Hauptfriedhof („Neuer Friedhof“) an der Wollhausstraße

Der Platz auf dem heutigen alten Friedhof an der Weinsberger Straße reichte in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht mehr aus. Aus den Ratsprotokollen ergibt sich für die Neuplanung im wesentlichen folgender Ablauf:

Am 23. August 1877 begründete die „Kirchhof-Commission“, warum die Anlage eines neuen Kirchhofs notwendig sei. Als Platz sollte wegen der vorherrschenden Süd- und Westwinde nur der Norden oder Osten der Stadt in Frage kommen. Die Kommission schlug ein Gelände „auf der Bühn“ vor, das schon beim Entwurf des Stadtbauplans ins Auge gefasst worden war. Zur Verwirklichung waren größere Grunderwerbungen nötig, darunter zwei Parzellen vom Württembergischen Staat für 35.000 Mark.

Ende Februar 1880 wurde der Bericht eines Preisgerichts im Gemeinderat bekannt gegeben; aus zwölf eingereichten Entwürfen wurden zwei Preisträger vorgeschlagen. Nachdem bekannt wurde, dass auch der Sohn eines Preisrichters – Garteninspektor Wagner aus Stuttgart – einen Plan eingereicht hatte, wurde Wagner durch Bezirksbauinspektor Rümelin ersetzt.

Anfang August 1880 wurde dann das neue Urteil des Preisgerichts bekannt gegeben: Den I. Preis erhielt Robert Wagner, Landschaftsgärtner aus Stuttgart (und Sohn des entlassenen Preisrichters), den II. Preis Architekt W. Hamann aus Heilbronn.

Anfang Dezember 1880 stimmten die Bürgerlichen Kollegien nach einigen Ergänzungen der Detailplanung zu. Die Anlagekosten betrugen nach Voranschlag 14.600 Mark (ohne die Hochbauten). Für den Grunderwerb wurden fast 50.000 Mark aufgewendet.

Im Januar 1881 erhielt Stadtgeometer Hagenmeyer den Auftrag, die geometrischen Vorarbeiten für die Zufahrtsstraße und die Wege zu beginnen. Im August 1881 wurde für den Herbst der Baumsatz und für das Frühjahr des kommenden Jahres die Pflanzung der Anlagen und immergrünen Gewächse beschlossen. Am 16. November 1882 wurde die Eröffnung des Friedhofs auf 1. Dezember 1882 festgelegt.

Schon am 3. Dezember 1882 fand die erste Beerdigung statt: In einem Reihengrab wurde der 19-jährige Graveur Johann Martin Schweikert, der am 1. Dezember gestorben war, bestattet. Die erste Bestattung in einem Familiengrab fand am 8. Dezember 1882 für den Landgerichtspräsidenten und Reichstagsabgeordneten Gottlieb Karl von Huber statt.

 

Der Friedhof an der Weinsberger Straße wurde nun zum „Alten Friedhof“, der inzwischen Natur- und Kulturdenkmal ist. Der neue Friedhof wird manchmal auch nach dem Flurnamen „am Lerchenberg“ bezeichnet.

 
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