Der letzte Heilbronner Hexenprozess 1694/95

Im Jahr 1694 wurde mit der Witwe Anna Maria Weigand (Weigant / Weygand / Weygandt / Weingand) zum letzten Mal in Heilbronn eine Frau als Hexe verdächtigt. Die Akten des Falls hat Emma Weingand vor dem Krieg im städtischen Archiv abgeschrieben und so vor der Zerstörung beim Luftangriff 1944 gerettet. Lediglich die Ratsprotokolle mit kurzen Einträgen über den Fall blieben im Original erhalten.

Der Hexenprozess (der streng genommen keiner war) nahm seinen Ausgang in der nordwestlichen Altstadt zwischen Lammgasse, Turmstraße, Unterer Neckarstraße und Lohtorstraße, wo der Stadtfischer Winter wohnte. Seine 12-jährige Tochter wurde von der „bösen“ Stiefmutter öfters als „Hexe“ beschimpft. Das Kind steigerte sich dann selbst in die Wahnvorstellung hinein, es würde nachts von einer Frau aus der Nachbarschaft, eben der Witwe Anna Maria Weingand, geholt und flöge dann mit ihr auf einer Gabel reitend durch die Luft zu einem auswärtigen Ort und durch den Schornstein in ein Haus. Dort träfen sich zwölf Weibsleute mit einem schwarzen Mann in grünem Rock mit Federbusch auf dem Kopf und Geißfüßen.

Ein bei der Weingandin in Quartier wohnender Soldat sollte angeblich auch geheimnisvolle Beobachtungen gemacht haben und herumerzählen. Als dem Rat dies Ende 1694 zu Ohren kam, wurde eine genaue Untersuchung mit zahlreichen Zeugenverhören eingeleitet. Der Stadtsyndicus Wolfram kam aber in ausführlicher juristischer Würdigung zu dem Schluss, dass die Anschuldigungen nicht ausreichend seien, um die Verhaftung und Folterung der Weingandin zu rechtfertigen. Der plötzliche Tod eines ihrer drei Kinder verursachte dann noch einmal Gerüchte und Verdächtigungen, letztlich wurde sie aber nicht behelligt.

Nach neuen Forschungen von Klaus Fischer starb sie ein Jahr später eines natürlichen Todes.

 
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