Uta von Calw und der Hirsauer Codex

Aus einer Schenkungsurkunde der Uta von Calw an das Kloster Hirsau geht hervor, dass in Heilbronn schon Ende des 11. Jahrhunderts ein Markt, ein Hafen sowie Weinberge am Nordberg (Wartberg) existierten. Der Ort besaß auch die Münzgerechtigkeit.

Bis um das Jahr 1000 n. Chr. hatte sich Heilbronn wesentlich unter dem Einfluss des jeweiligen Königs befunden. Doch dann begann die Auflösung des Königsgutes, wobei der Bischof von Würzburg, die Grafen von Calw und später die Herren von Dürn zunehmend Bedeutung erlangten.

Aus dem Calwer Familiengut verfügte Uta (die ältere) in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts eine umfangreiche Schenkung von Gütern im Heilbronner Raum an das Benediktinerkloster Hirsau. Diese Schenkung wurde jedoch erst 1146 auf Initiative von Uta, der Nichte der älteren Uta, tatsächlich vollzogen, worüber der Hirsauer Codex berichtet. Er belegt für Heilbronn in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts einen Markt, eine Münze und eine Schiffsanlände. Darüber hinaus enthält diese Quelle den frühesten Nachweis für den Weinbau in Heilbronn.

Der Text im Hirsauer Kodex
 

Lateinisch Deutsch
heilprunnen Heilbronn
Domna Uta, soror Gotofridi palatini comitis, Die edle Frau Uta, Schwester des Pfalzgrafen Gottfried,
predium suum ad Heilprunnen, quod ei paterna traditione traditum est, hat ihr Gut in Heilbronn, das ihr als väterliches Erbe übergeben worden war,
ex integro sanctis apostolis Petro et Paulo pro remedio anime sue donavit. als Ganzes den heiligen Aposteln Peter und Paul zum Heil ihrer Seele gegeben.
Frater vero eius Gotefridus palatinus comes Ihr Bruder jedoch, der Pfalzgraf Gottfried,
postmodum hoc ipsum predium attraxit et multo tempore iniuste retinuit. bemächtigte sich danach dieses Gutes und hielt es lange Zeit zu Unrecht zurück.
Sed circa finem vite de commisso compunctus Am Ende seines Lebens jedoch, von seiner Schuld geplagt,
in manus domni Wolfframmi de Winsperg prefatum predium tradidit, übergab er das genannte Gut in die Hände des Herrn Wolfram von Weinsberg,
ut, quod ipse diu iam iniuste detinuerat, per eius defensionem Hirsaugiensi ecclesie restitueretur. damit das, was er zu Unrecht zurückgehalten hatte, durch diesen als Vogt der Hirsauer Kirche zurückgegeben werden kann.
Post hanc autem traditionem domnus Welf dux, qui filiam eius in coniugium acceperat, Nach dieser Übertragung jedoch zog Herr Herzog Welf, der mit Gottfrieds Tochter verheiratet war,
quasi hereditario iure idem predium ad se retraxit jenes Gut gewissermaßen als Erbe an sich
et multis diebus retinuit. und hielt es viele Tage zurück.
Cum vero in expeditione Hierosolimitana iam positus esset, Als er sich jedoch zu einem Zug nach Jerusalem bereit gemacht hatte,
premonitus a fideli conjuge sua, nomine Uta, hat er, ermahnt von seiner treuen Gattin namens Uta
et aliis fidelibus Christi pro dei amore et pro remedio anime sue und anderen Getreuen Christi, aus Liebe zu Gott und zum Heil seiner Seele,
apostolis dei et Hirsaugiensi ecclesie restituit dies den Aposteln Gottes und der Hirsauer Kirche zurückgegeben,
cum uxore et filio WeIffone coram multitudine clericorum et Iaicorum, gemeinsam mit seiner Gattin und seinem Sohn Welf vor mehreren Klerikern und Laien,
quos in natali domini congregaverat in loco, qui dicitur Bitingowe. die er zu Weihnachten an einem Ort namens Bitingowe versammelt hatte.
Hec autem sunt, que ab illis donata sunt: Dies aber wurde von jenen gegeben:
salica terra et XVII hube Salland und 17 Huben
et quatuordecim prestationes ad vineas colendas und 14 Frondienste zum Bau von Weinbergen
et prestationem preconis et prestationem bubulci und Einkünfte aus dem Amt des Fronboten und Einkünfte aus dem Amt des Hirten
et dimidium mercatum et dimidiam monetam et portum und die Hälfte des Marktes und die Hälfte der Münzstätte und der Hafen
et villam Hanbach totam et montem, qui dicitur Nortberg, und das ganze Dorf Hanbach und der Berg, der Nordberg genannt wird,
et familiam omnem ad ipsam curtim pertinentem. und das ganze Hausgesinde, das zu jenem Hof gehört.
(Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 14 Bd. 143 Bl. 47r und 48v)  
 
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