Heilbronner - Schwaben, Franken, Ausländer ...

"Da die meisten Bewohner des ganzen Oberamts Heilbronn dem fränkischen Stamme angehören, so sind sie redseliger und lebhafter als die Schwaben. (...) Der Heilbronner ist fleißig und unternehmend und wagt eher, als daß er die Hände in den Schooß legt; er ist gefällig gegen Fremde, hat etwas feinere Formen im Umgange, ist höflicher, wird aber vielleicht vom Schwaben an innerer Herzlichkeit übertroffen; [...]"
(Aus der „Beschreibung des Oberamts Heilbronn“, 1865)

Schon vor 150 Jahren wurde darüber diskutiert, ob die Heilbronner Schwaben oder Franken sind – im frühen Mittelalter war das Unterland zunächst von den germanischen Alamannen, seit dem 6. Jahrhundert n.Chr. dann von den Franken besiedelt worden; die Nordgrenze des späteren alamannisch-schwäbischen Herzogtums verlief etwa 20 km südlich von Heilbronn, das dennoch in der frühen Neuzeit zum "Schwäbischen Reichskreis" zählte.

Nach der Eingliederung der Reichsstadt in das Königreich Württemberg 1803 verstärkten sich die schwäbischen Einflüsse – gerade auch in der Mundart, die von der Wissenschaft allerdings zum Südfränkischen gerechnet wird.

Bis heute erlebte die Stadt wie überall in Deutschland vielfältige Wanderungsbewegungen, die diese landsmannschaftlichen Charakterzüge überdeckt haben. Nach dem Ende des Krieges strömten Flüchtlinge und Heimatvertriebene in die Stadt – 1955 wird ihr Anteil an der Heilbronner Bevölkerung auf mehr als 15 Prozent geschätzt; zu ihnen kamen in den folgenden Jahrzehnten Flüchtlinge aus der DDR und Spätaussiedler aus Ost- und Südosteuropa. Seit Beginn des Wirtschaftswunders in den fünfziger Jahren kamen zunehmend auch Gastarbeiter. Ihre Zahl wuchs von 700 im Jahr 1956 auf 16.000 im Jahr 1970.

Schließlich veränderten die Eingemeindungen die Bevölkerung der Stadt – zwischen 1933 und 1974 wurden acht ehemals selbstständige Gemeinden in das Stadtgebiet eingegliedert: 1933 die Stadtgemeinde Böckingen, 1938 Neckargartach und Sontheim, 1970 Klingenberg, 1974 Kirchhausen, Biberach, Frankenbach und Horkheim. Jedes dieser Dörfer veränderte auch die Zusammensetzung der Heilbronner Bevölkerung. Sontheim und Kirchhausen etwa waren als Dörfer des Deutschen Ordens stark katholisch geprägt, Böckingen und Neckargartach hatten als Arbeiterwohnvororte eine andere Sozialstruktur als die Kernstadt.

Die herausragenden Entwicklungen der letzten Jahrzehnte waren schließlich der Zuzug von Spätaussiedlern vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion sowie bis Mitte der 1990er Jahre die Erhöhung des Anteils ausländischer Mitbürgerinnen und Mitbürger. Heute leben im Stadtkreis Heilbronn etwa 122.000 Menschen, etwa 46 Prozent davon haben eine Zuwanderungsgeschichte.

Es lassen sich längst keine eindeutigen Charaktermerkmale der „typischen“ Heilbronner mehr feststellen – zu groß waren die Umwälzungen; dennoch fühlen sich inzwischen viele der hier lebenden Menschen unterschiedlichster Herkunft und Tradition als Heilbronner.

 
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