Stolpersteine
Mainhardter Straße 3
Am 1. April 1909 in Reutlingen geboren, war Walter Vielhauer Antifaschist, Widerstandskämpfer, Gewerkschafter sowie Mitglied der KPD und setzte sich nach 1945 für den Wiederaufbau der Gewerkschaften, die Entnazifizierung und den Frieden ein.
Von 1924 bis zu seiner Entlassung 1932 war er als Silberschmied bei der Firma Bruckmann in Heilbronn angestellt. Dort engagierte er sich umfangreich in der Gewerkschaft. 1930 wurde er Mitglied in der KPD. Bis 1933 wirkte er außerdem in der Transportkolonne Otto bei Verbreitung von kommunistischen Flugblättern und Zeitschriften mit, einer Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus um den kommunistischen Journalisten Willi Bohn aus Stuttgart.
Vielhauer wurde im März 1933 verhaftet, kam im Sommer 1933 kurz frei und wurde nach der erneuten Verhaftung bis 1945 in Gefängnissen und Konzentrationslagern eingesperrt, unter anderem im KZ Dachau, im KZ Mauthausen sowie im KZ Buchenwald. In den Konzentrationslagern war er Folter, Isolation, unmenschlicher Behandlung und Hunger ausgesetzt. Bereits im KZ Dachau wirkte er bei der illegalen Häftlingsorganisation mit, wofür er im Sommer 1944 zum Tode verurteilt wurde. Zur Vollstreckung des Todesurteils verlegte ihn die SS ins KZ Buchenwald. Die dortige Widerstandsorganisation konnte ihn verstecken und dem Todesurteil entziehen. Er betreute in Buchenwald das jüdische Kind Jerzy Zweig und es gelang, das Kind vor dem Tod in der Gaskammer zu retten. Am 11. April 1945 beteiligte er sich am Häftlingsaufstand und an der Befreiung des KZ Buchenwald.
Im Juni 1945 setzte ihn die US-Armee als Assistenten des Oberbürgermeisters Emil Beutinger ein. Bis April 1948 war er zuständig für Wohnungsfragen, Wohlfahrtspflege, Evakuierte, Vertriebene und Flüchtlinge. Von Juli 1947 – Juni 1948 war er öffentlicher Ankläger bei der Spruchkammer Heilbronn.
Er war Mitbegründer der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und setzte sich für die Errichtung der KZ-Gedenkstätte in Neckargartach ein.
1947 war Vielhauer Mitbegründer der ÖTV in Heilbronn, der Vorläuferorganisation der Gewerkschaft ver.di, und wurde deren 2. Vorsitzender. Die jährliche Teilnahme an gewerkschaftlichen Veranstaltungen wie dem ersten Mai oder an antifaschistischen Abenden mit jungen Gewerkschaftern war ihm ein besonders großes Anliegen.
Von 1948 bis 1958 war er Mitglied des Heilbronner Gemeinderats für die KPD. 1954 kandidierte er bei der Oberbürgermeisterwahl und trat gegen Paul Meyle an. Nach dem Verbot der KPD engagierte er sich ab 1968 bei der DKP. In den 1980er Jahren setzte er sich gegen die Stationierung von Pershing II-Raketen auf der Waldheide ein und trat als Redner auf Kundgebungen der Friedensbewegung auf.
Walter Vielhauer fand nach dem Verbot der KPD 1956 in Heilbronn keine Arbeit mehr. Der Unternehmer Dr. Walter Bauer aus Heilbronn, CDU, ein Nazigegner, Mitglied der Bekennenden Kirche, kannte Walter Vielhauer und stellte ihn von 1957 bis 1964 als kaufmännischen Angestellten bei seiner Firma Valentin Mehler AG in Fulda ein. 1964 konnte Vielhauer nach Heilbronn zurückkehren und bei der Firma Friedrich Max Haakh arbeiten. Am 19. April 1986 starb Walter Vielhauer in Heilbronn.
Recherchiert von Konrad Wanner, Heilbronn.

