Der Heilbronner Katechismus von 1528

Der sogenannte „Heilbronner Katechismus“ von Kaspar Gräter ist vermutlich der zweitälteste evangelische Katechismus in Deutschland – älter ist wohl nur der Schwäbisch Haller Katechismus von Johannes Brenz – und ein bedeutendes Dokument zur Heilbronner Reformationsgeschichte. Das Buch belegt, wie ernst es der Stadt und dem Bürgermeister Hans Riesser mit der Durchsetzung der Reformation war.

Der Katechismus kann zudem als reformatorisches Signal nach außen verstanden werden, denn an sich hätte es auch genügt, den Inhalt in einigen Abschriften zu vervielfältigen. So aber erschien das Glaubensbekenntnis im August 1528 im Druck, mit der ausdrücklichen Widmung an den „fürsichtigen und weisen“ Herrn Bürgermeister Hans Riesser. Dieser hatte erst kurz zuvor – im Juni 1528 – anstelle des altgläubigen Konrad Erer sein Amt angetreten; ohne seine politische Unterstützung hätte die Reformation in Heilbronn kaum so schnell eingeführt werden können.

Der Autor des Katechismus war Kaspar Gräter. Er wurde 1501 in Gundelsheim geboren und war seit 1527 Rektor der Heilbronner Lateinschule. Die Anregung, einen Katechismus nach der neuen evangelischen Lehre zu verfassen, ging – laut Gräters Vorwort – auf Johann Lachmann zurück. Abgesehen von dessen Einfluss dienten wohl zwei Werke Martin Luthers als weitere Quelle: das „Betbüchlein“ und die „Deutsche Messe“. Mit seinen 162 Fragen und Antworten gilt der Heilbronner Katechismus von 1528 als einer der umfangreichsten seiner Art in Deutschland.

Kaspar Gräter war allerdings bald nicht mehr ganz zufrieden mit seinem Werk. Wahrscheinlich hatten ihm die Erfahrungen aus der Praxis gezeigt, dass der Katechismus zu umfangreich geraten war und manche Fragen für Kinder zu anspruchsvoll. Auf jeden Fall nennt Gräter diese beiden Gründe dafür, warum er schon zwei Jahre später eine zweite Auflage herausbrachte, die wesentlich überarbeitet und kürzer war. Er betonte jedoch auch, dass die erste Ausgabe seines Katechismus trotz aller Mängel „nicht nur in der Kirche, sondern für die ganze Gemeinde segensreich“ gewirkt habe.

Dies lag vielleicht auch an dem beigefügten „Anstandsbüchlein“ – sofern sich die Kinder Heilbronns an die empfohlenen Verhaltensregeln gehalten haben. Diese Anweisungen „Wie ain Christenlich kind leben soll“ sind vor allem auch ein Hinweis darauf, dass mit dem Katechismus nicht nur reformatorisches Gedankengut vermittelt werden sollte. Sie signalisieren auch den Beginn der Bemühungen von protestantischer Seite, die durch die Schule zu vermittelnde Bildung umfassend zu verbessern.

 
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