Der Spätzleskrieg

1965 provozierte ein Artikel des Heilbronner Lokalreporters Rudi Fritz über das schwäbische Nationalgericht einen Leserbriefschreiber dazu, sich abfällig über die Spätzle zu äußern. Der Leserbrief trat eine Welle von empörten Gegenmeinungen los, die Heilbronn sogar in die Spalten der großen Blätter brachte – etwa in die ZEIT und den „Spiegel“.

Am Samstag 20.03.1965 hatte die "Heilbronner Stimme" unter der Überschrift:

Überschrift in der Heilbronner Stimme;  20.03.1965

einen Artikel veröffentlicht, der keineswegs nur ein Loblied auf die "Spätzle" war. Vielmehr wurde das Thema differenziert erörtert:

Artikel in der Heilbronner Stimme; 20.03.1965
Artikel in der Heilbronner Stimme; 20.03.1965

Am darauffolgenden Mittwoch enthielt die "Heilbronner Stimme" dann dazu einen Leserbrief:

Leserbrief in der Heilbronner Stimme; 24. März 1964
Leserbrief in der Heilbronner Stimme; 24. März 1964

Schon am nächsten Tag konnte die Heilbronner Stimme fünf Reaktionen darauf abdrucken. Sie reichten von der Vermutung, "er hat wahrscheinlich noch nie in seinem Leben das Glück gehabt, echte handgemachte Schwabenspätzle vorgesetzt zu bekommen" über die Empfehlung, "wenn ihn unsere Spätzle so sehr stören, soll er doch dorthin gehen, wo man die ganze Woche nur Kartoffeln ißt", hin zum guten Rat an einen "Reingeschmeckten": "Man benimmt sich unter "Halbfremden" unauffällig und versucht nicht, an möglichst jeder Ecke anzustoßen!".

17 Leserbriefe am nächsten Tag - nun schon unter der Überschrift "Die Lesermeinung zum Spätzles-Krieg" - und noch einmal 20 am darauf folgenden zeigen, wie tief die Heilbronner Seele getroffen wurde.

Drei Beispiele vom 27. März 1965:

Leserbriefe in der Heilbronner Stimme; 27.03.1965
Leserbriefe in der Heilbronner Stimme; 27.03.1965

170 Leserbriefe zählte die Lokalzeitung bis Ende März 1965 zum Thema und druckte am 2. April abschließend noch einmal 21 Meinungsäußerungen ab.

Inzwischen hatte auch die überregionale Presse das Thema entdeckt: Die Zeit und der Spiegel berichteten - letzterer unter der Überschrift "Mehl und Ehre". Bis in die Schweiz reichte die Resonanz, wo "Die Tat" in Zürich dem Konflikt durch die identitätsstiftende Wirkung auch Gutes abgewinnen konnte: "Warten wir hierzulande also getrost auf den Ausbruch des Röschti- oder Fondue-Krieges!

Nachtrag

Erst nach dem Tod des Lokalredakteurs Rudi Fritz, der den auslösenden Artikel über die Spätzle geschrieben hatte, im Jahr 2012 wurde enthüllt, dass er den "bösen" Leserbrief von "Sigurd G." selbst verfasst hatte ...

 
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