Die Urkunde von 1333

Abschrift der Urkunde

Wir Ludewig von Gotes genaden Romischer keyser, ze Allen zyten merer des richs, veriehen offenliche an disem brief, daz wir zwischen den erbern Geistlichen luten, dem conmenter und dem convent des tutschen hus ze Heilprunnen, und den burgern gemeinelich da selben geret und getegdinget haben und haben si och also miteinander gantzlich beriht, umb den bruch und stos, so si miteinander hetten von des Neckers wegen. Also daz die burger den Necker sullen wenden und keren wahin si duncket, daz es der stette aller nutzlichest si, und sullent si die Tutschen herren daran nicht irren; und wan och vorsehenlich ist, daz der Necker von dem wenden den Tutschen herren schaden bringe an irm werde, so haben wir in ze ergetzung gegeben, und geben in es och mit disem brief, den boden und grunt, da der Necker ietze uf pluzzet, was des blos wert ligent von dem kerendt und wendenn des Neckers, und geben in daz ledeclich und eigenlich von unsin gewalt, und wellen niht, daz si daran ieman hinder oder irre in keinem weg; und ist daz in der Necker an dem werde me schaden tut, danne in damit widerleit wirt, den schaden sullen in die burger wider keren, nach rate vier manne, der sullent die herren zwene nemen und die burger zwene und mugent die vier niht uberein komen, so sol es an uns stan, wie si den schaden widerkern sullent. Were och daz der widerswal von den wern und den wern der tutschen herren müle irre und in schadete also daz si kein frum wide, so sullen iene in ein ander mülstat in der selben nehe und verre geben uf dem Necker, an der mulstet stat, daz si ein ander mul buwen, si sullen och ir vischentz haben in dem Necker, wa er hin pluzzet als och vor.

Und dar uber ze eine urkunde geben wir in disen brief versigelen mit unsin keyserlichen insigel, der geben ist ze Esselingen an fritag nach sant Bartholomens tag, da man zalt von Cristes geburt Druzehenhundert Iar dar nach in dem drui und drissigsten iar, In dem Nenzehenden iar unsers Richs und In dem Sehsten des Keysertumes.

 

Erläuterungen zum Inhalt der Urkunde

  • Ludwig IV., genannt der Bayer – er stammte aus dem Haus Wittelsbach –, wurde um die Jahreswende 1281/1282 in München geboren. Nach dem Tod des Luxemburgers Heinrichs VII. 1314 kam es zu einer Doppelwahl. Erst 1322 konnte Ludwig den Kampf für sich entscheiden, doch erkannte Papst Johannes XXII. ihn nicht als König an und war deshalb auch nicht bereit, ihn zum Kaiser zu krönen. Dennoch zog Ludwig 1327 nach Rom und ließ sich im Januar 1328 durch vier Vertreter der Stadt zum Kaiser krönen, später noch einmal durch den von ihm als Gegenpapst eingesetzten Nikolaus V. Bis zu Ludwigs Tod am 11. Oktober 1347 blieb seine Herrschaft umstritten.
  • Das Deutsche Haus – die Niederlassung der Deutschordensritter in Heilbronn – ist zwischen 1225 (Stiftung des Grundbesitzes) und 1268 (erste Erwähnung eines Komturs) entstanden. Sie wurde von einem Komtur (conmenter) geleitet. Unter dem Konvent ist die Gesamtheit der Ordensbrüder zu verstehen, die hier gelebt hat. Im 14. Jahrhundert waren das ungefähr 25 Personen.
  • Als Wört, Werd oder Wert wurden Flussinseln bezeichnet, die ein Fluss – wie der Neckar bei Heilbronn – durch die Veränderungen seines Laufs bildete. Um ihre Nutzung gab es Jahrhunderte lang immer wieder Streitigkeiten, da ihre Größe und selbst ihre Lage – durch Verlandung von Flussarmen konnten Wörte am Flussufer „anwachsen“ – immer wieder verändert wurden. In Heilbronn erinnern heute noch die „Wertwiesen“ an eine solche frühere Flussinsel.
  • Fischereirechte hatten im Mittelalter eine große Bedeutung – zum einen waren der Neckar und seine Altarme sehr fischreich, zum anderen bildete Fisch v.a. während der Fastenzeiten eine der Haupternährungsquellen geistlicher Gemeinschaften wie dem Deutschen Orden. Aus dem gleichen Grund hatte das Karmelitenkloster vor den Toren der Stadt Heilbronn einen Fischsee angelegt, der bis heute im Namen „Mönchsee“ weiterlebt.
  • Der Tag des heiligen Bartholomäus – einer der Apostel – ist der 24. August. Im Jahr 1333 fiel dieser auf einen Dienstag, so dass der Freitag danach der 27. August war.
 
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