(Alt-)Böckingen

Wüstung beim heutigen Trappensee. Der Ort wurde 1037 erstmals erwähnt, bestand jedoch mit Sicherheit schon im frühen Mittelalter (spätmerowingerzeitliche Gräber am Seelesberg). Aufgegeben wurde das Dorf, das ursprünglich Reichsgut war, um 1333, als es mit Zustimmung durch Kaiser Ludwig (der Bayer) von den Grafen von Löwenstein an die Stadt Heilbronn verkauft wurde. Die Bewohner wurden innerhalb der Mauern der Stadt umgesiedelt; für sie entstand das Quartier westlich der um 1350 neu gebauten Nikolaikirche. Schon 1338 war das Dorf ohne Bewohner, als der Bischof von Würzburg beklagte, dass die Kirche des Ortes „Räubern als Schlupfwinkel diene“. Diese Kirche bestand noch 1543, als der Rat beschloss, die Glocken in die Stadt bringen zu lassen. Sie brannte im Jahr 1547 ab.

Ein Rätsel für die Heilbronner Stadtgeschichtsschreibung liefert eine Stelle im erwähnten Bericht des Würzburger Bischofs, wonach die Kirche in (Alt-)Böckingen die „Mutterkirche des Pfarrbezirks und aller Kirchen und Kapellen in der Stadt Heylprunnen“ sei. Ähnlich heißt es in einem Bericht des Heilbronner Rats, verfasst nach 1504, dass ein nahe bei der Stadt im Feld mit Namen Altböckingen gelegenes Kirchlein vor Zeiten Heilbronns alte Pfarre gewesen sei.

Möglicherweise benannte sich ein Niederadelsgeschlecht nach dem Ort; darauf deutet etwa hin, dass am 13. November 1333 Kaiser Ludwig IV. aus Anlass des Verkaufes des Dorfs durch Graf Nicolaus von Löwenstein an die Stadt Heilbronn den Brüdern Albrecht und Hartmann den Bochingern ihre Rechte und Gewohnheiten, die sie in dem genannten Dorfe von alters her gehabt haben, bestätigt. Auch der Flurname Burgmal in unmittelbarer Nähe des Dorfes stützt diese Vermutung.

Rätselhaft ist auch die Namensgleichheit mit dem heutigen Heilbronner Stadtteil Böckingen. Seit Ende des 15. Jahrhunderts wird die Wüstung im Osten in den Heilbronner Akten als „Altböckingen“ bezeichnet. In der Zeit des hohen und späten Mittelalters lautete die Namensform des heutigen Stadtteils westlich des Neckars meist Beckingen, die des östlichen Böckingen dagegen Bockingen. Aber dennoch ist eine Unterscheidung nicht in allen Fällen möglich.

Reste des aufgegebenen Dorfes Böckingen waren noch bis ins 19. Jahrhundert hinein sichtbar. Als Flurnamen haben sich Böckinger, Altböckinger Kopf und Altböckinger Backen erhalten.

 
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