Der zweite jüdische Friedhof

Vor dem heute noch bestehenden jüdischen Friedhof im Breitenloch gab es in Heilbronn zwei mittelalterliche Anlagen: Der erste lag im Bereich des späteren Kieselmarkts am Rathaus.

Der zweite jüdische Friedhof wurde 1415 angelegt. Er lässt sich im Gebiet auf dem linken Neckarufer vor dem ehemaligen Brückentor lokalisieren. Der Friedhof hatte eine Größe von etwa 18 x 49 Metern.

1469 mussten die Heilbronner Juden die Stadt verlassen; vermutlich endete damit auch die Belegung des zweiten jüdischen Friedhofs. 1525 wird er zum letzten Mal erwähnt.

 

Nach ausgiebiger Untersuchung der Schrift- und Bildquellen ist eine exakte Lokalisierung des zweiten jüdischen Friedhofs innerhalb des möglichen Areals vor dem ehemaligen Brückentor – das sich mehrere 100 Meter nach Norden, Westen und Süden erstrecken kann – unmöglich.

Auch der Fund eines jüdischen Grabsteins beim Bau des Winterhafens 1855 lässt eine Lokalisierung nicht zu: Der Stein stammte vom ersten Friedhof am Kieselmarkt und war im 16. Jahrhundert für den Ausbau der Schießanlagen bei der Wasenmühle verwendet worden.

Im Gebiet auf dem linken Neckarufer nördlich der heutigen Bahnhofstraße und westlich des Neckars gab es in den letzten 500 Jahren vielfach große Erdbewegungen, vom Bau des Schießhauses und der Anlage der Schießwiese über die Aufschüttung von Bastionen und Erdwerken bis hin zum Bau des Wilhelmskanals und der Bahnanlagen.

1554

Die älteste bekannte Ansicht von Heilbronn enthält keine Hinweise auf den 1469 aufgelassenen jüdischen Friedhof. Die Ansicht wurde jedoch aus Anlass eines wasserrechtlichen Streites angefertigt und legt den Schwerpunkt deshalb auf detaillierte Wiedergabe der Wasserläufe und der Mühlen.

1597

Die aus Anlass eines Streites um Weiderechte am Neckar angefertigte Handskizze zeigt vor dem Kran und der Wasenmühle die „Schieß Wießen“ mit einer schematisierten Zielscheibe, daneben jedoch auch zwei umzäunte Areale in etwas Abstand zum damaligen Verlauf des Neckars.

um 1600

Die Zeichnung zeigt erstmals westlich der Wasenmühle zwei weitere Gebäude, die wohl im Zusammenhang mit der Schießanlage stehen; oben rechts wiederum die Zielscheibe und die Beschriftung „Schieß wießen“. Das westlich an die Straße zur Brücke anschließende umzäunte Areal ist als „L. Hans Wolf garten“ bezeichnet.

Das Symbol eines Doppelkreuzes könnte womöglich ein Hinweis auf einen Friedhof sein, wenngleich dann dessen jüdische Geschichte schon vergessen gewesen sein müsste.

Wahrscheinlicher ist eine Deutung des Zeichens als Hinweis auf den Zimmerplatz, der im 17. Jahrhundert auf allen Abbildungen an dieser Stelle zu sehen ist.

1617

Das ummauerte Areal westlich der Wasenmühle wird im Archäologischen Stadtkataster als möglicher Hinweis auf den aufgelassenen Friedhof interpretiert. In der heutigen Topographie wäre dieser dann jedoch eher westlich der Kranenstraße im Bereich des Wilhelmskanals zu suchen. Wahrscheinlicher ist die Deutung des Areals als einer der Gärten.

1643

Merian zeigt westlich der Wasenmühle eine barocke Befestigungsanlage, die im Verlauf des 30-jährigen Krieges nach 1632 angelegt wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt werden die letzten Reste des jüdischen Friedhofes beseitigt worden sein.

1658

Auch die Ansicht von Schlehenried zeigt die neuen Befestigungsanlagen im Westen der Stadt; es gibt keinerlei Hinweis auf den jüdischen Friedhof, was auch für die Ansichten des 18. Jahrhunderts gilt.

um 1860

Für den Bau der Bahnanlagen wurde unter anderem der Gasthof zum Hirsch abgerissen, in dessen Nähe – westlich davon – der Archäologische Stadtkataster den aufgelassenen jüdischen Friedhof lokalisiert.

1855 wurde beim Bau des Hafens ein jüdischer Grabstein gefunden – es handelt sich dabei um den Winterhafen im Nordwesten der damaligen Bahnanlagen. Der Grabstein stammte vom Friedhof am Kieselmarkt und war mit anderen 1595 an der Schießwiese weiterverwendet worden.

 
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