1306 – Ein Hospital für die Heilbronner des Mittelalters

An ein ganz besonderes Jubiläum konnten im Jahr 2006 die SLK-Kliniken in Heilbronn anknüpfen – 700 Jahre zuvor hatte der Rat der Stadt Heilbronn ein Spital gestiftet. Es wurde ein Hof am Brückentor als Standort bestimmt; die Finanzierung erfolgte über Stiftungen und Spenden, das Spital war von allen Steuern befreit. Die Gründungsurkunde wird noch heute im Stadtarchiv aufbewahrt.

Allerdings war die Krankenpflege nur eine von vielen Aufgaben der mittelalterlichen Spitäler; sie waren gleichzeitig Herbergen, Armen- und Waisenhäuser, Altenheime, Anlaufstellen für Bettler und Obdachlose sowie Bestattungsinstitute. Neben den durchziehenden Hilfesuchenden standen die Pfründner, die sich auf Dauer durch die Übertragung ihres Vermögens „eingemietet“ hatten.

Das Heilbronner Spital war wie die dazu gehörende Kapelle der heiligen Katharina geweiht. Mit der Errichtung kam der Rat dem christlichen Gebot der Caritas, des Dienstes am Nächsten, nach – das mittelalterliche Hospitalwesen hatte seine Grundlage im christlichen Glauben.

Dem Spital wurden immer wieder Stiftungen übertragen; vor allem Landschenkungen bildeten die wirtschaftliche Grundlage des Spitalbetriebs. Von den Gütern im Gebiet um die Stadt herum empfing das Spital Abgaben in Form von Naturalien – Getreide, Gemüse, Vieh – oder Geld.

Mit der Auflösung der mittelalterlichen Gesellschaftsordnung in der frühen Neuzeit änderten sich auch die Aufgaben der Spitäler, und es entstanden daneben soziale „Besserungsanstalten“ wie das Waisen-, Zucht- und Arbeitshaus, das der Heilbronner Rat 1756-58 vor dem Sülmertor erbauen ließ. Auch die Krankenpflege wurde im 19. Jahrhundert zur eigenständigen Aufgabe – 1831 wurde in Heilbronn das Paulinenspital zunächst als Cholera-Krankenhaus errichtet, aus dem sich in den 1860er Jahren das städtische Krankenhaus entwickelte.

Das Katharinenspital an der alten Brücke bestand als reines Armenhaus offiziell noch bis 1871; schon vorher hatten die Kapelle und andere Gebäude dem Durchbruch der Kaiserstraße weichen müssen. Es lebt in den SLK-Kliniken am Gesundbrunnen ebenso weiter wie im Katharinenstift in der Arndtstraße.

 
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