450 Jahre Musik aus Heilbronn

"Von Woltz bis Werner" - 2010 war eine "Treppenhaus-Ausstellung" im Stadtarchiv Heilbronn ganz der Musik gewidmet, die aus Heilbronn kommt. Namensgeber war zum einen Johann Woltz, der ab 1572 vierzig Jahre lang Organist an der Heilbronner Kilianskirche war und 1617 seine Tabulatur „Nova Musices Organicae Tabulatura“ herausgab. Sie enthält 215 Motetten, Fugen und Canzonen deutscher und italienischer Komponisten, die Woltz für die Orgel bearbeitet hatte.

Einige der Kompositionen sind nur noch durch diese Orgeltabulatur überliefert. Dies gilt z. B. auch für die 20 Fugen des aus Lüttich stammenden Stuttgarter Hof-Organisten Simon Lohet.

Die Woltz’sche Orgeltabulatur ist Teil des Heilbronner Musikschatzes, der im Heilbronner Stadtarchiv aufbewahrt wird. Aus ihm wird u.a. auch das „Premier livre de danseries“ gezeigt. Dieses 1571 in Löwen und Antwerpen gedruckte „Löwener Tanzbuch“ ist nur noch in der Heilbronner Musiksammlung erhalten. Der Herausgeber Pierre Phalèse hat darin neue und ältere Tänze zusammengetragen, die die vielfältige Tanzkunst der Renaissance belegen.

Ein weiteres – handschriftliches – Unikat ist die fünfstimmige Motette „Si bona suscepimus“ von Georg Ostermayer. Der aus Kronstadt in Siebenbürgen stammende Dichter und Komponist Ostermayer war von 1567 bis zu seinem Tod 1572 Organist an der Heilbronner Kilianskirche sowie Musiklehrer an der Lateinschule.

Fritz Werner war der andere Namensgeber der Ausstellung. Er hat nicht nur komponiert – sein Werk umfasst 60 Opuszahlen –, sondern er hat zusammen mit seinem Heinrich-Schütz-Chor als „musikalischer Botschafter“ Heilbronns gewirkt. 1966 hat Fritz Werner seinen musikalischen Nachlass dem Stadtarchiv Heilbronn übergeben.

Einen weiteren musikalischer (Teil-)Nachlass hat das Stadtarchiv im Jahr 2000 übernommen: Er stammt von dem Heilbronner Komponisten und Chorleiter Robert Edler, an den die Ausstellung ebenfalls erinnert.

Zu sehen waren auch Dokumente und Kompositionen von Johann Amon und Christian Heinrich Kunze, die beide in den Jahrzehnten vor und nach 1800 in Heilbronn gewirkt haben. Die Ausstellung erinnerte auch an Philipp Heinrich Boßler und Friedrich August Weber, an Karl Eulenstein und Wilhelm Hahn sowie an den Liedkomponisten Ernst Friedrich Kauffmann, der ab 1840 zehn Jahre lang in Heilbronn lebte.

Komponiert haben auch die beiden Violinvirtuosen Ernst Maschek und Hugo Heermann sowie Rio Gebhardt, der seine musikalische Laufbahn als dirigierendes „Wunderkind“ begonnen hatte.

Einige Hörbeispiele machten die „Musik aus Heilbronn“ auch akustisch nachvollziehbar.

Neben Exponaten aus den eigenen Beständen des Stadtarchivs waren auch einige äußerst seltene Notendrucke zu sehen, die als Leihgaben zur Verfügung gestellt wurden. Dazu zählte die Komposition „Charakteristische Clavierstücke“, die Gottlieb Christian Füger um 1783 in Tübingen komponiert hat (Leihgabe der Pfälzischen Landesbibliothek Speyer).

Passend zum Heilbronner Käthchenjahr war auch die zwischen 1840 und 1860 entstandene „Käthchenoper“ von Wilhelm Kühner zu sehen; ferner der „Fest-Marsch zur Erinnerung an den Einzugs-Tag Ihrer königlich-kaiserlichen Hoheiten Carl und Olga in die Stadt Heilbronn“, den der Heilbronner Musiker und Komponist Andreas Springer schuf (Leihgaben der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart). Als weitere Kostbarkeiten zeigte die Ausstellung die beiden Kompositionen „Maienzeit“ und „Galan Tod“ des langjährigen Kapellmeisters am Heilbronner Stadttheater Philipp Rypinski (Leihgaben der Bayerischen Staatsbibliothek München).

Die Ausstellung wurde durch Künstlerfotos aus dem Nachlass von Ottmar Schäffler ergänzt. Aus der Fülle der Aufnahmen, die der Heilbronner freie Pressefotograf mit dem Schwerpunkt „Kultur“ gemacht hat, zeigte das Stadtarchiv eine kleine Auswahl von berühmten Musikschaffenden, die in den Jahren 1953 bis 1974 in Heilbronn gastiert haben.

 
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