Ernst Jäckh (1875-1959)

1902 wurde der erst 27-jährige Ernst Jäckh von Verleger Viktor Kraemer zum Chefredakteur der Heilbronner Neckar-Zeitung berufen. Unter Jäckh wurde die Zeitung zum Vorbild für eine engagierte Berichterstattung. Sie verstand sich als "parteifrei", trat aber für nationalsoziale und liberal-demokratische Ziele ein.

Die Erwachsenenbildung lag Jäckh besonders am Herzen. So war seine Gründung der Deutschen Hochschule für Politik 1920 in Berlin, an der auch Theodor Heuss bis 1933 lehrte, zunächst ebenfalls der "Volksbildung" verpflichtet. Bereits 1912 war Jäckh als Geschäftsführer des Deutschen Werkbundes in die Hauptstadt übergesiedelt.

1933 emigrierte er nach London, wo er am New Commonwealth Institute arbeitete; 1940 ging er nach New York. Dort war er maßgeblich an der Einrichtung des Near and Middle East Institute der Columbia University beteiligt.

Als Jäckh 1959 starb, wurde er als "Brückenbauer zwischen den Nationen" und als Mahner für Demokratie und Menschenrechte gewürdigt; heute werden Leben und Werk des "liberalen Imperialisten" zunehmend kritisch betrachtet und bewertet.

1908, auf einer Ferienreise, begann Ernst Jäckhs lebenslanges Interesse und Engagement für die Türkei und später für den nahen und mittleren Osten. Heute wird sein Einsatz für die Jungtürken-Bewegung kritisch beurteilt. Damals wurde die Neckar-Zeitung zum Sprachrohr der deutsch-türkischen Verständigung.

Einer der Höhepunkte war die von Jäckh organisierte Reise durch Deutschland, die auch in Heilbronn, der Heimatstadt von "Jäckh Pascha", Station machte.

 
 
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