Hermann Strauß (1868-1944)

Hermann Strauß wurde am 28. April 1868 in Heilbronn geboren. Er besuchte das Heilbronner Karlsgymnasium und studierte in Würzburg und Berlin, wo er 1890 mit einem Thema aus der Neurologie promovierte. Nach zehnjähriger Tätigkeit in der Medizinischen Klinik III der Charité Berlin und nach einer kurzen Zeit als frei praktizierender Internist mit eigener Poliklinik wurde Strauß 1910 für die nächsten 32 Jahre Leitender Arzt der Abteilung für Innere Medizin am Jüdischen Krankenhaus Berlin.

Seit 1899 war Hermann Strauß mit Elsa geb. Isaac verheiratet, die als eine Wegbereiterin der modernen Krankenhaus-Sozialarbeit gilt.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 versorgte Hermann Strauß seine Patienten im Jüdischen Krankenhaus unter immer schwierigeren Bedingungen. Am 31. Juli 1942 wurden er und Ehefrau Elsa in das KZ Theresienstadt deportiert. Strauß war dort bis zu seinem Tod am 17. Oktober 1944 Mitglied des Ältestenrates; außerdem engagierte er sich im „Gesundheitswesen“. Elsa Strauß überlebte das KZ, verstarb aber am 13. Juni 1945 an den Folgen der Haft.

Hermann Strauß Strauß trug wegweisend zur Fortentwicklung der Medizin bei. Er veröffentlichte eine Vielzahl von Monographien und Aufsätzen, wobei ihm die praktische Medizin besonders am Herzen lag. So beschrieb er als einer der Ersten die Bedeutung der kochsalzarmen Diät bei Nierenerkrankungen. Später verlagerte sich sein Hauptinteresse auf Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten. Er gehörte Anfang der zwanziger Jahre zu den ersten deutschen Medizinern, die Insulin bei zuckerkranken Patienten anwandten. Die von ihm 1898 beschriebene „Strauß-Kanüle“, die die chemische Blutanalyse in großem Maßstab erst möglich machte, ist heute noch in Gebrauch.

 
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