Migration und Einwohnerentwicklung

Einwohnerzahl im Mittelalter
Um 1400 wird die Einwohnerzahl auf etwa 5500 geschätzt. Das ist - mit einigen Vorbehalten - die älteste, einigermaßen abgesicherte Zahl, da ab 1387 in Heilbronn erste lückenhafte Steuerbücher vorliegen.

Aus den dort gemachten Angaben kann aufgrund der Zahl der Steuerbürger auf die Gesamtzahl geschlossen werden. Die dahinter stehenden Berechnungen sind allerdings sehr komplex und beruhen auf einer Vielzahl kaum zu verifizierender Annahmen.

Möchte man zeitlich noch weiter zurückgehen - etwa in die Zeit um 1300 - so sind weitere Entwicklungen einzubeziehen: Während des 14. Jahrhunderts gab es etliche Umbrüche in der Stadt - etwa die um 1330/1350 erfolgte Erweiterung um das "Obere Viertel" an der Nikolaikirche und die Umsiedlung der Einwohner des Dorfes Böckingen (gelegen am Trappensee) in die Stadt - ein Einwohnerzuwachs von sicherlich einigen hundert Menschen.

Andererseits war Heilbronn in den Städtekrieg verwickelt, und 1388 wird die Stadt erstmals von der Pest erfasst - die Chronik spricht von 1600 Toten!

Um 1300 werden es eher weniger Einwohner gewesen sein als 1400, vielleicht unter 4000, aber wir haben definitiv keine wirklichen Anhaltspunkte. Und: Wir dürfen wegen der geringen Zahl die Stadt nicht mit einer heutigen Vorortwohngemeinde mit gleicher Einwohnerzahl vergleichen - die Städte waren so etwas wie Leuchttürme in einem insgesamt viel dünner besiedelten Land!

Im 19. Jahrhundert
Nach einer ersten Auswanderungsbewegung der Jahre um 1816/17 strömten mit der einsetzenden Industrialisierung zunächst Menschen aus dem noch ländlich geprägten Umland in die Stadt und ihre Vororte; zwischen 1818 und 1871 wuchs die Einwohnerzahl von Heilbronn von 6700 auf 19.000; der damalige Vorort Böckingen erlebte gar zwischen 1861 und 1914 eine Versiebenfachung seiner Bevölkerung (von 1890 auf 13.000 Einwohner).

Bis Ende des Zweiten Weltkriegs
Gewachsene konfessionelle und soziale Strukturen – Heilbronn war seit der Reformation protestantisch geprägte Stadt – wurden schon in dieser Zeit radikal verändert und schufen vielfältige Konfliktpotentiale. So wuchs auch die jüdische Gemeinde in Heilbronn zwischen 1858 und 1933 von 65 auf 790 Mitglieder; ihre Verfolgung, Vertreibung und Ermordung gehört zu den dunklen Seiten der Stadtgeschichte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Heilbronner Bevölkerung von den Folgen des Luftkriegs hart getroffen – allein in der Nacht des 4. Dezember 1944 starben in der historischen Altstadt mehr als 6500 Menschen im Inferno eines Fliegerangriffs durch die britische Luftwaffe, unter ihnen viele Angehörige alt in Heilbronn ansässiger Familien.

Nach dem Ende des Krieges strömten Flüchtlinge und Heimatvertriebene in die Stadt – 1955 wird ihr Anteil an der Heilbronner Bevölkerung auf mehr als 15 % geschätzt; zu ihnen kamen in den folgenden Jahrzehnten Flüchtlinge aus der DDR und Spätaussiedler aus Ost- und Südosteuropa und seit Beginn des Wirtschaftswunders der fünfziger Jahre zunehmend Gastarbeiter – ihre Zahl wuchs von 700 im Jahr 1956 auf 16.000 im Jahr 1970.

Die letzten 30 Jahre
Gravierende Veränderungen erfuhr die Bevölkerung der Stadt schließlich durch den Prozess der Eingemeindungen – zwischen 1933 und 1974 wurden acht ehemals selbständige Gemeinden in das Stadtgebiet eingegliedert, beginnend 1933 mit der Stadtgemeinde Böckingen (damals über 12.000, heute etwa 22.000 Einwohner). 1938 kamen Neckargartach (heute etwa 10.000 Einwohner) und Sontheim (heute 11.000 Einwohner) dazu.

Mit der Eingliederung der Gemeinde Klingenberg 1970 erreichte Heilbronn die Großstadtgrenze von 100.000 Einwohnern; bis 1974 kamen noch Kirchhausen, Biberach, Frankenbach und Horkheim dazu. Jedes dieser Dörfer veränderte auch die Zusammensetzung der Heilbronner Bevölkerung – Sontheim und Kirchhausen etwa waren als Dörfer des Deutschen Ordens stark katholisch geprägt, Böckingen und Neckargartach hatten als Arbeiterwohnvororte eine andere Sozialstruktur als die Kernstadt.

Die herausragenden Entwicklungen der beiden letzten Jahrzehnte waren schließlich der Zuzug von Spätaussiedlern v.a. aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion sowie bis Mitte der 90er Jahre eine Erhöhung des Anteils ausländischer Mitbürger – er liegt seit 1995 konstant bei etwa 20 %. Heute leben im Stadtkreis Heilbronn über 120.000 Menschen.

 
 
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