Gottlieb Christian Füger (1749-1789/90?)

Gottlieb Christian Füger kam 1749 in Heilbronn zur Welt. Sein Vater Josef Gabriel (geb. 1715) entstammte einer Hutmacherfamilie, er hatte in Halle Theologie studiert und am dortigen Franckeschen Waisenhaus „sich in der Kunst zu unterrichten geübt“ (so im Totenbucheintrag 1793). Er wird als ernster, strenger Mann geschildert, bei dem wohl eine Neigung zum Pietismus vorhanden war. 1743 wurde er Pfarrer in Frankenbach, wo er von seiner Gemeinde des Separatismus verdächtigt wurde, ab 1747 wirkte er als Pfarrer in Heilbronn, zunächst als Hospitalprediger, dann stieg er schrittweise bis an die Spitze der Heilbronner Geistlichkeit auf.

Seit 1748 war Josef Gabriel Füger in zweiter Ehe mit der Heilbronner Kaufmannstochter Katharina Elisabeth Assum (1728 – 1777) verheiratet. Als Gottlieb Christian am 3. Juli 1749 geboren wurde, war bereits der sechsjährige Halbbruder Johann Friedrich da, der Theologe wurde und früh verstarb. Am 8. Dezember 1751 kam Heinrich Friedrich zur Welt; das Brüderchen Ernst Christian war zu Beginn des Jahres 1751 im Alter von wenigen Wochen gestorben.

Die drei Fügerkinder besuchten das Heilbronner Gymnasium, das seit 1760 von Johann Rudolf Schlegel geleitet wurde. Der vielseitig gebildete, damals noch junge Lehrer galt als hervorragender Pädagoge (er war ein früher Anhänger Basedows), der seine Schüler vor allem für die klassischen Sprachen und für Geschichte zu begeistern wusste. Außerdem hielt er es für wichtig, dass sie „durch den Umgang mit gebildeten Frauenzimmern“ gutes Benehmen, sicheres Auftreten und „feinen Tact“ erwarben, und einige seiner Schützlinge werden sich später auf dem gesellschaftlichen Parkett hervorragend bewähren.

 

Ab 1767 studierte Gottlieb Christian Füger Theologie in Halle, und vermutlich gab das den Ausschlag, dass sein Bruder Heinrich Friedrich im April 1768 ebenfalls nach Halle ging. Gottlieb Christian wechselte vom Studium der Theologie zu dem der Chemie und Physik. Wir finden ihn in Leipzig und Dresden, Orten, „wo die Tonkunst blühte“, und wo er sein Klavierspiel weiter ausbilden konnte. Durch das Lesen „guter theoretischer Werke und eigene Anstrengung“ machte er sich mit der Tonsetzkunst vertraut. 1783 veröffentlichte er in Winterthur „Zwölf charakteristische Klavierstücke“, die 1798 noch einmal in Tübingen erschienen. Christian Friedrich Daniel Schubart, der nach seiner Ausweisung aus Ludwigsburg im Sommer 1773 für einige Wochen in Heilbronn gewohnt hatte, bescheinigte Gottlieb Christian Füger „alle Anlagen zu einem starken, kühnen Flügelspieler ...; nur ist seine Faust zu schwerfällig und legt nie den Flug über die Tasten ohne Anstoß zurück“.

1783/84 lebte Gottlieb Christian Füger als Privatgelehrter in Tübingen, dann geriet er in Gant (Konkurs). Während seine Ehefrau mit den Kindern Anfang 1785 nach Ludwigsburg ging, heißt es über ihn selbst, dass er in Augsburg versuche, für eine „Zitzfabrik“ einen neuen Farbstoff zu entwerfen. Der musikalischen Real-Zeitung vom Dezember 1789 galt er als verschollen, und auch Gerber konnte in seinem Lexikon von 1812 nur vermuten, dass er sich bei seinem Bruder in Wien aufhalten könnte. 1784 hatte Gottlieb Christian in Otto Heinrich von Gemmingens Wiener „Magazin für Wissenschaften und Literatur“ den Aufsatz „Über Naturgeschichte und Chemie in Rücksicht auf Handelsleute, Fabrikanten, Künstler und Handwerker“ veröffentlicht. Nach dem Sterbeeintrag des Vaters Josef Gabriel vom 10. März 1793 allerdings war Gottlieb Christian bereits seit einigen Jahren tot – aber vielleicht war er nur für die Heilbronner „gestorben“?

Ein Alchemist und Rosenkreuzer?

1778 hatte Gottlieb Christian Füger in Heilbronn auf dem Hefenweiler ein „Laboratorium“ eingerichtet, um Erze für seine „bekanntlich künstliche Kobolt-Komposition“ zu bearbeiten und sich in der „Farb- und Silberlaborirung“ zu versuchen. Spätestens als die Hütte durch ein Hochwasser im Oktober 1778 zerstört wurde, entstand das Gerücht, Gottlieb Christian sei ein Alchmist. Und bei dem Versuch, Gold herzustellen, habe er das Vermögen seiner Frau und Gelder „seiner Anverwandten“ durchgebracht.

Dieser Vorwurf kam 1789 wieder hoch, als in Stuttgart anonym ein Buch herauskam, das einiges Aufsehen erregte. Der Verfasser, es handelte sich um den Nagolder Lehrer Johann Wolfgang Melchinger, behauptete darin, Gottlieb Christian Füger wäre „ein Betrüger erster Klasse“. Er habe 1783/84 in Tübingen im Namen und als „Abgeordneter des hohen Ordens der Rosenkreuzer“ eine Gesellschaft gegründet, die nur dazu dienen sollte, ihm durch die Aufnahmegebühren Geld zu verschaffen.

In Heilbronn war man empört! Nicht nur wegen der gegen Gottlieb Christian Füger erhobenen Vorwürfe – schließlich bekannte sich dieser offen dazu, ein Rosenkreuzer zu sein – sondern auch, weil dessen Vater als höchster Geistlicher der Stadt und der mittlerweile prominente Bruder in Wien in Verruf kamen. Außerdem befürchtete man, dass auf alle „Heilbronnische Gelehrte und ihre Beschäfftigungen“ nun ein schlechtes Licht fiele. Der Heilbronner Arzt und Schriftsteller Friedrich August Weber sah sich zu einer heftigen Erwiderung im „Journal von und für Deutschland“ (1789, Nr. 10) veranlasst. Er betonte, weder die Familie Füger, noch sonst ein Heilbronner habe zu Gottlieb Christians Hang zur Alchemie und dem „tadelhaften Gedanken ... der Rosenkreuzerey“ beigetragen oder dies auch nur gebilligt. Und überhaupt sei Füger seit „bald zwanzig Jahren von Heilbronn gänzlich entfernt“ und hätte schon seit langem zu keinem Heilbronner eine „litterarische Verbindung“. Tatsächlich standen jedoch um 1775 nicht alle in Heilbronn der Geheimbündelei, der Alchemie und „Schatzgräberei“ so ablehnend gegenüber, wie man das knapp 15 Jahre später wahrhaben wollte. Der langjährige Aufenthalt des Prinzen Ludwig Karl von Hessen-Darmstadt in Heilbronn ist dafür ein Indiz.

Fast alle Biographen der Kunstmalers und Akademiedirektors Heinrich Friedrich Fügers betonen sein herzliches Verhältnis zu seinem älteren Bruder Gottlieb Christian. Mehr ist jedoch nicht zu erfahren, vor allem nichts darüber, ob Heinrich Friedrich Füger auch in späteren Jahren zu dem Bruder hielt.

 
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