Süleyman I. der Prächtige

Die Zuwanderung von Türken nach Heilbronn begann erst in den 1960er Jahren, als in Zeiten des „Wirtschaftswunders“ die Arbeitskräfte auch in der Region knapp wurden. Aber das ist keineswegs der Beginn von Kontakten zwischen Heilbronnern und Türken. Im Gegenteil – schon seit mehr als 500 Jahren steht die Auseinandersetzung mit der Türkei und ihrer Kultur auch auf der lokalen Agenda, zunächst unter kriegerischen Vorzeichen, dann unter wirtschaftlichen und schließlich auch unter politischen.

Durch die osmanische Eroberung des Balkan und die erste Belagerung von Wien gewann das Thema auch in Heilbronn an Brisanz und Bedeutung. Und so ist es auch kein Zufall, dass die erste bekannte bildliche Darstellung eines Türken in Heilbronn aus den 1520er Jahren stammt: Hans Schweiner, der Baumeister des Turms der Kilianskirche, hat in einem Medaillon die Profilansicht eines türkischen Mannes mit Turban und Schnurrbart festgehalten. Es handelt sich um ein Bildnis des Sultans Süleyman I. des Prächtigen, der von 1520 bis 1566 regierte, das Hans Schweiner nach einem zeitgenössischen Bildnis geschaffen hat. 

Süleyman gilt als einer der bedeutendsten Herrscher des Osmanischen Reichs; er heißt deshalb auch „der Große“ und „der Gesetzgeber“. Er galt den Zeitgenossen als toleranter Herrscher, was etwa im Urteil von Martin Luther über ihn anklingt, dass „etlich sein Regiment darin loben / das er jederman lest gleuben / was man will / allein das er weltlich Herr sein will“. Darin liegt wohl auch die Botschaft Hans Schweiners: Das Porträt Süleymans ist das einzige am Kiliansturm, das nicht karikierend gestaltet ist.

 
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