Sofie Reis (1876-1942)

Im Mai 2009 wurden in Heilbronn erstmals drei Stolpersteine verlegt - im Rahmen des großen Stolperstein-Projekts des Kölner Künstlers Günter Demnig, initiiert von Schülern der Dammrealschule in Heilbronn. Neben dem Bankdirektor Otto Igersheimer und dem Rechtsanwalt Siegfried Gumbel fiel die Wahl für den dritten Stolperstein auf ein weniger prominentes Opfer der Naziherrschaft, Sofie Reis.

Sofie Reis (geb. Kahn) stammte aus Schwäbisch Gmünd. Sie war verheiratet mit dem Heilbronner Geschäftsmann Baruch Reis, der zusammen mit Moses und Max Reis den Webwarengroß- und Einzelhandel Jakob D. Reis in der Inneren Rosenbergstraße 24 führte. Das Ehepaar Reis gehörte der Gemeinde "Adass Jeschurun" an, eine strenggläubige Gemeinschaft, die nach Angaben von Hans Franke schon während des Ersten Weltkriegs in Heilbronn entstanden war. Baruch Reis war zudem einige Jahre Rechner des "Vereins für Jüdische Geschichte".

Das Ehepaar Reis hatte vier Kinder; zwei davon waren schon früh nach Palästina ausgewandert. Sofie Reis besuchte sie dort 1936. Baruch Reis war schon 1930 gestorben. Seine Witwe lebte zunächst weiter im Haus Innere Rosenbergstraße 22, musste aber später in die Bismarckstraße 3 umziehen - in ein sogenanntes "Judenhaus". Die Innere Rosenbergstraße (heute Rollwagstraße) wurde 1938 in Braunauer Straße umbenannt.

Am 23. März 1942 wurde die 66-Jährige zunächst nach Haigerloch deportiert; fünf Monate später nach Theresienstadt, von dort aus nach Treblinka. Dort wurde sie ermordet.

 
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