Gusta Rath (1885-1983)

Geboren in Erlangen als erstes Kind von Dr. Wilhelm Kiesselbach (+ 1902), der an der dortigen Universität Privatdozent für Ohrenheilkunde war, und dessen Frau Luise geb. Becker (1863-1929), einer aktiven „Frauenrechtlerin“, war es für Gusta wohl nicht sonderlich schwierig, ihren Wunsch nach einem akademischen Beruf zu realisieren. Nach dem sechsjährigen Besuch der Höheren Töchterschule in Erlangen bereitete sie sich extern auf das Abitursexamen vor, das sie 1906 am Alten Gymnasium in Nürnberg ablegte.

Zunächst unentschieden, welchen Beruf sie ergreifen sollte, besuchte sie zuerst das Lehrerinnenseminar in Ansbach, bevor sie sich dann zu einem Medizinstudium an der Erlanger Universität entschloss. Dort waren Frauen seit 1903 zum Studium zugelassen. Gusta Kiesselbach gehörte also zu den frühesten Studentinnen an dieser Universität. Im Herbst 1911 war sie die erste Frau, die in Erlangen das medizinische Staatsexamen erfolgreich ablegte. 1914 promovierte sie. Während ihres praktischen Jahres an der inneren Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses in Eppendorf bei Hamburg lernte sie 1912 den Heilbronner Hans Rath kennen, der dort ebenfalls Assistenzarzt war. Die beiden heirateten 1914 und ließen sich 1919 mit ihren beiden Kindern in Heilbronn nieder.

Zunächst betätigte sich Gusta Rath in Heilbronn weniger medizinisch als politisch: Sie war Mitglied der Frauengruppe der Deutschen Demokratischen Partei, deren Vorsitz sie 1925 übernahm. 1926 wurde sie vom Reichsminister des Innern zur Beisitzerin der Filmprüfstelle in München bestellt und 1929 nochmals auf drei Jahre in diesem Amt bestätigt.

Erst ab 1927 wendete sie sich verstärkt wieder ihrem Beruf zu. Sie trat dem Bund deutscher Ärztinnen bei und gehörte dort dem Ausschuss für Leibesübungen an. Von 1932 bis 1955 wirkte sie als Ärztin für das Rote Kreuz und betätigte sich vor allem als Ausbilderin für Rote-Kreuz-Schwestern. Als ihr Ehemann 1939 in den Krieg ziehen musste, führte sie seine Praxis weiter und erwarb sich bald in Heilbronn den Ruf einer sehr tüchtigen Ärztin. Nach Kriegsende führte sie diese gemeinsam mit ihrem Mann in der Neckargartacher Straße 28 in Frankenbach weiter. 1956 übernahm Tochter Else, die wie ihre Mutter Ärztin geworden war, das elterliche Erbe.

 
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