbau in Richtung Osten. Die Abraumhalden sind von verschiedenen Rampen gegliedert, die wohl dem An- und Abtransport der Steine dienten. Kunstvoll aufgeschichtete Mauern entlang des Abraumgebietes sichern die Halden." Hanle, Adolf, S. 201 ff. Im Stadtarchiv Heilbronn dokumentieren einige Karten die Situation z.B. um 1800: "Grundriß des von Georg And. Cluß geebneten Schutthaufens im Steinbruch, welcher 1/2 Morgen weniger 13 Ruthen enthält, geometrisch aufgetragen und nebst dem ohngefähren Entwurf der daran anstossenden Gegenstände gezeichnet von Johann Karl Friedrich Cluß in Heilbronn 1802. Im Monat Februar. (E005-57,4-0)8 Vgl. hierzu auch Rau, Rolf, S. 43.

9 So war z.B. Heinrich Cluss, Vater des bekannten Architekten, um 1800 einer der Pächter im Jägerhaussteinbruch.

Aus der Beschriftung einer Karte aus dem Jahre 1790 ging die damalige Zahl der aktiven Steinbruchpächter hervor:
"Auf Befehl Herrn Oberholzmeister Weyßert hat Unterzogener, im Beysein denen folgenden Steinhauermeister im Steinbruch beym Jägerhauß, die Breite von jedem zinsbahren Steinbruch genommen und nach dem verjüngten Maaßstab, daher einen Riß darüber ausgestellt und diese mit K bezeichnete Plätze sind Steinschorrenhaufen.
Nro. Nahmen Ruthen breit
1a Mstr. Kraft 6
2 b An Linsenmeier 4
3 Werkmstr. Keller (Keller gestrichen, dafür Adelmann) 12/7 (12 gestrichen, dafür 7)
4 Mstr. Kluß 9
4b Mstr. Weßner 4
5 Mstr. Weireder + 4
anjezo aber will die 8 Ruthen breit der Mstr. Linzenmayer verzinßen
6 Mstr. Schindelberger + 8
7 ein lediger Bruch 8
8 vacant 14
9 vacant 4
10 Mstr. Ißler 7 1/2
11 Mstr. Stockemer 6 1/2
Summa 83 (Im Gegensatz zur Eintragung im Original ergeben sich nur 82 Ruten.)
Heilbronn, d. 22ten Febr. 1790
verpflichter Feldmesser
Georg Adam Messer"
(E005-57,3-0 - Text nur leicht der aktuell gültigen Rechtschreibung angepasst.)

Um 1900 waren es zehn Pächter: H. Albrecht, C. Dessecker, Julius Hagenmeyer, Ludwig Huber, M. Keppeler, Koch & Mayer, Kuhnle, G. Seyfang, Adolf Weber, H. Weisert. Dies ließ sich einer am 20. 2. 1899 aufgegebenen Anzeige der Stadt Heilbronn entnehmen, in der die Pächter bedauern, dass wieder geringwertige Steine aus allen möglichen Steinbrüchen der näheren und entfernteren Umgegend als "Heilbronner Sandstein" verschickt wurden. Deshalb bestimmte die Stadt Heilbronn als Eigentümerin der Brüche, "1. daß die Steine aus den hiesigen Brüchen nur über den hiesigen Bahnhof ausgeführt werden dürfen und 2. daß die Abgabe von Steinen an hiesige Nichtpächter zum Zwecke des Exportes verboten ist. Daraus geht hervor, dass alle Steine, welche nicht von einem der Unterzeichneten und vom hiesigen Bahnhof aus verschickt sind, keine Heilbronner Steine sind". (Neckar-Zeitung vom 1. März 1899)

10 U.a. aus Untergruppenbach und Happenbach.

11 So dokumentierte die Heilbronner Stimme in ihrer Ausgabe vom 18. 8. 1951, dass der Steinbruch seit 1928 nicht mehr in Betrieb gewesen sei, wohingegen die Neckar-Zeitung in der Ausgabe vom 14. September 1931 Folgendes berichtet hatte: "Der Steinbruchbetrieb beim Jägerhaus ist vorläufig eingestellt. In Vorrat gebrochene Mauersteine und Brocken werden weiterhin im Steinbruch verkauft. Vorherige Meldung im Rathaus (Heilbronn, Anm. d. Verf.), Telephon 237. Steinbruchverwaltung."

12 Der Steinbruch war an Geza Wührl - Heimatvertriebener aus Ungarn - verpachtet. Er zahlte bis 1967 Pacht - z.B. im Jahre 1957 600 DM - die Stadt Heilbronn löste den Vertrag zum 31. Dezember 1967, weil der Abbau schon einige Zeit zuvor eingestellt war, aber trotzdem bezahlt wurde. Geza Wührls Augenmerk lag vor allem in der Gewinnung des sehr guten Kernsteins unter Ausschluss des Decksteins. Städtischer Aktenvermerk vom 25. 7. 1991 (ZS-4897).

13 Hanle, Adolf, S. 202 vermerkt, dass der 'Steinbruch beim Jägerhaus' nur bis zum 2. Weltkrieg in Betrieb gewesen sei.

14 Harald Holz (Eppingen-Mühlbach) nutzt den Winterhalden-Steinbruch am Südostabhang des Schweinsbergs seit 1983. (Heilbronner Stimme vom 17. Januar 2004) Der etwa 1,5 ha große Steinbruch dient ausschließlich zur Gewinnung großer Sandsteinblöcke, die dann im Werk Eppingen verarbeitet werden. Im Winterhaldensteinbruch kommen sowohl das Sprengverfahren als auch das Keilen zur Anwendung. Beim erstgenannten Vorgehen werden etwa vier Meter tiefe Bohrlöcher gesetzt, mit Hilfe des Ladestocks die Sprengstoffschnüre eingeführt und gezündet. Beim Zerkleinern durch Keilen werden entsprechende Metallkeile durch Hammerschlag in eng gesetzte Löcher getrieben. Die Standardgrößen solcher Blöcke können etwa mit den Maßen 2,90 m x 1,40 m x 1,30 m angegeben werden. Sie wiegen dann etwa 13 Tonnen und passen entweder auf die Zugmaschine oder den passenden Anhänger eines LKW-Gespanns. Für die Steingewinnung stehen Wolfgang Digel, dem einzigen Arbeiter im Bruch, große und leistungsfähige Maschinen zur Verfügung: ein Bohrbagger, ein Radlader und ein üblicher Bagger. Dennoch werden für den Abbau von etwa 40 Kubikmeter qualitativ hochwertigen Schilfsandsteins, der hier in einer Schichtdicke von 30 Metern liegt, ca. 2 1/2 bis drei Wochen Arbeitszeit benötigt. Die Nachfrage nach Heilbronner Sandstein ist groß, insbesondere entsteht der Hauptbedarf durch Renovierungen, aber auch Neuverwendungen sind nicht selten. So stammt z.B. der Sandstein des Heilbronner Einkaufszentrums Klosterhof aus der Winterhalde, ebenso wie das Sanierungssandsteinmaterial für das Technische Rathaus an der Cäcilienstraße, wie Wolfgang Digel weiß. (Gespräch Wolfgang Digel, Norbert Jung am 23. März 2011)

15 Heinrich Titot, * 23. August 1796 in Heilbronn, + 1. Dezember 1871 dortselbst. Sein Grabmal befindet sich auf dem Alten Friedhof in Heilbronn. Vgl. hierzu: Heitlinger, Maria Theresia, S. 62.

16 Carl Philipp Sicherer, Licentiat; Gemeinderat von 1796 bis 1802.

17 Titot, Heinrich, S. 170.

18 Im Heilbronner Unterhaltungsblatt vom 11. April 1912 wurde als Gründungsjahr 1863 genannt.

19 Der Zuspruch zur Vereinsgründung hielt sich ursprünglich sehr in Grenzen, zumal zu damaliger Zeit die möglichen Aktivitäten eines solchen Vereins die Land- und Weinwirtschaft zu stören drohten. Zweckformulierung des Jahres 1879: Die Stadt und ihre Umgebung verschönern und die Anlagen erhalten.
Von anderen Städten des Landes sind ebenfalls Aktivitäten dortiger Verschönerungsvereine bekannt. So schuf z.B. der Verschönerungsverein Stuttgart in den Jahren 1889 bis 1896 rund um den alten Steinbruch auf dem Reinsburghügel eine Anlage für Erholungsuchende.

20 Im Heilbronner Unterhaltungsblatt vom 11. April 1912 hieß es: "Das Jahr 1869 bringt einen neuen Vorstand mit Werkmeister C. Linsenmayer." Im gleichen Artikel wurde jedoch widersprüchlich erwähnt: "1881 tritt an Stelle des verstorbenen Vorsitzenden (seit 1868) C. Linsenmayer, Oberförster Lempp." Er amtierte bis 1901. Dürr, Friedrich: Chronik Band I, S. 413.
Förster Lempp starb am 10. Oktober 1901. Zu Ehren des langjährigen Vereinsvorsitzenden Lempp wurde am 2. Juli 1902 vom Verschönerungsverein die "Lemppruhe" auf dem Wartberg eingeweiht. Dürr: Chronik Band II, S. 53.
Nachfolger Lempps wurde Tiefbauinspektor Hoffmann, bis 1902. Anschließend war Julius Keppler von 1902 bis 1924 Vorsitzender. Mit ihm nahm der Verein auch nach der Unterbrechung durch den 1. Weltkrieg die Arbeit wieder auf. Am 19. Juni 1926 bezeichnete der Verschönerungsverein eine Eiche im Köpfertal zu Ehren des verstorbenen Julius Keppler. (Dürr: Chronik Band III, S. 246) Am 25. Mai 1925 wurde der Verschönerungsverein mit Otto Kienzle, * 29. 11. 1866 in Leuzendorf / + 14. 4. 1945 in Weikersheim, wieder tätig. (Dürr: Chronik Band II, S. 185) Er war bis etwa 1934 Vorstand, zumindest wurde er dort verzeichnet. Ca. 1936 bis zum aktiven Ende des Vereins: Max Fork (1936: Paulinenstr. 3, 1953: Wohnung Kaiserstr. 23/1). Als konkretes Ende des Verschönerungsvereins kann die Übertragung eines verbliebenen Kassenbestandes im Jahre 1986 an den Verein der Freunde des Verkehrsvereins Heilbronn bezeichnet werden. Verkehrsverein Heilbronn, S. 21.

21 Verschönerungs-Verein, S. 9.

22 Knapp dreißig Jahre vor Erscheinen dieses Satzes in einer Schrift des Verschönerungsvereins hatte Gustav Kuttler eine Stunde Weges angenommen und das Jägerhaus mit seiner Umgebung gelobt: "... gelangen wir in einer Stunde an diesen von den Heilbronnern viel besuchten Vergnügungsort, welcher seinem Namen entsprechend von Wald und freundlichen Gartenanlagen umgeben auf der Höhe der das Weinsberger Thal vom Neckarthal trennenden Hügelreihe liegt. In seiner Nähe befinden sich die großen Heilbronner Steinbrüche, deren Quadern weithin auf dem Neckar und Rhein zu den bedeutendsten Bauten Heidelbergs, Mannheims, Cölns u.s.w. verführt werden ...". Kuttler, Gustav, S. 58 f.

23 Verschönerungs-Verein, S. 44.

24 "Der Verein wächst mit seinen höheren Zielen! So beschäftigt er sich 1872 vorübergehend mit dem Plan eines Kurhotels beim Jägerhaus." (Heilbronner Unterhaltungsblatt vom 11. April 1912)

25 Diese Halle war vom Heilbronner Gemeinderat bereits 1908 genehmigt worden.

26 Verschönerungs-Verein, S. 44.

27 Rau, Rolf, S. 43.

28 Die Quellenlage für unsere Publikation nicht zu, eine archivalisch belegte Beweisführung hinsichtliche der Terminierung zu erstellen. Die Unterlagen des Vermessungs- und Katasteramtes Heilbronn gaben für die fraglichen Grundstücke seit 1840 keine grundlegenden Veränderungen an, außer für die Jahre 1869/70 und 1880/81, wobei es in beiden Fällen nicht um die fragliche Wegeanlage ging. Erst 1905 folgte eine weitere Veränderung, deren Dokumentation nicht möglich ist, weil die Akten dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fielen. Als konkreter zeitlicher und schlüssiger Anhaltspunkt für den Beginn des Anlagenbaus dürfte daher eines der Bilder des vom Verschönerungsverein Heilbronn für die Illustration der Festschrift zum 25-jährigen Bestehens beauftragten Malers Louis Sizler gelten, der die Errichtung der Feyerabendruhe mit der Jahreszahl 1880 verbindet.

29 Damit waren die Wege gemeint, deren Reste dem suchenden Auge des Spaziergängers auf der ehemaligen Steinbruchabraumhalde nördlich des Jägerhausbereiches bei seinem Waldaufenthalt nicht lange verborgen bleiben. Noch gut erkennbar sind die moosbewachsenen Begrenzungen aus Sandstein.

30 Hanle, Adolf, S. 201 ff.: "Um die Jahrhundertwende, als der Steinbruchbetrieb noch in vollem Gange war, begannen Heilbronner Bürger, die sich im Verschönerungsverein zusammengefunden hatten, die kahle Abraumhalde, die man vom Ausflugsziel Jägerhaus immer vor Augen hatte, zu begrünen. Sie ließen die verschiedenartigsten Waldbäume pflanzen und legten kunstvoll verschlungene Promenadenwege an, bauten Holzbrücken über die Aufgangswege zu den Halden sowie Holzpavillons und Sitzbänke." Rau, Rolf, S. 43. Zur zeitlichen Einordnung schrieb Redakteurin Gertrud Schubert am 13. September 2009 in der Heilbronner-Stimme bezüglich des Tages des offenen Denkmals: "Schon Ende des 18. Jahrhundert(s) war das Jägerhaus Tanz- und Veranstaltungsstätte, doch erst hundert Jahre später ließ der Verschönerungsverein für die Sonntagsausflügler 1000 Meter Promenadenwege anlegen."

31 Gertrud Schubert zitiert in ihrem Beitrag "Von Wirtshäusern und alten Tanzsälen" diese Passage des "Jägerhausfreundes Hönes" aus dem Jahre 1891. (Heilbronner Stimme vom 9. September 2009) Die originale Beschreibung ist allerdings im Bändchen VIII der "Europäischen Wanderbilder" zu finden, das 'Durch Schwaben' führt und 'Heilbronn und seine Umgebung' zum Inhalt hat. Dort schrieb C. Hönes einleitend zum Jägerhaus: "Es ist dies ein Wirtshaus mit ausgedehnten Waldanlagen und mehreren Gesellschaftsräumen, worunter besonders das schön ausgestattete Jagdzimmer sehenswert ist. Der Wald umher ist wohl gepflegt und zeigt uns bald schöne Baumgruppen, bald einzelne Waldriesen (z.B. in der Nähe des Hauses eine fünf Meter im Umfang messende Eiche), bald dichtes Gestrüpp; Laubholz und Nadelholz in bunter Abwechslung." Hönes, C., S. 403

32Feyerabendsruhe, hergerichtet im Jahr 1880. Verschönerungs-Verein, S. 44.

33 Im Heilbronner Unterhaltungsblatt vom 11. April 1912 wurde der Name mit c geschrieben: "Waldinspektor Nickel". Dort wurde er auch als Gründungsmitglied des Verschönerungsvereins Heilbronn erwähnt.
Seit 1840 war er Träger der württembergischen goldenen Verdienstmedaille. Am 6. Mai 1876 erhielt er für 50-jährige Dienstzeit eine Ehrung mit einem silbernen Pokal. Christian Bernhard Nickel, wie sein vollständiger Name lautete, war zeitweise auch Stadtrat.
Zu Christian Bernhard Nickels Rolle bei der Gründung eines Heilbronner bürgerlichen Schützenkorps (Leutnant, Oberleutnant, Hauptmann / Kommandant) sowie seiner Bedeutung im Rahmen der Aktivitäten der Heilbronner Bürgerwehren 1848/49 (Oberkommandant, Befehlshaber der Scharfschützen) und ihrer Beteiligung an der badischen Mairevolution des Jahres 1949 vergleiche: Steinhilber, Wilhelm, S. 12, 19, 20, 22, 25, 28, 45, 49, 55-60, 68f., 77 und 80, ebenso Güthler, Franziska, S. 37, 82, 144, 154-156, 159. Die Chronik der Stadt Heilbronn (Dürr, Band I) erwähnte auf den Seiten 396 und 397 bezüglich der Auflösung und Entwaffnung der Bürgerwehren auch den 'Jägerhausberg': "13. Juni (1849) morgens 3 Uhr. Ungefähr 400 Heilbronner Bürgerwehrmänner kommen durch Weinsberg gezogen und marschieren, durch eine Kompanie Weinsberger verstärkt, bis Löwenstein. Dort kommt der Zug ins Stocken, abgesandte Kavallerieabteilungen rücken von Heilbronn her nach Ellhofen, Infanterie besetzt den Jägerhausberg." Nachmittags und abends suchten die Ausmarschierten nach "Wegwerfung oder Versteckung ihrer Waffen" den Rückweg nach Heilbronn, in dem mittlerweile der Belagerungszustand in 'milder Form' herrschte und die Entwaffnung der Bürgerwehr vorgenommen wurde. Vgl. hierzu auch: Heilbronner Stimme vom 23. Februar 1959.
Nach der Bürgerliste Nr. 948 im Stadtarchiv Heilbronn war Bernhard Nickel dreimal verheiratet. Geboren wurde er am 17. November 1794, sein Todestag war der 11. Juni 1879. (A038-11 Nr. 948)
"Gemeindeförster für ihn wird Oberförster Lempp, früher Stettenfels." Dürr, Chronik, Band I, S. 441.

34 Wahlperiode 1851 - 1856, Tagungszeit 6. 5. 1851 - 20. 8. 1855. Wahlperiode 1856 - 1862, Tagungszeit: 20. 2. 1856 - 23. 12. 1861. Wahlperiode 1862 - 1868, Tagungszeit: 3. 5. 1862 - 18. 8. 1865 ordentlicher Landtag, 23. 5. 1866 - 8. 6. 1866 außerordentlicher Landtag, 25. 9. 1866 - 20. 2. 1868 ordentlicher Landtag. Raberg, Frank (Bearb.): Biographisches Handbuch der württembergischen Landtagsabgeordneten 1815 - 1933. Stuttgart 2001, S. 616.

35 Zur Geschichte der Familie Feyerabend und ihren Linien vergleiche: Heitlinger, Maria Theresia: Der Alte Friedhof, Heilbronn 2007, S. 67 ff..

36 Verschönerungs-Verein, S. 14. Bei A. Feyerabend dürfte es sich um den Fabrikanten Adolf Feyerabend handeln. (Dürr, Chronik, Band I, S. 450) Im Adressbuch von 1934 wurde Adolf Feyerabend als 'verdientes Mitglied des Vorstandes des Heilbronner Wohnungsvereins' bezeichnet.

37 Albert Ludwig - genannt Louis - Sizler, geboren laut Bürgerliste am 4. März, in anderen Dokumenten (dort auch Verwendung des Vornamens Julius) am 2. 3. 1837 in Steinbach. Louis Sizler starb am 22. Januar 1914 in Heilbronn.

38 Nach einem Bericht des Heilbronner Unterhaltungsblattes vom 11. April 1912. Dort wurde 1908 angegeben.

39 Heilbronner Unterhaltungsblatt vom 11. April 1912.

40 Aus einem Gespräch von Else Baier mit Norbert Jung am 6. Mai 2011.

 
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