Stolpersteine
Wartbergstraße 50
Am 31. März 1935 wurde Hannah Goldrich (geb. Victor) in der kleinen Stadt Heilbronn als Tochter von Trude und Max Victor zuhause in der Wartbergstraße 50 geboren. Sie wurde zu Hause geboren, weil Juden zu dieser Zeit keine Kinder im Krankenhaus bekommen durften. Ihre drei Jahre ältere Schwester Ursula Victor wurde im örtlichen Krankenhaus geboren. Hannahs Ururgroßvater Salomon Moses Kirchheimer erlangte 1860 zusammen mit einigen wenigen Juden das volle Bürgerrecht in Heilbronn.
Die Brüder Jakob und Sigmund Victor übernahmen Ende der 1880er Jahre eine Gerberei in der Cäcilienstraße. In den Jahren 1909/10 errichteten sie zusammen mit ihrem Vetter Jacob Victor (1870-1918) im Industriegebiet Kleinäulein in der Weipertstraße 40 die Lederfabrik Heilbronn Gebr. Victor. Sie stellten Sohlenleder mit Häuten aus Brasilien, Ost- und Südamerika her. Die Gerberei war mit über 280 Mitarbeitern eine der größten in Deutschland. Die Arbeiter waren wohl vor allem Sozialdemokraten, gewerkschaftlich organisiert und gegen den Nationalsozialismus. Nach der sogenannten „Machtergreifung“ Hitlers 1933 übernahm eine kleine Gruppe von Nazis die Führung des Unternehmens, bis es 1936 verkauft wurde. Nun hieß die Firma „Lederfabrik Hirschberg, vorm. Heinrich Knoch & Co., Werk Heilbronn“. Ab 1939 wurde in der Fabrik Kriegsmaterial für Daimler-Benz produziert, ihre Gebäude 1944 größtenteils bombardiert. Hannahs Großvater Jacob Victor und zwei weitere jüdische Geschäftsleute waren Mitglieder des Heilbronner Rotary Club. 1934 wurden sie zum Austritt gezwungen.
Nach Hannahs Geburt sahen sich Trude und Max Victor gezwungen, über eine Ausreise aus Nazi-Deutschland nachzudenken. Bis Herbst 1938 war die Ausreise für Juden möglich. Der Ausreiseprozess war allerdings kompliziert und erforderte langwierige Prüfungen und den Verzicht auf große Teile des Vermögens. Die Familie Victor zog 1937 nach Holland, dann – kurz bevor die holländische Grenze geschlossen wurde – nach England und als es dort nicht mehr sicher schien, reiste sie am 12. August 1940 auf der SS Orduna nach Kuba. Nach einem relativ kurzen Aufenthalt in Kuba ging es weiter in die Dominikanische Republik, um auf ein US-Visum zu warten. Von dort aus reisten sie in die USA, wo sie sich 1941 in New York niederließen. Während des Krieges blieb der Kontakt zur Stadt Heilbronn vor allem durch die ehemalige Sekretärin des Chefs Clara Wahl stetig bestehen.
Nach dem Krieg besuchte Hannah Goldrich die Stadt Heilbronn im Jahre 1956 auf einer Geschäftsreise und 1985 im Programm der Begegnungswoche der Stadt. Ihr Vater war auf mehreren Geschäftsreisen in Heilbronn gewesen.
Trude Victor starb am 13. September 2006 in Haverford, Pennsylvania.
Max Victor starb am 5. September 1988 in Mount Kisco, New York.
Ursula Santer (geb. Victor) starb am 4. Mai 2003 in Haverford, Pennsylvania.
Hannah Goldrich (geb. Victor) lebt heute mit ihrer Familie in Eugene, Oregon in Amerika, und nimmt heute mit ihrer Familie persönlich an der Stolpersteinverlegung teil.

